Freitag, Juli 12, 2024
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Warum die Digitalisierung der Baufinanzierung längst überfällig ist

Mit unserer App Hypofy bringen wir die traditionell analoge Baufinanzierung in das digitale Zeitalter. Wir ermöglichen das erste digitale Kundenerlebnis für Baufinanzierungen und verhelfen Verbrauchern zu mehr Souveränität durch einen hybriden Self-Service. Wir bieten Mehrwerte, wenn es wirklich darauf ankommt, und ermöglichen Zeit- und Kostenersparnisse beim Immobilienerwerb. Und das alles bequem vom Smartphone aus.

Wie ist Hypofy entstanden, und wer sind die Gründer, die hinter der Idee stehen?

Ich bin Fabian Sasse und gemeinsam mit Lukas Weiser Gründer und Geschäftsführer der MonKI Solutions GmbH. Lukas und ich haben beide am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) studiert. Dort haben wir uns 2020, während unserer Promotionen am Institut für Produktionstechnik, kennengelernt und schnell festgestellt, dass wir beide die Begeisterung für Finanzen und Softwareentwicklung teilen und eigene Ideen selbstständig umsetzen wollen. 

In den ersten zwei Jahren nach der Unternehmensgründung, noch während unserer Zeit an der Uni, haben wir vorwiegend Software im Kundenauftrag entwickelt. Durch ein Projekt im Bereich Baufinanzierung haben wir erste Einblicke in die Branche erhalten. Dank zahlreicher Industrieberatungsprojekte am Lehrstuhl, konnten wir unsere Erfahrung nutzen, um schnell die Prozesse und vor allem die Ineffizienzen der Branche zu identifizieren. Dabei ist uns direkt aufgefallen, dass die Baufinanzierungswelt noch sehr analog ist und viel Potential zur Digitalisierung bietet. 

Hier sahen wir nicht nur großes Potenzial für die Digitalisierung der Branche, sondern auch die Chance, unser Know-How aus der Forschung im Bereich von künstlicher Intelligenz und Softwareentwicklung einzubringen. Wir haben uns fortan also zu 100% auf dieses Thema fokussiert.

Welche Vision verfolgt ihr mit Hypofy und wie plant ihr, diese Vision zu erreichen?

Unsere Vision ist es, mit Hypofy die Baufinanzierungsbranche zu digitalisieren und Verbraucher zu befähigen, ihre Baufinanzierung selbst in die Hand zu nehmen. Sie können z.B. ermitteln, bis zu welchem Kaufpreis sie eine Finanzierung erhalten würden oder sich individuelle Finanzierungsvorschläge für eine konkrete Immobilie berechnen lassen. Ein passender Finanzierungsvorschlag kann dann über die App medienbruchfrei beantragt werden. Verbraucher können sich so umfassend informieren, die notwendigen Dokumente für einen Finanzierungsantrag hochladen und bei Bedarf auch Beratung von Finanzierungsexperten in Anspruch nehmen. Alles läuft digital ab, ohne, dass man einen fixen Termin bei der Bank oder einem Finanzierungsvermittler wahrnehmen muss.

In der Zukunft wollen wir die Baufinanzierung weiter automatisieren und digitalisieren, bis hin zu einem End-to-End-Prozess, bei dem Anträge direkt bei der Bank eingereicht und bearbeitet werden. Das ist ein langfristiges Ziel und wir arbeiten kontinuierlich daran, diese Vision zu verwirklichen. Wir entwickeln unsere App stetig weiter und setzen dabei auch auf starke Partner, wie z.B. die in Deutschland führende Darlehensplattform Europace.

Wer ist eure Zielgruppe und wie stellt ihr sicher, dass Hypofy deren Bedürfnisse erfüllt?

Wir adressieren vorwiegend digital-affine Verbraucher, die kurz vor ihrem ersten Immobilienerwerb stehen. Meistens suchen unsere Kunden eine Immobilie, die sie anschließend selbst bewohnen möchten. Wir sind im stetigen Austausch mit unseren Kunden, um Feedback zu erhalten, Wünsche zu priorisieren und das Produkt zu verbessern. Lukas und ich versuchen so nah am Kunden wie möglich zu sein, denn nur so verstehen wir, wie wir mit unserem Produkt einen echten Mehrwert für diese schaffen können.

Welche besonderen Herausforderungen sind euch bei der Entwicklung und Einführung eurer digitalen Lösungen begegnet und wie habt ihr diese bewältigt?

