Freitag, Juni 14, 2024
StartGründerTalkInnovative Wege im Mautsystem: Eine Gründungsgeschichte

Innovative Wege im Mautsystem: Eine Gründungsgeschichte

maut1 revolutioniert das Mautsystem mit einer innovativen, länderübergreifenden Mautbox, die sich durch Benutzerfreundlichkeit und Kundennähe auszeichnet

Was hat Sie dazu motiviert, maut1.de zu gründen, und wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine länderübergreifende Mautbox für Privatkunden zu entwickeln?

Sowohl mein Mitgründer Simon Baumgartner, als auch ich (Julian Schmelzer) haben bereits vor unserer Gründung  von maut1.de in der Mautbranche gearbeitet. Dort haben wir festgestellt, dass nicht nur LKW-Kunden, sondern vor allem auch Privatkunden den Bedarf nach einer Länderübergreifenden Mautbox haben. Hier gab es bisher keinen deutschen Anbieter, der eine solche Lösung angeboten hat. Da wir bei unserem alten Arbeitgeber gegen eine Wand gelaufen sind, haben wir das Thema selbst in die Hand genommen und umgesetzt. Im Nachhinein sind wir sehr froh darüber, denn viele Kunden schätzen unser Angebot auf www.maut1.de sehr.

Können Sie die Anfangsphase Ihres Unternehmens beschreiben und, wie Sie die Herausforderungen bei der Gründung im digitalen Gründerzentrum Stellwerk18 bewältigt haben?

Wir haben vor der Gründung viel diskutiert und unseren Businessplan auch von anderen Freunden/Partnern gegenchecken lassen. Das ist essentiell, da man selbst irgendwann den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und eine externe, frische Meinung sehr wichtig ist. Wir haben z.B. auch mit der IHK, ehemaligen Dozenten oder unserer Bank gesprochen und diskutiert.

Das Stellwerk18 in Rosenheim hat uns in der Anfangsphase sehr geholfen. Dadurch, dass man sehr flexibel mit den Räumen ist, die man mieten kann und es tolle Veranstaltungen z.B. zum Netzwerken gibt, oder auch der Kontakt zu anderen Startups im Haus sind wirklich Gold wert! Wir haben dadurch schon viele wertvolle Gespräche oder Hilfestellungen bekommen, die wir sonst nicht erhalten hätten. Das Stellwerk18 hat uns die ohnehin schwierige Anfangsphase unseres Unternehmens etwas erleichtert.

Wie haben Sie es geschafft, innerhalb so kurzer Zeit signifikantes Umsatzwachstum zu erzielen, insbesondere von 1 Million Euro in 2021 auf über 13 Millionen Euro in 2023?

Mit unserer Mautbox haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Nach den Lockdowns 2020 durch die Corona-Pandemie wollten viele Menschen endlich wieder verreisen, aber weniger mit dem Flugzeug, sondern mit dem Auto. Unsere Mautbox ermöglicht es, bequem, schnell und kontaktlos durch die Mautstationen in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und Kroatien zu fahren, und genau das wollten die Leute. Zum anderen ist es uns gelungen, große und für uns sehr wichtige Partner wie den ADAC, den ÖAMTC oder auch Wohnmobilhersteller wie Concorde Reisemobile zu gewinnen. Unsere Partner und unsere treuen Kunden haben uns geholfen stark zu wachsen und dafür sind wir sehr dankbar.

Sie standen im Sommer 2021 am Rande einer Insolvenz. Wie haben Sie diese kritische Phase überwunden und was haben Sie daraus gelernt?

Wir standen eigentlich nicht wegen finanzieller Probleme am Rande der Insolvenz, sondern wegen technischer Probleme.

Dazu muss man wissen, dass wir im Sommer 2021 frisch am Markt waren und nur zwei Werkstudenten als Unterstützung im Unternehmen hatten. Bei uns ist es essentiell, dass alle unsere Rechnungen automatisiert über unser ERP-System eingezogen werden, weil der manuelle Aufwand für das Einziehen der Rechnungen extrem hoch wäre und wir das nicht leisten konnten.

Im Januar 2021 hat uns unser Dienstleister, der unser ERP-System betreut, zugesagt, dass der Rechnungseinzug bis März automatisiert läuft. Wir hatten das auch mehrfach abgestimmt und sind davon ausgegangen, dass das auch wirklich funktioniert. Die Wochen vergingen, der April kam, dann der Mai und der Juni und wir wurden jede Woche auf die nächste Woche vertröstet. Es hieß immer: „Es gab noch ein kleines Problem, das ist jetzt gelöst und nächste Woche klappt es“. Leider war dem nicht so.

