Tomorro ist eine KI-gestützte Plattform, die das Vertragsmanagement in Unternehmen schneller, effizienter und teamübergreifend nutzbar macht.
Was ist die zentrale Idee hinter Tomorro – und welches Problem löst eure KI-gestützte Lösung konkret?
Tomorro basiert auf einer einfachen Idee: Verträge sind das Herzstück eines jeden Unternehmens, doch ihre Verwaltung ist immer noch langsam, kleinteilig und übermäßig abhängig von den Rechtsabteilungen. Unsere KI-gestützte Plattform verwandelt das Vertragsmanagement in einen schnelleren, kollaborativeren und skalierbareren Prozess, der den Fachabteilungen mehr Autonomie gibt, während die Rechtsabteilung die Kontrolle behält. Wir beseitigen die Ineffizienzen, Verzögerungen und Risiken, die durch herkömmliche Vertragsabläufe entstehen.
Wie genau hilft Tomorro Unternehmen dabei, ihren Vertragslebenszyklus effizienter zu gestalten?
Tomorro optimiert den gesamten Lebenszyklus von Verträgen, von der Erstellung bis zur Unterzeichnung, indem es den Geschäftsbereichen mehr Autonomie gewährt, während die Rechtsabteilung die Kontrolle behält. Unsere Plattform zentralisiert die Zusammenarbeit, automatisiert sich wiederholende Aufgaben und protokolliert jeden Schritt des Prozesses, um Zeit zu sparen, Risiken zu reduzieren und die Transparenz zu erhöhen.
Was macht euer System intelligenter oder effektiver als klassische Legal-Tech-Tools?
Das Herzstück von Tomorro ist die KI. Im Gegensatz zu herkömmlichen Tools bieten wir intelligente Vertragsverhandlungen, kontextbezogene Klauselvorschläge und automatisierte Genehmigungsprozesse, die auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sind. Unser Ziel ist nicht nur die Digitalisierung, sondern eine intelligentere Entscheidungsfindung und ein skalierbarer, rechtlich abgesicherter Betrieb.
Wie verlief der Markteintritt in Frankreich – und welche Learnings nehmt ihr mit nach Deutschland?
Unser Wachstum in Frankreich war stark, wir haben Kunden wie Nestlé, WWF, Veja oder Sodebo gewonnen. Eine wichtige Erkenntnis war, dass Verträge nicht nur ein rechtliches Thema sind, sondern auch andere Teams wie Vertrieb, Beschaffung, Finanzen usw. betreffen. Deshalb ist es wichtig, ein Tool zu entwickeln, das nicht nur rechtlich solide, sondern auch benutzerfreundlich und für die teamübergreifende Zusammenarbeit konzipiert ist. Wir haben eine Lösung geschaffen, die die Arbeitsweise von Unternehmen unterstützt, ohne dass die Rechtsabteilung die Kontrolle verliert. Diese Philosophie bringen wir auch nach Deutschland.
Was sind eure Ziele für den deutschen Markt und warum habt ihr euch für Köln als Standort entschieden?
Deutschland ist ein strategischer Schwerpunkt für uns, und Köln bietet den perfekten Einstiegspunkt. Die Stadt verfügt über ein starkes Unternehmens-Ökosystem und ist von Paris und anderen deutschen Ballungszentren aus leicht erreichbar. Unser Ziel ist es, starke, langfristige Partnerschaften mit deutschen Unternehmen aufzubauen, indem wir ihnen helfen, ihr Vertragsmanagement zu verändern. Wir sorgen für schnellere, transparentere Prozesse und eine echte teamübergreifende Zusammenarbeit. Wir betreten nicht nur einen neuen Markt, sondern sind hier, um ein zuverlässiger lokaler Player zu werden.
Welche Besonderheiten seht ihr im deutschen Rechts- und Unternehmensumfeld, wenn es um Vertragsmanagement geht?
Deutschland hat eine sehr strukturierte Rechtskultur und hohe Erwartungen in Bezug auf die Einhaltung von Vorschriften und strenge Prozesse. Es besteht ein großer Bedarf an vertrauenswürdigen Tools, die die Effizienz steigern, ohne die Kontrolle zu beeinträchtigen. Genau dafür wurde Tomorro entwickelt.
