Freitag, April 12, 2024
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Die stille Last

Stress am Arbeitsplatz – Wege, um Stress und seine Begleiterscheinungen zu vermeiden

In der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt ist Stress am Arbeitsplatz zu einer alltäglichen Realität geworden, die eine Vielzahl von Arbeitnehmer*innen betrifft. So gaben 42 % der befragten Beschäftigten in Deutschland im „Global Workplace Report 2023“ des Gallup-Instituts an, unter Stress zu leiden. Die Gründe für Arbeitsstress sind dabei höchst vielfältig und können eine schwerwiegende Belastung für die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen darstellen. Aktuellen Studien zufolge sind 13 % der Beschäftigten in den vergangenen zwölf Monaten an einem Burnout erkrankt. Das hat auch Auswirkungen auf den Unternehmenserfolg – so verursacht die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit einen Bruttowertschöpfungsausfall von 136 Milliarden Euro. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, Wege zu finden, um Stress zu vermeiden oder zu bewältigen. 

Stress am Arbeitsplatz: Auslöser und Auswirkungen  

Arbeitsstress ist oft das Ergebnis einer Kombination verschiedener Faktoren. Zu den häufigsten Ursachen gehören laut einer Umfrage von Swiss Life und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov Zeitdruck, gefolgt von einem schlechten Arbeitsklima, Leistungsdruck sowie einem hohen Arbeitsvolumen. Und das hat verheerende Folgen, insofern wir keine ausreichende Erholung in Phasen mit hohen Belastungen haben. Denn obwohl Stressreaktionen kurzfristig sinnvoll zur Bewältigung von Herausforderungen sind, führt langanhaltender Stress zu einem dauernden Anspannungszustand, der in Erschöpfung resultiert. Und wer erschöpft ist, hat ein erhöhtes Risiko, krank zu werden. Psychische und physische Folgen von anhaltendem Stress sind beispielsweise Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Reizbarkeit, Interessensverlust, Rückenschmerzen, Herz-Kreislauf-Störungen sowie Magen-Darm-Beschwerden. 

Dem Stress keine Chance geben: Präventive Maßnahmen

Um Stress am Arbeitsplatz effektiv zu bekämpfen, ist es entscheidend, proaktiv Maßnahmen zu ergreifen, um Stress zu minimieren und das eigene Wohlbefinden zu schützen. Neben der Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit ist das Empowerment durch verantwortungsvoll agierende Führungskräfte essentiell. Dabei spielen präventive Maßnahmen eine entscheidende Rolle:

1. Selbstreflexion und Selbstfürsorge: Mitarbeitende sollten sich bewusst Zeit für ihre persönliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden nehmen. Dies kann regelmäßige Pausen während des Arbeitstages, ausreichend Schlaf, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung umfassen.

2. Klare Kommunikation mit Vorgesetzten: Offene und transparente Kommunikation mit Vorgesetzten kann helfen, Missverständnisse zu vermeiden und Unterstützung bei der Bewältigung von Stresssituationen zu erhalten.

Die folgenden Punkte stellen sicher, in der Handlungsfähigkeit zu bleiben und nicht von Überforderung überwältigt und getrieben zu werden: 

3. Effektives Zeitmanagement: Mitarbeitende können ihre Zeit effizienter nutzen, indem sie Prioritäten und realistische Ziele setzen sowie sich auf die wichtigsten Aufgaben konzentrieren. Hierbei können verschiedene Zeitmanagementtechniken wie die Pomodoro-Technik angewendet werden, um die Effizienz zu steigern. 

4. Nutzung von Entspannungstechniken: Das Erlernen und die regelmäßige Anwendung von Entspannungstechniken wie Meditation, Atemübungen oder kurzen Pausen zur Entspannung können Mitarbeitenden helfen, Stress abzubauen und ihre innere Ruhe wiederzufinden.

