Montag, März 9, 2026
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Wie entsteht die Mobilität von morgen?

Der de:hub München – Mobility vernetzt Startups, Industrie, Forschung und Städte, um Innovationen rund um Mobilität und Elektrifizierung schneller in marktfähige Lösungen zu überführen

Wie positioniert sich der de:hub München – Mobility innerhalb des deutschen Digital Hub Netzwerks?

Der de:hub München – Mobility ist Teil der bundesweiten de:hub Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) und das Mobilitätsteam von UnternehmerTUM – Europas größtem Zentrum für Innovation und Gründung. Als Dienstleister und Netzwerk-Orchestrator vernetzen wir Unternehmen aus der Automobil-, Mobilitäts-, Energie- und Technologiebranche mit Städten, Start-ups und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam gestalten wir aktiv die Zukunft der Mobilität.

Welche Rolle spielt der Hub für die Transformation der Mobilitätsbranche?

Wir verstehen uns als Innovationstreiber für die Mobilität von morgen – in der Überzeugung, dass nachhaltige Transformation nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingt. Dazu arbeiten wir mit Startups, Industrie, Wissenschaft und Politik zusammen und bringen Innovationen schneller auf die Straße. Wir schaffen ein starkes Ökosystem, in dem neue Technologien, digitale Lösungen und nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt werden – und leisten so einen konkreten Beitrag zu einer zukunftsfähigen Mobilität.

München ist ein Zentrum der Automobilindustrie. Welche Standortvorteile und vorhandenen Kompetenzen nutzt der Mobility Hub München, um zukunftsfähige Mobilitätslösungen zu fördern?

München verfügt über ein einzigartiges Innovationsökosystem mit einem starken Zusammenspiel von Freistaat Bayern, Stadt München, Industrie und exzellenten Forschungseinrichtungen. Gleichzeitig zieht der Standort internationale Startup-Talente und Deep-Tech-GründerInnen an. Genau diese Dichte an Kompetenz, Kapital und Kooperationsbereitschaft ist entscheidend, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten.

Welche technologischen Schwerpunkte stehen im Fokus des de:hub München – Mobility?

Im Fokus stehen aktuell Technologien mit besonders hohem Disruptionspotenzial, die die Branche nachhaltig verändern: Elektromobilität inklusive Ladeinfrastruktur sowie autonomes Fahren. Darüber hinaus beschäftigen wir uns mit zentralen Zukunftsthemen wie Mobilitätsdaten, Multimodalität, geteilter Mobilität und intelligentem Parkraummanagement. Unser Ziel ist klar: Gemeinsam beschleunigen wir nachhaltige Mobilität.

Warum sind diese Themen für den Wandel der Mobilität besonders relevant?

Autonomes Fahren und Elektrifizierung sind für den Wandel der Mobilität besonders relevant, weil sie das Potenzial haben, bestehende Systeme grundlegend zu verändern. Die Elektrifizierung ist entscheidend, um verschärfte Emissionsgrenzwerte zu erfüllen und Klimaziele zu erreichen – im Pkw- wie auch im Nutzfahrzeugbereich. Hier leisten wir durch Vernetzung, Pilotprojekte und den Aufbau des Ökosystems konkrete Unterstützung.

Autonomes Fahren eröffnet zugleich neue Möglichkeiten für bedarfsgerechte Mobilitätsangebote, etwa durch On-Demand-Shuttles im ländlichen Raum. Angesichts des zunehmenden Personalmangels wären solche Konzepte ohne fahrerlose Systeme kaum realisierbar. Wir unterstützen beim Aufbau des entsprechenden Ökosystems und bei der Überarbeitung der Regulatorik für Level 4 Autonomes Fahren.

Wie unterstützt der Hub Startups und Unternehmen bei der Entwicklung, Erprobung und Skalierung neuer Mobilitätslösungen?

