Mittwoch, November 4, 2026
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Kaufberatung ohne Fachjargon: Pinpap vermittelt Technik per Spracheingabe

Pinpap bietet eine kostenlose Kaufberatung, bei der KI die Wünsche der Nutzer versteht und passende Technik sowie Haushaltsgeräte anhand festgelegter Kriterien empfiehlt.

René, kannst du dich und Pinpap kurz vorstellen und erzählen, wie aus den Gesprächen mit deiner Nachbarin die Idee für eine eigene KI-gestützte Kaufberatung entstanden ist?

Ich bin seit über 13 Jahren Softwareentwickler und habe mit Pinpap meine erste eigene Anwendung als Gründer entwickelt.

Die Idee kam durch meine etwas ältere Nachbarin. Ich habe ihr immer mal wieder bei Computerproblemen geholfen. Als ihr alter Laptop langsam in die Jahre kam, fragte sie mich, welchen neuen sie sich kaufen sollte und worauf sie achten müsste. Mit den technischen Daten konnte sie nicht viel anfangen.

Da ich wusste, dass sie hauptsächlich E-Mails schreibt und ein bisschen im Internet surft, habe ich ihr ein einfaches, vernünftiges Gerät empfohlen.

Dabei habe ich gemerkt, wie schwierig es für Menschen ohne technische Vorkenntnisse sein kann, das passende Gerät zu finden.

Daraus entstand Pinpap, eine kostenlose, KI-gestützte Kaufberatung für Technik und Haushaltsgeräte. Mein Ziel ist, dass Menschen einfach beschreiben können, was sie brauchen, ohne sich vorher mit technischen Begriffen beschäftigen zu müssen.

Du hast über 13 Jahre als Softwareentwickler gearbeitet, bevor du dich selbstständig gemacht hast. Was hat dich dazu bewegt, den Schritt vom angestellten Entwickler zum Gründer zu wagen, und welche Rolle spielte deine berufliche Veränderung dabei?

Die Idee, etwas Eigenes zu entwickeln, hatte ich schon länger. Neben einem Vollzeitjob fehlt aber oft die Zeit, ein solches Projekt wirklich umzusetzen.

Dann wurde mir gekündigt und ich wurde freigestellt. Das war natürlich nicht unbedingt der Karriereplan, den ich mir vorgestellt hatte. Aber plötzlich hatte ich die Möglichkeit, mich intensiv mit meiner Idee zu beschäftigen.

Also habe ich angefangen, Pinpap zu entwickeln. Aus einer Idee wurde nach und nach eine Anwendung, die inzwischen öffentlich nutzbar ist.

Ob ich langfristig davon leben kann, weiß ich noch nicht. Ich führe deshalb auch weiterhin Bewerbungsgespräche. Aber ich wollte die Gelegenheit nutzen und zumindest versuchen, etwas Eigenes aufzubauen.

Viele Verbraucher fühlen sich von technischen Daten, Produktvarianten und Vergleichsportalen überfordert. Welche konkreten Probleme möchtest du mit Pinpap lösen und für welche Zielgruppen hast du deine Anwendung entwickelt?

Ich glaube, viele Menschen wissen ziemlich genau, was sie mit einem Gerät machen möchten. Sie wissen nur nicht unbedingt, welche technischen Eigenschaften dafür notwendig sind.

Wer beispielsweise einen Laptop für E-Mails, Internet und gelegentliche Dokumente sucht, muss sich nicht erst mit Prozessoren, Arbeitsspeicher oder Grafikkarten beschäftigen.

Genau dort möchte ich mit Pinpap ansetzen.

Die Anwendung richtet sich grundsätzlich an alle, die Technik oder Haushaltsgeräte kaufen möchten. Besonders hilfreich soll sie aber für Menschen sein, die sich mit technischen Details nicht auskennen oder einfach keine Lust haben, sich stundenlang durch Produktlisten zu arbeiten.

