FamilyStories ist eine App, mit der Familien die Lebensgeschichten ihrer Eltern und Großeltern festhalten: mit geführten Fragen, per Sprache oder Text, mit Fotos und auf Wunsch als gedrucktes Erinnerungsbuch. Die Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, Sprachaufnahmen werden automatisch zu Text, und Eltern und Großeltern können in der App oder ohne Installation im Browser mitmachen. Lebensgeschichten sind dabei erst der Anfang: Schritt für Schritt wächst FamilyStories zu einem privaten Familienarchiv mit Familienspeicher, Alltagsmomenten, Familienkalender und Familienchat. Im Interview erzählt Gründer Vedad Taranin, wie seine eigene Familiengeschichte zur Gründung führte und was die App von Ausfüllbüchern wie „Oma, erzähl mal“ unterscheidet.
Können Sie FamilyStories kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee zur Gründung des Unternehmens entstanden ist?
FamilyStories ist eine App aus Essen, mit der Familien die Lebensgeschichten ihrer Eltern, Großeltern und anderer Angehöriger festhalten und privat bewahren. Geführte Fragen helfen beim Erzählen, geantwortet wird per Sprachaufnahme oder Text, Fotos kommen dazu, und auf Wunsch entsteht daraus ein gedrucktes Buch. Die Idee entstand aus meiner eigenen Familiengeschichte. Ich wurde 1991 in Bosnien und Herzegowina geboren und kam als kleines Kind wegen des Krieges nach Deutschland. Später lebten meine Angehörigen über mehrere Länder und Kontinente verteilt. Nach dem Tod meiner Großeltern und als Alzheimer in unsere Familie kam, wurde mir bewusst, wie viele Fragen wir nie gestellt hatten. Aus dieser persönlichen Erfahrung entstand der Wunsch, anderen Familien einen einfachen und geschützten Ort für ihre Erinnerungen zu geben.
Wer steht hinter FamilyStories, und welche Erfahrungen haben die Entwicklung Ihrer Plattform geprägt?
Ich bin Vedad Taranin, Gründer und Geschäftsführer von FamilyStories. Ich führe das Unternehmen von Essen aus und bin zertifizierter Datenschutzbeauftragter. Entsprechend prägen sowohl meine persönliche Familiengeschichte als auch mein beruflicher Blick auf Datenschutz die Entwicklung. Bei FamilyStories geht es nicht nur darum, Erinnerungen digital zu speichern. Entscheidend ist, einen Raum zu schaffen, dem Familien auch sehr persönliche Geschichten anvertrauen können.
Welche Vision verfolgen Sie mit FamilyStories, und wie möchten Sie dazu beitragen, Familiengeschichten für kommende Generationen zu bewahren?
Familien sollten sich nicht zwischen dem Verlust ihrer Erinnerungen und deren Veröffentlichung auf einer öffentlichen Plattform entscheiden müssen. Unsere Vision ist ein privater, generationenübergreifender Ort für alles, was eine Familie ausmacht. Lebensgeschichten sind dabei unser Anfang: Heute ist FamilyStories ein digitales Erinnerungsbuch, an dem die ganze Familie mitschreibt, mit Stimmen, Erlebnissen, Entscheidungen und persönlichen Sichtweisen. Schritt für Schritt entwickeln wir daraus ein lebendiges Familienarchiv, in dem auch Dokumente, Alltagsmomente und der Austausch der Familie ihren Platz haben. Bei allem gilt ein Grundsatz: Was einer Familie gehört, soll auch bei der Familie bleiben.
An welche Zielgruppen richtet sich FamilyStories hauptsächlich, und welche Bedürfnisse möchten Sie mit Ihrer Lösung erfüllen?
Wer die Lebensgeschichte der eigenen Eltern oder Großeltern festhalten möchte, ist bei FamilyStories genau richtig. Und wer mehr möchte, findet hier bald auch einen Ort für Alltagsmomente, Dokumente und den Austausch der ganzen Familie. Die App richtet sich an erwachsene Kinder und Enkel und zugleich an die Familienmitglieder, die ihre Geschichten selbst erzählen. Ältere Menschen sind dabei keine passiven Zeitzeugen, sondern aktive Autoren ihrer Familiengeschichte. Große Schrift, klare Schritte, geführte Fragen und Spracheingabe erleichtern auch Menschen mit wenig digitaler Routine die Teilnahme. Wer möchte, erzählt auch die eigene Lebensgeschichte für Kinder und Enkel. Und weil viele Familien über mehrere Länder verteilt leben, gibt es die App in 20 Sprachen.