Unsere App ist im stetigen Wandel. Wir entwickeln kontinuierlich neue Funktionen, passen bestehende Features an oder trennen uns auch mal von Ideen, die nicht funktionieren. Denn die größte Herausforderung ist es, ein Produkt zu schaffen, das ein echtes Problem unserer Kunden löst. Vor diesem Hintergrund war es uns von Anfang an wichtig, möglichst früh mit einem MVP an den Start zu gehen, um erstes Kundenfeedback zu sammeln. Seither halten wir unsere Release-Cycles kurz, um einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess einhalten zu können.

Was unterscheidet Hypofy von anderen Anbietern im Bereich Immobilien und Finanzierungen?

Wir machen Verbrauchern Schnittstellen zugänglich, die bislang Banken oder Darlehensvermittlern vorbehalten waren. Dadurch sparen sie nicht nur Zeit und Geld, sondern erhalten auch eine transparente Marktübersicht mit realen Konditionen für ihre individuelle Situation. Alle Funktionen sind jederzeit verfügbar und viele Prozesse sind automatisiert. Dadurch entfallen die üblicherweise hohen Beraterprovisionen, sodass wir diesen Kostenvorteil an die Verbraucher weitergeben können. Wir bieten einen hybriden Self-Service, bei dem Verbraucher trotzdem die Möglichkeit haben, mit einem menschlichen Berater über einen In-App Chat oder Videocall zu sprechen. So ermöglichen wir den Verbrauchern mehr Souveränität in der Baufinanzierung durch Digitalisierung, ohne die Vorteile der traditionellen, menschlichen Beratung zu verlieren.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Hypofy und wie verbessert sie das Kundenerlebnis?

KI spielt eine große Rolle in der automatisierten, aber individuellen Beratung von Verbrauchern durch bspw. generative KI und in der Digitalisierung von Geschäftsprozessen entlang der Wertschöpfungskette, wodurch die Komplexität einer Baufinanzierung für Verbraucher enorm reduziert wird. Unser Vorteil ist, dass wir unseren Forschungshintergrund einfließen lassen können. Wir haben in der Vergangenheit z.B. Recommender Systeme mit Wissensgraphen entwickelt oder große Datensätze mit modernen KI-Verfahren analysiert.

Wie plant ihr, Hypofy in den nächsten fünf Jahren weiterzuentwickeln und welche neuen Produkte oder Dienstleistungen sind in der Pipeline?

Langfristig wollen wir den Nutzer auch in vielen anderen, wichtigen Schritten des Immobilienerwerbs unterstützen: von der Immobiliensuche bis zum digitalen Notartermin, sobald dies rechtlich durchführbar ist – wir wollen in allen Phasen des Immobilienerwerbs und -besitzes Mehrwerte schaffen.

Gleichzeitig wollen wir auch weitere Kundensegmente ansprechen: wir planen zum Beispiel ein neues Produkt speziell für Kapitalanleger. Diese finden sich bereits heute auf unserer Plattform wieder. Wir haben jedoch viele Ideen, wie wir für dieses Kundensegment eine noch bessere User Experience bieten können und launchen hierzu in absehbarer Zeit ein eigenes Produkt.

Ein essenzieller Bestandteil unserer Produkte ist die digitale Beratung. Hierbei setzen wir u.a. auf generative KI mit LLMs. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren ein speziell für die Branche angepasstes Modell zu entwickeln und einzusetzen. Ein solches Modell muss nicht nur die Spezifika der Branche beherrschen, sondern es muss auch die Rechtssicherheit und Nutzerakzeptanz sichergestellt werden. Das ist eine Herausforderung, in der wir aber eine große Chance für weitere Digitalisierung sehen.

Wie schafft ihr durch die Automatisierung von Prozessen Mehrwerte für eure Kunden und welche Beispiele könnt ihr dafür nennen?

Der Immobilienerwerb ist für jeden Verbraucher eine individuelle Herausforderung, allerdings sind für viele Verbraucher ähnliche Aufgaben zu erledigen. Die daraus entstehenden Muster nutzen wir, um unsere Prozesse zu optimieren. Wir arbeiten auch mit einigen Finanzvertrieben eng zusammen, um einen tiefen Einblick in die bisherigen Kundenberatungsprozesse zu erhalten und wiederkehrende Aufgaben zu erkennen. So schaffen wir entlang der gesamten Customer Journey, von der Kontaktaufnahme, über die Angebotserstellung bis zum Dokumentenmanagement, Vorteile durch Automatisierungen. Zum Beispiel werden die Anforderungen einer Bank automatisiert für den Kunden aufbereitet und unmittelbar zur Verfügung gestellt, ohne, dass hierfür ein menschlicher Berater eingreifen muss. Dies hat den Vorteil, dass eine Finanzierung deutlich schneller beantragt werden kann, sodass der Kunde beim Immobilienkauf einen zeitlichen Vorteil gegenüber anderen Kaufinteressenten hat.

