Mittwoch, Februar 28, 2024
StartFood StartupsWenn alle behaupten, das funktioniert nie, mach es trotzdem!

Wenn alle behaupten, das funktioniert nie, mach es trotzdem!

Choba Choba, zwei Schokoladenexperten gründen mit 36 Kakaobauern aus Peru erste farmer owned Schokoladenmarke – ein inklusives und nachhaltiges Geschäftsmodell!

Stellen Sie sich und das Unternehmen Choba Choba doch kurz unseren Lesern vor! Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Eric: Christoph und ich haben uns vor rund 15 Jahren in der Schokoladenindustrie kennen gelernt – damals hatten wir Jobs in den Bereichen Beschaffung, Nachhaltigkeit und Kommunikation. Wir hatten beide denselben Treiber – nämlich die Welt ein wenig zu verändern. 

Unsere Jobs ermöglichten es uns, direkt mit landwirtschaftlichen Kooperativen rund um den Globus zu arbeiten, insbesondere im Kakaosektor. 2008 entdeckten wir das Huayabamba-Tal, bezogen Bio-Kakao und entwickelten über die Jahre tiefe Verbindungen zu den lokalen Bauern. 

Mit der Zeit wurde uns klar, dass faire Handelspraktiken und auch Zertifizierungen viel zu wenig für die Bauern ändern – dies haben uns die Bauern auch klar gesagt. So entschieden wir 2015 aus der Industrie auszusteigen und gemeinsam mit 36 Bauernfamilien Choba Choba zu gründen – eine Schokoladenmarke, bei der die Kakaoproduzenten die größten Aktionäre sind und Einsitz in den Verwaltungsrat haben. Sie bestimmen also aktiv mit und setzen die Kakaopreise selbst fest. Schlussendlich geht es uns darum zu zeigen, dass man Schokolade eben auch anders produzieren kann – nämlich so, dass es für Mensch und Umwelt auch aufgeht.

Was war bei der Gründung von Choba Choba die größte Herausforderung?

Christoph:  Die Gründung und der Aufbau von Choba Choba war und ist eine große Herausforderungen. Um ein paar Beispiele zu nennen:

Die Finanzierung ist komplex, da wir nicht nur auf Profit, sondern auch auf sozialen und ökologischen Impact abzielen. Der Aufbau der Marke und der Verkaufskanäle erfordert Kreativität in einem von Großunternehmen dominierten Markt. Die Umstellung der Kakaofarmen auf biologische Agroforstwirtschaft benötigt Überzeugungsarbeit und langfristiges Denken und Handeln. Die interkulturelle Zusammenarbeit mit Kakaobauern im Amazonas erfordert viel Ausbildung, denn eine Firma mit Ihnen aufzubauen benötigt ein gemeinsames Verständnis. Ein umfassendes Qualitätsmanagement von der Pflanze bis zum Endprodukt war ebenfalls eine «Challenge» – dies haben wir heute aber voll im Griff. 

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Eric:  Ja, unbedingt. Man sollte rasch starten, wenn man eine Idee hat – und dann auf dem Weg iterieren und verbessern. Ich kenne keinen Gründer, der perfekt gestartet ist – da verliert man viel zu viel Zeit und steckt Energie in Konzepte, die dann sehr wahrscheinlich doch nicht so funktionieren.  

Welche Vision steckt hinter Choba Choba?

Christoph: Die aktuelle Schokoladenindustrie ist sehr zerstörerisch: die Mehrheit der 6 Millionen Kakaobauern sind in der Armut gefangen, ohne Möglichkeiten oder Perspektiven, sich daraus zu befreien. Zudem verursachen die schlechten landwirtschaftlichen Praktiken Schäden an der Umwelt und Kakao ist eine Hauptursache für die Abholzung des Regenwaldes. 

Mit Choba Choba versuchen wir ein Prototyp zu bauen, bei dem die Schokolade zu einem Motor für positiven Impact auf Menschen und Umwelt wird. Dazu haben wir verschiedene rechtliche Strukturen gegründet, welche alle auf diese Vision hinarbeiten. 

Unsere Schokoladenmarke ist eine Aktiengesellschaft, welche zu einem guten Teil den Kakaobauern sowie den Konsumenten/innen gehört. Das Zentrale dabei ist, dass die Bauern somit ein Mitspracherecht erhalten und quasi im «driver seat» von unserem Projekt sind und wir die Verbindung von Produktion und Konsum herstellen können. Neben der Produktion und Vermarktung von unserer hochwertigen Schokolade tüfteln wir aber auch an vielen anderen Elementen von unserem Prototyp herum – zum Beispiel arbeiten und forschen wir bezüglich biologischer Agroforstwirtschaft, an digitalen «farmer business management tools», an der Erforschung und Erhaltung von alten Kakaosorten oder seit neuestem auch am Schutz von Primärregenwald. Der Großteil von diesen Projekten wird derzeit über unsere Choba Choba Stiftung finanziert und vor Ort umgesetzt.

Wer ist die Zielgruppe von Choba Choba?

Eric:  Wir sprechen zwei Hauptzielgruppen an: Zum einen Schokoladenliebhaber, die hochwertige und sehr nachhaltige Schokolade schätzen. Ihr Kauf trägt konkret zur Verbesserung der Welt bei. Zum anderen professionelle Kunden im Bereich Confiserien, Chocolaterien, Gelaterias, Chefs und Gastronomie (B2B). Diese nutzen unsere Schokolade, um ihre eigenen Desserts, Schokoladen und Gelatis zu fabrizieren. Diese Kunden legen Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit in ihren Produkten und erkennen auch ihren Marktvorteil, wenn sie mit uns zusammen arbeiten.


Eric Garnier und Christoph Inauen (v.l.) Gründer von Choba Choba

Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Schokoladenanbietern?

Christoph:  Unsere Einzigartigkeit entfaltet sich in der Symbiose von höchster Schokoladenqualität, einer persönlichen Verbindung zu den Kakaobauern – inklusive der Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Kunden jährliche Reisen in den Amazonas zu unternehmen – und einem konkreten positiven Impact auf Mensch und Natur. Diese kraftvolle Verbindung setzt uns deutlich von anderen Schokoladenmarken ab.

Choba Choba, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Eric: In fünf Jahren möchten wir an einem Punkt sein, wo unser Prototyp Fuss gefasst hat. Hoffentlich werden einige Elemente davon in der Schokoladenindustrie (und vielleicht auch anderen Industrien) angewendet und repliziert und die Schokolade wird zu einem Motor für Gutes. Zudem möchten wir international weitergewachsen und etabliert sein. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Christoph: Erstens: Wenn alle behaupten, dass etwas niemals funktionieren wird, dann mach es trotzdem. 

Zweitens: „fail fast and small“: Schnelles, häufiges und eher kleines Scheitern kann eine unschätzbar wertvolle Lehrstunde sein. Nutze Misserfolge als Bausteine für die Weiterentwicklung.

Drittens, sei äußerst bewusst bei der Finanzierung deiner Firma. Versteh, wie und mit wem du sie finanzierst. 

Wir bedanken uns bei Eric Garnier und Christoph Inauen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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