Weil wir unsere Rechnungen nicht eintreiben konnten, bekamen wir kein Geld von unseren Kunden, die ja zahlen wollten. Wir haben uns dann damit beholfen, dass wir vorübergehend eine Hilfskraft eingestellt haben, die den ganzen Tag unsere Rechnungen von Hand eingezogen hat und so sind wir zu unserem Geld gekommen und konnten schließlich alle Rechnungen bezahlen.

Die Lektion, die wir daraus gelernt haben, lautet: „Verlasse dich nie zu sehr auf einen wichtigen Dienstleister und prüfe bei besonders wichtigen Dienstleistungen im Vorfeld genau, ob alle Punkte wie vereinbart erledigt werden können. Gegebenenfalls muss man auch frühzeitig die Reißleine ziehen, wenn es nicht klappt“.

Welche Rolle spielen große Partner wie der ADAC für Ihr Geschäftsmodell und wie konnten Sie solche Partnerschaften etablieren?

Der ADAC spielt für uns eine wichtige Rolle. Mit über 21 Millionen Mitgliedern ist der ADAC der größte Automobilclub Europas und jedes Kind in Deutschland kennt den ADAC. Das Vertrauen, das der ADAC genießt, ist für uns sehr wertvoll, denn es macht auch uns vertrauenswürdiger. 

Wir konnten den ADAC von einer Zusammenarbeit überzeugen, weil wir das beste Produkt am Markt anbieten und uns zudem sehr schnell auf die Gegebenheiten des ADAC einstellen konnten. Natürlich war auch Glück dabei, denn der ADAC war zu dem Zeitpunkt unserer Kontaktaufnahme auf der Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner im Mautbereich.

Wie unterscheidet sich Ihre Mautbox von anderen Angeboten auf dem Markt und was macht sie besonders attraktiv für Privatkunden?

Wir heben uns vom Wettbewerb ab, da wir die Mautbox mit der größten Länderabdeckung im Privatkundenmarkt anbieten. Zudem legen wir Wert auf einen sehr guten Kundenservice, was die guten Kundenbewertungen belegen, in denen wir deutlich besser abschneiden als der Wettbewerb.

Was waren die Schlüsselfaktoren für Ihren Erfolg, insbesondere da Sie bisher ohne Investoren ausgekommen sind?

Unser Erfolg beruht meiner Meinung nach auf zwei großen Säulen. 
  1. Wir haben das richtige Produkt zur richtigen Zeit auf den Markt gebracht – es gab ein großes Kundenbedürfnis, das wir befriedigen konnten und können.
  2. Wir hatten das Glück, dass unsere ersten Mitarbeiter extrem motiviert und kompetent waren und sind. Nur durch die Leistung aller Kollegen funktioniert maut1.de so gut und nur so hat es funktioniert auch ohne Investor sehr schnell zu wachsen.

Wie hat sich die Nachfrage nach Mautboxen im deutschsprachigen Raum entwickelt und wie positioniert sich maut1.de in diesem Markt?

Wir sehen im deutschsprachigen Raum einen noch weitgehend unerschlossenen Markt. Da es in Deutschland, Österreich und der Schweiz keine streckenbezogene Maut für PKW gibt und somit das Thema Mautbox bei vielen Autofahrern noch nicht bekannt ist, sehen wir hier ein großes Potential. Wir versuchen durch Marketingmaßnahmen und unsere Vertriebspartner das Thema Mautbox bekannter zu machen, damit noch mehr Menschen davon profitieren können.

Wir sind mittlerweile Marktführer im deutschsprachigen Raum und wollen unsere Position weiter ausbauen.

Können Sie einige der größten Herausforderungen nennen, mit denen Sie beim Aufbau von maut1.de konfrontiert waren, und wie Sie diese gemeistert haben?

Die größten Herausforderungen waren

  1. Die steuerlichen Aspekte korrekt abzubilden. Wir haben Steuerberater und Umsatzsteuerregistrierungen in 7 Ländern und müssen überall unsere Umsatzsteuer abführen. Gerade am Anfang war es relativ kompliziert, hier den Überblick zu behalten.
  2. Die Verwaltung der Mautboxen sowie der anfallenden Mautgebühren. Es ist relativ aufwendig, die Prozesse, die für unseren Betrieb notwendig sind, in einem ERP-System abzubilden, da es sehr individuell ist und so nicht einfach wie z.B. der Verkauf einer Industriemaschine, worauf viele ERP-Systeme eingestellt sind.
Fotocredits Lisa Lanzinger

Welche Zukunftspläne haben Sie für maut1.de und wie sehen Sie die Entwicklung des Unternehmens in den nächsten Jahren?

