Sonntag, Juni 16, 2024
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Kann man echten Luxus nachhaltig gestalten?

Nevermined produziert in Deutschland lab-grown Diamanten und revolutioniert damit die Diamantschmuck-Industrie.

Stell dich und dein Startup Nevermined doch kurz unseren Lesern vor.

Mein Name ist Christine Marhofer, ich bin 45 Jahre alt, Mutter dreier Kinder und Gründerin von Nevermined, einer der ersten Produktionen von lab-grown Diamanten in Deutschland. Wir stellen „Next Generation Diamonds“ her, also echte Diamanten aus dem Labor, die Minendiamanten in nichts nachstehen, aber zahlreiche ökologische und ökonomische Vorteile mit sich bringen. Parallel zu Nevermined habe ich außerdem eine zweite Marke gegründet: mandana Jewellery kreiert nachhaltigen Diamantschmuck. Unsere Schmuckstücke bestehen alle aus recyceltem 750er Gold und sind – selbstverständlich – auch mit unseren eigenen Nevermined Diamanten versehen. 

Warum hast du dich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Ich habe viele Jahre lang als Einkäuferin Trends für namhafte internationale Fashion Brands in den Handel gebracht. Dabei wurde mein Wunsch immer stärker, etwas Eigenes zu erschaffen. Als Mutter dreier Kinder wollte ich etwas von Wert in die Welt bringen, das vor allem mit den Werten unserer Zeit vereinbar ist, die ich meinen Kindern vermittele. Da ich etwas von Dauer kreieren wollte, war für mich schnell klar, dass ich mit den wertbeständigsten und langlebigsten Materialien der Welt arbeiten muss. Der Diamant begeistert Menschen seit Jahrtausenden, allerdings bringen Minendiamanten ein zentrales Problem mit sich: Sie sind alles, aber nicht nachhaltig.

Auf der Suche nach einer Lösung stieß ich dann auf die Möglichkeit der lab-grown Diamanten – und das änderte alles. Labordiamanten gefährden weder das Klima noch die Regenwälder, Wasservorkommen oder landwirtschaftlichen Flächen, weil für sie keine Erde im Tagebau umgegraben werden muss. Sie können auf Basis regenerativer Energien entstehen und das unter gesichert fairen Arbeitsbedingungen. Für mich stand fest: Ich möchte unbedingt mit Labordiamanten arbeiten! Und weil es bislang keine Hersteller gab, deren Produktions- und Arbeitsbedingungen mir transparent genug waren, entschied ich, meine eigene Produktion in Deutschland aufzubauen.

Was war bei der Gründung die größte Herausforderung?

Definitiv der Prozess, Diamanten herzustellen. Hierfür benötigt man spezielle Maschinen, die extrem schwierig zu beschaffen sind. Neben der Beschaffung der Maschinen ist aber vor allem die Rezeptur von entscheidender Bedeutung, die durch eigene Forschung und Entwicklung erarbeitet werden muss. Wir haben viele Monate Zeit investiert und sind heute stolze Besitzer. In unsere Maschinen setzen wir kleine, dünne Diamantplättchen ein, sogenannte „Seeds“, die daraufhin in einem Vakuum zu Diamanten heranwachsen.

Auf der Oberfläche des Seeds setzen sich dann Kohlenstoffteilchen ab, wodurch sich der Diamant Atom für Atom und Schicht für Schicht aufbaut. Das ist ein unheimlich komplizierter Prozess, weshalb wir sehr stolz darauf sind, nicht nur zusammen mit unseren Prozessingenieur:innen die Bedingungen zu definieren und zu überwachen. Wir haben die physikalischen und chemischen Rezepturen sogar eigens entwickelt! Mittlerweile schaffen wir es, jedes Jahr 175.000 Karat an Rohdiamanten zu erzeugen. In den kommenden zwei Jahren soll die Kapazität auf knapp 1 Million Karat an Rohdiamanten erweitert werden.

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Man muss es sogar. Aus meiner Sicht ist „perfekt“ ein Zustand, nach dem man zwar streben, ihn aber nie erreichen kann. Wären wir erst an den Markt gegangen, sobald „alles perfekt“ ist, hätten Nevermined und mandana wahrscheinlich nie das Licht der Welt erblickt. Wir haben uns dafür entschieden, lieber als „work in progress“ zu starten und das auch ganz transparent zu kommunizieren. Gerade im Bereich Nachhaltigkeit zum Beispiel sind wir noch nicht beim Optimum angelangt.

Wir produzieren zwar schon mit 100 % zertifiziertem Ökostrom, aber wollen diesen in Zukunft zu einem großen Teil selbst erzeugen. Daran arbeiten wir noch und das steht auch ganz transparent so auf unserer Website. Meine Empfehlung lautet immer: Nach Großem streben, aber sich nicht von Perfektionismus lähmen lassen – und lieber ehrlich kommunizieren, wo man noch Luft nach oben sieht.

Welche Vision steckt hinter Nevermined und mandana?

