Montag, September 28, 2026
StartInterviewsAkademie für Elektrische Sicherheit: Rechtssichere Schulung für Betriebe

Akademie für Elektrische Sicherheit: Rechtssichere Schulung für Betriebe

Die Akademie für Elektrische Sicherheit zeigt Unternehmen, wie eine Unterweisung rund um elektrische Sicherheit praxisnah umgesetzt und zuverlässig dokumentiert werden kann.

Können Sie die Akademie für Elektrische Sicherheit kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung entstanden ist?

Die Akademie für Elektrische Sicherheit (AfES) schult Mitarbeiter, die in Betrieben mit Strom arbeiten: Elektrofachkräfte (EFK), Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) und elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP). Alle drei Gruppen müssen jedes Jahr fachlich unterwiesen werden, das schreibt die DGUV Vorschrift 1 § 4 vor. Wir schulen das an einem Tag, online live oder inhouse, mit Marcel Kroner als Dozent. Über das Nachweis-Zertifikat hinaus liefern wir ein Dokumentations-Paket, das der Geschäftsführer bei einer Prüfung durch die BG (Berufsgenossenschaft) lückenlos vorlegen muss: Bestellurkunde, Tätigkeitsabgrenzung, Pflichtenübertragung, Jahresunterweisungs-Plan.

Marcel und ich kennen uns seit über 20 Jahren aus einem Blasorchester. Im April 2026 hatten wir beide unabhängig voneinander in Berlin zu tun. Eines Abends kreuzten sich unsere Wege im Berliner Hofbräuhaus. Marcel war zu dem Zeitpunkt schon Dozent an einer Akademie und berichtete, dass er sich in diesem Bereich nun selbstständig machen wolle. Dann fragte er: „Jan, wie komme ich eigentlich an Kunden?“ Weil ich aus dem Marketing komme, sagte ich nur: „Willkommen in meiner Welt.“ Das war der Startschuss für unsere gemeinsame Akademie.

Mit Marcel Kroner als Elektrotechnik-Ingenieur und Ihnen aus dem Marketing treffen zwei unterschiedliche Fachwelten aufeinander. Wie ergänzt sich das im Gründeralltag?

Die Aufgabenverteilung musste im Prinzip nicht groß besprochen werden. Jeder hat seine Kompetenzen und bringt sie entsprechend ein. Marcel die fachliche Komponente, ich den Unternehmensaufbau drumherum. Kurzum: Ich führe die Leute in die Schulung, Marcel bringt sie durch die Schulung.

Der eigentliche Vorteil liegt woanders. Ich verstehe von Elektrotechnik nichts. Wenn Marcel mir einen Sachverhalt erklärt und ich ihn nicht verstehe, dann versteht ihn der Geschäftsführer eines Küchenstudios auch nicht. Dieser Filter läuft bei jedem Text und bei jedem Telefonat mit. Umgekehrt bremst Marcel mich, wenn ein Satz auf der Website griffig klingt, fachlich aber nicht haltbar ist. Bei einem Thema, bei dem es auch um rechtliche Absicherung geht, ist das wichtiger als jede Headline.

Sie bewegen sich in einem Markt, in dem viele potenzielle Kunden ihr eigenes Problem noch gar nicht kennen. Wie macht man aus einer unbekannten Pflicht ein relevantes Angebot?

Man verkauft zuerst nichts. Man stellt eine Frage: Wer in Ihrem Betrieb arbeitet eigentlich an oder mit elektrischem Strom?

Fast jeder Geschäftsführer antwortet spontan „niemand“ oder „nur unser Elektriker“. Dann kommt: Der Hausmeister, der die durchgebrannte Leuchte tauscht. Der Monteur, der beim Kunden den Herd anklemmt. Der Schichtleiter, der nachts die Sicherung wieder einlegt. Drei Beispiele, und die Antwort ändert sich.

Erst danach ist die Pflicht ein Thema, das jemanden interessiert. Deshalb steckt der größte Teil unserer Arbeit nicht im Verkauf, sondern im Erklären: Blogartikel, die Vergleichsseite zu EFK, EFKffT und EuP auf a-fes.de oder ein kostenfreies Erstgespräch von 30 Minuten, in dem wir einmal sauber den Bedarf analysieren. Wer das Problem verstanden hat, sucht sich die Lösung und sollte uns finden.

Fehlende Unterweisungsnachweise können für Geschäftsführer erhebliche Konsequenzen haben. Warum erhält das Thema elektrische Sicherheit Ihrer Erfahrung nach dennoch so wenig Aufmerksamkeit?

Weil meistens nichts passiert. Strom gibt keine Vorwarnung. Eine Leitung unter Spannung sieht genauso aus wie eine, die nicht unter Spannung steht. Solange es gut geht, fragt meistens keiner nach.

Dazu kommt ein Denkfehler, der sehr verbreitet ist: Sobald ein ausgebildeter Elektriker im Betrieb ist, gilt das Thema als erledigt. Die Zahlen sagen jedoch etwas ganz anderes. 49,3 Prozent der Stromunfälle im Niederspannungsbereich treffen ausgebildete Elektrofachkräfte. Und bei den erfassten Verstößen gegen die fünf Sicherheitsregeln entfallen rund 80 Prozent auf zwei übersprungene Handgriffe: freischalten und Spannungsfreiheit feststellen. So weist es die BG ETEM in ihrer Statistik der Stromunfälle aus. Routine ist gefährlicher als Unwissen.

