Donnerstag, Februar 19, 2026
StartGründerTalkWas entscheidet heute über nachhaltigen Erfolg?

Was entscheidet heute über nachhaltigen Erfolg?

Plato entwickelt eine KI Plattform für den Großhandel, die Vertrieb und ERP Prozesse automatisiert und datenbasiert optimiert

Was war der persönliche Auslöser für die Gründung von Plato und welche Erfahrungen aus dem familiengeführten Großhandelsbetrieb haben Sie dabei konkret geprägt?

Der Auslöser für die Gründung von Plato war sehr persönlich. Ich bin Nachfolger in dritter Generation eines familiengeführten Großhandelsbetriebs. Mein Bruder hat das Familienunternehmen übernommen – für mich war klar, dass ich als Wirtschaftsinformatiker zumindest Software für den Mittelstand bauen wollte.
Im Alltag des Großhandels habe ich immer wieder gesehen, wie lange es dauert, bis Vertriebschancen im Außendienst zwischen allen Daten sichtbar werden und wie viel Zeit im Innendienst durch manuelle ERP-Prozesse verloren geht. Wichtige Daten sind zwar vorhanden, aber nicht nutzbar – genau dort gehen Umsatz und Effizienz verloren.
Zusammen mit meinen Mitgründern hat uns dies dazu gebracht, mit Plato eine KI-Vertriebsplattform für proaktiven Vertrieb im Großhandel zu bauen, die Daten intelligent zusammenführt und operative Prozesse im ERP automatisiert. Unsere Mission ist es, den Mittelstand mit KI so auszustatten, dass er auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt.

Wie würden Sie Plato heute in wenigen Sätzen beschreiben und welche Rollen spielen Sie und Ihr Team im Unternehmen?

Plato ist das KI-Betriebssystem für den Großhandel, mit dem wir beim Vertrieb beginnen. In vielen Großhandelsunternehmen sind alle relevanten Daten zwar vorhanden, aber über zahlreiche Systeme verteilt und im Alltag kaum nutzbar. Plato bündelt diese Daten und zeigt via Künstlicher Intelligenz auf einen Blick, wo Kunden abwandern und wo zusätzliche Umsatzpotenziale liegen – so lassen sich bis zu 15% mehr Umsatz generieren.
Gleichzeitig verbessern wir den Prozess operativ: Angebote können direkt aus den KI-Analysen im ERP erstellt werden, und Besuchsberichte lassen sich per Spracheingabe erfassen. So sparen Vertriebs- und Innendienstteams 3–5 Stunden pro Woche und können sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Meine Rolle als CEO ist es, Vision, Produkt und Markt eng zusammenzubringen. Gemeinsam mit meinem Team aus Großhandels-Experten und KI-Spezialisten bauen wir Plato Schritt für Schritt zum Industriestandard für den Großhandel.

Welche Vision verfolgen Sie mit Plato für den Großhandel und wie soll ein technologisch moderner Großhandel in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Als Unternehmen helfen wir dem Mittelstand in Zeiten von Fachkräftemangel weiter zu wachsen und die aktuell schwierige wirtschaftliche Lage zu meistern. Uns treibt es an, unsere Kunden erfolgreicher und nachhaltiger zu machen, indem wir einen Tech-Champion aus Europa heraus bauen.
Als Kunde merkt man in Zukunft sofort, ob ein Großhändler mit Plato arbeitet. Anfragen werden nicht mehr langsam per E-Mail beantwortet, sondern innerhalb von wenigen Sekunden. Egal ob ich eine Bestellung per Mail, WhatsApp, PDF oder GAEB schicke – sie wird automatisch erfasst, korrekt ins System übernommen und ich erhalte schnell ein passendes Angebot zum optimalen Preis.

Produkte sind verfügbar, weil der Händler genau weiß, was ich regelmäßig kaufe und hat automatisch beim Einkauf vorbestellt. Gibt es einen Artikel gerade nicht auf Lager, organisiert Plato automatisch den Nachschub via Sonderbestellung beim Hersteller und gibt mir die Wartezeit transparent weiter.

Auch im persönlichen Kontakt ist der Unterschied spürbar: Der Vertrieb kennt meine Bedürfnisse, macht relevante Vorschläge und meldet sich proaktiv, bevor Probleme entstehen. Ist die Leitung einmal besetzt, meldet sich stattdessen Plato KI-Assistent am Telefon. Bestellungen laufen reibungslos, Lieferzeiten sind zuverlässig, Plato übernimmt Vorfinanzierungen falls nötig und Preise sind individuell optimiert.
Kurz gesagt: Der Großhändler wird vom reaktiven Lieferanten zum proaktiven Partner. Plato sorgt im Hintergrund dafür, dass Prozesse automatisch laufen – und der Kunde davon profitiert, ohne die Komplexität zu sehen.

Der Großhandel gilt als technologisch vernachlässigt. Warum ist gerade diese Branche aus Ihrer Sicht besonders reif für ein KI-Betriebssystem?

Der Großhandel ist eine der größten, aber technologisch am stärksten vernachlässigten Branchen weltweit. Jeder fünfte Euro der globalen Produktion läuft durch den Handel – ein Marktvolumen von rund 50 Billionen Euro. Gleichzeitig gibt es bis heute keine vertikale KI-Lösung, die diesen Markt ganzheitlich adressiert. Die Herausforderungen sind branchenübergreifend ähnlich: Ob Schrauben oder Chemieprodukte – am Ende zählen Drehzahlen, Verfügbarkeiten und Effizienz.
Großhändler profitieren besonders stark von KI, da sie riesige Produktportfolios, tausende Kunden und hochkomplexe Preis- und Lieferstrukturen managen. Die relevanten Daten sind vorhanden, aber über viele Systeme verteilt. KI schafft hier erstmals Transparenz und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.
Automatisierung ist dabei entscheidend. Klassische Sales-Tools stoßen in Märkten mit niedrigen Margen und großen Vertriebsorganisationen an ihre Grenzen. Genau hier setzt Plato an: Wir verknüpfen die bestehende Systemlandschaft intelligent, steigern Umsätze und senken Kosten – und machen den Großhandel effizient, skalierbar und zukunftsfähig.

