Samstag, Februar 4, 2023
StartWorkbaseDatenschutz als Königsdisziplin: So wird er zum Wettbewerbsvorteil

Datenschutz als Königsdisziplin: So wird er zum Wettbewerbsvorteil

Wer ein Start-up gründet, hat viele To-dos auf der Liste – vom Businessplan bis hin zur Finanzierung. Aber Datenschutz? Der spielt auf den ersten Blick oftmals keine so große Rolle. Wer aber Zeit und Ressourcen sparen will, sollte den Schutz der verarbeiteten Daten von Beginn an mitdenken. Denn am Ende kann daraus ein Wettbewerbsvorteil entstehen. 

Viel zu oft wird Datenschutz als mühsames Thema wahrgenommen. Dabei ist die richtige Einstellung gegenüber dem Schutz von persönlichen Daten der Schlüssel zum Erfolg. Reden wir noch gar nicht von der technischen Umsetzung von datenschutzkonformen Richtlinien: Fangen wir mit dem Verständnis an. Alle Teammitglieder in einem  Start-up sollten von Anfang begreifen, wieso Datenschutz entscheidend ist.

Denn was passieren kann, wenn Kundendaten gefährdet oder offengelegt werden, zeigt das Beispiel von Scalable Capital: Dem Unternehmen wurden sehr sensible Kundendaten entwendet, von Ausweisdaten über Konto- und Steuernummern. Das Finanz-Start-up erlitt in Folge einen enormen Vertrauens- und Reputationsverlust. So etwas kann hohe Schadensersatzforderungen herbeiführen und ein junges Unternehmen versenken. 

Eine besondere Rolle sollte deshalb das Management-Team einnehmen und jedem Teammitglied ein Vorbild sein. Denn tatsächlich ist es so: hinter dem Datenschutz-Bewusstsein verstecken sich geschäftsfördernde Vorteile für das Unternehmen. Das Team fühlt sich mit einem ethischen Umgang mit Daten wohler, und Kund:innen sowieso. Ein richtiger Umgang mit dem Thema will aber gelernt sein. Diese vier Schritte können Gründer:innen dabei unterstützen:

Schritt 1: Bewusstsein schaffen durch offene Diskussionen 

Um das gesamte Team für das Thema zu sensibilisieren, sollte in einer offenen Teamrunde gemeinsam über die Einstellung zu und Erfahrung mit dem  Datenschutz gesprochen werden – wer steht wie zu diesem Thema und warum – so kann es zu einem “Aha-Moment” kommen und Barrieren abgebaut werden. Im Besten Fall wird ein Grundstein geschaffen, um bewusster mit dem Thema umzugehen. Es ist hier Aufgabe der Gründer:innen, die eigene persönliche Perspektive dazu zu verdeutlichen – wie stehen sie zu Tracking? Welche Browser-Add-ons werden benutzt und wieso? Eine offene Diskussion um diese Themen sorgt für Denkanstöße, die sich positiv auf das Unternehmen und die Zusammenarbeit auswirken werden können.

Schritt 2: Transparente Kommunikation

Ist ein grundlegendes Verständnis erst einmal geschaffen, sollten transparent  Bemühungen, Erfolge und Herausforderungen beim Datenschutz miteinander geteilt werden. Auch Datenschutzpannen sollten offen an Partner:innen, Mitarbeitenden und Kund:innen kommuniziert werden  – es kann schließlich immer mal zu Fehltritten kommen. Teammitglieder sollten in solchen Situationen etwaige Fehler nicht erst dann hervorbringen, wenn es potentiell schon zu spät ist. So kann man von vornherein Unmut und einen Vertrauensverlust vermeiden. Ein wichtiger Tipp an dieser Stelle: Erst sicherstellen, dass wirklich etwas schiefgegangen ist und dann kommunizieren – alles andere könnte bloß zu unnötiger Panik führen. 

Schritt 3: Technisches Bewusstsein

Gegenüber den Mitarbeitenden ist Offenheit und Ehrlichkeit gefragt. Allen sollte deutlich gemacht werden, was mit den eigenen Daten passiert – werden sie gespeichert, oder gar an andere Parteien weitergegeben? Transparenz stärkt das Vertrauen und den Zusammenhalt innerhalb des Teams und der Management-Ebene.  Zudem braucht es klare Verantwortlichkeiten: Wer kümmert sich innerhalb des Unternehmens eigentlich um die Datenschutzmaßnahmen? Im Idealfall sind das interne Mitarbeitende, die die Rolle der/des Datenschutzbeauftragten übernehmen. Denn die sind zum einen nah am Team und fördern dadurch das Datenschutzbewusstsein innerhalb des Unternehmens, zum anderen gelten sie durch ihre Expertise als Anlaufstelle für ihre Teammitglieder und entwickeln ein starkes Verantwortungsgefühl für das Thema innerhalb des Unternehmens. 

Damit Datenschutz ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur wird, ist es hilfreich Best-Practices im Tagesgeschäft zu etablieren. Dazu zählen etwa Empfehlungen für alternative und datensichere Suchmaschinen und Browser-Erweiterungen oder das Teilen von Learnings im sicheren Umgang mit den Sozialen Medien. 

Schritt 4: Nicht zum nächsten Datensammler werden

Je weniger Daten ein Unternehmen von den Nutzer:innen sammelt, desto weniger Daten können missbraucht werden. Vor allem bei Start-ups, die noch in den Startlöchern stehen, kann ein Leak zu einem Vertrauensverlust führen und den Ruf des Unternehmens massiv schädigen. Menschen entscheiden sich eher für Unternehmen, die sich um Sicherheit im Netz sorgen und  Datenschutzbedenken aus dem Weg räumen. Erreicht ein Unternehmen dieses Ziel, hat es den wichtigsten Wert der Kund:innen gewonnen: Vertrauen. 

Fazit: 

Datenschutz passiert nicht nebenbei. Gerade in der Wachstumsphase ist wenig Zeit, deshalb sind frühzeitige Diskussionen der schnellste Weg, dem Thema genügend Platz einzuräumen. Datenschutz ist gekennzeichnet von vielen Aspekten, die Gründer:innen von Beginn an bedenken sollten. Auch hier lautet die Devise: Sei den anderen Wettbewerber:innen immer einen Schritt voraus. Das frühzeitige Engagement für Datenschutz zeigt ein Werteverständnis, welches Kund:innen und Mitarbeitende zu schätzen wissen. Und zusätzlich, braucht man keine Angst vor Klagen, Leaks und Reputationsverlust zu haben.  Wenn alle Mitarbeitende gemeinsam an einem Strang ziehen, kann das volle Potential von Datenschutz ausgeschöpft werden und zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickeln. 

Autor

Robert E.G. Beens ist Mitgründer und CEO von Startpage und ein anerkannter Experte und Verfechter des Datenschutzes. Bei Startpage ist Beens für das operative Geschäft, die Produktentwicklung, Technologie und Finanzen zuständig. 

Beens gründete Startpage, ehemals Metasuchmaschine Ixquick, im Jahr 2006. Er hat seinen Master-Abschluss in Unternehmens-, Sozial- und Wirtschaftsrecht an der Universität Utrecht in den Niederlanden absolviert.

Bild pixabay

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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