Donnerstag, April 18, 2024
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e-Residency of Estonia ermöglicht die Online-Gründung und -Verwaltung von EU-Unternehmen mit einer digitalen Identität

Stellen Sie sich und das Startup e-Residency of Estonia doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Liina Vahtras, Geschäftsführerin des estnischen e-Residency Programms. Das e-Residency-Programm wurde 2014 von der estnischen Regierung als weltweit erstes staatliches Start-up ins Leben gerufen. Es bietet eine sichere, von der estnischen Regierung ausgestellte digitale Identität, mit der Menschen aus der ganzen Welt Zugang zur fortschrittlichen digitalen Infrastruktur Estlands erhalten. 

Seit 20 Jahren sind fast alle staatlichen Dienstleistungen rund um die Uhr digital über dieselbe Plattform verfügbar. Jeder, der ein Start-up-Unternehmen in der EU gründen möchte, kann dies als estnischer e-resident schnell und einfach von jedem Ort der Welt aus tun, ohne lästigen Papierkram, ohne großes Risiko und gleichzeitig auf sichere Weise.

Ich selbst komme aus dem Technologie- und Regierungssektor und habe als politische Beraterin für zwei estnische Premierminister und in Technologieunternehmen wie Pipedrive, Nortal und Tuum gearbeitet.

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Ich habe e-Residency nicht gegründet, sondern die estnische Regierung. Estland ist ein kleines Land. Wir haben nur 1,3 Millionen Einwohner:innen – weniger als München – und keine natürlichen Ressourcen. Deshalb müssen wir kreativ sein, um zu wachsen und unsere Wirtschaft zu diversifizieren. Eine unserer größten Stärken ist, dass wir vor fast 25 Jahren die digitale Transformation von Staat, Verwaltung und Gesellschaft in enger Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft erfolgreich eingeleitet haben. Heute sind wir für viele Länder ein Vorbild.

Was war bei der Gründung von e-Residency of Estonia die größte Herausforderung?

Eine Herausforderung bestand darin, herauszufinden, für wen das Angebot am attraktivsten ist und wie wir die Vorteile für die verschiedenen Arten von Unternehmer:innen am besten erklären können. Als wir das Programm einführten, gingen wir zum Beispiel davon aus, dass es eher für Menschen außerhalb der EU von Bedeutung sein würde, da die e-Residency ihnen einen virtuellen Zugang zum europäischen Binnenmarkt bieten würde.

Tatsächlich kommt heute fast die Hälfte der e-residents aus der EU und mehr als 50 Prozent der Unternehmen wurden von Menschen aus der EU gegründet. Menschen aus Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich und anderen Ländern sind von der Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit unserer digitalen Dienste begeistert. EU-Bürger:innen und vor allem Gründer:innen wollen unser System nutzen, weil es einfach, unkompliziert, vollständig digital und relativ kostengünstig ist.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Wer mit einem Start-up erfolgreich sein will, muss bereit sein, Risiken einzugehen und darf keine Angst vor dem Scheitern haben. Das ist das Wesen des Unternehmertums. Die Bedingungen in Estland sind jedoch darauf ausgerichtet, ein optimales Umfeld für Gründer:innen und Start-ups zu schaffen und sie zu unterstützen. Eine Unternehmensgründung ist schnell und unbürokratisch möglich – Gründer:innen können ihre Geschäftsidee einfach ausprobieren, denn der Aufwand und die Investitionen für eine Unternehmensgründung sind gering. Viele, die in Estland mit einer Idee begonnen haben, sind heute weltbekannte Tech-Einhörner wie Skype, Wise, Bolt und Pipedrive.

Welche Vision steckt hinter e-Residency of Estonia?

