Donnerstag, April 3, 2025
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Wie erkennt man, ob ein Bild echt ist?

Neuraforge entwickelt KI-gestützte Lösungen zur Erkennung von Deepfakes und Bildmanipulationen, um Betrug und Desinformation zuverlässig aufzudecken.

Was ist Neuraforge und wer sind die Menschen hinter dem Unternehmen?

Neuraforge wurde von Medien/ Marketingmanagerin Anika Gruner und dem KI-Sicherheitsexperten Anatol Maier im Jahr 2024 gegründet. Anatol hatte zuvor im Rahmen seiner Forschungsarbeit an der FAU Erlangen im Bereich der Multimediaforensik ein KI-gestütztes Verfahren zur zuverlässigen Erkennung von Deepfakes und Bildmanipulation mit KI entwickelt. Mit der Software, die Neuraforge aus dem Prototypen heraus entwickelt hat, können Medienhäuser aber auch Industriekunden wie bspw. Versicherer Betrug und Desinformation erkennen und bekämpfen. 

Wie ist die Idee zu Neuraforge entstanden und was hat euch zur Gründung motiviert?

Immer mehr KI-Anwendungen kommen zum Einsatz – im Guten wie auch im Bereich von Betrug und Desinformation. Dabei sind Korrektive rar – wir werden mit KI-generierten Inhalten überflutet. Wir haben diese Entwicklungen letztes Jahr zunehmend mit Sorge beobachtet und wollten dem etwas entgegensetzen. Wir glauben daran, dass jeder in der Lage sein sollte seine Medien auf Faktenbasis zu kuratieren. 

Welche Vision verfolgt Neuraforge im Bereich Künstliche Intelligenz und wie setzt ihr sie um?

Wir haben unsere eigene KI-Anwendung entwickelt – ein eigenes Verfahren sogar – das bedeutet, wir hängen an keinem Language Model und dass, was wir machen, ist wirklich einzigartig. Wir glauben es braucht gerade hier bei uns lokal viele spezialisierte KI-Anwendungen, da diese viel nachhaltiger und präziser sind als sogenannte „General Purpose AI“. Sprich: Man sollte nicht einfach alles in Chat GPT hinein „füttern“ und sich mit halbgaren Lösungen zufrieden geben, sondern sinnvolle Tools bauen, die für explizite Use Cases geeignet sind. Dabei kann man KIs dann auch zuverlässiger und robuster machen. Wir wollen mit unserer Anwendung die Trust Brand für Bild- und Videoverifikation werden und sind auf einem guten Weg dahin. 

Für welche Anwendungsbereiche entwickelt ihr eure KI-Lösungen – und wie wählt ihr diese aus?

In allen Bereichen, wo es um Bildverifikation geht, kann unsere Lösung zum Einsatz kommen. Immer dann, wenn wir Bilder aus unbekannten Quellen haben – beispielsweise auf Social Media – kann man mit der Hilfe unserer Software herausfinden, ob manipuliert oder betrogen wurde. Ein Use Case ist beispielsweise das Thema Identitätsbetrug – Betrüger können KI generierte Bilder nutzen, um sich als echte User auszugeben. Wir können diese Bilder entlarven. Auch können Versicherer beispielsweise mit unserer Software Betrugsversuche im Bereich Sachschadenversicherung aufdecken. 

Was unterscheidet Neuraforge von anderen KI-Anbietern?

Wir sind ein spezialisiertes Unternehmen mit nativer KI-Lösung, dass aktuellste Verfahren direkt aus der Forschung anbietet. Näher am Stand der Technik kann man nicht sein als mit unseren Lösungen. 

Wie stellt ihr sicher, dass eure Technologien verantwortungsvoll und transparent eingesetzt werden?

Transparenz ist unser höchstes Gut – deshalb arbeiten wir mit unseren Kunden so transparent wie möglich zusammen. Dadurch dass wir in unserer Wertschöpfung von keinem Drittanbieter abhängen (wir können unsere komplette Lösung auf Wunsch on Premise anbieten) stellen wir höchste Standards und Konformität der Regularien sicher. Wir kennen unsere Kunden alle persönlich und arbeiten nur mit verifizierten B2B Partnern zusammen. 

Welche Herausforderungen begegnen euch aktuell bei der Skalierung oder im Markt?

Es ist nicht immer einfach sich als echtes Deeptech Start-Up – auch monetär – zwischen vielen „API Start-Ups“ – die also Machine Learning Verfahren oder Chat GPT Anbindungen nur als Gimmick oder Feature anbieten – zu positionieren. Der Mehrwert ist definitiv da – es muss aber auch verstanden werden. 

Wer zählt zu eurer Zielgruppe – und wie geht ihr auf deren spezifische Anforderungen ein?

Wir kommen aus der Medienforensik – weshalb wir genauso wie unsere beiden Zielgruppen hohe Ansprüche an die Nachvollziehbarkeit unserer Ergebnisse haben. Medienunternehmen (und hier speziell Faktenchecker) als auch Versicherungsunternehmen testen, ob solche Lösungen wirklich können, was sie versprechen. Auch der Bereich der Strafverfolgung, der als Use Case für uns ebenso interessant sein könnte – braucht Lösungen mit maximaler Zuverlässigkeit. Dadurch, dass wir von Anfang an auf diesen Kern unserer Anwendung gesetzt haben, setzen diese Kundengruppen auf Partner wie uns. 

Wie arbeitet ihr im Team an so komplexen Themen wie KI-Entwicklung?

Jede KI-Entwicklung ist im Kern auch eine Softwareentwicklung- Man braucht auch für ein KI Produkt die Algorithmik, ein Backend und Frontend. Für diese Bereiche haben wir jeweils unsere Experten, die gemeinsam das Produkt erarbeiten und weiterentwickeln. 

Was waren bisher Meilensteine, auf die ihr besonders stolz seid?

Wir sind eines von 12 Teams, welches von der Bundesagentur für Sprunginnovationen im Rahmen des Innovationswettbewerbs „Deepfake Detection and Prevention“ im November 2024 ausgezeichnet wurden und somit einen großen Auftrag mit sechsstelligem Volumen erhalten haben. 

Welche Entwicklungen oder neuen Projekte dürfen wir in naher Zukunft von Neuraforge erwarten?

Neben der Weiterentwicklung unserer Bildanalyse Software arbeiten wir unter Hochdruck auch an der zuverlässigen Detektion von Audio Deepfakes mit unserem Verfahren. Erste Tests waren schon ganz vielversprechend. 

Was sollten Gründerinnen und Gründer beachten, wenn sie ein Tech-Startup aufbauen wollen?

Die Technische Expertise sollte unbedingt im Gründerteam vorhanden sein. Gerade am Anfang sollte man wirklich wissen, wie möglich oder unmöglich die Technische Umsetzung einer Start-Up Idee ist. Manche technischen Probleme erscheinen leicht zu lösen – sind dann aber doch nicht so easy. Gerade wenn man denkt „Wieso hat das noch keiner gemacht?“ Sollte man sich damit tatsächlich auseinandersetzen, welche technischen Hürden auftauchen könnten und wie viel Kapital man bräuchte, um diese zu überwinden.

Bild Neuraforge Gruender Anika Gruner und Anatol Maier Fotograf @Cindy Ngo

Wir bedanken uns bei Anika Gruner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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