Freitag, März 27, 2026
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Warum verlieren selbst starke Marken die Kontrolle über ihren Content?

Open Wonder entwickelt KI Lösungen für Marke und Content und bringt Struktur in skalierbare Markenprozesse

Wer steckt hinter Open Wonder und welche Kompetenzen bringen die Gründerinnen und Gründer in das Unternehmen ein?

Hinter unserem Unternehmen stecken drei Gründer, die jeweils eine der Disziplinen abdecken, ohne die ein Produkt wie Open Wonder nicht funktioniert: Technologie, Design und Unternehmensführung.

Marcel Schulz verantwortet als CTO Technologie und Produkt. Er hat AI gestützte Bildgenerierung, automatisierte Anzeigenproduktion und AI SEO erfolgreich in Plattformen mit Millionen von Nutzern integriert. Marcel versteht, wie man AI Systeme baut, die unter realen Bedingungen in großen Organisationen zuverlässig funktionieren.

Johannes Ritzel ist als Chief Creative Partner für Brand und Design verantwortlich. Master in Branding and Identity an der University of the Arts London, Stationen bei AKQA, Strichpunkt, DesignStudio und Ragged Edge. Johannes bringt ein systematisches Verständnis davon mit, wie Markenidentität operativ und strukturell funktioniert.

Ich selbst habe seit 2010 mehrere Unternehmen aufgebaut und skaliert. Bei Open Wonder verantworte ich als CEO die Strategie, den Vertrieb und den Unternehmensaufbau.

Was uns verbindet, ist, dass keiner von uns zum ersten Mal gründet. Und wir haben das Problem, das wir lösen, über Jahre aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt.

Wie ist die Idee zu Open Wonder entstanden und welches Problem im Marken- und Marketingumfeld wollten Sie konkret lösen?

Wir kommen aus über 15 Jahren Markenarbeit. Dabei haben wir gesehen, dass Marken strategisch sauber definiert sind, aber in der operativen Umsetzung scheitern.

Mit dem Aufkommen von AI hat sich dieses Problem verstärkt: Ohne belastbares Markenfundament skaliert man vor allem Inkonsistenz.

Die zentrale Frage war daher, wie sich Markenwissen aus statischen Guidelines in ein operatives System überführen lässt.

Open Wonder positioniert sich als KI-gestützter Branding-Assistent. Wie genau funktioniert Ihr Ansatz, um markenkonforme visuelle Inhalte automatisiert zu erzeugen?

Im Kern übersetzen wir Markenwissen in eine strukturierte, maschinenlesbare Form und machen es damit für generative Systeme nutzbar.

Dafür wird eine Marke nicht nur über einzelne Parameter wie Farben oder Schriften beschrieben, sondern als zusammenhängendes System, etwa in Bezug auf Bildsprache, Komposition, Tonalität und gestalterische Prinzipien. Diese Informationen werden in einem sogenannten Brand Layer gebündelt.

Auf dieser Basis trainieren wir für jede Marke eigene Modelle, die diese visuelle Logik lernen. Wenn ein Nutzer anschließend einen Input gibt, wird dieser automatisch mit dem entsprechenden Markenkontext angereichert. Die Generierung erfolgt also nicht isoliert, sondern immer innerhalb der definierten Markenstruktur.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass das System nicht versucht, generische Inhalte nachträglich anzupassen, sondern von Beginn an markenkonform erzeugt. Dadurch entstehen Ergebnisse, die konsistent wirken und sich in bestehende Design- und Marketingprozesse integrieren lassen.

Welche Vision verfolgen Sie mit Open Wonder in Bezug auf die Zukunft von Markenführung und Content-Produktion?

Unsere Vision ist eine agentische Brand Operating Platform – ein System, in dem Markenwissen nicht dokumentiert, sondern ausgeführt wird. Die visuelle Content-Generierung ist der Einstiegspunkt.

Der Brand Agent soll Markenkontext verstehen, Aufgaben erfassen und eigenständig markenkonformen Content erstellen. Teams sollen dort interagieren, wo sie bereits arbeiten, etwa in Slack.

Langfristig arbeitet der Agent proaktiv, monitort Kanäle, erkennt Inkonsistenzen und schlägt Optimierungen vor. Die Marke wird so zu einem operativen System, das aktiv steuert und lernt.

An welche Zielgruppen richtet sich Open Wonder vor allem, und welche typischen Herausforderungen dieser Unternehmen adressieren Sie?

Wir richten uns an internationale Unternehmen mit hoher Content-Frequenz und dem Anspruch, Markenkonsistenz operativ zu sichern.

Erstens: Unternehmen mit starken Marken, die international unter ihrem Niveau kommunizieren, weil Skalierung über Märkte und Kanäle zu langsam, zu teuer und fragmentiert ist.

Zweitens: globale Organisationen mit 30 oder mehr Märkten, bei denen die Markenkonsistenz mit jedem zusätzlichen Kanal abnimmt.

Aktuell arbeiten wir mit Unternehmen wie der HARTMANN Group, Kneipp, idealo und mobile.de.

Viele Unternehmen kämpfen mit inkonsistenter Markenkommunikation. Wie stellt Ihre Plattform sicher, dass neue Assets wirklich zum bestehenden Look and Feel passen?

