Donnerstag, Juli 25, 2024
StartGründerTalkKann diese Innovation den Zahlungsverkehr neu definieren?

Kann diese Innovation den Zahlungsverkehr neu definieren?

Brite Payments ist ein Fintech-Unternehmen, das schnelle und sichere Online-Zahlungen direkt vom Bankkonto ermöglicht

Stell dich und dein Startup Brite Payments doch kurz unseren Lesern vor.

Ich bin Lena, CEO von Brite Payments, das ich 2019 in Stockholm gegründet habe. Was machen wir bei Brite Payments? Mit Brite wird das eigene Bankkonto zur Online-Zahlungsmethode, sodass Zahlungen innerhalb von Sekunden, ohne Login oder App, getätigt werden können. Man wählt einfach beim Bestellen im Checkout Brite als Zahlungsmethode aus, loggt sich in der Händler-Umgebung in sein Konto ein und zahlt in Echtzeit. Wir sind quasi die EC-Karte für den Onlinehandel. Gerade erst haben wir diese Art von Zahlungen in Deutschland auf den Markt gebracht, und seit Kurzem sind wir auch in der E-Commerce-Plattform Shopware verfügbar. Nun können also Online-Händler ihren Kund:innen mit der Plattform die Bezahlung über Brite anbieten.

Anfang Oktober ‘23 konnten wir unsere größte Finanzierungsrunde von 60 Millionen Dollar mit den großartigen Investoren Dawn Capital und Headline bekanntgeben. 

Bevor ich Brite Payments gegründet habe, war ich CEO des skandinavischen Fintechs Qliro. Davor war ich während der Hyperwachstumsphase in verschiedenen Führungspositionen bei Klarna. Bei letzterem habe ich das globale B2B-Marketing aufgebaut und war zuletzt auch für die Marke SOFORT verantwortlich. 

Warum hast du dich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen, kam aus meiner tiefen Überzeugung, dass der Zahlungssektor reif für eine Disruption ist. Nach meiner Zeit bei Klarna und Qliro sah ich das enorme Potenzial, das in Instant Payments steckt, und wollte eine Lösung schaffen, die sowohl für Verbraucher:innen als auch für Unternehmen echte Vorteile bietet.

Was war bei der Gründung von Brite Payments die größte Herausforderung?

Ich habe nahezu gleich viele Jahre meines Lebens in Deutschland wie in Schweden gelebt, daher kann ich diesen Vergleich am besten ziehen. Die Bargeldnutzung liegt in Schweden inzwischen deutlich unter zehn Prozent. Wir haben hier eine viel höhere digitale Affinität als in Deutschland. Dinge digital zu erledigen, gehört zu unserem Alltag. Das ist dank eines nationalen Online-Identifikationssystems (BankID) auch besonders einfach. Arztrezepte erhalten, Steuererklärungen einreichen oder sogar Anzeige erstatten – das alles lässt sich also längst online machen. Wenn man ohnehin also einen großen Teil seines Alltags digital bestreiten kann, liegt es natürlich nahe, auch Zahlungen digital zu erledigen. Von daher stand der Gründung eines Online-Zahlungsanbieters wie Brite Payments in Stockholm nur eine wirklich große Herausforderung im Wege: Die Covid-Pandemie. 

Ich habe Brite Payments 2019 gegründet. Im Frühjahr 2020 traf die Covid-Pandemie die ganze Welt. Die Auswirkungen kennen wir alle. Während dieser Zeit ein Unternehmen aufzubauen, Personal zu finden, Netzwerke auszubauen, das war eine große Herausforderung – die wir alle gemeinsam erfolgreich gemeistert haben.

Eine weitere Herausforderung ist regulatorischer Natur. Wir sind ein mittlerweile sehr international agierendes Unternehmen, welches mit den unterschiedlichsten regulatorischen Infrastrukturen je Land umgehen muss. Jeder Markt in Europa funktioniert anders, was mitunter zu regionalen Diskrepanzen führt. Hier arbeiten wir an zielgerichteten regionalen Lösungen, um unseren Kunden in jedem Land das individuell  bestmögliche Zahlungserlebnis zu bieten.  

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Absolut, und das ist sogar empfehlenswert. Perfektion ist eine Illusion, besonders in der schnelllebigen Welt der Technologie. Es ist wichtig, schnell zu handeln, Feedback zu sammeln und das Produkt oder die Dienstleistung kontinuierlich zu verbessern. Warten auf Perfektion kann im schlimmsten Fall bedeuten, gar nicht erst anzufangen.

Auch wir warten bei Brite nicht auf den „perfekten“ Zeitpunkt. Brite Payments entstand in einer Zeit, als das Open Banking in Europa durch die Einführung der PSD2-Regulierung an Fahrt gewann. Die Infrastruktur des Open Bankings, die wir für unsere Zahlungsverarbeitung in Echtzeit nutzen, ist allerdings noch weit von der Perfektion entfernt. Doch auf Perfektion zu warten, würde bedeuten, wertvolle Chancen zu verpassen. Es ist entscheidend, dass wir uns parallel zur Entwicklung und Verbesserung des Open Bankings weiterentwickeln und sogar eine aktive Rolle in diesem Prozess übernehmen. Unsere Strategie ist es, proaktiv zu handeln, anzupassen und zu innovieren, um nicht nur Teil dieser fortschreitenden Veränderung zu sein, sondern sie auch mitzugestalten.