Government-as-a-Service ist die estnische Soft Power. Die Idee der Gründer von e-Residency war so klug wie einfach. Mit e-Residency öffnen wir Ausländer:innen und Nicht-Staatsbürger:innen den Zugang zu unseren digitalen Dienstleistungen. Die Infrastruktur, also die Dienste und der rechtliche Rahmen, waren bereits vorhanden, wir waren seit 2004 Mitglied der EU und hatten bereits das dynamischste Start-up-Ökosystem Europas. Die Einführung der e-Residency war also nicht kompliziert, erforderte aber einen Mentalitätswandel.

Wer ist die Zielgruppe von e-Residency of Estonia?

e-Residency richtet sich an EU-Bürger:innen sowie an Nicht-EU-Bürger:innen, die endlich ihre eigene Geschäftsidee verwirklichen und ihren Traum vom eigenen Unternehmen leben wollen – einfach und von überall auf der Welt aus. Wir haben festgestellt, dass e-Residency besonders für digitale Nomad:innen und Solopreneure geeignet ist, aber auch für Gründer:innen digitaler Dienstleistungsunternehmen, die ihr Unternehmen ortsunabhängig führen wollen.

Wie funktioniert e-Residency of Estonia? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wer e-resident werden möchte, stellt online einen Antrag und erhält nach erfolgreicher Prüfung eine hochsichere digitale ID, die von der estnischen Regierung auf Basis von eIDAS als Ausweisdokument ausgestellt wird. Mit der ID-Karte können e-residents unter anderem digital unterschreiben, Online-Bankgeschäfte tätigen, Dateien verschlüsseln und Unternehmen gründen und verwalten. Wer ein Unternehmen gründen möchte, kann dies zu 100 Prozent digital tun, ohne eine Behörde aufsuchen zu müssen. 

Vor zwei Jahren stellte ein e-resident auf der London Tech Week sogar einen Weltrekord auf. Er gründete sein Start-up in 15 Minuten. Der längste Teil des Prozesses war es, den richtigen Namen für das Unternehmen zu finden, der auch einzigartig sein sollte. Das estnische System, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Unternehmenskultur sind transparent und basieren auf Vertrauen und Daten. Estland ist innovations- und unternehmerfreundlich, und das spüren Gründer:innen überall. Ich habe gehört, dass Gründer:innen in Deutschland auch vor der Herausforderung stehen, Zugang zu geeigneten Netzwerken und Investor:innen zu finden. 

Auch hier kann e-Residency helfen. Gründer:innen werden Teil einer aktiven und wachsenden Gemeinschaft von e-residents weltweit, die den Austausch von wertvollem Wissen und Erfahrungen fördert und gleichzeitig hilft, neue Kund:innen und Geschäftspartner:innen zu gewinnen.

e-Residency of Estonia, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir arbeiten ständig daran, die Benutzerfreundlichkeit auf ein neues Niveau zu heben. Zum Beispiel wollen wir die Plastikkarte, die an e-residents ausgegeben wird, hinter uns lassen. Im Jahr 2025 wollen wir eine innovative Lösung für die sichere Identitätsüberprüfung aus der Ferne testen, von der nicht nur e-residents, sondern auch estnische Bürger:innen profitieren. Wie alle unsere Lösungen wird auch diese ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort bieten – zwei Aspekte, bei denen wir keine Kompromisse eingehen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Haben Sie eine Geschäftsidee? Wir ermutigen Sie, den Schritt zu wagen und es auszuprobieren – die Hürden sind nicht so hoch, wie Sie vielleicht denken. Als e-resident können Sie ein Start-up-Unternehmen vollständig digital gründen und führen, und der Verwaltungsaufwand ist minimal.

Konzentrieren Sie sich auf die Gründung und das Wachstum Ihres Unternehmens. Verschwenden Sie Ihre wertvolle Zeit nicht mit bürokratischen Verfahren oder einem komplizierten Steuersystem.

Bauen Sie ein Netzwerk auf oder schließen Sie sich einer Community an. Der Austausch mit gleichgesinnten Unternehmer:innen wie der e-Residency Community bringt Sie immer weiter.

Copyright: Marilin Leenurm

Wir bedanken uns bei Liina Vahtras für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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