Mir ist wichtig, dass die Beratung verständlich bleibt und niemand das Gefühl bekommt, erst Fachwissen mitbringen zu müssen.

Bei Pinpap beschreiben Nutzer einfach in eigenen Worten, welches Gerät sie benötigen. Wie funktioniert die KI-gestützte Kaufberatung im Hintergrund und nach welchen Kriterien werden passende Produkte ausgewählt?

Die Kaufberatung funktioniert im Wesentlichen in zwei Schritten.

Im ersten Schritt versucht eine KI zu verstehen, was der Nutzer eigentlich braucht, und übersetzt die Anfrage in vordefinierte Anforderungen.

Wenn jemand beispielsweise schreibt: „Ich hätte gerne einen Fernseher, mit dem ich PlayStation 5 spielen kann“, erkennt Pinpap, dass dafür unter anderem eine hohe Auflösung, eine Bildwiederholfrequenz von 120 Hz und passende Anschlüsse interessant sein können.

Im zweiten Schritt gleicht Pinpap diese Anforderungen mit den vorhandenen Produktdaten ab. Dabei werden auch das Budget und persönliche Wünsche berücksichtigt. Die eigentliche Produktauswahl erfolgt anhand festgelegter Regeln und nicht einfach nach dem Bauchgefühl einer KI.

Am Ende bekommt der Nutzer eine kleine Auswahl passender Geräte und eine verständliche Erklärung, warum diese empfohlen werden.

Langfristig möchte ich die Beratung auch um unabhängige Produkttests erweitern, beispielsweise um Eigenschaften wie Bildqualität oder Akkulaufzeit besser beurteilen zu können. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Du verzichtest bewusst auf klassische Produktfilter und komplizierte Einstellungsmöglichkeiten. Welche Überlegungen stecken hinter diesem Ansatz und wie stellst du sicher, dass die Anwendung trotzdem ausreichend Informationen für eine passende Empfehlung erhält?

Ich wollte nicht noch eine Plattform entwickeln, auf der man sich erst durch zwanzig Filter klicken muss.

Denn genau das ist für viele Menschen das Problem: Wenn ich nicht weiß, wie viel Arbeitsspeicher ich brauche, hilft es mir wenig, zwischen 8, 16 und 32 Gigabyte auswählen zu können.

Deshalb kann man bei Pinpap einfach schreiben, was man sucht. So, wie man es auch jemandem erzählen würde, den man um Rat fragt.

Wer nicht genau weiß, was er schreiben soll, kann auch eine geführte Beratung mit einfachen Fragen nutzen.

Wenn wichtige Angaben fehlen oder etwas unklar ist, kann Pinpap nachfragen. So sollen genügend Informationen zusammenkommen, ohne den Nutzer gleich am Anfang mit technischen Details zu überfordern.

Ein günstiger Laptop kann für einfache Aufgaben völlig ausreichen, während andere Nutzer deutlich höhere Anforderungen haben. Wie erkennt Pinpap den tatsächlichen Bedarf und wie vermeidest du Empfehlungen, die unnötig teuer oder technisch überdimensioniert sind?

Das Budget ist bei Pinpap eine wichtige Grenze, aber nicht das eigentliche Ziel der Empfehlung.

Entscheidend ist zunächst, wofür jemand ein Gerät benötigt. Für E-Mails und Internet braucht man normalerweise keinen teuren Gaming-Laptop. Wer dagegen aktuelle Spiele mit hohen Grafikeinstellungen spielen möchte, hat ganz andere Anforderungen.

Pinpap versucht, solche Unterschiede anhand der Beschreibung zu erkennen und die passenden technischen Eigenschaften zu berücksichtigen.

Mir ist dabei wichtig, dass nicht automatisch das teuerste Gerät innerhalb des Budgets empfohlen wird. Gleichzeitig soll auch nicht einfach das billigste Produkt gewinnen.

Es geht darum, einen sinnvollen Kompromiss zwischen Anforderungen, Ausstattung und Preis zu finden.

