ChargeX entwickelt intelligente Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität und ermöglicht Unternehmen sowie Immobilienbetreibern den einfachen, skalierbaren Betrieb von Ladestationen an nahezu jedem Stellplatz
Wie würden Sie ChargeX und das Team dahinter vorstellen?
Bei ChargeX entwickeln, produzieren und betreiben wir Ladestationen für Elektroautos. Geschäftskunden und Immobilienverwalter erhalten bei uns alles von Hardware über die Software bis hin zum Strom aus einer Hand. Unser USP ist, dass wir sehr einfach jeden Stellplatz zu einem Ladeplatz machen können – ohne viele Fachkräfte und selbst bei sehr begrenztem Stromnetzanschluss.
Wir haben ChargeX 2018 mit einem großartigen interdisziplinären Team gegründet: Tobias Wagner als CEO für HR und Vertrieb, Johannes Engeln als CTO für die technische Entwicklung und ich selbst habe die Geschäftsentwicklung und das Produkt- und Partnermanagement verantwortet. Wir hatten etwas Arbeitserfahrung in einem E-Mobility StartUp und von Anfang an das Glück, ein starkes Netzwerk aus Unterstützern aus der Branche und anderen Gründern zu haben, die schon ein gutes Stück weiter und erfahrener waren als wir. Heute besteht die Geschäftsführung neben mir als COO aus Tobias Scharfen (CEO), der bereits ein e-mobility StartUp zum erfolgreichen Exit geführt hat, und Max Kirchenberger (CTO), unserem ersten Mitarbeiter. Beide sind meinen Mitgründern nachgefolgt, als diese gegangen sind. Unser Team besteht heute aus 25 hoch motivierten E-Mobilist*innen, hybrid in München und remote.
Welche Motivation hat zur Gründung von ChargeX geführt und wie prägt sie Ihren heutigen Ansatz?
Tobias und ich hatten die Idee zu Aqueduct, weil wir die täglichen Probleme bei unserem ehemaligen Arbeitgeber selbst gesehen haben. Traditionelle Ladeinfrastruktur ist sehr ineffizient, damit teuer und nicht skalierbar. Wir haben erkannt, dass wir durch die Nutzung langer Standzeiten zu Hause und am Arbeitsplatz eine deutlich effizientere Ladeinfrastruktur entwickeln können. Das ist bis heute unsere DNA. Wir lösen die Probleme unserer Kunden wann immer möglich mit unserer eigenen Spitzentechnologie.
Unsere Kunden entscheiden sich bis heute für Aqueduct, weil es speziell für ihre Bedürfnisse entwickelt wurde und laufend an neue Anforderungen angepasst wird. Das bestätigen bereits mehr als 800 zufriedene Kunden aus dem Deutschen Mittelstand.
Welche Vision verfolgen Sie für die Zukunft der Elektromobilität und welchen Beitrag möchte ChargeX dazu leisten?
Ein Großteil der Ladevorgänge wird zuhause und am Arbeitsplatz stattfinden. Denn dort steht das Auto sehr lange ungenutzt auf dem Parkplatz – der perfekte Moment, um es zu laden. Und auch die Ladeerfahrung mit dem höchsten Komfort für den Fahrer. Aber damit das zur Realität wird, müssen wir es ermöglichen, dass jeder Stellplatz auch zu einem Ladeplatz werden kann. Unser Beitrag ist, dass wir genau das für Gewerbeimmobilien, also Büros etc., ermöglichen. Trotz Fachkräftemangel und unserem Stromnetz, das von Tag zu Tag mehr an seine Grenzen kommt. Genau hier greift unsere Technologie.
Für welche Nutzergruppen ist Ihre Plattform besonders interessant und wie unterstützen Sie diese beim Umstieg auf E-Mobilität?