5. Grenzen setzen und Nein sagen: Es ist wichtig, Grenzen zu setzen und sich nicht über die eigenen Grenzen hinaus zu engagieren oder sich mit Aufgaben zu überfordern. Mitarbeitende sollten lernen, Nein zu sagen, wenn sie bereits zu viel zu tun haben oder wenn zusätzliche Aufgaben ihre Belastungsgrenze überschreiten würden.

6. Nutzung von Unterstützungsnetzwerken: Der Austausch mit Kolleg*innen, Freund*innen oder Familienmitgliedern über berufliche Herausforderungen und Stressoren kann helfen, den Druck zu mindern und neue Perspektiven zu gewinnen. Zudem können professionelle Unterstützungsnetzwerke in Anspruch genommen werden.

Rolle der Führungskräfte

Stress ist keine unvermeidliche Realität, der man einfach ausgeliefert ist. Vielmehr kann man aktiv dagegen angehen, bevor es zu spät ist. Dies gilt insbesondere auf der Ebene der Unternehmensführung. Unternehmen müssen dafür Sorge tragen, dass ihre Arbeitsumgebungen förderlich sind, damit Mitarbeiter*innen ihr volles Potenzial entfalten können, anstatt ihre Energie für Sorgen, Ängste um ihren Arbeitsplatz oder interne Konflikte aufzubringen.

Ein bewusstes Engagement seitens der Führungskräfte für eine gesunde und unterstützende Arbeitskultur ist unerlässlich, um das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter*innen zu fördern. Und das sehen auch Mitarbeitende so: Laut einer von Robert Walters durchgeführte Impulsumfrage sind 56 % der Umfrageteilnehmenden der Ansicht, die Hauptverantwortung für die Bewältigung von Arbeitsstress liege beim direkten Vorgesetzten.

Ein offener Widerspruch zeigt sich jedoch darin, dass Unternehmen oftmals Werte definieren, die im Alltag aber nicht oder sogar gegenteilig gelebt werden. Diese Diskrepanz zwischen ausgesprochenen Werten und der Realität führt zu Frustration und erhöhtem Stress bei den Beschäftigten. Es ist daher entscheidend, dass Unternehmen nicht nur ihre Werte definieren, sondern auch sicherstellen, dass sie aktiv in den Arbeitsalltag integriert und gelebt werden, um ein wirklich unterstützendes Arbeitsumfeld zu schaffen.

Fazit

In einer Welt, die von wachsenden Anforderungen und zunehmendem Druck geprägt ist, ist die Auseinandersetzung mit Arbeitsstress eine dringende Notwendigkeit, die sowohl Arbeitgeber*innen als auch Arbeitnehmer*innen gleichermaßen betrifft. Die Belastungen, die mit Stress am Arbeitsplatz einhergehen, sind nicht zu unterschätzen und haben nicht nur Auswirkungen auf die individuelle Gesundheit und das Wohlbefinden, sondern auch auf den Erfolg von Unternehmen. Indem wir präventive Maßnahmen ergreifen, um Stress zu vermeiden oder zu bewältigen, und indem Führungskräfte eine unterstützende und förderliche Arbeitsumgebung schaffen, können wir gemeinsam dazu beitragen, Stress am Arbeitsplatz zu reduzieren und eine positive Arbeitskultur zu fördern, in der Mitarbeiter*innen ihr volles Potenzial entfalten können. 

Autor:

Als Gründerin und CEO bietet Corinna Häsele mit Better Linked eine professionelle Plattform für den Informationsaustausch für mentales Coaching rund um stressbedingte Probleme und Fragestellungen und holt das Thema Stress damit aus der Tabuzone. Als Unternehmensberaterin und Psychologin mit stark wirtschaftlich orientiertem Background bietet Corinna Unternehmen präventive Unterstützung, bevor die Stresswirkungen das Kommando übernehmen.

Fotocredit: Diamond Photography Malta

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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