Ein zentrales Instrument sind unsere Co-Innovationsprojekte: In sechsmonatigen Programmen arbeiten 3-6 Partner aus etablierten Unternehmen, Start-ups, Städten und Wissenschaft entlang einer gemeinsamen Vision an konkreten Herausforderungen – mit strukturierten Workshops, unabhängiger Steuerung und Expertenbegleitung durch uns. So entstehen neue Geschäftsideen, marktfähige Prototypen und belastbare Partnerschaften mit konkretem Markteinfluss. Zudem bieten wir Startups vielfältige Möglichkeiten zur Sichtbarkeit, beispielsweise auf Events, und vernetzen sie gezielt mit etablierten Unternehmen.

Welche Rolle spielen etablierte Automobilhersteller, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister im Ökosystem des Hubs?

Etablierte Automobilhersteller, Zulieferer und Mobilitätsdienstleister spielen eine zentrale Rolle im Ökosystem des Hubs. Sie engagieren sich stark, bringen Marktkenntnis sowie Skalierungskompetenz ein und gestalten den Wandel aktiv mit. Gleichzeitig braucht eine erfolgreiche Transformation weitere Akteure – Startups, Kommunen, Investoren und Forschungseinrichtungen. Auch sie sind essentiell und werden von uns gezielt integriert, um gemeinsam ganzheitliche Mobilitätslösungen zu entwickeln.

Wie adressiert der de:hub München – Mobility aktuelle Herausforderungen der Branche, etwa Elektrifizierung, autonome Systeme, Digitalisierung oder nachhaltige Mobilität?

Die Mobilitätsbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Automatisierung, Digitalisierung, Dekarbonisierung und neue Geschäftsmodelle verändern bestehende Systeme grundlegend. Als de:hub München – Mobility adressieren wir diese Herausforderungen durch den Aufbau starker Ökosysteme, gezielte Vernetzung relevanter Akteure sowie praxisnahe Innovations- und Pilotprojekte.
Ein Beispiel: Eine zentrale Herausforderung der Elektrifizierung – insbesondere im Schwerlastverkehr – ist die bislang oft manuelle und wenig planbare Ladeinfrastruktur-Nutzung. Es fehlt an Transparenz über verfügbare Ladepunkte, an verbindlichen Reservierungsmöglichkeiten und an durchgängigen digitalen Prozessen. Das erschwert effiziente Abläufe und bremst die Skalierung elektrischer Lkw-Flotten.

Genau hier setzt unser aktuelles Co-Innovationsprojekt „Truck Charging“ an. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Energie, Logistik und Technologie wurde ein interoperables, digitales Reservierungssystem für das Laden von E-Lkw entwickelt und in einem Real-Live-Pilot entlang einer 300-km-Route erfolgreich getestet. Die Ergebnisse zeigen, dass verbindliche, standortübergreifende Reservierungssysteme ein zentraler Hebel für effiziente Prozesse und den wirtschaftlichen Hochlauf im Schwerlastverkehr sind.
Aufbauend darauf widmen wir uns im nächsten Projekt der Frage, wie Lkw-Depots zu integrierten Energie-Hubs weiterentwickelt werden können – als Knotenpunkte, die Transport-, Lade- und Energiesysteme intelligent verknüpfen und neue Geschäftsmodelle im E-Lkw-Ökosystem ermöglichen.

Gleichzeitig ist Elektrifizierung nur eine von vielen Herausforderungen. Themen wie autonomes Fahren – insbesondere im Kontext von Level-4-Anwendungen – sowie die Rolle des Schienenverkehrs als Rückgrat nachhaltiger Mobilität bearbeiten wir ebenso aktiv. Mobilität ist facettenreich – und unser Anspruch ist es, technologische Innovation, Infrastruktur, Regulierung und neue Geschäftsmodelle ganzheitlich zusammenzudenken.

Welche Bedeutung haben Daten, Software und KI für neue Geschäftsmodelle und Mobilitätskonzepte im Hub-Umfeld?

Daten, Software und KI sind zentrale Enabler für zukunftsfähige Mobilitätslösungen. Sie vernetzen Fahrzeuge, Infrastruktur und Energiesysteme und ermöglichen effiziente, datenbasierte Prozesse.
Am Beispiel unseres Projekts „Truck Charging“ wird das deutlich: Ohne verlässliche und interoperable Daten zu Ladepunkten und Verfügbarkeiten wäre eine digitale Reservierungsplattform nicht umsetzbar – und der Hochlauf der E-Lkw würde gebremst. Daten sind damit die Grundlage für funktionierende Geschäftsmodelle und skalierbare Innovationen in nahezu all unseren Projekten.