Wir spezialisieren uns auf Gewerbeobjekte. Wir bieten entsprechend Ladelösungen für das Laden von Mitarbeitern, Firmenwagen, Flotten PKW, etc. Im Firmenumfeld müssen nicht nur Ladestationen aufgebaut und schonend für das Stromnetz gemanagt werden, sondern alle Daten und Prozesse müssen in die Firma eingeführt werden. Hier sind wir unschlagbar mit einer einfachen Komplettlösung und einem herausragenden persönlichen Kundenservice.
Ihr Modell verbindet Anreize für Verbraucher mit nachhaltiger Mobilität. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil?
Der Umstieg auf E-Mobilität hat natürlich für Firmen in erster Linie auch kommerzielle Vorteile. Seit ein paar Jahren sind E-Autos als Firmenwagen oder Flottenfahrzeug schlicht günstiger in der Gesamtkostenbetrachtung als ein Verbrenner. Die Ladetechnik wird benötigt, um dieses Einsparungspotential zu heben. Aber natürlich ist ein Arbeitsplatz mit Lademöglichkeit ein attraktiver Mitarbeiter Benefit. Auch eine Büroimmobilie mit elektrifizierten Stellplätzen ist hochwertiger als eine vergleichbare ohne Ladeinfrastruktur.
Und zuletzt sind Immobilienbesitzer und -verwalter verpflichtet, Ladeinfrastruktur an ihren Immobilien bereitzustellen. Wir sind die schnellste und unkomplizierteste Lösung, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Im Immobiliensegment bieten wir daher die komplette Infrastruktur als Betreiber an – von der Planung bis zur Stromlieferung.
Neben Endkunden richten Sie sich auch an Betreiber von Ladeinfrastruktur. Wie erfüllt ChargeX die spezifischen Anforderungen dieser Zielgruppe?
Betreiber haben auch das Problem, dass ihnen Fachkräfte fehlen und der Netzanschluss an ihren Standorten nicht ausreicht. Unsere Technologie ist dafür perfekt. Da sie bei uns Hardware und Software aus einer Hand bekommen, ist die Verfügbarkeit unserer Infrastruktur auch deutlich höher als bei anderen Anbietern, was die operativen Kosten drastisch senkt und damit den Businesscase unserer Kunden verbessert.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Markt für E-Mobilität und Ladeinfrastruktur und wie gehen Sie damit um?
Der Markt für Ladeinfrastruktur in Deutschland war leider in den letzten Jahren von großen Schwankungen geprägt. Denn er ist direkt an den Markt der E-Autos gekoppelt. Je mehr Elektroautos auf die Straße kommen, desto mehr Ladestationen werden benötigt. Als wir 2018 ChargeX gegründet haben, wurde viel Lobbyarbeit gegen die Elektromobilität betrieben. Trotz diesem Widerstand aus der traditionellen Industrie hatte die Elektromobilität bis Ende 2022 einen sehr starken Aufschwung. 2023 und 2024 war E-Mobilität dann politisch zeitweise nicht gewollt, was eine harte Phase der Konsolidierung eingeleitet hat. In dieser Zeit mussten wir bei ChargeX auch viele harte Entscheidungen treffen und Mitarbeiter gehen lassen. Seit Anfang 2025 wächst der Markt wieder organisch und alle Marktakteure vom OEM bis zur Politik stehen heute voll hinter der batterieelektrischen Mobilität. Wir haben uns weiterhin durch solides unternehmerisches Handeln als Innovationsführer und zuverlässiger Partner für den Mittelstand im Markt etabliert.
Was unterscheidet ChargeX klar von anderen Plattformen, die ebenfalls Loyalitätsprogramme oder E-Mobility-Services anbieten?
Wir arbeiten gerne an sehr schweren Problemen. Nur wenige Anbieter machen sich Gedanken, wie Planung, Installation oder Wartung vereinfacht werden können. “Das machen ja andere” gibt es bei uns nicht. Wir übernehmen gerne Verantwortung für die gesamte Kette bis in den Betrieb hinein. Das führte in der Anfangszeit oft dazu, dass wir in einer kalten Tiefgarage oder auf einem verschneiten Parkplatz die Installation oder Wartung unserer Stationen begleitet haben, aber so waren und sind wir immer sehr nah an unseren Kunden und Partnern. Erst gestern ist ein Kollege nach Köln gefahren, um eine neuartige Installation aus dem Produktmanagement heraus zu begleiten.
Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen planen Sie, um die Plattform in den nächsten Monaten auszubauen?
Wir sind heute schon sehr gut beim Aufbau und im Betrieb unserer Ladetechnik. Als nächstes nehmen wir uns den Netzanschluss vor. Hier gibt es noch sehr viele Hebel, um die Installationen schneller und günstiger zu machen. Aber auch die Integration unserer Ladesysteme in den Energiemarkt ist ein Zukunftsthema für ChargeX. Unsere 6000 Ladestationen im Feld haben sehr viel steuerbare Leistung, die wir künftig den Netzbetreibern zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen können.
Wie verändert sich der Markt rund um Ladeinfrastruktur aus Ihrer Sicht und welche Rolle soll ChargeX künftig darin spielen?
Der Markt professionalisiert sich immer mehr und die klassischen Early Adopter sind oft schon bedient. Die nächste Phase ist die wirklich großflächige Elektrifizierung. Sehr bald wird jedes Auto einen Stecker haben. Aber wir haben einfach nicht die Fachkräfte und Stromnetz Kapazitäten
Eine große Hürde muss dafür noch genommen werden: Wie stellen wir Ladestationen auch in Tiefgaragen von großen Mietshäusern und Wohnquartieren bereit. An dieser Fragestellung arbeiten wir zum Beispiel im MCube Forschungsprojekt zusammen mit der Stadt München und vielen weiteren lokalen Akteuren.
Welche Bedeutung hat es für euch, dass ChargeX Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile entstehen dadurch?
Der de:hub ist für mich Sichtbarkeit. Wir erhalten durch den de:hub eine Bühne, Zugang zu Events und Kontaktmöglichkeiten in Wirtschaft und Politik. Für einen jungen Gründer wie mich war der de:hub perfekt, um mein Netzwerk schnell aufzubauen. Natürlich geht das auch in die andere Richtung. Wir repräsentieren sehr gerne den Innovationsstandort Deutschland und München als Innovationszentrum für die Mobilität der Zukunft. Schließlich ist die Zukunft elektrisch!
Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihr Startup ebenfalls im Rahmen des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Die Hubs sind eine einmalige Gelegenheit, die eigene Idee und Vision einem breiten Publikum aus Wirtschaft und Politik näher zu bringen. Aber dafür muss man selbst viel Zeit investieren und auf den Events präsent sein. Aber die Arbeit lohnt sich. Bei der de:hub Pitch Night hat der damalige Wirtschaftsminister und Vizekanzler Robert Habeck versucht, unsere Ladestation zu installieren. Das war definitiv eines meiner persönlichen Highlights.
Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich nachhaltige Mobilität oder digitale Plattformen starten möchten?
In der Mobilität sind Nutzer und Kunden oft nicht die gleiche Person. Beide zu kennen und auch klar unterscheiden zu können, wäre mein erster Ratschlag. Der zweite geht um Regulatorik und politische Vernetzung. Mobilität und geteilte Räume sind vermutlich neben Energie und Finanzen die am stärksten regulierten Märkte, insbesondere in Deutschland. Dieses Wissen über die Rahmenbedingungen muss auf Gründer Ebene liegen und sollte nicht delegiert werden, auch wenn das Thema manchmal sehr zäh ist.
Als letzter Ratschlag: “Ship your product fast”! Mobilitätslösungen können nicht auf dem Papier entwickelt werden. Nur echtes Nutzer- und Kundenfeedback bringen echte Insights. Und zufriedene Kunden sind das beste Marketing.
Bildcredits @ ChargeX
Wir bedanken uns bei Michael Masnitza für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

