Viele wertvolle Erinnerungen gehen im Laufe der Zeit verloren. Wie unterstützt FamilyStories Familien dabei, ihre Geschichten rechtzeitig festzuhalten?
Die größte Hürde ist häufig nicht fehlendes Interesse, sondern die Frage, wo man überhaupt anfangen soll. FamilyStories ordnet Gespräche deshalb in Lebensbereiche, Kapitel und konkrete Leitfragen, von Kindheit und Schulzeit über Liebe, Beruf und Familie bis zu Familienrezepten oder einem Neuanfang in einem anderen Land. Die Fragen werden passend zur erzählenden Person, zur Beziehung und zur Lebensphase ausgewählt. Antworten können gesprochen oder geschrieben und durch Fotos ergänzt werden. So muss niemand sofort eine vollständige Lebensgeschichte schreiben, sondern kann Schritt für Schritt beginnen, zum Beispiel mit einer einzigen Frage beim Sonntagskaffee.
Was macht FamilyStories aus Ihrer Sicht besonders im Vergleich zu anderen Möglichkeiten, Erinnerungen festzuhalten, etwa Erinnerungsbüchern zum Ausfüllen wie „Oma, erzähl mal“ oder anderen Apps?
Es gibt viele gute Wege, Erinnerungen zu bewahren. Manche Familien lassen eine Biografie schreiben, andere verschenken Erinnerungsbücher zum Ausfüllen wie „Mama, erzähl mal“, „Papa, erzähl mal“ oder „Oma, erzähl mal“, und auch Anbieter wie Storyworth, Remento, Meminto oder Famories zeigen, wie groß der Wunsch ist, Lebensgeschichten festzuhalten. Die Idee dahinter mag ich sehr. Bei FamilyStories kommt in einer App zusammen, was Familien dafür brauchen.
Die Inhalte sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und nur für eingeladene Familienmitglieder zugänglich, ohne Werbung und ohne Datenverkauf. Wer erzählt, muss nicht tippen, denn Sprachaufnahmen werden automatisch in Text umgewandelt, direkt auf dem Gerät, und die Originalstimme bleibt auf Wunsch erhalten. Denkhilfen helfen beim Erzählen, und wer mag, lässt sich wöchentlich, alle zwei Wochen oder monatlich per Push-Mitteilung oder E-Mail an offene Fragen erinnern. Mit einem kostenpflichtigen Plan lässt sich die Geschichte als PDF oder Word-Datei exportieren, Fotos und Sprachaufnahmen lassen sich herunterladen, und auf Wunsch wird daraus ein gedrucktes Buch. Und besonders wichtig ist mir: Eltern und Großeltern können so mitmachen, wie es für sie passt, in der App oder über einen privaten Link im Browser, ohne etwas zu installieren und ohne Konto.
Ihre Plattform verbindet geführte Fragen, Sprachaufnahmen und einen digitalen Stammbaum. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz für die Nutzer?
Die geführten Fragen geben Orientierung, ohne vorzuschreiben, wie eine Geschichte erzählt werden muss. Sprachaufnahmen ermöglichen einen natürlichen Zugang und bewahren auf Wunsch auch die Stimme eines Menschen, mit Lachen, Pausen und Dialekt. Die automatische Umwandlung in Text macht gesprochene Erinnerungen zusätzlich lesbar. Fotos geben den Erzählungen einen visuellen Zusammenhang, während der gemeinsame Familienstammbaum zeigt, wer mit wem verbunden ist. In einem Familienkreis können bis zu zehn Familienmitglieder gemeinsam mitwirken.

Aus den Antworten kann ein gedrucktes Buch werden. Ist FamilyStories damit auch ein persönliches Geschenk für Oma, Opa oder die Eltern?
Ja, denn man verschenkt damit kein Ding, sondern ein Gespräch. Man legt die Lebensgeschichte von Oma, Opa oder den Eltern an und lädt sie zum Erzählen ein. Aus Antworten, Sprachaufnahmen und Fotos wächst mit der Zeit ein Erinnerungsbuch über ein ganzes Leben, das die Familie als PDF herunterladen oder als gedrucktes Buch bestellen kann. Gedruckt wird nur, wenn die Familie es selbst bestellt. Gerade für Menschen, die eigentlich schon alles haben, ist das ein besonderes Weihnachtsgeschenk oder ein Geschenk zum 80. Geburtstag. Das Schönste daran: Das Buch steht nicht am Anfang, sondern am Ende vieler Gespräche.
Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Entwicklung einer Plattform, auf der persönliche Erinnerungen und Familiengeschichten dauerhaft bewahrt werden?
Bei sehr persönlichen Inhalten muss Vertrauen von Anfang an Teil des Produkts sein. Sicherheit und Datenschutz dürfen nicht erst nachträglich ergänzt werden. Gleichzeitig darf die technische Komplexität nicht auf die Familienmitglieder abgewälzt werden. Eine zentrale Herausforderung besteht deshalb darin, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, verständliche Bedienung und eine langfristig tragfähige Struktur für unterschiedliche Arten von Erinnerungen miteinander zu verbinden. Dazu gehört für uns auch, dass die zentralen Daten in der EU liegen: Unsere Datenbank steht in Frankfurt.
Wie wichtig ist es für FamilyStories, die Nutzung möglichst einfach zu gestalten, damit Familienmitglieder verschiedener Generationen gemeinsam mitwirken können?
Einfachheit ist für FamilyStories ein wesentlicher Teil des Produktkonzepts. Eine Familiengeschichte entsteht nur gemeinsam, wenn auch Angehörige ohne technische Erfahrung mitmachen können. Deshalb arbeiten wir mit großen Schriften, klaren Schritten, verständlicher Sprache und geführten Fragen. Wer nicht lange tippen möchte, kann seine Antwort sprechen. Außerdem gibt es drei Wege mitzumachen: Man befragt Angehörige persönlich in der App, lädt sie über einen privaten Link ein, der im Browser ohne App, Konto oder Anmeldung funktioniert, oder gibt ihnen einen Einladungscode, mit dem sie selbst in der App antworten. Ziel ist nicht, ältere Menschen zu vereinfachen, sondern die Technik so zu gestalten, dass sie beim Erzählen möglichst wenig im Weg steht.
Welche neuen Funktionen oder Weiterentwicklungen stehen bei FamilyStories aktuell im Fokus?
FamilyStories ist für iPhone und iPad im App Store erhältlich, und als Android-Version verfügbar. Inhaltlich gehen wir den nächsten großen Schritt vom Festhalten der Lebensgeschichten hin zum privaten Familienarchiv. Geplant sind ein Familienspeicher für Fotos, Rezepte, Briefe und wichtige Dokumente, Alltagsmomente für kleine Erlebnisse und schöne gemeinsame Tage, ein Familienkalender für Treffen und besondere Anlässe und ein privater Familienchat für Nachrichten, Fotos und Sprachnachrichten. Auch dafür gilt: Privatsphäre und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung stehen an erster Stelle.
Wo soll FamilyStories in den kommenden Jahren stehen, und welche Rolle möchten Sie bei der digitalen Bewahrung von Familiengeschichte einnehmen?
FamilyStories soll zu dem vertrauenswürdigen privaten Ort werden, an dem Familien ihre Geschichten, Erinnerungen und ihren gemeinsamen Alltag über Generationen hinweg sammeln und weitergeben. Wir möchten zeigen, dass digitale Bewahrung weder öffentlich noch kompliziert sein muss. Die Lebensgeschichte von Oma und Opa steht dann nicht allein, sondern ist Teil eines lebendigen Familienarchivs. Und schon heute wird aus ihr auf Wunsch ein Lebensbuch, das man auch in zwanzig Jahren noch gern aufschlägt.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einer digitalen Lösung einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen möchten?
Erstens sollte man mit einem echten Problem beginnen, das man auch ohne Pitchdeck verständlich erklären kann. Zweitens sollte Vertrauen als Produkteigenschaft behandelt werden. Datenschutz und verantwortungsvolle Entscheidungen lassen sich später nur schwer glaubwürdig ergänzen. Drittens sollte man von Anfang an für die Menschen entwickeln, die das Produkt tatsächlich nutzen sollen. Wer eine Lösung für mehrere Generationen baut, darf sie nicht ausschließlich aus der Perspektive technikaffiner Menschen betrachten.
Bildrechte: FamilyStories
Wir bedanken uns bei Vedad Taranin für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: FamilyStories

Kontakt:
FamilyStories UG (haftungsbeschränkt)
Gewalterberg 1
45277 Essen
Deutschland
familystories.love
support@familystories.love
Ansprechpartner: Vedad Taranin















