Wie ist V21 entstanden und welche Rollen übernehmen Roland Wiedenroth und Dr. Jens Struckmeier heute im Unternehmen?
V21 wurde 2019 in Hamburg gegründet – aus der Vision, die Dämmstoffindustrie grundlegend zu verändern. Roland Wiedenroth ist Co-Founder und CEO und verantwortet Strategie, Finanzierung und Markteintritt. Dr. Jens Struckmeier ist Co-Founder und CIO und treibt Technologie-Strategie, Innovation und IP voran.
Was war der konkrete Auslöser, sich bei V21 mit dem Thema Dämmung neu auseinanderzusetzen?
Die initiale Idee vor der Gründung von V21 war es, eine Wärmedämmung mit Hilfe sehr dünnwandiger evakuierter Glasröhrchen herzustellen. Grundlage dafür war ein Patent, in dessen Kern der Verbund vieler kleiner Thermoskannen stand. Die große Herausforderung war zu diesem Zeitpunkt jedoch die Skalierung der Produktion. Doch diese Vorarbeit hat den Grundstein für die Technologie der „flachen Thermoskanne“ von heute gelegt.
Diese Lösung adressiert ein klares Marktversagen: Es gibt bis heute kein Material, das hohe Dämmleistung, Robustheit, lange Lebensdauer und Kreislauffähigkeit vereint – obwohl Europa jährlich über 110 Milliarden Euro durch unzureichend gedämmte Gebäude verliert.
Welche Vision verfolgt V21 mit der Edelstahl-Vakuumdämmung und welches Problem soll damit langfristig gelöst werden?
Wir haben die Thermoskanne flach gemacht und bringen sie an die Wand: V21 entwickelt die weltweit erste dauerhaft stabile, kreislauffähige Hochleistungsdämmung aus Edelstahl. Langfristig wollen wir Energieverluste und CO₂-Emissionen dort reduzieren, wo sie besonders relevant sind: in Gebäuden, Logistik und Speicherinfrastruktur – als Baustein zur Erreichung globaler Klimaziele.
Für welche Zielgruppen ist die Lösung von V21 besonders relevant, etwa in der Sanierung, Logistik oder E-Mobilität?
Im Fokus stehen B2B-Anwender, für die Platz, Energieeffizienz und CO₂-Kosten entscheidend sind:
Modularer Gebäudebau (Wohn-, Büro-, Schulmodule)
Sanierung von Bestandsgebäuden, insbesondere Vorhangfassaden
Im nächsten Schritt folgen Kühlcontainer-Logistik, saisonale Wärmespeicher und Batterietechnik für E-Fahrzeuge – langfristig auch der traditionelle Neubau.
Ein weiteres sehr spannendes Feld sind Brandschutzanwendungen, hier haben wir durch unser Basismaterial bereits einen entscheidenden Vorteil.
Wie stellen Sie sicher, dass die Bedürfnisse dieser Anwender in sehr unterschiedlichen Einsatzfeldern erfüllt werden?
Wir starten bewusst in Märkten mit hohem Standardisierungsgrad und festgelegten Modulgrößen – das erleichtert Skalierung und Produkt-Fit. Gleichzeitig arbeiten wir eng mit Partnern und Pilotkunden zusammen und entwickeln Produktlinien, die auf derselben Kerntechnologie basieren.
Was unterscheidet die Dämmtechnik von V21 fundamental von bestehenden Lösungen am Markt?
ZeroCoreVac kombiniert Eigenschaften, die sonst nicht zusammengehen:
Ultradünn: ca. 3 cm statt 30 cm bei gleicher Dämmwirkung
Hocheffizient: bis zu 60 % Energieeinsparung
Langlebig: 50+ Jahre, extrem robust, nicht brennbar
Zirkulär: wiederverwendbar und vollständig recycelbar
Dazu kommt: Edelstahl macht die Paneele sehr mechanisch belastbar und wetterbeständig – eine Kombination, die bisher kein anderer Dämmstoff erreicht.
Welche Herausforderungen gab es bei der Entwicklung der flachen Vakuumdämmung ohne Stützstruktur?
Die Herausforderung lag darin, ein dauerhaft stabiles Hochvakuum in einer flachen Bauform industriell herstellbar zu machen – mit dauerhaft dichter Hülle, hoher Präzision und Serienfähigkeit, ohne die typischen Schwächen klassischer VIPs (Empfindlichkeit, geringe Formate, Alterung).
Welche Rolle spielen Brandschutz, Recyclingfähigkeit und Regulierung für die strategische Ausrichtung von V21?
Eine absolut zentrale Rolle. Regulatorik und steigende Anforderungen (u. a. aus Dekarbonisierung und Gebäudestandards) erhöhen den Druck auf Materialien, die brennbar, fossilbasiert oder schwer recycelbar sind. Edelstahl ist nicht brennbar und voll wiederverwendbar – das ist für uns kein „Nice-to-have“, sondern Kern des Produktdesigns.
Warum hat sich V21 bewusst für Pilotanwendungen wie Fassaden, Container oder Batteriespeicher entschieden?
Weil man dort den Mehrwert sofort sieht: Platzgewinn, Energieeinsparung und Performance. Gerade im modularen Bau und in Vorhangfassaden sind die Anforderungen an Raumausnutzung und Standardisierung hoch – ideal, um Technologie schnell in die Anwendung zu bringen und skalierbar zu machen.
Welche nächsten technologischen oder marktnahen Entwicklungsschritte plant V21 in den kommenden Jahren?
Mit der aktuellen Finanzierungsrunde treiben wir den Sprung von TRL 5 auf TRL 7: Wir realisieren Pilotprojekte, bauen Pilotproduktion und Anwendungspartnerschaften aus – und starten die ersten Lizenzumsätze. Parallel arbeiten wir an weiteren Produktlinien (Reefer, Storage, Flex).
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die an tiefgreifenden Industrieinnovationen arbeiten?
Ein wichtiger Faktor ist es, an die Innovation zu glauben. Es gibt immer mehr Zweifler als Macher. Ohne Resilienz wird es daher nicht funktionieren. Als Gründer sollte eine gut ausgeprägte Leidensfähigkeit mitgebracht werden.
Das Team ist der entscheidende Faktor. Die Idee kann noch so gut sein, ohne die richtigen Leute ist es fast unmöglich, diese erfolgreich umzusetzen.
Rechtzeitig Feedback vom Markt einholen, ohne die IP des Produktes zu verletzen. Anpassungsfähigkeit geht hier über Stolz.
Bild: Teambild @ V21
Wir bedanken uns bei Roland Wiedenroth und Dr. Jens Struckmeier für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

