An welche Großhändler richtet sich Plato konkret und welche zentralen Probleme lösen Sie im Vertriebs- und ERP-Alltag?

Plato richtet sich an mittelständische und große Großhändler mit komplexen Produktportfolios und Vertriebsorganisationen. Fokus ist dabei auf Großhändlern, die sich auf das Bauhandwerk und die Industrie konzentrieren.

Wie hilft die agentenbasierte KI von Plato Vertriebsteams dabei, effizienter zu verkaufen und bessere Entscheidungen zu treffen?

Unsere KI analysiert Kunden-, Preis- und Kaufdaten und gibt konkrete Handlungsempfehlungen, etwa zu Abwanderungsrisiken oder Cross-Selling-Potenzialen. Gleichzeitig automatisiert sie operative Aufgaben wie Angebotserstellung und Auftragserfassung. So können sich Vertriebsteams auf Beratung und Abschluss konzentrieren.

Plato spricht von bis zu 15 Prozent mehr Umsatz bei Kunden. Welche Veränderungen im Arbeitsalltag der Unternehmen sind dafür ausschlaggebend?

Der Umsatzanstieg entsteht durch proaktiven Vertrieb statt reaktiver Bearbeitung. Vertriebsmitarbeiter erkennen frühzeitig Kaufchancen, sprechen Kunden gezielter an und verlieren weniger Bestandskunden. Gleichzeitig reagieren Unternehmen schneller auf Anfragen und Marktveränderungen, da man mit Plato alles direkt ins ERP-System zurückspielen kann und Kundenanfragen direkt beantwortet werden.

Was war bislang die größte Herausforderung beim Aufbau von Plato und wie sind Sie als Gründer damit umgegangen?

Die größte Herausforderung war es, KI tief in hochkomplexe und individuelle ERP-Landschaften zu integrieren. Wir sind das Problem pragmatisch angegangen, indem wir eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten und iterativ aus dem realen Betrieb heraus entwickelt haben. Diese Nähe zum Markt ist heute ein klarer Vorteil, da wir am tiefsten von allen Anbietern am Markt integriert sind, was langfristig einen höheren Mehrwert beim Kunden ermöglicht.

Mit Atomico als Investor positioniert sich Plato als europäischer Vertical AI Champion. Was bedeutet dieser Schritt strategisch für das Unternehmen?

Atomico bestätigt unsere Ambition, ein europäischer Vertical-AI-Champion zu werden. Strategisch unterstützt uns das Team insbesondere beim internationalen Wachstum und beim Aufbau einer skalierbaren Organisation. Gleichzeitig stärkt es unsere Sichtbarkeit im globalen Markt.

Was unterscheidet Plato von anderen KI Lösungen im B2B Umfeld und warum ist Ihr Ansatz besonders relevant für den Mittelstand?

Plato ist keine generische KI, sondern eine vertikale Lösung, die speziell für die Prozesse des Großhandels gebaut wurde. Wir verstehen die Realität niedriger Margen, großer Vertriebsorganisationen und komplexer Produktdaten. Zudem können wir durch unsere tiefe Integration auf der KI Unternehmensdaten als Kontext geben was generische Tools wie ChatGPT nicht erlauben. Aus diesem Grund ist unser Ansatz besonders relevant für den Mittelstand.

Welche nächsten Entwicklungsschritte sind bei Plato geplant und welche Rolle soll KI künftig im globalen Großhandel spielen?

Ein zentraler nächster Entwicklungsschritt ist die automatische Verarbeitung von Textdateien wie E-Mails, PDFs oder WhatsApp-Nachrichten. Plato liest diese Informationen aus, überführt sie direkt ins ERP und erstellt Angebote und Aufträge autonom. Dadurch sparen Vertriebsteams bis zu 20 Stunden pro Woche und gewinnen Zeit für wertschöpfende Beratung und KI-gestützte Analysen. Gleichzeitig hilft das, den zunehmenden Fachkräftemangel im Großhandel nachhaltig abzufedern.

Welche Rolle soll KI künftig im globalen Großhandel spielen?

KI wird zum zentralen Steuerungsinstrument im Großhandel. Sie schlägt vor, priorisiert und automatisiert – der Mensch entscheidet. So entsteht ein effizienterer, transparenter und wettbewerbsfähiger Handel.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die KI-Lösungen für traditionelle Branchen entwickeln möchten?

Erstens: Probleme im echten Betrieb verstehen und überlegen, was ohne KI vorher nicht möglich war – große Datenmengen mit LLM schnell verarbeiten etc.
Zweitens: Bestehende Systeme wie ERPs als Partner integrieren, anstatt diese zu ersetzen.
Drittens: KI immer mit messbarem wirtschaftlichem Nutzen verbinden und mit dem Kunden definieren, welche Kennzahlen man optimieren will

Bild Oliver Birch (CTO), Benedikt Nolte (CEO) und Matthias Heinrich (CPO) Bildcredits Plato

Wir bedanken uns bei Benedikt Nolte für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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