Donnerstag, Januar 22, 2026
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Wie gelingt Nähe in einer Welt voller Reize?

HANNIline entwickelt Spielzeug und Karten, die Kinder in ihrer Entwicklung begleiten und Eltern dabei unterstützen, bewusst gemeinsame Zeit zu gestalten

Was war der Moment, in dem aus einer persönlichen Beobachtung die Idee für HANNIline entstanden ist?

Ein paar Wochen nach der Geburt unserer Tochter brachte ihre Oma schwarz-weiß-rote Bildkarten mit. Die Motive entsprachen nicht unserem Geschmack, aber unsere Tochter reagierte sofort darauf. Die kontrastreichen Bilder fesselten ihre Aufmerksamkeit und wirkten sichtbar beruhigend zu Hause, unterwegs und im Auto.
Diese Beobachtung machte uns neugierig. Wir begannen zu recherchieren, warum Babys auf einfache Kontraste so stark reagieren und wie man sie altersgerecht unterstützen kann. Aus dieser Auseinandersetzung entstand eine konkrete Idee für unser erstes Produkt, die Kontrastkarten, und schließlich für HANNIline.

Wie würdest du HANNIline heute jemandem beschreiben, der eure Marke noch nicht kennt?

HANNIline ist eine Wiener Spielzeugmarke. Wir entwickeln Karten und Spiele, die nicht nur beschäftigen, sondern verbinden und in einer reizüberfluteten Welt bewusst Raum für Nähe, Kommunikation und gemeinsames Tun schaffen. Im Mittelpunkt jeder Produktentwicklung steht für uns die Beziehung zwischen Eltern oder Bezugspersonen und Kind.

Welche Rollen übernehmen du und dein Mann im Unternehmen und wie ergänzt ihr euch als Gründerteam?

Wir ergänzen uns sehr gut und decken gemeinsam ein breites Themenspektrum ab. Ich verantworte die kreative Produktentwicklung, Marketing, Kundenkommunikation und zum Ausgleich die Finanzen. Mein Mann kümmert sich um Logistik, operative Prozesse, Produktsicherheit und den B2B-Vertrieb. Diese klare Aufteilung ermöglicht schnelle Entscheidungen und effizientes Arbeiten, ohne den Blick fürs Ganze zu verlieren.

Welche Vision verfolgt HANNIline in der frühkindlichen Entwicklung und wie setzt ihr diese konkret um?

Unsere Vision ist es, Eltern dabei zu unterstützen, von Anfang an bewusst Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und sich diese Zeit auch zu nehmen. Deshalb entwickeln wir Produkte, die sich einfach in den Alltag integrieren lassen und einen natürlichen Rahmen für Gespräche, Aufmerksamkeit und gemeinsames Erleben schaffen, ganz ohne Vorbereitung oder Vorwissen.

An wen richten sich eure Produkte hauptsächlich und welche Bedürfnisse wollt ihr erfüllen?

Unsere Produkte richten sich an Familien mit Kindern im Alter von 0 bis etwa 7 Jahren sowie an Großeltern, Freund:innen oder andere Bezugspersonen, die bewusst schenken möchten. Wir sprechen Menschen an, die Kindern etwas Besonderes schenken wollen, Produkte, die Freude machen und gleichzeitig die Entwicklung sinnvoll unterstützen.

Was unterscheidet HANNIline von anderen pädagogischen Spielzeugmarken?

Unsere Produkte entstehen aus der Verbindung elterlicher Bedürfnisse mit entwicklungspsychologischer Expertise. Wir entwickeln Spielzeug konsequent aus der Perspektive der Kinder und nicht primär aus einer Design- oder Trendlogik. Ein Beispiel sind unsere Gefühlskarten. Statt Monstern oder niedlichen Tieren zeigen wir bewusst Kinder, damit sich junge Nutzer:innen leichter identifizieren und emotionale Inhalte besser auf sich übertragen können.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Pädagog:innen und Psycholog:innen?

Sie ist die Grundlage unserer Arbeit. Bereits bei unserem ersten Produkt waren Entwicklungspsychologinnen eng eingebunden. Diese Zusammenarbeit besteht seit über acht Jahren und stellt sicher, dass unsere Ideen nicht nur aus dem Familienalltag entstehen, sondern echten pädagogischen Mehrwert bieten. Das ist einer der Gründe, warum unsere Produkte häufig von Fachpersonen wie Ergotherapeut:innen, Psychotherapeut:innen oder in Bildungseinrichtungen eingesetzt werden.

Was waren bisher die größten Herausforderungen auf dem Weg zum marktfähigen Produkt?

Wir kommen nicht aus der Spielwarenbranche und standen am Anfang vor vielen offenen Fragen. Wer kann unsere Produkte überhaupt herstellen. Welche Normen müssen sie erfüllen. Wie muss die Preisgestaltung aussehen. Welche Margen sind branchenüblich. Schritt für Schritt haben wir uns dieses Wissen aufgebaut und ein belastbares Netzwerk entwickelt. Gleichzeitig lernen wir mit jedem neuen Produkt weiter, etwa durch neue Materialien, Produzenten oder Marketingansätze. Genau das macht die Arbeit für uns so dynamisch und lebendig.

Wie hat sich der Schritt vom Nebenprojekt zum Vollzeit-Startup auf eure Familie ausgewirkt?

Der Übergang war eine große Umstellung vom oft fremdgesteuerten Konzernalltag hin zu neuen Routinen, mehr Eigenverantwortung und klarer Priorisierung. Gleichzeitig profitieren wir als Familie stark von der gewonnenen Flexibilität und können unseren Alltag bewusster gestalten. Das erfordert allerdings Disziplin, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben sowie die Fähigkeit, wirklich abzuschalten.

Wohin soll sich HANNIline in den kommenden Jahren entwickeln?

Wir möchten unserer Linie treu bleiben und unser Sortiment schrittweise und sinnvoll erweitern und dabei weiterhin nachhaltig in der EU produzieren lassen. Der Fokus liegt auf Produkten, die Kinder lieben und Erwachsene dabei unterstützen, echte gemeinsame Momente zu schaffen. Gleichzeitig öffnen wir neue Vertriebskanäle und möchten HANNIline-Produkte künftig auch in Geschäften außerhalb des DACH-Raums sehen. Erste Produkte sind bereits auf Italienisch, Englisch und Französisch erhältlich.

Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründer:innen mitgeben, die ein sinngetriebenes Unternehmen aufbauen möchten?

Erstens baut euch ein starkes Netzwerk auf. Austausch und gegenseitige Unterstützung sind unbezahlbar.
Zweitens bleibt neugierig, informiert euch laufend und lernt kontinuierlich dazu.
Drittens wenn ihr an eure Idee glaubt, bleibt dran. Rückschläge gehören dazu, entscheidend ist, aus ihnen zu lernen und daran zu wachsen.

Fotocredit: Miriam Mehlman Fotografie

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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