Wie geht Tomorro mit sensiblen Daten und dem Thema Datenschutz um – insbesondere mit Blick auf die DSGVO?
Datenschutz und Sicherheit sind die Grundpfeiler unserer Plattform. Tomorro ist vollständig DSGVO-konform, und alle Daten werden in der EU gehostet. Wir setzen strenge Zugangskontrollen, Audit-Protokolle und Verschlüsselung durch, um sensible Vertragsdaten zu schützen. Darüber hinaus haben wir Tomorro mit Blick auf die Sicherheit in Unternehmen entwickelt: ISO27001-Zertifizierung, regelmäßige Penetrationstests, detailliertes Berechtigungsmanagement auf Benutzer- und Dokumentenebene. Außerdem arbeiten wir eng mit den Rechts- und IT-Teams zusammen, um ihre Sicherheitsanforderungen zu erfüllen und für absolute Sicherheit zu sorgen. Der Schutz der Daten unserer Kunden ist nicht nur ein Feature, sondern unser oberstes Gebot.
Was bedeutet die erfolgreiche Finanzierungsrunde für eure nächsten Schritte – sowohl strategisch als auch technologisch?
Unsere 25-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde ist ein wichtiger Meilenstein, der Tomorro drei wichtige Wachstumsmöglichkeiten eröffnet. Erstens beschleunigt sie unsere europäische Expansion, beginnend mit Deutschland, wo wir ein Büro in Köln eröffnen werden. Deutschland ist für uns ein Schlüsselmarkt, und diese Finanzierung gibt uns die Mittel, um eine starke lokale Präsenz zu etablieren und langfristige Partnerschaften aufzubauen. Zweitens werden wir die Produktentwicklung und die KI-Innovation verdoppeln. Das bedeutet, dass wir in intelligente Vertragsverhandlungen und neue Funktionen investieren, die eine effizientere Zusammenarbeit zwischen Rechts- und Business-Teams ermöglichen. Und schließlich planen wir, unser Team deutlich zu vergrößern. In den kommenden Monaten werden wir europaweit über 100 neue Mitarbeiter einstellen, unter anderem in den Bereichen Produkt, Technik, Vertrieb, Marketing und Customer Success. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die führende KI-gestützte Vertragsplattform in Europa aufbauen.
Wie wichtig ist das Vertrauen großer Namen wie Nestlé oder WWF für euer weiteres Wachstum?
Dieses Vertrauen ist eine starke Bestätigung für unser Konzept und dafür, dass unser Produkt perfekt zu Großunternehmen mit Tausenden von Nutzern passt, die Tomorro täglich verwenden. Die Zusammenarbeit mit globalen Marken beweist, dass wir komplexe rechtliche und betriebliche Anforderungen erfüllen können, und sie hilft uns, Glaubwürdigkeit in neuen Märkten aufzubauen.
Was sind die größten Herausforderungen bei der Einführung KI-basierter Tools in jurischen oder administrativen Bereichen?
Die größte Herausforderung besteht darin, Vertrauen zu schaffen. Rechtsabteilungen müssen verstehen, wie KI funktioniert und warum sie zuverlässig ist. Deshalb setzen wir bei allem, was wir entwickeln, auf Transparenz, Kontrolle und die Beaufsichtigung durch Menschen.
Wie verändert sich die Rolle von Jurist:innen durch automatisierte Prozesse – und wo bleibt menschliche Expertise unersetzlich?
Die Automatisierung befreit Rechtsexperten von sich wiederholenden Aufgaben, so dass sie sich auf die Strategie, das Risiko und die Beratung des Unternehmens konzentrieren können. Das menschliche Urteilsvermögen bleibt für komplexe Verhandlungen, ethische Entscheidungen und das Verstehen von Zusammenhängen unverzichtbar. KI bereichert ihre Arbeit, sie ersetzt sie nicht.
Bild:Teambild@ Tomorro
Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.