Und die Pflicht steht an einer Stelle, an der ein Geschäftsführer im Alltag nicht vorbeikommt: in der DGUV Vorschrift 1, der DGUV Vorschrift 3 und der DIN VDE 1000-10. Die liest meist niemand freiwillig.

Ihre Unterweisungen finden als eintägige Live-Online-Schulungen mit Dozent statt. Warum haben Sie sich bewusst gegen reine E-Learning-Videos entschieden?

Weil ein Video nicht erfüllt, was eine Unterweisung leisten muss. Die Inhalte müssen arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogen sein, es muss eine Verständnisprüfung geben, Rückfragen müssen jederzeit möglich sein und die Teilnahme muss dokumentiert werden. Für Unterweisungen mit elektronischen Hilfsmitteln stellt die DGUV Information 211-005 das ausdrücklich klar.

Der zweite Grund ist der wichtigere. In fast jeder Schulung kommt der Moment, in dem ein Teilnehmer fragt: „Moment, darf ich das bei uns eigentlich?“ Dann beschreibt er eine Situation aus seinem Betrieb und Marcel zieht die Grenze. Genau dieser Moment entscheidet darüber, ob jemand am nächsten Montag anders handelt. Das ist in einem Videokurs nur schwer darstellbar.

Welche Unternehmen möchten Sie mit der Akademie für Elektrische Sicherheit besonders erreichen, und wo sehen Sie aktuell den größten Informationsbedarf?

Mittelständische Betriebe zwischen etwa 10 und 250 Mitarbeitern, die ihre Jahresunterweisungen für EFK, EFKffT und EuP nicht selbst durchführen können: Hausmeisterdienste und Facility Management, SHK- und Solarbetriebe, Küchenmontage, produzierendes Gewerbe, Kommunen und Wohnungsgesellschaften sowie kleine Elektrobetriebe.

Der größte Informationsbedarf liegt bei einer einzigen Frage: Wer darf bei uns was? Der Unterschied zwischen Elektrofachkraft, Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten und elektrotechnisch unterwiesener Person ist den meisten Geschäftsführern nicht geläufig. Dabei entscheidet er darüber, wer die Sicherung wechseln darf und wer nicht. Unsere meistgelesene Seite ist deshalb keine Verkaufsseite, sondern die Vergleichsseite a-fes.de/welcher-kurs.

Bei einem Pflichtthema besteht schnell die Gefahr, dass Kunden nur das Nötigste erledigen möchten. Wie schaffen Sie es, den tatsächlichen Nutzen der Unterweisungen zu vermitteln?

Wir reden gegen diesen Reflex gar nicht an. Ein Geschäftsführer, der eine Pflicht mit möglichst wenig Aufwand erfüllen will, verhält sich vernünftig. Also machen wir den Aufwand klein: ein Tag, online, kein Reisetag oder Hotel, buchbar von Montag bis Samstag, ab 299 Euro netto pro Teilnehmer. Wenn gewünscht, dann auch Inhouse; vor Ort in der Firma.

Und dann liefern wir mehr, als bestellt war. Andere Anbieter schicken nur eine Teilnahmebescheinigung. Bei uns kommt zu der Teilnahmebescheinigung noch das Dokumentations-Paket dazu (wenn gewünscht): Bestellurkunde nach DIN VDE 1000-10, Tätigkeitsabgrenzung, Pflichtenübertragung nach § 13 Abs. 2 ArbSchG, Jahresunterweisungs-Plan und Aufkleber für den Sicherheitspass. Wir füllen aus, der Kunde unterschreibt.

Der Nutzen zeigt sich nicht am Schulungstag. Er zeigt sich, wenn die Aufsichtsperson der Berufsgenossenschaft im Betrieb steht und nach Nachweisen fragt. Dann sollte der Ordner mit den vollständig dokumentierten Nachweisen bereitliegen.

Marcel Kroner bringt sieben Jahre Erfahrung als Verantwortliche Elektrofachkraft bei der DB Netz AG mit. Wie fließt diese praktische Erfahrung in Ihr Angebot ein?

Marcel hat als Leiter Instandhaltung LST und somit verantwortliche Elektrofachkraft in seinem Bereich unter anderem für die elektrische Sicherheit von 144 Mitarbeitern unterschrieben. Wäre an einer seiner Anlagen jemand schwer verletzt worden, hätte der Staatsanwalt zuerst bei ihm angerufen. Diese Perspektive kann man sich nicht anlesen.

Im Seminar merkt man das an den Beispielen. Marcel unterrichtet nicht den Paragrafen, sondern die Situation, in der der Paragraf gebrochen wird. Er hat bisher über 80 Unterweisungen gehalten und über 1.000 Teilnehmer geschult.

