Inhaltsverzeichnis
Warum bei Investoren nicht die Folien, sondern Gründerinnen und Gründer selbst überzeugen – mit Stimme, Haltung und Präsenz
Pitches sind Prüfungen auf offener Bühne. Ob vor Investorinnen und Investoren, auf Kongressen, bei Förderinstitutionen oder Bankgesprächen: In diesen Momenten entscheidet sich, ob aus einer Idee ein Geschäftsmodell mit Zukunft wird. Und auch wenn Businesspläne, Marktanalysen und überzeugende Decks unverzichtbar sind: der alles entscheidende Faktor bleibt der persönliche Auftritt.
Denn die zentrale Frage, die sich jedes Gegenüber stellt, lautet selten: Ist das Produkt vollständig durchdacht? Sondern: Traue ich dieser Gründerin, diesem Gründer zu, das durchzuziehen?
Diese Einschätzung erfolgt meist nicht über Zahlen oder Folien, sondern über Wirkung. Und die zeigt sich in Stimme, Körpersprache, innerer Klarheit. Kurz: in Präsenz.
Der Moment vor dem Mikro
Viele Gründerinnen und Gründer investieren Wochen in ihre Unterlagen, feilen an Formulierungen, polieren Zahlen und Abläufe. Was jedoch häufig zu kurz kommt: die Vorbereitung auf die eigene Wirkung. Wie jemand den Raum betritt, sich auf die Bühne stellt, spricht, atmet – all das sendet Botschaften, noch bevor der erste Satz gefallen ist.
Gerade in Panels oder One-on-One-Gesprächen entsteht der erste Eindruck nicht durch Inhalt, sondern durch Haltung. Wer gehetzt auftritt, unruhig wirkt oder den Blick senkt, wird unbewusst als unsicher wahrgenommen, unabhängig von der Qualität der Idee.
Stimme schlägt Skript
Die Stimme verrät in Sekundenbruchteilen, ob jemand innerlich gefestigt oder angespannt ist. In Stresssituationen rutscht sie oft nach oben, wird schneller, gepresster. Das klingt nervös, selbst wenn der Inhalt sitzt.
Gründerinnen und Gründer, die ihre Atmung bewusst einsetzen, in ihrem natürlichen Sprechtempo bleiben und sich Pausen erlauben, strahlen dagegen Ruhe und Souveränität aus. Nicht Lautstärke zählt, sondern Klarheit. Eine ruhige Stimme mit klarer Botschaft wirkt überzeugender als jede PowerPoint.
Wer wirkt, bleibt im Gedächtnis
Bei Kongressen oder Pitch-Wettbewerben zählt nicht nur das Geschäftsmodell. Wenn zehn Startups nacheinander präsentieren, verschwimmen oft die Inhalte. Was bleibt, ist der Eindruck der Person: War sie klar? Überzeugt? Führungsstark?
Gründerinnen und Gründer, die präsent auftreten, wirken nachhaltiger. Sie sprechen nicht lauter, aber deutlicher. Sie präsentieren nicht nur Daten, sondern stehen für eine Haltung. Präsenz bedeutet, sich nicht hinter den Slides zu verstecken, sondern sichtbar zu werden. Mit Blickkontakt, Stimme, Ruhe.
Der Pitch ist immer auch ein Persönlichkeitstest
Kapitalgeberinnen, Banken oder Förderinstitutionen bewerten nicht nur Ideen, sondern Persönlichkeiten. Die Frage lautet oft: Wie reagiert diese Person auf Druck? Bleibt sie ruhig bei Rückfragen? Strahlt sie Führung aus?
Wer in Pitchsituationen hektisch wird, schnell ins Rechtfertigen gerät oder auf Fragen unsicher reagiert, signalisiert unbewusst: Ich bin nicht stabil. Wer hingegen Rückfragen annimmt, ruhig antwortet und auch in kritischen Momenten seine Stimme behält, wirkt belastbar. Das schafft Vertrauen. Micht weil alles perfekt ist, sondern weil innere Standfestigkeit spürbar wird.
Fazit: Die beste Idee braucht Präsenz
Wirkung in Pitches ist kein Zufallsprodukt, sondern ein strategischer Faktor. Gründerinnen und Gründer, die lernen, sich selbst genauso gut vorzubereiten wie ihre Unterlagen, sind im Vorteil. Denn was am Ende überzeugt, ist nicht nur der Plan, sondern der Mensch, der ihn trägt.
Wer sichtbar wirkt, wird gehört. Wer gehört wird, bekommt Kapital. Und wer Kapital will, sollte nicht nur an seinem Geschäftsmodell arbeiten, sondern an der eigenen Präsenz.
Bild Laura Wällnitz Fotografin/Bildcredits Kerstin Bergmann
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
























