Key Takeaways
- Enpulse Ventures investiert in Pluvion, ein Water-Tech-Startup, um die Herausforderungen der Wasserinfrastruktur zu adressieren.
- Pluvion entwickelt die KI-gestützte Plattform WATER+, die bestehende Füllstandsdaten analysiert und Fremdwasser erkennt.
- Die digitale Lösung ermöglicht es Kommunen, Betriebskosten zu senken und Investitionen gezielt zu steuern.
- Enpulse Ventures fokussiert sich auf digitale Lösungen für kritische Infrastrukturen, einschließlich Wassertechnologie.
- Langfristig plant Pluvion den Ausbau zu einer modularen Software-Suite für verschiedene Anwendungen im Wassersektor.
Inhaltsverzeichnis
Enpulse Ventures steigt bei Pluvion ein
Wasserinfrastruktur gehört zu den stillen Problemzonen der deutschen Wirtschaft. Viele Netze sind alt, schlecht dokumentiert und teuer im Unterhalt. Gleichzeitig steigen die Anforderungen durch Starkregen, Klimawandel und knappe kommunale Kassen. Genau in dieses Spannungsfeld investiert Enpulse Ventures jetzt gezielt Kapital. Enpulse Ventures, das Venture-Studio der EnBW, führt eine siebenstellige Seed-Finanzierungsrunde beim Freiburger Water-Tech-Startup Pluvion an. An der Runde beteiligen sich zudem die bestehenden Investoren Kopa Ventures und die MBG Baden-Württemberg.
Pluvion entwickelt Software für Kanalnetze, einen Bereich, der bislang stark von manueller Inspektion, punktuellen Messungen und kostenintensiven Gutachten geprägt ist. Die KI-gestützte Plattform WATER+ soll das ändern. Sie wertet vorhandene Füllstandsdaten aus und erkennt automatisch sogenanntes Fremdwasser, also Wasser, das nicht ins Abwassersystem gehört – etwa durch undichte Leitungen oder Fehlanschlüsse.
Digitale Transparenz für ein vernachlässigtes Netz
Der Einstieg von Enpulse Ventures kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Kommunen unter Handlungsdruck stehen. Enpulse Ventures versteht, dass Fremdwasser die Betriebskosten von Kläranlagen erhöht, Pumpwerke belastet und Überlastungen bei Starkregen verschärft. Dennoch fehlt häufig der Überblick, wo genau die Ursachen liegen. Klassische Methoden wie Kamerabefahrungen oder punktuelle Messkampagnen sind teuer, zeitaufwendig und liefern nur begrenzte Momentaufnahmen.
Pluvion setzt auf einen datengetriebenen Ansatz. WATER+ analysiert kontinuierlich bestehende Messdaten aus dem Kanalnetz und übersetzt sie in verständliche Visualisierungen. Betreiber sehen in Echtzeit, wo ungewöhnliche Pegel auftreten, wie sich Regenereignisse auswirken und an welchen Stellen gezielt nachgeschärft werden sollte. Die Unterstützung durch Enpulse Ventures macht solche Analysen bis zu zehnmal günstiger durchführbar als mit herkömmlichen Verfahren.
Für kommunale Betreiber bedeutet das vor allem eines: Investitionen können priorisiert werden. Statt flächendeckend zu prüfen, wird dort angesetzt, wo der größte Effekt zu erwarten ist.
Warum Enpulse Ventures auf Wassertechnik setzt
Dass Enpulse Ventures in den Wassersektor investiert, ist strategisch konsequent. Als Venture-Studio der EnBW fokussiert sich die Gesellschaft auf digitale Lösungen für kritische Infrastrukturen. Neben Energie, Mobilität und Netzen rückt Wasser zunehmend in den Fokus – auch, weil Anpassung an den Klimawandel ohne leistungsfähige Abwasser- und Entwässerungssysteme kaum möglich ist.
„Die Modernisierung unserer Wasserinfrastruktur ist eine der unterschätzten Stellschrauben der Klimaanpassung – und sie wird ohne digitale, datengetriebene Lösungen nicht funktionieren“, sagt Florian Fichter, Geschäftsführer von Enpulse Ventures. Pluvion zeige, wie sich bestehende Daten mit KI so nutzen lassen, dass Kommunen frühzeitig gegensteuern können.
Aus Investorensicht gilt der Markt als attraktiv, aber anspruchsvoll. Die Nachfrage ist langfristig stabil, die Verkaufszyklen sind lang, Budgets begrenzt und Vergabeverfahren komplex. Für Startups bedeutet das: Skalierung erfordert Geduld, belastbare Referenzen und einen klaren wirtschaftlichen Nutzen. Durch Enpulse Ventures wird genau dieser Punkt adressiert, indem vorhandene Daten intelligenter genutzt werden, statt neue Sensorik teuer nachzurüsten.
Praxisbezug statt Zukunftsmusik
Im Alltag der Wasserwirtschaft zählt weniger die Vision als die Umsetzbarkeit. Entsprechend eng arbeitet Pluvion mit Anwendern zusammen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Ingenieurbüros, die Sanierungsprojekte planen und operativ umsetzen. Für sie kann die Software zum Analysewerkzeug werden, um schneller fundierte Entscheidungen zu treffen und Maßnahmen gegenüber Auftraggebern besser zu begründen.
Der Einsatz von KI ersetzt dabei nicht die Expertise vor Ort. Enpulse Ventures hilft dabei, große Datenmengen zu strukturieren und liefert Hinweise, wo sich genaues Hinschauen lohnt. Das senkt Kosten, vermeidet unnötige Eingriffe und schont knappe Ressourcen – finanziell wie personell.
Skalierung zwischen Vision und Realität
Langfristig verfolgt Pluvion die Idee, seine Plattform zu einer modularen Software-Suite auszubauen – intern spricht das Unternehmen von einer Art „App Store der Wasserindustrie“. Neben Fremdwasseranalysen könnten künftig weitere Anwendungen hinzukommen, etwa zur Starkregenvorsorge, Überflutungsprävention oder Emissionsreduktion.
Für den Markt ist das ein ambitionierter Ansatz, der Skalierbarkeit verspricht. Gleichzeitig bleiben die Hürden hoch. Unterschiedliche IT-Landschaften, regulatorische Vorgaben und Datenschutzanforderungen erfordern flexible Lösungen und lokale Anpassung. Ob sich eine solche Plattform, an der auch Enpulse Ventures beteiligt ist, flächendeckend durchsetzt, wird davon abhängen, wie gut sie sich in bestehende Prozesse integrieren lässt.
Einordnung und Ausblick
Mit dem Einstieg von Enpulse Ventures erhält Pluvion nicht nur frisches Kapital, sondern auch Zugang zu einem industriellen Netzwerk mit tiefem Infrastruktur-Know-how. Enpulse Ventures zeigt der Branche, dass digitale Lösungen für Wasser- und Abwassersysteme aus der Nische herauswachsen.
Für Kommunen könnte das langfristig bedeuten, ihre Netze besser zu verstehen und Investitionen gezielter zu steuern. Mit der Unterstützung von Enpulse Ventures zeigt der Deal, dass auch vermeintlich „unsexy“ Bereiche wie Kanalnetze erhebliche Innovations- und Wachstumspotenziale bieten – gerade dort, wo Klimaanpassung und Infrastruktur zusammentreffen.
Foto/Quelle: Pluvion
