Wie integriert ihr Kundenfeedback in die Weiterentwicklung eurer Softwarelösungen und welche Verbesserungen habt ihr dadurch erzielt?

Wir versuchen mit dem Großteil unserer Kunden mindestens ein Feedbackgespräch zu führen. Mit einigen Lead-Usern führen wir auch intensivere Interviews. Nicht zuletzt verlassen wir uns auch auf Marktforschung führender Institute. Das hilft uns nicht nur den Status Quo ständig zu bewerten, sondern auch neue Funktionen zu priorisieren und die App in die richtige Richtung weiterzuentwickeln. Dadurch konnten wir in der Vergangenheit zum Beispiel die Retention und auch die Conversion Rate in unserer App signifikant verbessern.

Welche Schritte unternehmt ihr, um eure Dienstleistungen und Produkte transparenter, einfacher und günstiger zu gestalten?

Bisher ist die Baufinanzierungsbranche für Verbraucher sehr intransparent; oftmals erhalten sie keine Informationen zu Ablehnungsgründen der Bank, Kostenstrukturen oder den nächsten Schritten. Wir stellen den Prozess mit allen Hintergründen transparent in der App dar. Dazu gehört für uns auch, dass wir keine Finanzierungsangebote ausschließen und einen unabhängigen Marktvergleich bieten. Der Kunde erhält von über 400 Banken Angebote mit realen Konditionen. Wir unterstützen den Kunden bei der Entscheidungsfindung, indem wir sämtliche Finanzierungsangebote auf Basis der jeweiligen Kundensituation einordnen. In anderen Branchen ist dies schon Standard – in der Baufinanzierung haben wir hier unseres Erachtens noch Aufholbedarf.

Welche Bedeutung hat die Cloud-Infrastruktur für Hypofy und welche Vorteile bietet sie euren Kunden?

Datenschutz ist für uns ein wichtiges Thema, da wir zum Teil sensible personenbezogene Daten sowie die Finanzdaten unserer Nutzer handhaben. Aus diesem Grund nutzen wir nur Server in deutschen Rechenzentren und haben auch bei der Auswahl von Drittanbietern strenge Kriterien. Ohne Cloud-Infrastruktur wäre eine bestmögliche User Experience aber nicht möglich, daher setzen wir natürlich auf modernste Technologien, soweit diese einen Mehrwert bieten. Man muss definitiv nicht jeden technologischen Trend mitmachen – oft verschwinden diese auch schnell wieder.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die in der Branche der digitalen Lösungen für Immobilien und Finanzierungen Fuß fassen möchten?

Besonders bei Geschäftsmodellen, die den Endverbraucher adressieren, ist es besonders wichtig, möglichst schnell erstes Kundenfeedback zu sammeln. Man sollte sich bei der Entwicklung also auf die wesentliche Value Proposition konzentrieren und diese mit einem MVP früh testen. Es ist auch von Vorteil von anderen Branchen oder ähnlichen Ideen aus der Vergangenheit zu lernen – oft wird das Rad nicht neu erfunden. Und wenn man einmal begonnen hat, ist es wichtig stetig nach vorn zu blicken und immer weiterzumachen. Die Umsetzung einer eigenen Idee ist ein Marathon, kein Sprint. Man darf sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen und sollte an sich und seine Idee glauben, denn nur so entstehen echte Innovationen.

Wir bedanken uns bei Fabian Sasse und Lukas Weiser für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


Premium Start-up: Hypofy

Kontakt:

MonKI Solutions GmbH
Schwindstraße 5
D-76135 Karlsruhe

https://hypofy.de
mail@monki-solutions.com

Ansprechpartner: Fabian Sasse

Social Media:
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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer
Sabine Elsaesser is an experienced entrepreneur and media/startup expert. Since 2016, she has served as the Chief Editor and CEO of StartupValley Media & Publishing. In this role, she is responsible for managing the company and providing strategic direction for its media and publishing activities. Sabine Elsaesser takes great pleasure in assisting individuals and businesses in reaching their full potential. Her expertise in establishing sales organizations and her passion for innovation make her a valuable advocate for startups and entrepreneurs.

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