INLEAP Photonics entwickelt ein digitales Laserstrahllenksystem für die Industrie, das Produktivität steigert und mechanische Grenzen in der industriellen Fertigung überwindet.
Wie ist INLEAP Photonics entstanden und welche Rollen übernehmen die Personen hinter dem Unternehmen?
INLEAP Photonics ist aus dem Laser Zentrum Hannover entstanden. Felix und ich haben dort promoviert und als Gruppenleiter unterschiedlicher Fachbereiche gearbeitet. Während der Arbeit entstand damals die Idee für unser erstes Produkt: INLEAP® FASTLIGHT®, ein innovatives, ultraschnelles und pixelbasiertes Laserstrahllenksystem für industrielle Anwendungen. Anfang 2023 haben wir daraufhin die INLEAP Photonics GmbH gegründet und die Technologie im Rahmen eines EXIST-Forschungstransferprojektes entwickelt, erprobt und 2024 erstmalig verkauft. Ich verantworte heute als CEO das operative Geschäft und die strategische Ausrichtung. Felix ist als CTO für die technologische Entwicklung zuständig. Mit Katharina haben wir früh ein weiteres Gründungsmitglied ins Team geholt, die als CFO die betriebswirtschaftliche Perspektive, Finanzen und Marketing abdeckt.
Aus welchem technologischen oder industriellen Bedarf heraus habt ihr INLEAP Photonics gegründet?
Der ursprüngliche Bedarf kam ganz klar aus der Industrie. Klassische mechanische Laserstrahllenksysteme sind langsam und verursachen dadurch hohe Prozessnebenzeiten. Das begrenzt die Produktivität und treibt Produktionskosten in die Höhe. Wir wollten diese Grenzen aufbrechen und bis dahin noch ungenutzte Potenziale der Lasermaterialbearbeitung ausschöpfen. Deshalb haben wir ein digitales und pixelbasiertes Laserstrahllenksystem entwickelt, das ohne zu bewegende Bauteile, wie Spiegel, auskommt. Ziel war von Anfang an, industrielle Prozesse schneller, stabiler und effizienter zu machen. Nicht als Prototyp, sondern als echtes, industrietaugliches System.
Welche Vision verfolgt ihr mit eurer Laser-Strahllenktechnologie für die industrielle Fertigung?
Unsere Vision ist es, einen neuen Standard für Produktivität, Effizienz und Sicherheit in laserbasierten Anwendungen zu setzen – in der Industrie ebenso wie im Schutz kritischer Infrastrukturen. Wir wollen Laserstrahllenksysteme von den Limitierungen mechanischer Systeme befreien.
Für die industrielle Fertigung heißt das konkret: mehr Durchsatz, stabilere Prozesse und reproduzierbare Qualität. Die Technologie soll sich nahtlos in bestehende Produktionslinien integrieren lassen. Für uns ist entscheidend, dass unsere Systeme im industriellen Alltag funktionieren.
Wie unterstützt eure Technologie konkret Unternehmen in der laserbasierten Materialbearbeitung?
Unsere INLEAP® FASTLIGHT® Technologie lenkt den Laser bis zu 2.500-mal schneller als klassische Systeme. Dadurch entfallen viele Nebenzeiten, die heute industrielle Prozesse ausbremsen. Unternehmen können ihre laserbasierten Anlagen mit unserer Technologie besser auslasten, Prozesse beschleunigen und Energie sparen.
An welche Branchen richtet sich euer Angebot besonders und warum gerade diese?
Heute liegt unser klarer Fokus auf sicherheitsrelevanten Anwendungen im Defence- und Security-Umfeld. Dazu zählen militärische Organisationen, Behörden sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen. Hier besteht eine klare Fähigkeitslücke bei der Drohnenabwehr, insbesondere in urbanen und sensiblen Umgebungen, in denen der Schutz von Menschen eine zentrale Rolle spielt.
Parallel bleiben industrielle Anwendungen für uns ein zentraler Technologietreiber, etwa in der Additiven Fertigung oder Batteriezellenproduktion. Diese Anwendungen zeigen, dass unsere Technologie unter realen industriellen Bedingungen zuverlässig funktioniert.
