LipoCheck bietet digitale Lösungen für Lipödem und Patientinnen und wird am 30. März 2026 in der Höhle der Löwen pitchen
Wie ist LipoCheck entstanden und welche Personen stehen dahinter?
LipoCheck: LipoCheck ist ein Familienunternehmen – gegründet von Dr. Stefan Rapprich und seinen beiden Töchtern Helena Biber (geb. Rapprich) und Anina Langhans. Unser Vater ist seit über 30 Jahren auf Lipödem spezialisierter Facharzt und Co-Autor der deutschen Lipödem-Leitlinien. In seiner Praxis erlebte er täglich, wie Patientinnen bis zu zwei Jahre auf einen Termin warten mussten – obwohl sie dringend Orientierung, Diagnose und Begleitung gebraucht hätten. Als Töchter haben wir gesagt: Wir helfen ihm, das zu lösen. Anina bringt das technische und konzeptionelle Know-how mit, ich verantworte Strategie, Business Development und Partnerschaften. Aus dieser Kombination – medizinische Tiefe, technologische Umsetzung und unternehmerisches Denken – ist LipoCheck entstanden.
In welcher Branche ist LipoCheck tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell aus?
LipoCheck: Wir sind im digitalen Gesundheitsbereich tätig und begleiten Lipödem-Patientinnen sowie behandelnde Ärzte entlang der gesamten Versorgungskette – von der ersten Symptomorientierung bis zur Therapiebegleitung. Unser Geschäftsmodell verbindet zwei Kernprodukte: die LipoCheck-App für Patientinnen mit dem DocReport, unserer Telediagnostik-Lösung – auch für Fachärzte. Ergänzt wird das durch LipoAlly, unser digitales Versorgungsprogramm für Lipödem-Patientinnen. Refinanziert wird das Modell unter anderem über Partnerkrankenkassen. Aktuell arbeiten wir mit vier Krankenkassen und -versicherungen zusammen.
Welche Idee oder welches Problem stand am Anfang der Gründung? Gab es eine Marktlücke oder eine besondere Inspiration?
LipoCheck: Das Problem ist gravierend: Lipödem betrifft rund zehn Prozent der weiblichen Bevölkerung – und dennoch dauert es im Durchschnitt über 10 Jahre, bis eine korrekte Diagnose gestellt wird. Viele Betroffene werden jahrelang fehldiagnostiziert, als übergewichtig abgestempelt oder gar nicht ernst genommen. Unser Vater hat das täglich in seiner Praxis erlebt. Die Inspiration war denkbar direkt: Wir haben einfach angefangen, ihm zu helfen – und gemerkt, dass dieser Bedarf riesig und die Versorgungslücke in der Frauengesundheit in diesem Bereich nahezu unbesetzt ist.
Was macht das Konzept oder die Technologie besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?
LipoCheck: Was uns besonders macht, ist die Verbindung von echter medizinischer Expertise mit digitaler Skalierbarkeit. Unsere fachärztliche Telediagnostik DocReport ermöglicht es Patientinnen, ihre Symptome strukturiert digital zu dokumentieren, die dann von spezialisierten Fachärzten telediagnostisch ausgewertet werden. Das spart Wartezeit und überbrückt regionale Versorgungslücken. LipoAlly als digitales Versorgungsprogramm geht noch einen Schritt weiter und begleitet Patientinnen aktiv und strukturiert durch ihre gesamte Therapie und unterstützt im Selbstmanagement. Wir sind nicht nur eine Informationsplattform, sondern ein klinisch validierter Begleiter – entwickelt mit und für Fachärztinnen, Fachärzte und Patientinnen.
Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?
LipoCheck: Für Patientinnen bedeutet LipoCheck vor allem eines: Endlich gehört werden. Statt monatelanger Recherche im Internet oder jahrelanger Irrwege durch das Gesundheitssystem bekommen sie schnell eine fundierte Einschätzung – von echten Fachärzten, digital und niedrigschwellig. Für Ärzte wiederum vereinfacht der DocReport die Dokumentation und ermöglicht eine strukturierte Fallbearbeitung, die auch für die Abrechnung relevant ist. Was uns vom Wettbewerb abhebt: Wir sind tief in der Fachgemeinschaft verankert, wissenschaftlich fundiert und bieten einen ganzheitlichen Ansatz – von der ersten Orientierung über die Diagnose bis zur Therapiebegleitung. Unser Vater und Mitgründer hat an der deutschen Lipödem-Leitlinie mitgeschrieben – das ist eine wissenschaftliche Basis und ein Vertrauen, das man nicht einfach aufbauen kann.
Wie wurde das Produkt entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?