Welche Vision steckt hinter Brite Payments?

Unsere Vision lautet: „We lead the payment revolution away from the legacy of cards, towards an ecosystem defined by transparent, secure, efficient and convenient A2A payments for merchants and consumers alike – making payments briter for everyone.“

Wer ist die Zielgruppe von Brite Payments?

Wir haben zwei Zielgruppen. Zum einen sind das die Online-Händler, die Brite als Zahlungsmethode in ihre Shops integrieren. Zum anderen haben wir uns bewusst dazu entschieden, eine consumer-facing Brand zu sein – kein White-Label-Produkt. Das heißt: Eines Tages ist es ganz selbstverständlich, dass ich meine Schuhe online mit Brite bezahle, mir meine Versicherung eine Auszahlung mit Brite überweist oder ich für Kinder von Verwandten ein Audiobook-Jahresabo bestelle.

Wie funktioniert Brite Payments? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet dich von anderen Anbietern?

Brite Payments ermöglicht es Kund:innen, Zahlungen direkt über ihr Bankkonto zu tätigen. Wir nutzen dafür die Open-Banking-Infrastruktur und die Application Programming Interfaces (APIs) der Banken. Kund:innen müssen sich dann nicht extra registrieren oder ein separates Konto bei uns eröffnen, um Zahlungen in Echtzeit tätigen zu können.

Für Händler ist Brite sehr einfach, zum Beispiel in ein bestehendes Shopsystem zu integrieren. Dabei profitieren die Händler von unserem Brite Instant Payments Network, einem proprietären Netzwerk, das Transaktionen rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr abwickeln kann, die Betrugsgefahr minimiert und Zahlungen in einer Vielzahl von Währungen ermöglicht. 

Die Vorteile und Unterschiede zu anderen Zahlungsoptionen liegen auf der Hand: Echtzeitüberweisungen garantieren, dass das Geld innerhalb von Sekunden auf dem Empfängerkonto eingeht. Zudem ist diese Zahlungsmethode sehr sicher, da die Log-Ins über die Bank stattfinden. 

Wo geht der Weg hin? Wo siehst du dich und Brite Payments in fünf Jahren?

In diesem Jahr sind Instant Payments als Zahlungsmethode in Europa wirklich ins Bewusstsein  der Öffentlichkeit gerückt. Der Beschluss der Europäischen Kommission, die Nutzung von Instant Payments für alle Transaktionen in der Eurozone vorzuschreiben und die vorläufige Zustimmung des Europäischen Parlaments und des Rates werden dafür eine wichtige Triebkraft darstellen.

In fünf Jahren werden wir in allen Lebensbereichen von Zahlungen in Echtzeit profitieren. Verbraucher:innen werden die Zahlungsmethode als selbstverständlich verachten – und in den Checkout-Prozessen großer Onlineshops erwarten.

In fünf Jahren sehe ich Brite Payments als eine feste Größe im Bereich der Zahlungsabwicklung, nicht nur etabliert, sondern als unverzichtbarer Bestandteil des Check-out-Prozesses. Gleichzeitig ist es mir ein großes Anliegen, dass Brite Payments auch weiterhin ein lebendiger und attraktiver Arbeitsplatz bleibt. Ich bin sehr stolz auf die Kultur, die wir hier aufgebaut haben. Obwohl Veränderungen unvermeidlich sind, wenn ein Unternehmen wächst, ist es wichtig, die Aspekte zu bewahren, die unsere Mitarbeiter:innen täglich gerne zur Arbeit kommen lassen. Unser Ziel ist es, diese positive und dynamische Arbeitskultur zu erhalten und weiter zu stärken, während wir als Unternehmen weiter expandieren und uns entwickeln.

Welche drei Tipps würdest du angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Vor und auch während der Gründung eines eigenen Unternehmens sollte man eine breite Palette an Erfahrungen sammeln – die über die eigenen Kernkompetenzen hinausgehen. Initiativen, die Menschen aus verschiedenen Unternehmensbereichen zusammenbringen, können ein wahrer Motivations- und Kreativitätspool sein. So verbessert eine breite Erfahrungsbasis nicht nur die Führungsqualitäten (man weiß schließlich, was jede:r einzelne täglich operativ leistet), sondern schärft auch das eigene unternehmerische Denken.

Zum zweiten empfehle ich, bei der Gründung eines Unternehmens nach Investor:innen zu suchen, die die eigene Vision wirklich verstehen und mit denen man in Bezug auf diese Vision auf einer Wellenlänge liegt. Obwohl dies vielleicht klischeehaft klingen mag, ist es wirklich entscheidend, denn die richtigen Investor:innen können maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg eines Startups entscheiden.

Drittens: Die Personen, die man in den Anfangstagen um sich versammelt, prägen nicht nur das Produkt, sondern auch die Kultur des Unternehmens. Diese frühen Entscheidungen sind grundlegend für die Schaffung eines positiven und produktiven Arbeitsumfeldes und den langfristigen Erfolg des Unternehmens.

Wir bedanken uns bei Lena Hackelöer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Brite Payments

Kontakt:

Brite AB
Linnégatan 5
114 47 Stockholm
Sweden

https://britepayments.com/de/
info@britepayments.com

Ansprechpartner: Christopher Taine

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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