Der zweite Punkt ist die Dokumentation. Marcel saß jahrelang auf der anderen Seite des Tisches und weiß, welche Unterlagen ein Prüfer als Erstes sehen will. Das ganze Doku-Paket ist im Grunde die Antwort auf die Frage, die er sich selbst jahrelang gestellt hat: Was fehlt mir, wenn morgen jemand fragt?

Akademie für Elektrische Sicherheit: Unterweisung im Betrieb Marcel Kroner
Marcel Kroner

Vertrauen und fachliche Kompetenz sind bei sicherheitsrelevanten Schulungen entscheidend. Wie kann sich ein junges Unternehmen in diesem Umfeld etablieren?

Indem es aufhört, so zu tun, als wäre es alt. Auf unserer Website steht wörtlich: Wir sind neu. Wir haben keine 5.000 Teilnehmer und keine 15 Jahre auf dem Schild. Das kostet vielleicht den einen oder anderen Interessenten. Es kostet aber keine Glaubwürdigkeit.

Was stattdessen zählt: Vertrauen entsteht bei uns nicht über die Firma, sondern über die Person. Marcels Lebenslauf steht mit allen Stationen auf a-fes.de/uber-uns. Jede Aussage zur Rechtslage ist belegt, mit Paragraf, Norm oder Aktenzeichen. Wer nachprüfen kann, muss nicht glauben.

Und dann die unspektakulären Dinge. Wir rufen werktags innerhalb von 24 Stunden zurück. Es gibt einen Ansprechpartner statt eines wechselnden Service-Teams und ein einfaches Buchungssystem. Das können große Anbieter strukturell meist nicht leisten. Das ist einer von vielen Vorsprüngen, den ein junges Unternehmen von Tag eins an hat.

Was ist beim Aufbau eines Geschäftsmodells schwieriger: ein bestehendes Problem besser zu lösen oder Kunden zunächst davon zu überzeugen, dass überhaupt Handlungsbedarf besteht?

Überzeugen ist schwerer, und zwar deutlich.

Wer ein bestehendes Problem besser löst, trifft auf Menschen, die bereits suchen. Die Nachfrage ist da, man muss nur besser oder preislich attraktiver sein als die anderen. Bei uns liegt häufig vor einem Verkaufsgespräch ein Aufklärungsgespräch. Das dauert länger, kostet mehr und ein Teil dieser Arbeit kommt nie zurück, weil der Betrieb danach zu einem anderen Anbieter geht. Damit muss man rechnen.

Die andere Seite: Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist klein, weil kaum jemand diese Aufklärungsarbeit macht. Und die Pflicht kommt jedes Jahr wieder. Wer einmal verstanden hat, warum er unterweisen muss, ist nicht Kunde für eine Schulung, sondern für die nächsten zehn Jahre.

Welche Vision verfolgen Sie mit der Akademie für Elektrische Sicherheit, und wie möchten Sie das Unternehmen künftig weiterentwickeln?

Kurzfristig: jede Woche mindestens eine Schulung, über alle vier Kursformate hinweg.

Mittelfristig wollen wir vom Einzeltermin wegkommen. Eine Schulung ist ein Datum, die Pflicht ist ein Kreislauf. Wir merken uns den Folgetermin und melden uns etwa zehn Monate später von selbst. Über die Jahre entsteht so die lückenlose Dokumentation, die bei einer Begehung den Unterschied macht. Dafür brauchen wir weitere Dozenten, damit das Angebot nicht an einer Person hängt.

Das Ziel ist: Ein Geschäftsführer soll bei einer Prüfung einen Ordner aufschlagen und nichts suchen müssen. Und ein Hausmeister soll wissen, wo er aufhören muss, bevor er seine Kompetenzen überschreitet.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Unternehmen in einem erklärungsbedürftigen Markt aufbauen möchten?

Erstens: Klärt zuerst, wer überhaupt zuständig ist. In einem erklärungsbedürftigen Markt ist nicht nur das Problem unbekannt, sondern auch der Ansprechpartner. Bei uns haftet der Geschäftsführer, gefragt wird meistens der Elektromeister, und buchen soll am Ende die Personalabteilung. Jeder verweist auf den nächsten. Wer das nicht früh klärt, führt viele freundliche Gespräche mit Leuten, die gar nicht entscheiden dürfen.

Zweitens: Redet MIT der Zielgruppe, bevor ihr die erste Zeile schreibt. Foren, Rezensionen, Telefonate, Fragen von Bestandskunden. Die Sätze, die später auf der Website funktionieren, hat meistens vorher jemand anderes gesagt.

Drittens: Sagt offen, was ihr noch nicht habt. Der Reflex geht in die andere Richtung, gerade am Anfang. Aber eine ehrliche Lücke kostet weniger als ein Versprechen, das beim ersten Kundengespräch auffliegt. Und sie macht alles glaubwürdiger, was daneben steht.

Bildrechte: privat

Wir bedanken uns bei Jan Illemann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Akademie für Elektrische Sicherheit

Kontakt:

Akademie für Elektrische Sicherheit
St.-Georg-Str. 22
31177 Harsum
Deutschland

a-fes.de
info@a-fes.de
+49 160 96501312

Ansprechpartner: Jan Illemann

Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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