NOVBYX entwickelt ein urbanes Fahrrad mit einer patentierten Konstruktion aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen und will damit einen neuen Ansatz beim Rahmenbau verfolgen
Wer steckt hinter NOVBYX und wie ist die Idee entstanden, gemeinsam als Vater und Sohn ein eigenes E-Bike zu entwickeln?
Hinter NOVBYX stehen mein Vater Tadeusz Lacny und ich, Filip Lacny.
Die ursprüngliche Idee für die Rahmenkonstruktion stammt von meinem Vater und ist schon deutlich älter als NOVBYX als Marke. Er hat sich damals eine eigentlich sehr einfache Frage gestellt: Muss ein Fahrradrahmen wirklich immer aus mehreren einzelnen Rohren bestehen, die anschließend miteinander verschweißt werden?
Aus dieser Überlegung entstand zunächst die Konstruktion und später das europäische Patent.
Mein Vater ist Ingenieur und führt in Deutschland die Lacny Engineering GmbH. Dort werden seit vielen Jahren technische Komponenten und Systeme entwickelt – vom Konzept bis zur Serie. Dieses Denken merkt man auch bei NOVBYX: Eine Idee ist erst der Anfang. Am Ende muss daraus etwas entstehen, das sich zuverlässig fertigen lässt.
Ich bin später stärker in das Projekt eingestiegen, als wir beschlossen haben, aus der technischen Idee ein echtes Produkt und eine Marke zu entwickeln. Heute arbeiten wir gemeinsam daran: Mein Vater vor allem auf der technischen Seite, ich stärker an Produkt, Marke und Geschäftsentwicklung. Die Entwicklung wird dabei auch vom Team von Lacny Engineering unterstützt.
Mein Vater stammt aus Jaworzynka, ich aus Cieszyn direkt an der polnisch-tschechischen Grenze. Heute lebt mein Vater in München. NOVBYX ist für uns deshalb auch ein sehr persönliches Projekt – etwas, das wir als Vater und Sohn gemeinsam von einer Idee bis zu einem realen Fahrrad gebracht haben.
Was hat euch dazu bewegt, beim Rahmen von NOVBYX einen anderen konstruktiven Ansatz als bei klassischen Fahrrädern zu verfolgen?
Eigentlich genau diese eine Frage: Muss man einen Fahrradrahmen immer auf die gleiche Art bauen?
Mein Vater wollte ausprobieren, ob sich die Hauptstruktur vereinfachen lässt und ob man mit durchgehenden Profilen arbeiten kann, anstatt mehrere einzelne Rohre zuzuschneiden und anschließend zusammenzuschweißen.
Daraus ist die heutige Rahmenarchitektur von NOVBYX entstanden.
Das Aussehen kam dabei nicht zuerst. Wir haben nicht versucht, ein möglichst ungewöhnliches Fahrrad zu zeichnen. Die Form ist vielmehr eine Folge der Konstruktion. NOVBYX sieht anders aus, weil es anders aufgebaut ist.
Der Hauptrahmen besteht aus zwei durchgehenden Aluminiumprofilen mit mechanischen Verbindungen. Welche Vorteile soll diese Konstruktion bieten?
Wir reduzieren die Anzahl der einzelnen strukturellen Bauteile und verzichten in der primären Rahmenstruktur auf die klassischen Schweißverbindungen.
Die Profile werden geformt und über präzise mechanische Verbindungen zusammengefügt. Das eröffnet aus unserer Sicht interessante Möglichkeiten bei Fertigung, Montage und langfristig auch bei Service und Austausch einzelner Komponenten. Uns geht es darum, ein Fahrrad zu entwickeln, das lange genutzt und bei Bedarf repariert werden kann.
Unsere bisherigen internen Tests verlaufen sehr gut, und wir sind mit dem Verhalten der Konstruktion bislang wirklich zufrieden. Trotzdem wollen wir die gesamte technische Überprüfung sauber abschließen, bevor wir daraus endgültige Aussagen für die Serie ableiten.
Ein physischer Prototyp von NOVBYX ist bereits vorhanden. Was konntet ihr damit bisher lernen und welche Fragen sind noch offen?