Wenn jemand kein Budget angibt, versucht Pinpap, eine kleine Auswahl aus unterschiedlichen Preisklassen zusammenzustellen. Anschließend kann der Nutzer sein Budget noch eingrenzen und die Empfehlungen entsprechend anpassen.

Künstliche Intelligenz kann Produktempfehlungen verständlich formulieren, aber auch fehlerhafte oder veraltete Informationen liefern. Wie überprüfst du die Qualität deiner Empfehlungen und wie gehst du mit unvollständigen Produktdaten oder möglichen Fehlern um?

Das ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen bei Pinpap.

Eine KI kann sehr überzeugend erklären, warum ein Gerät angeblich geeignet ist. Wenn die zugrunde liegenden Daten falsch sind, hilft aber auch die schönste Erklärung nichts.

Deshalb versuche ich, die Produktauswahl möglichst stark auf nachvollziehbare technische Merkmale und Regeln zu stützen. Die Empfehlungen sollen nur mit Eigenschaften begründet werden, die durch vorhandene Daten gedeckt sind.

Ich teste die Anwendung außerdem regelmäßig mit unterschiedlichen Suchanfragen, darunter auch ungewöhnliche oder widersprüchliche Anforderungen.

Wenn Daten fehlen, soll Pinpap diese nicht einfach erfinden. Allerdings ist das ein Bereich, an dem ich weiterhin arbeite. Fehler lassen sich bei einer solchen Anwendung nicht vollständig ausschließen.

Deshalb sind Rückmeldungen von Nutzern für mich besonders wichtig.

Die Produktempfehlungen sollen sich danach richten, wie gut ein Gerät zu den Anforderungen des Nutzers passt, und nicht danach, welcher Händler die höchste Provision zahlt.

Deshalb sind Produktauswahl und Händlerangebote bei Pinpap voneinander getrennt. Zunächst wird ermittelt, welche Produkte geeignet sind. Erst danach werden die verfügbaren Händlerangebote angezeigt.

Natürlich möchte ich mit Pinpap irgendwann auch Geld verdienen. Aber ich möchte das nicht auf Kosten meiner Nutzer tun.

Ich selbst möchte schließlich auch nicht über den Tisch gezogen werden oder etwas kaufen, das ich eigentlich gar nicht brauche, nur weil jemand daran mehr verdient.

Ich halte mich da an einen ziemlich einfachen Grundsatz: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.

Vielleicht klingt das etwas kitschig und passt nicht unbedingt in eine Welt, in der es oft nur um Umsatz und Wachstum geht. Aber ich habe nun mal meine Werte, und die möchte ich nicht aufgeben, nur weil ich jetzt ein eigenes Unternehmen aufbaue.

Der Markt für Produktvergleiche und Kaufberatung ist bereits von großen Plattformen geprägt. Was unterscheidet Pinpap von klassischen Vergleichsportalen, Onlinehändlern und allgemeinen KI-Assistenten?

Pinpap soll kein weiterer klassischer Preisvergleich werden.

Bei einem Preisvergleich weiß man häufig schon, welches Produkt man kaufen möchte, und sucht anschließend nach dem günstigsten Angebot. Bei Pinpap setzt die Beratung früher an: Welches Gerät passt überhaupt zu dem, was ich vorhabe?

Der zweite Unterschied ist die Bedienung. Statt technischer Filter beschreibt man seine Wünsche in normaler Sprache.

Bei Pinpap liegt der Schwerpunkt auf der gezielten Kaufberatung. Die Produktauswahl erfolgt anhand eines eigenen Produktkatalogs, definierter Anforderungen und verfügbarer Händlerangebote. Die KI hilft dabei, die Wünsche zu verstehen, entscheidet aber nicht allein, welche Produkte empfohlen werden.

Natürlich können große Plattformen vieles davon ebenfalls entwickeln. Ich glaube aber, dass gerade eine einfache, verständliche Kaufberatung ihren eigenen Platz haben kann.