Was unterscheidet INLEAP Photonics von klassischen mechanischen Scannerlösungen im Markt?
Der größte Unterschied ist, dass wir keine mechanischen, beweglichen Spiegel einsetzen. Unsere Laserstrahllenkung ist digital und pixelbasiert. Das macht uns extrem schnell, hochpräzise und deutlich stabiler im Betrieb. Es gibt keinen mechanischen Verschleiß, keine Nachjustierung und deutlich mehr Prozessstabilität. Das eröffnet Einsatzmöglichkeiten, die mit vielen bestehenden Systemen nicht realisierbar sind.
Welche Herausforderungen bringt es mit sich, eine Deep-Tech-Lösung aus der Forschung in die Industrie zu überführen?
Die größte Herausforderung ist, aus einer sensiblen Hochtechnologie ein robustes, industrietaugliches Produkt zu machen. Optik ist per se anspruchsvoll, gerade wenn sie in rauen Umgebungen eingesetzt wird.
Man muss sehr früh lernen, industriell zu denken: Fertigung, Qualitätssicherung, Zuverlässigkeit über Jahre. Genau deshalb war es uns wichtig, möglichst früh aus dem Labor rauszugehen und unter realen Bedingungen zu testen. Unser Anspruch war von Anfang an klar: kein Forschungsprojekt, sondern ein industriell und operativ einsatzfähiges System zu schaffen.
Wie geht ihr mit den hohen Anforderungen an Präzision, Zuverlässigkeit und Integration in bestehende Produktionslinien um?
Wir entwickeln unsere Systeme modular und kompatibel zu bestehenden Anlagen. Kunden können ihre vorhandenen Laserstrahlquellen weiter nutzen. Die Präzision kommt aus unserer innovativen Technologie, die ultraschnelle, stabile und reproduzierbare Prozesse ermöglicht. Gleichzeitig testen wir unsere Systeme kontinuierlich unter realen Bedingungen. Gerade die Kombination aus Optik-Know-how und Maschinenbau-Erfahrung im Team hilft uns, Zuverlässigkeit nicht nur zu versprechen, sondern auch umzusetzen.
Welche Rolle spielen Effizienz und Nachhaltigkeit in eurer Produktentwicklung?
Effizienz ist einer unserer zentralen Leitwerte. In der Industrie bedeutet das höhere Ausbringung bei geringerem Energieeinsatz. In der Drohnenabwehr heißt Effizienz, dass wir ohne Munition arbeiten und pro Einsatz lediglich geringe Mengen elektrischer Energie benötigen.
Wohin soll sich INLEAP Photonics in den kommenden Jahren entwickeln und welche nächsten Schritte plant ihr?
Wir stehen aktuell am Beginn der nächsten Wachstumsphase. Unser Fokus liegt darauf, unser laserbasiertes Drohnenabwehrsystem INLEAP® FASTLIGHT® SHIELD zu skalieren und im Defence- und Sicherheitsumfeld in den Markt zu bringen.
Gleichzeitig bleibt unser industrielles Produkt ein wichtiger Bestandteil des Unternehmens. In den kommenden Jahren wollen wir international wachsen, weitere Referenzprojekte aufbauen und unser Team gezielt erweitern. Unser Anspruch ist es, in beiden Anwendungsfeldern einen neuen technologischen Standard zu setzen.
Welche drei Ratschläge würdet ihr Gründerinnen und Gründern geben, die ein technologiegetriebenes Startup aufbauen wollen?
Baut keine Technologie um der Technologie willen, sondern löst ein echtes Problem. Denkt früh industriell und marktorientiert, nicht nur aus der Forschungsperspektive. Und: Stellt ein Team zusammen, das Technik und Business wirklich zusammenbringt. Am Ende zählt, dass etwas nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern vor allem beim Kunden in der Anwendung.
Bildcredits: @INLEAP Photonics GmbH
Wir bedanken uns bei Marius Lammers für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