LipoCheck: Die Entwicklung war von Anfang an eng mit der Praxis verzahnt. Unser Vater und sein Netzwerk an Fachärzten haben die Produkte von Beginn an getestet und mitgestaltet. Patientinnen haben uns früh sehr deutlich gespiegelt, wie groß der Bedarf ist – die emotionalen Rückmeldungen waren oft bewegend. Heute zählen wir über 30.000 aktive Nutzerinnen auf unserer Plattform und mehrere Tausend Fälle wurden mittels unserer Telediagnostik DocReport von spezialisierten Fachärztinnen und Fachärzten befundet. Über 100 weitere Ärzte und Kliniken gehören zu unserem Expertenkreis.
Welche Vision verfolgt LipoCheck? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?
LipoCheck: Unsere Vision ist eine Welt, in der keine Frau mit Lipödem jahrelang auf eine korrekte Diagnose warten muss und einfachen Zugang zu Gesundheitsleistungen bekommt. Wir wollen mit Innovation die Versorgungslücke in der Frauengesundheit schließen – und sehen Lipödem dabei als Anfang, nicht als Ende. Mittelfristig können wir uns gut vorstellen, unser Modell auf weitere chronische Erkrankungen auszuweiten, bei denen Frauen ähnlich unterversorgt sind. Konkrete nächste Meilensteine sind der signifikante Ausbau unseres Arzt-Netzwerks, die Vertiefung unserer Krankenkassenpartnerschaften und die Internationalisierung.
Warum fiel die Entscheidung, sich bei Höhle der Löwen zu präsentieren?
LipoCheck: Weil Lipödem endlich die Aufmerksamkeit verdient, die es braucht – und Höhle der Löwen eine Bühne ist, um genau das zu zeigen. Für uns stand im Vordergrund: Wir wollen zeigen, wie relevant das Thema Frauengesundheit und speziell Lipödem ist – gesellschaftlich, medizinisch und wirtschaftlich. Gleichzeitig suchen wir Partnerinnen und Partner, die unsere Mission wirklich verstehen und mit uns gemeinsam etwas bewegen wollen.
Welche Form der Unterstützung wird durch die Teilnahme an Höhle der Löwen angestrebt?
LipoCheck: Wir suchen einen Investor oder eine Investorin, die nicht nur Kapital mitbringt, sondern Türen öffnen kann – insbesondere im Bereich Krankenkassen und -versicherungen, Klinikpartnerschaften und dem niedergelassenen Ärztenetzwerk. Unser Fokus liegt darauf, neue Partnerschaften zu erschließen und mehr Menschen international zu erreichen. Wachstum bei LipoCheck bedeutet immer auch: mehr Patientinnen, die schneller die richtige Diagnose und Versorgung bekommen.
Welche nächsten Schritte sind nach Höhle der Löwen geplant?
LipoCheck: Der Ausbau des Arzt-Netzwerks steht an, neue Krankenkassenpartnerschaften und die ersten Schritte zur Internationalisierung im Fokus. Und wir arbeiten bereits daran, unser Versorgungsmodell auf weitere Erkrankungen auszuweiten – denn die Versorgungslücke in der Frauengesundheit ist größer als Lipödem allein.
Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?
LipoCheck: Zwei Erkenntnisse haben uns früh geprägt: Erstens lässt sich die echte medizinische Expertise nicht ersetzen – wer Ärztinnen und Ärzte überzeugen will, braucht Glaubwürdigkeit, kein Versprechen. Zweitens wollen Patientinnen kein perfektes Produkt. Sie wollen gehört, ernst genommen und unterstützt werden. Beide Einsichten haben geformt, was LipoCheck heute ist.
Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?
LipoCheck: Unser wichtigster Ratschlag: Wartet nicht auf das perfekte Produkt. Wir dachten lange, wir müssen alles fertig und fehlerfrei haben, bevor wir rausgehen. Aber das stimmt nicht. Viel wichtiger ist es, früh Marktfeedback einzuholen – auch mit einer Lösung, die noch nicht vollständig ist, aber ein echtes Problem adressiert. Wir haben unsere App und unsere Services sukzessive, Schritt für Schritt, gemeinsam mit unserer Community entwickelt – mit den Betroffenen selbst. Das war unser größter Lernmoment. Darüber hinaus: Löst ein Problem, das ihr wirklich versteht, und sucht Mitgründerinnen oder Mitgründer, die eure Schwächen ergänzen.
Sehen Sie LipoCheck am 30. März 2026 in der Höhle der Löwen
Bild: Anina Langhans (l.), Dr. Stefan Rapprich und Helena Rapprich präsentieren den „Löwen“ mit „LipoCheck“ die Gesundheitsapp für Lipödem Erkrankte. Sie erhoffen sich ein Investment von 300.000 Euro für 5 Prozent der Firmenanteile. Bildcredits/Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer
Wir bedanken uns bei Anina Langhans, Dr. Stefan Rapprich und Helena Rapprich für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