Wir sind angetreten, um die Diamantschmuck-Industrie zu revolutionieren und einen Wandel einzuleiten, zu einer Zeit, in der wir durch Schmuck unsere Werte ausdrücken. Dazu zählen vor allem Nachhaltigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Fairness und durch unsere Diamanten auch die Freude an der Schönheit unseres Planeten und seinen Schätzen. Wir wollen zur Demokratisierung von Luxus beitragen, indem wir echte Diamanten höchster Qualitätsstufen den Next Generation Customers zugänglich machen. 

Ist das die Zielgruppe von Nevermined?

Genau! Bei Nevermined und mandana steckt die Zielgruppe im Claim: Wir nennen sie „Next Generation Customers“, weil wir glauben, dass uns eine neue Ära bevorsteht, in der die kommende Generation wichtige Werte unserer Zeit noch höher schätzen wird. Das wird sich auch im Luxusschmuck widerspiegeln. „Wertvoll“ ist in Zukunft, wenn Wert langfristig bestehen bleibt. Oder wenn etwas wichtige Werte unterstützt. Zum Luxus wird ein Produkt nicht mehr durch künstliche Verknappung, sondern durch seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft. Daran glauben wir, und alle Menschen, die diese Haltung teilen, zählen wir zu unserer Zielgruppe – egal wie alt sie sind, egal welchem Geschlecht, welcher Religion, Ethnie oder welchem Berufsfeld sie angehören.

Wie funktioniert Nevermined? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet dich von anderen Anbietern?

Erst einmal haben wir als einer der ersten Diamantproduzenten in Deutschland natürlich ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal. Darüber hinaus unterscheidet uns von anderen unsere hohe Werteorientierung. In allem, was wir tun, steht Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Beispielsweise verarbeiten ausschließlich recyceltes Gold, unsere Schmuck-Cases „wachsen nach“, da sie aus einer veganen Leder-Alternative auf Oliven-Basis bestehen, das Garn unserer Stoffbänder wurde aus PET-Flaschen gefertigt, für die Prägung unserer Schmuck-Cases haben wir auf eine verantwortungsvolle Heißprägeveredelung geachtet.

Das sind nur einige Beispiele von vielen. Wir sind überzeugt, dass die emotionale Bindung zu Schmuckstücken am größten ist, wenn man durch sie die persönlichen Werte ausdrücken kann und wenn eine Geschichte dahintersteckt. Nevermined und mandana haben schon ein Jahr nach Launch zahlreiche Geschichten zu erzählen. Beispielsweise haben wir 2023 zusammen mit dem Earthchild Project ein Klassenzimmer in Südafrika errichtet, um die Bildung und die beruflichen Chancen in ärmeren Gebieten zu verbessern.

Wir sind außerdem Premium-Partner der DFB-Frauen-Nationalmannschaft, wo wir uns gemeinsam für Fairness, Gender Equality, Female Empowerment und eine Gesellschaft einsetzen, in der Frauen Talente wie den Fußball ausüben, ohne dafür infrage gestellt zu werden. All diese Engagements stecken in einem einzigen Schmuckstück von mandana mit Nevermined Diamanten – das macht unsere Kreationen so magisch. 

Wo geht der Weg hin? Wo siehst du dich und Nevermined in fünf Jahren?

Unsere Umsatzziele bis 2030 sind hoch gesteckt – neunstellig. Wir streben an, mit Nevermined der größte Hersteller von lab-grown Diamanten in Europa zu sein. mandana Jewellery sehen wir als nachhaltige Schmuckmarke der Zukunft, die in aller Munde ist, und die Wahl all jener, die durch Schmuck ihre Werte ausdrücken wollen. 

Welche drei Tipps würdest du angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Mein wichtigster Tipp lautet: Starte bei deinem persönlichen „Warum“. In einer Welt, in der es nahezu alles gibt und durch die Digitalisierung alles zugänglich ist, zählt nicht mehr so sehr, was du machst, sondern warum du es tust. Menschen investieren heute nicht mehr nur in „Wert“, sondern in „Werte“, im Sinne von Haltungen. Wenn du klarmachst, welche wichtigen Werte unserer Zeit dein Unternehmen unterstützt, wirst du deine Zielgruppe leichter finden. 

Genau darauf zielt auch mein zweiter Tipp ab: Überlege dir genau, durch welche Haltungen sich deine Zielgruppe ausdrückt. Es geht weniger darum zu definieren, wie alt deine Zielgruppe ist, welchen Beruf sie ausübt oder wie groß ihr Haushalt ist. Wichtiger ist, bei welchen Themen ihr Herz höherschlägt, worüber sie hitzig diskutiert, was sie auf Social Media teilt, wie sie sich ausdrückt – und wofür sie stehen möchte. Und Tipp Nummer drei: Umgib dich mit Leuten, die deine Werte teilen. Diversität ist für mich ein unheimlich hohes Gut, das ich an allen möglichen Stellen unterstütze. Aber wenn es um Werte geht, ist mir sowohl bei meinen Mitarbeitenden als auch bei Partner:innen geschlossene Einigkeit wichtig. Nur wenn wir wirklich von Herzen das Gleiche wollen, können wir auch ein gemeinsames Ziel erreichen.

Wir bedanken uns bei Christine Marhofer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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