Samstag, Mai 18, 2024
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Equity Finanzierung ist keine Wissenschaft, sondern Learning by Doing

Witty Works: B2B Software-as-a-Service, die unbewusste Stereotypen in der Sprache mithilfe eines KI-basierten Sprach-Algorithmus erkennt

Stellen Sie sich und das Startup Witty Works doch kurz unseren Lesern vor! 

Nadia Fischer: Wir haben eine B2B Software-as-a-Service entwickelt, die unbewusste Stereotypen in der Sprache erkennt mithilfe eines KI-basierten Sprach-Algorithmus. Sie befähigt Unternehmen, eine inklusive Sprache konsistent anzuwenden und firmenweite Sprachregelungen einfach umzusetzen.

Unternehmen müssen eine inklusive Kultur entwickeln, um auf dem globalen, immer vielfältigeren Markt bestehen und für Talente attraktiv sein zu können. Unser Tool ist eine tiefschwellige Software, die genau das flächendeckend im Unternehmen erreichen kann.

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Nadia Fischer: Das kam nicht ganz so bewusst, wie das später nachher aussieht. Es gab dafür wohl drei Gründe: Ich sah mich schlecht mit 46 Jahren wieder in einem Corporate zu arbeiten, wo ich in Regeln reingedrängt werde, die mir nicht mehr passten. Ich war neugierig, ob ich selbst ein Unternehmen auf die Beine stellen könnte und wollte das einfach versuchen. Der Mangel an Diversität in den Chefetagen und im technischen Bereich bereitete mir Sorgen. Die Arbeitswelt muss vielfältiger werden, um den vielfältigen Bedürfnissen auf der Welt gerecht zu werden.

Welche Vision steckt hinter Witty Works?

Lukas Kahwe Smith: Firmen haben verstanden, dass Diversität eine riesige Opportunität ist und parallel auch über Gesetze der gesellschaftliche Druck da ist um die Ungleichheiten in der Geschäftswelt zu korrigieren.

Bis jetzt hat sich die Businesswelt darauf konzentriert, dass sich unterrepräsentierte Gruppen integrieren müssen, um nicht aufzufallen. Wir wählen einen nachhaltigen und progressiven Weg: Die Unternehmen und die Gesellschaft ergreift die Verantwortung, sich so zu ändern, damit alle ihr volles Potential ausschöpfen können und ihre Identität einbringen können. 

Dazu bieten wir eine konkrete Lösung, die Unternehmen und ihre Mitarbeitende dabei unterstützt den notwendigen Kulturwandel zu realisieren. Wir denken, dass es am effektivsten ist, wenn eine firmenspezifische inklusive Sprache eingeführt wird, welche durch die Integration in digitale Werkzeuge wie Rechtschreibkorrektur verfügbar gemacht wird. So können Mitarbeitende leichter ihre Sprache weiterentwickeln und gleichzeitig im täglichen Leben mit ihren unbewussten Vorgenommenheiten konfrontiert werden.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert? 

Nadia Fischer: Zuerst habe ich noch 50% als Freelancer gearbeitet in meiner Expertise des vorhergehenden Jobs (Agile Coach). Es war schwierig, den Fokus zu halten. 

Die grössten Herausforderungen?

Nadia Fischer: Die Balance zwischen “Leute einstellen” und “Kommt der Umsatz rein, den wir brauchen, um die Löhne zu zahlen”. Das hat mir oft schlaflose Nächte bereitet. Die Finanzierungsrunde auf die Beine zu stellen und sie auch zu schliessen. Das war alles totales Neuland für uns. Täglich lernt man dazu. Es ist eine emotionale Achterbahn. 

Wer ist die Zielgruppe von Witty Works?

Nadia Fischer: Unternehmen, die in ihrer Belegschaft divers werden und bleiben wollen. Dies ist nur möglich über die Schaffung einer inklusiven Kultur. Und das ist heute Angelegenheit der Geschäftsleitungen. D.h. die Geschäftsleitungen leben und geben vor, welche Kultur im Unternehmen herrscht. In vielen Fällen haben wir mit Grossunternehmen zu tun, die den Druck des Arbeitsmarktes spüren. Aber auch mittlere Unternehmen beginnen, ihre Kultur zu hinterfragen.

Wie funktioniert Witty Works? Wo liegen die Vorteile?

Nadia Fischer: Es ist ein regelbasierter Algorithmus, der durch NLP “smart” gemacht wird. Wir mussten mit Regeln beginnen, da wir den Algorithmus nicht einfach vom Web lernen lassen konnten. Sonst wäre der Bias ja grad wieder drin. 

Die Angestellten, die mit dem Tool arbeiten, lernen “on the job” inklusiv zu schreiben. Aber der Effekt geht noch viel weiter: Da sie durch den Algorithmus auf ihre eigenen, unbewussten Stereotypen aufmerksam gemacht werden, werden sie sich deren bewusst und können ihr Verhalten Schritt für Schritt anpassen. 

Witty Works, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Lukas Kahwe Smith: Unser Fokus ist aktuell von der Schweiz aus nun den ganzen DACH Markt zu gewinnen. Das Ziel ist es die Lösung zu sein für Unternehmen, um eine konsistente firmenspezifische inklusive Sprache zu finden und umzusetzen, sowohl in Europa aber auch weltweit. Das bedeutet stetig neue Sprache hinzuzufügen, aber viel wichtiger noch über Plugins uns überall dort einklinken wo Kommunikation stattfindet, im Browser, in Desktop Applikationen wie Word und Outlook, im Team Chat usw.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründer:innen mit auf den Weg geben?

Nadia Fischer und Lukas Kahwe Smith: Wenn man gründet, muss man vom Thema (auch wenn das Produkt noch nicht klar ist) sehr überzeugt sein. Denn es braucht 3 – 5 Jahre, bis man damit erfolgreich ist.

Wichtig ist auch das Durchhaltevermögen. Als Gründer:in muss man sich darauf einstellen, dass es viel Energie und Nerven braucht, bis das Business Modell funktioniert. Es ist auch eine Achterbahn der Gefühle.

Equity Finanzierung ist keine Wissenschaft, sondern sehr viel Learning by Doing. Zudem ist der Weg das Ziel: Fragen von Investor:innen und Pitches helfen, um die eigene Vision zu schärfen. Gründer:innen dürfen sich hier also nicht abschrecken lassen, wenn sie darüber noch nicht viel wissen. 

Wir bedanken uns bei Nadia Fischer und Lukas Kahwe Smith für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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