Donnerstag, März 12, 2026
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Warum greifen wir ständig zum Smartphone obwohl wir es eigentlich gar nicht wollen?

Amba entwickelt eine Lösung für bewusste Smartphone Nutzung und hilft Menschen, ihre digitale Nutzung im Alltag gezielt zu reduzieren

Was steckt hinter der Idee zu Amba und wer sind die Menschen, die das Startup gegründet haben?

Amba ist aus einer sehr persönlichen Beobachtung entstanden: Wir haben gemerkt, wie oft wir selbst unbewusst zum Handy greifen und wie schwer es ist, dieses Verhalten nur mit Disziplin oder App-Limits zu ändern. Gegründet wurde Amba von Bastian Fischer und mir, Yves Maurice Clever. Wir kommen beide aus dem digitalen Umfeld und haben jahrelang mit Plattformen gearbeitet, die auf maximale Aufmerksamkeit optimiert sind. Genau deshalb wollten wir eine Lösung entwickeln, die im Alltag wirklich funktioniert – nicht theoretisch, sondern praktisch.

Wie entstand der Ansatz, eine App zur Reduzierung digitaler Ablenkung mit einem physischen Tag zu kombinieren?

Wir haben früh gemerkt, dass reine Softwarelösungen selten nachhaltig greifen, weil sie sich jederzeit wegklicken lassen. Die Idee war deshalb, eine bewusste Handlung einzubauen: Mit dem physischen Tag muss man kurz innehalten, bevor man Apps freischaltet. Diese kleine Unterbrechung verändert den Moment entscheidend, aus einem impulsiven Reflex wird eine Entscheidung. Genau dort setzt Amba an.

Welche Vision verfolgt Amba im Bereich Digital Wellbeing und wie möchten Sie Menschen langfristig zu einem bewussteren Umgang mit dem Smartphone motivieren?

Unsere Vision ist nicht, Smartphones zu verteufeln, sondern ihren Einsatz wieder bewusster zu machen. Wir glauben, dass Technologie funktionieren kann, ohne permanent Aufmerksamkeit zu fordern. Langfristig wollen wir Amba als Werkzeug etablieren, das Menschen hilft, Routinen zu verändern, durch klare Strukturen, Feedback, Gamification-Ansätze und soziale Komponenten, die Motivation im Alltag aufrechterhalten.

An welche Zielgruppen richtet sich Amba besonders und welche alltäglichen Probleme dieser Nutzer wollen Sie konkret lösen?

Amba richtet sich an alle, die merken, dass sie zu viel Zeit auf Social Media verbringen – von Studierenden über Kreative bis hin zu Berufstätigen. Besonders stark sehen wir das Bedürfnis bei Menschen, die konzentriert arbeiten wollen, sich abends bewusst offline nehmen möchten oder generell weniger in automatisches Scrollen verfallen wollen. Unser Fokus liegt darauf, unbewusste Nutzung sichtbar zu machen und gezielt zu reduzieren.

Viele Apps versuchen bereits, Bildschirmzeit zu reduzieren. Was macht den Ansatz von Amba dabei besonders?

Der größte Unterschied liegt in der Kombination aus Software und physischer Interaktion. Während viele Lösungen rein digital bleiben, schafft Amba eine echte Verhaltensbarriere. Statt Limits nur zu sehen, muss man aktiv handeln, um sie zu überschreiten. Das macht die Nutzung greifbarer und deutlich wirksamer im Alltag.

Die Nutzung Ihres Produkts setzt eine bewusste Handlung voraus. Welche Rolle spielt diese „Hürde“ für eine nachhaltige Veränderung von Gewohnheiten?

Diese Hürde ist zentral. Gewohnheiten entstehen oft automatisiert, deshalb braucht es einen klaren Moment der Unterbrechung. Der physische Schritt zwingt dazu, kurz nachzudenken: Brauche ich das gerade wirklich? Genau dieser Moment sorgt langfristig für Veränderung.

Welche Herausforderungen begegnen einem Startup, das Menschen helfen will, weniger Zeit mit ihrem Smartphone zu verbringen?

Die größte Herausforderung ist, gegen Systeme anzutreten, die darauf ausgelegt sind, möglichst viel Aufmerksamkeit zu binden. Gleichzeitig muss man eine Lösung entwickeln, die konsequent ist, aber nicht frustriert. Die Balance zwischen Kontrolle und Flexibilität zu finden, ist einer der schwierigsten Punkte.

Wie reagieren Nutzer auf das Konzept von Amba, bei dem ein physischer Tag gescannt werden muss, um eine blockierte App zu öffnen?

Viele reagieren zunächst überrascht, weil es ungewohnt ist. Im Alltag wird genau das aber schnell zum Vorteil. Nutzer berichten häufig, dass sie Apps seltener öffnen, weil der zusätzliche Schritt sie zum Nachdenken bringt. Genau das bestätigt unseren Ansatz.

Welche Rolle spielt das Thema Produktivität und Konzentration für die Weiterentwicklung Ihrer Lösung?

Produktivität und Konzentration sind für uns eher ein positiver Nebeneffekt als der eigentliche Ausgangspunkt. Amba wurde nicht primär für mehr Output entwickelt, sondern um unbewusste Nutzung zu reduzieren. Gleichzeitig merken wir, dass viele Nutzer genau dadurch automatisch fokussierter arbeiten und sich leichter auf eine Sache einlassen können. Deshalb achten wir bei der Weiterentwicklung darauf, dass unsere Lösung Fokus unterstützt, ohne sich wie ein klassisches Produktivitätstool anzufühlen.

Wohin soll sich Amba in den kommenden Jahren entwickeln und welche Funktionen oder Erweiterungen planen Sie für die Zukunft?

Wir wollen Amba zu einer umfassenden Plattform für bewusste Smartphone-Nutzung ausbauen. Dazu gehören stärkere Community-Features, Gamification-Elemente sowie personalisierte Insights zur eigenen Nutzung. Gleichzeitig arbeiten wir daran, das Produkt technisch weiter zu skalieren und breiter zugänglich zu machen.

Welche Erfahrungen aus dem Aufbau von Amba würden Sie heute anders angehen, wenn Sie noch einmal ganz am Anfang stehen würden?

Wir würden noch früher mit echten Nutzern testen und schneller iterieren. Gerade bei Verhaltensprodukten lernt man am meisten aus realem Feedback. Außerdem würden wir manche Dinge weniger perfektionistisch angehen und stärker auf Geschwindigkeit setzen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Produkt entwickeln möchten, das echte Verhaltensänderungen bewirken soll?

Erstens: So früh wie möglich mit echten Nutzern testen.
Zweitens: Lösungen einfach halten – Komplexität verhindert Veränderung.
Drittens: Den Alltag der Nutzer verstehen, nicht nur ihre Probleme beschreiben.

Bildcredits/Fotograf: Patrick Schönhofen

Wir bedanken uns bei Bastian Fischer und Yves Maurice Clever für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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