Donnerstag, Februar 2, 2023
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Seid mutig und priorisiert, wo ihr eure Zeit investieren möchtet

Pacifico entwickelt Wind- und Solarparks, Batteriespeicheranlagen sowie Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff

Stellen Sie sich und das Startup Pacifico Energy Partners doch kurz unseren Lesern vor:

Das Unternehmen gründete ich 2016 zusammen mit Fabian Herberg. Wir lernten uns bei McKinsey kennen, wo wir zusammengerechnet ca. 15 Jahre lang als Berater für große Energieversorger tätig waren. Bevor ich zu McKinsey ging, habe ich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Energieökonomie studiert. Fabian studierte zuerst Physik an der Humboldt Universität in Berlin, schloss hier mit einem Diplom ab und hat anschließend einen Master in VWL in Cambridge abgeschlossen. 

Mit Pacifico Energy Partners oder kurz “Pacifico” sind wir im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Wir entwickeln v.a. Wind- und Solarparks, unterstützen Kommunen und Landeigentümer bei der Entwicklung ihrer Flächen und kümmern uns um das Repowering bestehender Anlagen. Nach der Entwicklung von baureifen Anlagen veräußern wir diese an passende Eigentümer und unterstützen weiterhin sowohl beim Bau, der Finanzierung und dem Stromverkauf, also auch bei der Betriebsführung über die gesamte Lebensdauer der Anlagen. Nicht zuletzt haben wir auch noch die ersten Projekte im Batterie- und Wasserstoffbereich gestartet – kurzum: Wir sind ein Allrounder der Energiewende.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Im Laufe der Jahre fiel mir immer wieder auf, dass bei den großen Playern der Energiewirtschaft einige Dinge nicht schnell genug vorangehen. Insbesondere wenn man sich die aktuellen Herausforderungen der Energiewende vor Augen führt. Hier lautet ja die Frage: Was brauchen wir, um unsere Klimaziele zu erreichen? Ich würde sagen, das sind im Kern drei Dinge:

Erstens sind das passgenaue Lösungen. Hier spielt Dezentralität eine große Rolle. Das heißt, die Energieversorgung von morgen kann nicht allein über große Kraftwerke sichergestellt werden. Die großen Energieversorger haben aber über Jahrzehnte genau das gemacht, nämlich große, grundlastfähige Kraftwerke gebaut. Für die Transformation unseres Energiesystem nehmen aber eben kleinere und dezentrale Projekte eine immer wichtigere Rolle ein. Und genau das können wir besser leisten, weil wir alles in allem wesentlich agiler sind.

Zweitens sind das schlichtweg neue Anlagen zur Erzeugung nachhaltiger Energie. Die Zielsetzungen der Politik sind ja recht ambitioniert, aber die Anzahl an neuen Entwicklungsprojekten passt noch nicht dazu. Es kommt nicht von irgendwo, dass regelmäßig die öffentlichen Ausschreibungen neuer Windparks unterzeichnet sind. Das Problem: Die Entwicklung von neuen Projekten im Bereich der Erneuerbaren ist immer mit Risiken verbunden. . Aufgrund dieser Risiken lassen sich Projekte langsamer realisieren, werden kleiner oder bleiben gar ganz auf der Strecke. Das ist problematisch, denn: Ohne Entwicklung kein Grünstrom. 

Drittens braucht es das nötige Know-how. Die Entwicklung und der Bau von Wind- und Solarparks ist eine komplexe Angelegenheit, durch unsere Spezialisierung auf die Projektentwicklung kennen wir uns mit den Optimierungsmöglichkeiten aus und können immer die richtigen Lösungen anbieten. Dies beinhaltet nicht nur die technisch optimale Lösung, sondern auch Möglichkeiten, die Interessen von Kommunen und Landeigentümern z.B. in Bezug auf Beteiligungsoptionen passgenau zu gestalten.

Welche Vision steckt hinter Pacifico?

Uns geht es darum, der Energiewende den nötigen Rückenwind zu geben. Dabei denken wir ganzheitlich und betreuen Anlagen deshalb von der Projektidee, über die Projektentwicklung bis zum Ende der Betriebslaufzeit als Betriebsführer. Somit sind wir als Projektpartner für Kommunen oder Landeigentümer langfristige Partner und unterstützen so auch dabei, die Akzeptanz von erneuerbaren Energien langfristig zu steigern. 

Neben dem weiteren Ausbau der Kapazitäten zur Erzeugung von grünem Strom sind wir außerdem gerade dabei, unsere Entwicklertätigkeit auf die zukunftsweisenden Technologien Wasserstoff und Batteriespeicher auszudehnen. Grüner Wasserstoff ist elementar für die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien, des Schwerlastbereichs oder des Flugverkehrs und Batteriespeicher brauchen wir, um die Volatilität der Erneuerbaren abzufangen und unser Stromnetz zu stabilisieren. Insbesondere dann, wenn immer mehr Kohle- und Atomkraftwerke abgeschaltet werden. 

Letztlich treiben wir die Internationalisierung von Pacifico weiter voran. Die Energiewende ist ein globales Projekt und kann nur über Ländergrenzen hinweg geschafft werden. Derzeit sind wir mit Deutschland, Italien, Polen, den Niederlanden und Spanien in 5 europäischen Märkten aktiv und hoffen, bald weitere Märkte zu erschließen.