Der wichtigste Moment war wahrscheinlich der, als aus Patent, CAD-Daten und einzelnen Bauteilen plötzlich ein Fahrrad wurde, auf das man sich setzen und losfahren konnte.
Mit einem realen Prototyp lernt man Dinge, die man am Bildschirm einfach nicht vollständig beurteilen kann: Wie fühlt sich die Geometrie an? Wie funktioniert die Montage? Wie verhalten sich die Verbindungen? Welche Teile können leichter oder einfacher werden?
Unser aktueller Prototyp ist deshalb ganz bewusst ein Entwicklungsfahrzeug. Wir fahren damit, testen ihn und verändern Details.
Die bisherigen Ergebnisse stimmen uns sehr positiv. Parallel zur weiteren Erprobung bereiten wir intern bereits den nächsten Schritt vor: den Übergang vom Einzelprototyp zu einem wiederholbaren Produktionsprozess.
Die Erprobung läuft derzeit noch. Welche Tests sind für euch besonders wichtig, bevor ihr den nächsten Schritt Richtung Produktion geht?
Besonders wichtig sind für uns die Belastungs- und Ermüdungstests des Rahmens.
Ein Fahrradrahmen muss nicht nur eine einzelne hohe Belastung aushalten. Im normalen Alltag erlebt er über Jahre sehr viele wiederkehrende Belastungszyklen. Genau deshalb ist dieser Bereich für uns so wichtig.
Daneben betrachten wir die mechanischen Verbindungen, Fertigungstoleranzen und die Wiederholbarkeit der Montage.
Unsere eigenen bisherigen Tests liefern sehr gute Ergebnisse. Die abschließende Validierung läuft aber noch. Unser Ziel ist nicht nur ein funktionierender Prototyp, sondern eine Konstruktion, die später zuverlässig und reproduzierbar gefertigt werden kann.
Für welche Zielgruppe entwickelt ihr NOVBYX und welche Anforderungen dieser Nutzer standen bei der Entwicklung im Mittelpunkt?
NOVBYX ist zunächst ein urbanes E-Bike für Menschen, die sich für Technik und Design interessieren und ein Fahrrad suchen, das schon in seiner Grundkonstruktion anders ist.
Trotzdem soll NOVBYX kein reines Designobjekt sein. Es soll im Alltag unkompliziert bleiben und sich gut warten lassen.
Deshalb sehen wir für die Serienausstattung bei vielen Komponenten bewusst bewährte Lösungen vor, zum Beispiel Shimano CUES und hydraulische Shimano-Bremsen. Die Ausstattung des Entwicklungsprototyps kann davon noch abweichen.
Das Ungewöhnliche soll vor allem dort stattfinden, wo NOVBYX wirklich anders ist: in der Architektur des Rahmens, nicht in der Bedienung des Fahrrads.
Was unterscheidet NOVBYX aus eurer Sicht am stärksten von anderen E-Bikes auf dem Markt?
Ganz klar der Ausgangspunkt.
Bei E-Bikes stehen oft der Antrieb, der Akku oder die Software im Mittelpunkt. Bei uns begann die Entwicklung beim Rahmen.
Die beiden durchgehenden Profile und die mechanischen Verbindungen bestimmen die gesamte Silhouette des Fahrrads.
Deshalb erkennt man NOVBYX sehr schnell wieder. Aber dieser Wiedererkennungswert wurde nicht nachträglich gestaltet – er ist aus der Konstruktion entstanden.
Eure Konstruktion ist durch ein europäisches Patent geschützt. Welche Bedeutung hat das Patent für eure weitere Unternehmensentwicklung?
Das Patent ist für uns wichtig, weil hinter der Konstruktion eine lange Entwicklungsgeschichte steht.
Die Priorität der Erfindung reicht bis 2014 zurück. Das europäische Patent EP 2 944 554 B1 wurde 2019 erteilt. Mein Vater ist darin als Erfinder genannt, die Anmeldung erfolgte durch die Lacny GmbH.
Für ein junges Unternehmen ist dieses geistige Eigentum natürlich wertvoll. Trotzdem sehen wir das sehr nüchtern: Ein Patent allein macht noch kein gutes Produkt.