Derzeit arbeiten wir daran, unsere Mautbox in noch mehr Ländern anzubieten. Für die Zukunft sehen wir uns als Mobilitätsanbieter und nicht “nur“ als Mautdienstleister. Wir wollen unseren Kunden noch mehr sinnvolle digitale Services anbieten, um ihnen das Leben zu erleichtern. Dazu haben wir noch viele Ideen. Seid also gespannt was noch kommt.

Inwiefern unterstützt das digitale Gründerzentrum Stellwerk18 und die Förderung durch das Bayerische Wirtschaftsministerium Startups wie Ihr eigenes?

Das digitale Gründerzentrum bietet für uns folgende Vorteile

Top-Veranstaltungen im Haus zur Weiterbildung oder zum Netzwerken

Kostenlose Coachings durch Baystartup

Andere Startups im Haus mit denen man sich austauschen kann. Hierdurch konnten wir schon einige Probleme schnell lösen

Unterstützung durch das Team des Stellwerk18 – z.B. Wenn das Stellwerk18 einen Messestand hat, kann man sich oft einfach gratis mit dazu einbringen und ebenfalls auf der jeweiligen Messe vertreten sein, ohne Kosten und ohne großen Planungsaufwand

Extreme Flexibilität bei den Räumlichkeiten. Durch unser Wachstum konnten wir immer wieder Räume dazu mieten. In einer normalen Gewerbefläche ist man in der Regel auf Jahre gebunden und hat dann entweder zu viel Platz, oder zu wenig Platz.

Vergünstigte Raumkosten – man zahlt eine reduzierte Miete

Wir können es absolut empfehlen, Gründerzentren wie das Stellwerk18 zu nutzen. Wir haben viel davon profitiert und danken allen Beteiligten! 

Welche Ratschläge würden Sie anderen Gründern geben, die ein Unternehmen im Technologie- oder Mobilitätssektor starten möchten?

Informiert Euch vorab so gut es geht, ob es einen Bedarf für Eure Idee gibt und diskutiert diese ausführlich mit verschiedenen Personen. Danach sich einfach trauen und machen!

Wie bewerten Sie die aktuelle und zukünftige Rolle von Technologien im Mautsystem und welche Innovationen planen Sie, um Ihren Vorsprung im Markt zu halten oder auszubauen?

Technologie spielt in der Mautbranche eine immer größere Rolle. Gute Technologie, wie unsere Mautboxen, führt zu weniger Staus an den Mautstellen und damit zu weniger Emissionen und weniger Umweltbelastung. Außerdem müssen durch den besseren Verkehrsfluss an den Mautstellen weniger Spuren gebaut werden, um mehr Fahrzeuge passieren zu lassen.

Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an neuen innovativen Services, die unseren Kunden den größtmöglichen Nutzen bringen. Dazu sind wir mit vielen verschiedenen Unternehmen aus dem Mobilitätsbereich in Kontakt und führen spannende Gespräche.

Fotocredits Lisa Lanzinger

Wir bedanken uns bei Julian Schmelzer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


Premium Start-up: maut1

Kontakt:

maut1 GmbH
Eduard-Rüber-Straße 7
D-83022 Rosenheim

www.maut1.de
info@maut1.de

Ansprechpartner
: Julian Schmelzer

Social Media:
LindedIn
Facebook
Instagram

StartupValley
StartupValley
Das StartupValley Magazin ist Europas großes Magazin für Start-ups, Gründer und Entrepreneure. Ihr findet bei uns Tagesaktuelle News zu den neuesten Trends, Technologien und Geschäftsmodellen der internationalen Startup-Szene sowie Interviews mit erfolgreichen Gründern und Investoren.

WhatsApp Newsletter

NEU: Die wichtigsten News des Tages, im StartupValley WhatsApp Newsletter!

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!

- Advertisement -
spot_img
spot_img
- Advertisement -
- Advertisment -spot_img
- Advertisment -spot_img

Neueste Beiträge

- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen!

StartupValley Newsletter

Erhalte regelmäßig die wichtigsten internationalen Startup-News in dein Postfach!