Donnerstag, April 3, 2025
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Wer schützt uns, wenn Worte zur Waffe werden?

hateBlocker hilft Menschen, sich effektiv gegen Hass im Netz zu wehren – am 1. April präsentierte Thaddäus Leutzendorff die Lösung in der TV-Show 2 Minuten 2 Millionen

Wie kam es zur Gründung von hateBlocker und wer steht hinter dem Projekt?

Ich habe vor fünf Jahren ein LegalTech gegründet, um Menschen in rechtlichen Anliegen zu unterstützen. Vor etwa zweieinhalb Jahren hat mich eine Influencerin auf wiederholte Morddrohungen aufmerksam gemacht – und darauf, dass sie von der Polizei nicht ernst genommen wurde. Wir haben begonnen, Täter*innen und Plattformen zu verklagen – mit Erfolg. Daraus ist hateBlocker entstanden: eine automatisierte Lösung, die Betroffenen hilft, sich effektiv zu wehren und echte Konsequenzen zu schaffen.

Was war eure Motivation, euch bei 2 Minuten 2 Millionen zu bewerben und eure Lösung dort zu präsentieren?

Wir wollten zeigen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist – und dass es heute echte Möglichkeiten gibt, sich gegen Hass im Netz zu wehren. Gleichzeitig wollten wir starke Partner finden, die dieses Thema mit uns in die Breite tragen.

Welche gesellschaftliche Vision verfolgt ihr mit hateBlocker und wie möchtet ihr zur digitalen Zivilcourage beitragen?

Wir wollen, dass Betroffene nicht länger Kommentare löschen und schweigen müssen. Es muss nicht sein, dass man als Person des öffentlichen Lebens Hass und Drohungen einfach hinnehmen muss. Unsere Vision ist, dass sich jede und jeder effektiv wehren kann – einfach, rechtssicher und mit Konsequenzen für Täter*innen.

Wie funktioniert eure Technologie im Kern und was hebt sie von anderen Ansätzen zur Bekämpfung von Online-Hass ab?

Unsere eigens trainierte KI erfasst schädliche Inhalte in Echtzeit. Anschließend identifizieren wir Täter*innen – auch hinter scheinbar anonymen Profilen. Im letzten Schritt wird die rechtliche Durchsetzung von unserer Partnerkanzlei übernommen. So wird aus digitalem Hass ein klarer Fall mit echtem rechtlichen Nachspiel.

Welche Reaktionen habt ihr nach eurem Pitch erhalten – von der Jury, aber auch vom Publikum?

Die Reaktionen waren ausschließlich positiv. Jeder hat verstanden, dass es dieses Produkt braucht – und dass der Zeitpunkt kaum besser sein könnte. Die Investoren haben den Business Case aus meiner Sicht in dem kurzen Zeitfenster während der Show nicht zur Gänze durchschaut, aber viele waren sehr interessiert. Wir sind nach wie vor mit einigen von ihnen im Gespräch über ein mögliches Investment.

Wer zählt zu eurer Zielgruppe und wie erreicht ihr diese mit eurem Angebot?

Wir unterscheiden zwischen B2C – also dem klassischen Endkunden – und B2B: Personen des öffentlichen Lebens wie Sportlerinnen, Politikerinnen oder vor allem Influencerinnen. Gerade für Letztere haben wir hateBlocker entwickelt, weil die schiere Masse an Kommentaren und Nachrichten anders gar nicht mehr verarbeitbar wäre.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen – technisch, rechtlich oder auch im Umgang mit Plattformen?

Die Plattformen blockieren oft die Herausgabe von Daten. Gleichzeitig ist die Rechtslage noch nicht in allen Punkten klar. Wir leisten Pionierarbeit – und gehen aktuell stark in die Skalierung, um noch mehr Betroffene zu unterstützen.

Was hat euch am meisten überrascht, seit ihr mit hateBlocker live seid?

Wie viele Menschen betroffen sind – quer durch alle Alters- und Berufsgruppen. Und wie groß der Wunsch ist, sich aktiv zu wehren. Überraschend war auch, wie hoch der Bedarf bei Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen ist – viele suchen händeringend nach einer Lösung, um ihre Teams oder Mitglieder zu schützen.

Wie stellt ihr sicher, dass eure Lösung effektiv ist, aber dabei Datenschutz und Meinungsfreiheit respektiert?

Jedes Verfahren wird einzeln geprüft – sowohl intern von einem Menschen als auch extern durch unsere Partneranwälte. So garantieren wir, dass alle Schritte rechtlich sauber, verhältnismäßig und datenschutzkonform sind. Meinungsfreiheit endet dort, wo strafrechtlich relevanter Hass beginnt – genau da setzen wir an.

Welche Features oder Partnerschaften plant ihr in naher Zukunft?

Wir arbeiten kontinuierlich an der weiteren Automatisierung, um Prozesse effizienter zu gestalten. Schon jetzt erreichen wir mit einem kleinen Team große Wirkung. Aktuell entwickeln wir Lösungen, um unsere Software auch Großkunden wie dem ORF oder Sportvereinen zur Verfügung zu stellen – damit ganze Teams oder Organisationen geschützt werden können, kanalübergreifend und individuell.

Wie geht ihr mit der psychischen Belastung um, die mit dem Thema Hass im Netz einhergeht?

Unser gesamtes Team hat Zugang zu psychologischer Unterstützung, sollte es zu Belastungen kommen. Für Kund*innen bieten wir keine psychologische Betreuung an, verweisen aber aktiv an Partner weiter. Wir sehen das als wichtige Abgrenzung – denn dieses Thema braucht professionelle Expertise.

Was würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern raten, die in einem sensiblen gesellschaftlichen Bereich etwas verändern wollen?

Baut ein stabiles Team, das auch in Gegenwind zusammenhält. Bleibt unbequem, wenn es nötig ist – und verliert nie euer Ziel aus den Augen. Ganz nach dem Motto: Life begins at the end of your comfort zone.

Bild: Thaddäus Leutzendorff Gründer hateBlocker faires Leben

Wir bedanken uns bei Thaddäus Leutzendorff für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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