Dienstag, Mai 21, 2024
StartWorkbaseLeadership – Was Startups von Agenturen lernen können

Leadership – Was Startups von Agenturen lernen können

Wie man durch gute Führung ein motiviertes Team schafft und was Gründer*innen noch von Agenturchef*innen lernen können.

Startups und Agenturen haben viel gemeinsam: Beide müssen anpassungsfähig sein, stehen unter großem Konkurrenzdruck und bei beiden gibt es einen akuten Talentmangel.

Aber Führung wird in Startups oft erst dann zum Thema, wenn nach der Anfangseuphorie etwas schiefläuft. Viele Startups sind geprägt von den Gründer*innen, die häufig fachlich schlaue Köpfe und idealerweise auch charismatische Visionäre sind, jedoch selten Führungserfahrung haben. 

Aber kann man gleichzeitig mit einer Produktvision an den Markt gehen und eine Unternehmenskultur nachhaltig prägen? Dafür braucht es ganz unterschiedliche Charaktere und Fähigkeiten. Auch, wenn es häufig als unnötige Investition empfunden wird, ist die Arbeit an einer Führungs- und Unternehmenskultur ein wichtiger Grundstein für den Erfolg. Denn genauso wichtig, wie die Produktvision, sind die Menschen, die das Produkt entwickeln. Wenn sie ihre Stärken einbringen können und sich entwickeln, entwickelt sich auch das Unternehmen.

1. Stellt nicht nach Titel ein, sondern nach Talent! 

Wenn Startups schnell wachsen, entwickeln sich häufig die klassischen Unternehmensstrukturen, aus denen ihre Gründer*innen kommen. Das ist verständlich, weil es Sicherheit zu geben scheint. Aber oft stehen sich Unternehmen mit klassischen Karriereleitern, mit vielen Leveln und Titeln, die es auf dem Weg „nach oben“ zu erringen gilt, selbst im Weg dabei, die richtigen Leute zu finden. Denn bei diesem Ansatz steht vor allem das Unternehmen im Mittelpunkt und nicht der Mensch. Das merken gute Fachleute schnell.

Dabei geht es doch zuallererst um die Menschen. Wenn sie ihre Stärken einbringen können und sich entwickeln, entwickelt sich auch das Unternehmen. Also sucht nicht nach Lebenslauf für ein bestimmtes Level mit einem klassischen Titel, sondern guckt euch die echten Qualifikationen und den Menschen an. Und dann schaut, wie ihr die offene Position so gestalten könnt, dass der Mensch sich bestmöglich einbringen kann. So gewinnt ihr die Talente, die ihr braucht und die Euch weiterentwickeln – trotz Fachkräftemangel. 

2. Teilt Verantwortung! 

In unserer komplexen Welt kennt nicht mehr eine*r die Lösung für alles. Und wer als Gründer*in denkt, er*sie könne jetzt endlich mal alleine bestimmen, hat meist schon verloren. 

Keiner von uns ist allwissend – auch nicht in Führungspositionen. Jede*r hat seine Stärken und Schwächen, egal was im Lebenslauf steht. Abhängig von den Aufgaben ist jede*r von uns ist mal Senior und mal Junior – auch jede*r Gründer*in.

Wir müssen den Mitarbeitenden ein Umfeld bieten, das sie ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und ihr Wissen einzubringen. Nur mit dem Schwarmwissen aller kann Innovation und Weiterentwicklung gelingen.

Dabei hilft eine Unternehmenskultur, in der alle Lust haben, die Führung bei den Themen zu übernehmen, in denen sie richtig gut sind. Im agilen Arbeitsumfeld nennt man das dann „Distributed Leadership“ (verteilte Führung). Aber eigentlich ist es einfach logisch: Jede*r tut das, was er*sie am besten kann – unabhängig von Level und Titel. 

3. Schafft ein offenes, vertrauensvolles Umfeld!

Sich von Anfang an Gedanken über die Unternehmenskultur zu machen ist deshalb so wichtig, weil es offene Strukturen und eine hohe psychologische Sicherheit braucht, damit alle sich trauen zu sagen, was sie gut können und was nicht – wo sie in Führung gehen möchten und wo sie lieber mitarbeiten wollen. 

Also zeigt Vertrauen und schafft Transparenz, ein mutiges Miteinander und viel Raum für Eigenverantwortung, in dem jede*r ihre/seine Stärken kennt und die Chance hat, sie einzusetzen. Dann wird persönliches Wachstum möglich und das Unternehmen profitiert davon. 

4. Arbeitet interdisziplinär! 

Agenturen arbeiten immer für viele Kunden gleichzeitig. Dabei ist es Gang und Gebe, dass Kolleg*innen sich kreativen Input von anderen einholen. Dieser beinhaltet immer andere Perspektiven und Blickwinkel, sodass man im besten Fall erst gar keinen Tunnelblick entwickelt. Miteinander zu arbeiten, ist gerade am Anfang eines jeden Unternehmens unfassbar wichtig. Die nachhaltigsten Ideen entstehen meistens dann, wenn Menschen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren und abholen. 

Dazu gehört auch die Offenheit, dass sich Mitarbeitende manchmal in ganz andere Aufgabengebiete entwickeln, als die, in denen sie gestartet sind. In unserer Agentur wurde ein Systemadministrator zum Scrum Master und eine Office-Managerin zur Web-Analystin. Weil sie ihre Stärken einbringen konnten und wir den Raum geschaffen haben, in dem sie sich weiterentwickeln konnten. 

Wir sehen unsere Mitarbeitenden nicht als viele Einzelpersonen, die auf ihren Karriereleitern nach oben streben, sondern als Puzzle – miteinander verbunden und sich gegenseitig ergänzend. Und immer, wenn ein Teil fehlt, weil ein*e Kolleg*in sich verändern möchte oder in ein anderes Unternehmen wechselt, entsteht ein Raum, in den sich andere hinein entwickeln können, wenn sie möchten. Das führt zu längerer Bindung und weniger Fluktuation.

Autor

Levke Timmann ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Hamburger E-Commerce-Agentur For Sale Digital. Seit 1999 begleitet sie das Thema moderne Mitarbeitendenführung und Employer Branding im Agenturumfeld.

Gemeinsam mit ihrem 45-köpfigen Team unterstützt sie Unternehmen dabei, ihre digitalen Marken- und Kauferlebnisse zu optimieren.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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