Jetzt geht es darum, aus dieser Idee ein Fahrrad zu machen, das technisch überzeugt, die Tests besteht und sich zuverlässig produzieren lässt. Das ist für uns momentan viel wichtiger als einfach nur sagen zu können, dass die Konstruktion patentiert ist.
Vom funktionierenden Prototyp zur wiederholbaren Kleinserie ist es ein großer Schritt. Wo liegen für euch aktuell die größten Herausforderungen?
Genau darin, aus einem funktionierenden Einzelstück einen Prozess zu machen.
Bei einem Prototyp kann man viele Dinge noch individuell lösen. In einer Serie müssen Profile, Verbindungsteile, Toleranzen, Montage und Qualitätskontrolle jedes Mal nach dem gleichen Standard funktionieren.
Deshalb arbeiten wir inzwischen nicht mehr nur am Fahrrad selbst. Intern bereiten wir bereits die spätere Serienproduktion und größere Stückzahlen vor – von Fertigungsprozessen und Lieferanten bis zu Montage und Qualitätskontrolle.
Dabei hilft die Erfahrung meines Vaters und des Teams von Lacny Engineering. Dort gehört es seit vielen Jahren zum Alltag, technische Lösungen vom Konzept in Richtung Serie zu entwickeln.
Unsere ersten 77 Fahrräder sehen wir als wichtigen Zwischenschritt. Lieber bauen wir diese erste Serie richtig und lernen daraus, als sofort Stückzahlen zu versprechen, die wir noch nicht sicher beherrschen.
Welche Rolle soll Kickstarter bei der Finanzierung und beim Markteintritt von NOVBYX spielen?
Kickstarter ist für uns der nächste Schritt zwischen Prototyp und erster Produktion.
Die erste Signature 77 Series soll aus 77 individuell nummerierten Fahrrädern bestehen. Diese ersten Unterstützer sind für uns die Menschen, die NOVBYX ganz am Anfang begleiten.
Natürlich soll Kickstarter auch einen Teil der ersten Produktion finanzieren. Fast genauso interessant ist für uns aber die direkte Rückmeldung: Aus welchen Ländern kommt Interesse? Was überzeugt die Menschen an dem Fahrrad? Welche Fragen stellen sie?
Die Kampagne bereiten wir aktuell vor. Wir wollen dabei realistische Aussagen machen, statt zu früh feste Produktions- oder Liefertermine zu versprechen. Parallel laufen die Tests und intern bereits die Vorbereitungen für die spätere Serienfertigung.
Wo möchtet ihr mit NOVBYX in den kommenden Jahren stehen und welche nächsten Meilensteine habt ihr euch gesetzt?
Wir wollen aus NOVBYX eine Marke mit einer eigenen technischen Grundlage aufbauen, nicht nur ein einzelnes auffälliges Fahrrad vorstellen.
Der nächste Schritt ist, die laufende Validierung abzuschließen und gleichzeitig die Produktion vorzubereiten. Danach möchten wir die ersten 77 Fahrräder bauen.
Damit wollen wir zeigen, dass die Konstruktion nicht nur einmal als Prototyp funktioniert, sondern sich zuverlässig und wiederholbar herstellen lässt. Darauf wollen wir die weitere Produktion aufbauen.
Langfristig ist für uns auch die Rahmenarchitektur selbst spannend. Wenn sich das System bewährt, muss NOVBYX nicht bei einem einzigen Fahrradmodell bleiben.
Aber zuerst wollen wir das erste Fahrrad richtig machen.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen ein eigenes Hardware-Produkt entwickeln möchten?
Erstens: Baut so früh wie möglich etwas Reales. Ein physischer Prototyp beantwortet Fragen, über die man am Computer sehr lange diskutieren kann.
Zweitens: Erwartet nicht, dass die erste Version perfekt ist. Hardware entwickelt sich Schritt für Schritt. Unser heutiger Prototyp ist auch das Ergebnis vieler Entscheidungen, Änderungen und Lernprozesse.
Und drittens: Sprecht mit Menschen außerhalb des eigenen Teams. Lieferanten, Ingenieure, potenzielle Kunden und auch Journalisten stellen manchmal eine einfache Frage, auf die man selbst nach Monaten Arbeit nicht mehr kommt.
Bildcredits NOVBYX
Wir bedanken uns bei Filip Lacny für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