Wie fördert der Hub Kooperationen zwischen Startups, Industrie, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Akteuren?

Wir schaffen gezielt Formate, die unterschiedliche Akteure strukturiert zusammenbringen und gemeinsame Innovation ermöglichen. Neben den bereits genannten Co-Innovationsprojekten, in denen Partner über sechs Monate hinweg entlang einer gemeinsamen Vision an konkreten Lösungen arbeiten, setzen wir auf weitere Vernetzungs- und Austauschformate.
Ein Beispiel sind unsere Benchmarkreisen: Mit den Partnern aus unserem Netzwerk besuchen wir internationale Vorreiterstädte für intelligente und nachhaltige Mobilität. Vor Ort ermöglichen wir den direkten Austausch mit relevanten Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Startups, identifizieren Best Practices und schaffen konkrete Anknüpfungspunkte für zukünftige Kooperationen.

Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Aktivitäten – sowohl für die beteiligten Startups als auch für den Mobilitätsstandort München?

Erfolg messen wir auf mehreren Ebenen. Auf Projektebene betrachten wir konkrete Ergebnisse wie entwickelte Prototypen, initiierte Pilotprojekte, Folgekooperationen oder implementierte Lösungen. Für Startups und Unternehmen ist entscheidend, ob durch unsere Formate strategische Partnerschaften entstehen, Marktzugänge erleichtert werden und Innovationen tatsächlich in die Anwendung kommen. Der nachhaltige Mehrwert zeigt sich insbesondere dann, wenn Kooperationen über das Projekt hinaus fortgeführt werden.

Gleichzeitig verfolgen wir ein übergeordnetes Ziel: einen messbaren Beitrag zu zukunftsfähiger, nachhaltiger Mobilität zu leisten. Unser Anspruch ist es, nicht nur einzelne Projekte umzusetzen, sondern strukturelle Wirkung im Mobilitätsökosystem zu erzielen und die Transformation aktiv mitzugestalten.

Welche Ziele verfolgt der de:hub München – Mobility in den kommenden Jahren, um den Mobilitätswandel aktiv mitzugestalten?

Unser Ziel ist es, die Mobilität in Deutschland zukunftsfähig weiterzuentwickeln und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Wir verstehen uns als Impulsgeber und Umsetzungspartner. Unser Ansatz ist ganzheitlich: Mobilität begreifen wir als integriertes Zusammenspiel unterschiedlicher Mobilitätsformen. Als neutraler Orchestrator bringen wir relevante Akteure zusammen und treiben branchenübergreifend innovative Lösungen voran.

Besonders große Chancen sehen wir in den Wachstumsfeldern autonomes Fahren, Elektrifizierung sowie Digitalisierung und KI – und vor allem in deren Umsetzung. Beim autonomen Fahren beispielsweise – wir unterstützen aktiv das Ökosystem EM 4.0 des Bundeswirtschaftsministeriums und arbeiten mit Behörden und Unternehmen an einer Weiterentwicklung der Regulatorik für Level 4 Autonomes Fahren, um Herstellern und Betreibern schneller zu ermöglichen, ihre Angebote auf die Straße zu bringen. Deutschland muss dringend drei bis vier große Modellregionen starten, wenn wir den Markt nicht völlig den USA und China überlassen wollen.

Im Bereich Elektrifizierung setzen wir mit „Truck Charging“ konkrete Impulse für einen effizienteren und planbaren Schwerlastverkehr. Aufbauend darauf entwickeln wir im nächsten Schritt Konzepte, um Transport-, Lade- und Energiesysteme integriert weiterzudenken – beispielsweise als Energie-Hubs – und langfristig skalierbar zu machen.

Bildrechte: Christian Kudler (Fotograf)

Wir bedanken uns bei Claudia Happe für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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