Durch eine maschinenlesbare Repräsentation der Marke, die tiefer geht als klassische Brand-Management-Tools.

Unser Brand Layer erfasst eine Marke über acht Dimensionen und übersetzt das Urteilsvermögen eines Brand Designers in operative Infrastruktur. Für jede Marke trainieren wir eigene Modelle auf die spezifische visuelle Sprache.

Jeder Input wird mit Markenkontext angereichert. Die Asset Library baut ein semantisches Gedächtnis auf, wodurch das System mit der Zeit präziser wird.

Das Brand Team definiert die Richtlinien zentral, während andere Teams innerhalb dieser Leitplanken autonom arbeiten. Konsistenz entsteht durch Infrastruktur, nicht durch Kontrollschleifen.

Was unterscheidet Open Wonder von klassischen Design-Tools oder generativen KI-Bildgeneratoren?

Ein Bildgenerator erzeugt Bilder. Open Wonder erzeugt markenkonforme Inhalte innerhalb bestehender Unternehmensprozesse.

Tools wie Midjourney, DALL-E oder Flora lösen kreative Aufgaben für Einzelpersonen, Canva AI demokratisiert Gestaltung. Markenkonsistenz im Enterprise-Kontext adressieren sie nicht.

Open Wonder ist von der Marke her gedacht, nicht von der Technologie. Das System ist Foundation-Model-agnostisch, DSGVO-konform, nutzt EU-Infrastruktur in Frankfurt und integriert sich in bestehende Enterprise-Systeme.

Mit welchen technologischen oder organisatorischen Hürden waren Sie beim Aufbau Ihres KI-Modells konfrontiert, und wie sind Sie damit umgegangen?

Die zentrale Herausforderung war, implizites Expertenwissen zu formalisieren. Ein Designer erkennt sofort, ob etwas zur Marke passt, kann dies aber selten als Regel formulieren. Dieses Wissen in eine maschinenlesbare Struktur zu überführen, ohne Nuancen zu verlieren, erforderte iterative Arbeit zwischen Markenexpertise und technischer Modellierung.

Zudem entwickelt sich die KI-Welt schnell. Deshalb ist das System nicht an ein Modell gebunden: Das Markenverständnis bleibt konstant, während im Hintergrund jeweils das beste Modell genutzt wird.

Wie planen Sie, Open Wonder in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln? Welche Funktionen oder Märkte stehen im Fokus?

Unser Ziel ist es, vom visuellen Einstiegspunkt zur vollständigen Brand Operating Platform zu werden.

Kurzfristig: Character Consistency, also wiederverwendbare Marken-Charaktere über Szenen und Formate hinweg. Image to Video. Ausbau der Integrations-Landschaft in Richtung Microsoft Teams, E-Mail-Kanal, weitere DAM- und CMS-Anbindungen.

Mittelfristig: Agent-Plattform mit neuen Skills wie Copywriting, Kampagnenplanung und automatisierter Markenprüfung bestehender Inhalte. Output-Integrationen in die gesamte Content-Wertschöpfungskette.

Langfristig: Europäische Expansion. EU-Infrastruktur und lokale Präsenz sind in unserem Kundensegment ein echtes Differenzierungsmerkmal gegenüber US-Anbietern. Dazu ein Partner-Modell, in dem Agenturen und Beratungen Open Wonder als Execution-Infrastruktur für ihre Kunden einsetzen.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Marketing, Design und anderen Teams in Ihrem Produktkonzept?

Sie ist die Grundlage des Produkts. In vielen Organisationen arbeiten Marketing, Design und Brand Management in getrennten Systemen, was Inkonsistenzen und Freigabeschleifen erzeugt.

Open Wonder löst das architektonisch: Das Brand Team definiert die Richtlinien zentral, andere Teams arbeiten innerhalb dieses Rahmens autonom, während die Infrastruktur Markenkonformität sicherstellt.

Wenn Sie auf Ihre eigene Gründungsreise blicken, welche drei konkreten Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben?

Erstens: Löst ein Problem, das ihr selbst operativ erlebt habt. Wir haben über 15 Jahre Markensysteme für Unternehmen gebaut und das Problem, das Open Wonder adressiert, in nahezu jeder Organisation gesehen. Dieses Domänenwissen lässt sich nicht abkürzen.

Zweitens: Seid bereit, euer eigenes Geschäftsmodell zu hinterfragen. Wir haben als Dienstleister ein Produkt gebaut, das Dienstleistungsarbeit automatisiert. Wenn eine Branche sich fundamental verändert, ist es besser, die Veränderung selbst zu gestalten. Die Glaubwürdigkeit, die aus dieser Selbstdisruption entsteht, ist nicht replizierbar.

Drittens: Baut europäisch. Es gibt einen substanziellen Bedarf an Enterprise-Lösungen, die europäische Anforderungen nicht als Compliance-Pflicht behandeln, sondern als Produktmerkmal. Im Enterprise-Segment sind Datenschutz, Datenresidenz und Nähe keine Einschränkungen. Es sind die Gründe, warum Kunden euch gegenüber US-Anbietern den Vorzug geben.

Bild V.l.n.r. Johannes Ritzel, Tim Herzog und Marcel Schulz Bildcredits/ Fotograf: Manuel Gutjahr

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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