Pinpap ist aktuell kostenlos und richtet sich zunächst an den deutschen Markt, kann aber auch auf Englisch genutzt werden. Wie möchtest du erste Nutzer gewinnen und welche Möglichkeiten siehst du, dein Angebot langfristig auf weitere Märkte auszuweiten?

Im Moment versuche ich erst einmal, Pinpap überhaupt bekannt zu machen.

Dazu gehören Vorstellungen auf Plattformen wie Product Hunt, LinkedIn und verschiedenen Startup-Portalen. Außerdem arbeite ich daran, dass die Kaufberatungsseiten über Google besser gefunden werden.

Ein großes Werbebudget habe ich nicht. Deshalb konzentriere ich mich zunächst auf organische Reichweite und darauf, dass die Anwendung für ihre Nutzer tatsächlich hilfreich ist.

Die englische Oberfläche ist bereits vorhanden. Eine Ausweitung auf andere Länder wäre grundsätzlich denkbar, allerdings hängen die Empfehlungen auch von regional verfügbaren Produkten, Händlern und Preisen ab.

Bevor ich weitere Märkte angehe, möchte ich deshalb erst einmal herausfinden, ob das Konzept in Deutschland funktioniert.

Du entwickelst Pinpap noch in einer frühen Phase und musst dich neben der Technik erstmals auch um Produktentwicklung, Marketing und den wirtschaftlichen Aufbau kümmern. Welche Herausforderungen haben dich bisher am meisten überrascht und welche nächsten Meilensteine hast du dir vorgenommen?

Als Entwickler bin ich es gewohnt, Probleme zu analysieren und Lösungen dafür zu bauen. Was ich etwas unterschätzt habe, ist alles, was danach kommt.

Ein Produkt zu entwickeln ist eine Sache. Dafür zu sorgen, dass Menschen überhaupt davon erfahren, ist eine ganz andere.

Plötzlich beschäftigt man sich mit Suchmaschinenoptimierung, Social Media, Presseanfragen, Gewerbeanmeldung und vielen Dingen, mit denen ich vorher kaum Berührungspunkte hatte.

Auch vor einer Kamera zu stehen und über mein Projekt zu sprechen, gehört nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Meine nächsten Ziele sind deshalb recht bodenständig: Pinpap bekannter machen, erste echte Nutzer gewinnen, die Qualität der Kaufberatung weiter verbessern und herausfinden, ob sich daraus langfristig ein tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln lässt.

Welche langfristige Vision verfolgst du mit Pinpap und welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die nach vielen Jahren im Angestelltenverhältnis den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ein eigenes digitales Produkt aufbauen möchten?

Mein langfristiges Ziel ist eigentlich recht einfach: Ich möchte, dass Pinpap ein Produkt wird, das Menschen wirklich hilft und von dem ich irgendwann auch leben kann.

Dabei möchte ich möglichst unabhängig bleiben. Mir ist wichtig, dass die Nutzer im Mittelpunkt stehen und Pinpap nicht zu einer Plattform wird, die möglichst viele persönliche Daten sammelt oder Empfehlungen nach wirtschaftlichen Interessen ausrichtet.

Was Ratschläge angeht, bin ich selbst noch viel zu sehr am Anfang, um mich als erfahrenen Gründer darzustellen. Aber drei Dinge habe ich bisher gelernt.

Erstens: Man sollte nicht ewig darauf warten, dass eine Idee perfekt ist. Irgendwann muss man anfangen.

Zweitens: Man sollte sich möglichst früh fragen, ob man ein echtes Problem löst. Nicht jede technische Spielerei braucht gleich ein Geschäftsmodell.

Und drittens: Man sollte nicht unterschätzen, wie viel Arbeit außerhalb der eigentlichen Entwicklung auf einen zukommt.

Ob Pinpap erfolgreich wird, weiß ich noch nicht. Aber zumindest muss ich mich später nicht fragen, was daraus geworden wäre, wenn ich es nie versucht hätte.

Fotocredits: privat

Wir bedanken uns bei René Kubitzek für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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