Von der Idee bis zum Start, was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Inhaltlich waren Fabian und ich durch unsere Vorkenntnisse und Erfahrungen von Anfang an gut für unsere Tätigkeiten gerüstet. Unternehmensaufbau ist allerdings die zweite Disziplin, die man als Gründer beherrschen muss. Teilweise fanden wir es schwierig, bei einem schnell wachsenden Unternehmen die notwendigen Strukturen zu schaffen, um eine hohe Wachstumsgeschwindigkeit auch nachhaltig beizubehalten. Mittlerweile sind wir allerdings sehr stolz auf unser Team, unsere Unternehmenskultur und auf Pacifico als Ganzes. 

Wir hatten schon mit Gründung die Weichen für eine solide Finanzierung gestellt, da wir von Anfang an mit Alexander Samwer (mittlerweile Pelion Green Future) als Ankerinvestoren zusammengearbeitet haben. Dies ist insbesondere für das Kapital für die Entwicklung neuer Projekte wichtig. Da wir sehr schnell aus eigenen Cashflows unsere Mitarbeiter und unser Wachstum finanzieren konnten, waren wir anders als andere Start-ups nicht auf unzählige Finanzierungsrunden angewiesen. Allerdings suchen wir stetig nach neuen Finanzpartnern für die Finanzierung und Umsetzung von neuen Projektportfolios.

Wer ist die Zielgruppe der Pacifico?

Das ist sehr vielseitig: Bei der Projektentwicklung sind das Landeigentümer, Kommunen, kleinere Projektentwickler und im Endeffekt alle Akteure, die einen starken und erfahrenen Partner wie Pacifico suchen. Auf der Finanzseite sind es Partner, die Interesse haben, Geld in Projektportfolios in der Entwicklungsphase zu investieren und diese gemeinsam mit uns bis zur Baureife oder zur schlüsselfertigen Anlage zu bringen.

Wie funktioniert Pacifico? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Damit Deutschland bis 2045 und die EU bis 2050 klimaneutral wird, braucht es noch deutlich mehr Wind- und Solarparks, Batteriespeicheranlagen sowie Erzeugungskapazitäten für grünen Wasserstoff. Um das zu erreichen, kombinieren wir Know-how, Agilität und Finanzstärke. Mit unserem Know-how bezüglich der Regulatorik, der Finanzierung, Netzanschlüssen & Co. beschleunigen wir die Projektentwicklung und damit die Energiewende. Zweitens unsere Unternehmenskultur: Wie gesagt kommen Fabian und ich aus der Unternehmensberatung und kennen die Dynamiken und Prozesse der großen Energieversorger. Das kombinieren wir mit dem unternehmerischen Denken eines Start-ups. Unser Team besteht aus vielen jungen klugen Köpfen, die die Energiewirtschaft neu denken wollen und können. Letztlich sorgt unsere stabile Finanzierung dafür, dass wir auch das nötige Kapital zur Umsetzung größerer Projektportfolios haben.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Zunächst wollen wir mehr Projekte entwickeln, begleiten und betreuen. Das klingt zwar etwas langweilig, aber es geht zunächst um geradliniges Wachstum. Unser Ziel ist, dass unsere Anlagen bis 2025 eine Millionen Menschen mit grünem Strom versorgen. 

Zweitens wollen wir die Schlüsseltechnologien Batteriespeichersysteme und grünen Wasserstoff in die Fläche bringen. Beides steckt sowohl in Deutschland als auch in Europa noch in den Kinderschuhen und bietet enorm viel Entwicklungspotential.

Letztlich wollen wir Pacifico weiter als Firma wachsen lassen, unsere Unternehmenskultur aufrechterhalten und weiter ausbauen. Es macht uns wahnsinnig viel Spaß, mit unserem Team zu arbeiten –  diese Dynamik wollen wir bewahren.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

1.  Seid mutig und priorisiert, wo ihr eure Zeit investieren möchtet. Es gibt links und rechts immer wieder viele Opportunitäten, die wenig mit der eigentlich Kernidee des Unternehmens zu tun haben, aber kurzfristig attraktiv erscheinen. Ein gewisser Opportunismus mag sinnvoll sein, aber letztlich ergibt es mehr Sinn, sich auf die wirklich wichtigen Themen zu konzentrieren und auch mal eine Opportunität liegen zu lassen. 

2. Habt Spaß an der Reise und probiert euch vor allem in der meist schwierigen Anfangsphase auf eure Stärken zu besinnen. Für die ersten erfolgreichen Schritte muss nicht immer alles perfekt sein. Deshalb sollte man sich zunächst auf seine Stärken konzentrieren und diese ausspielen.

3. Baut ein starkes Team auf, das eure Fähigkeiten ergänzt. Eines der wichtigsten Kriterien für Erfolg ist, tolle Leute mit komplementären Fähigkeiten um sich zu haben und diese zu einem Team zusammenzuschweißen. Ich bin fest überzeugt, dass jeder erfolgreiche Gründer nur so gut ist wie sein Team. 

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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