Dienstag, Juli 23, 2024
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9 Monate arbeiten & 3 Monate frei

Was ist Erfolg? 

In unseren Köpfen ist er meist mit Geld assoziiert, mit mehr und mehr Umsatz, mit Expansion, Neuinvestitionen und dann – natürlich – noch mehr Umsatz.

Aber was ist mit Zeit? 

Ist sie nicht wichtiger, weil nicht reproduzierbar? Wann soll jemand, der täglich von 6 bis 23 Uhr an der Vermehrung seines Umsatzes arbeitet, den eigenen Reichtum genießen? Wann soll er durchschnaufen, Kraft tanken, neue Ideen entwickeln oder Zeit mit seinen Liebsten verbringen? Wahrscheinlicher steuert er auf einen Burnout zu oder – wie ich – sein Auto in die nächste Verkehrsinsel.

Dieser Unfall machte mir sehr drastisch klar: Erfolg ist keine allgemeine Kategorie, sondern etwas sehr persönliches. Und für mich bedeutet er nicht Tonnen von Geld, sondern eine gesunde Aufteilung von Arbeits- und Freizeit. Konkret: neun Monate im Jahr arbeiten und drei Monate Zeit haben, anderes zu tun oder einfach zu entspannen. 

Im Grunde ist das einfach umzusetzen, denn als Selbstständiger entscheidet man ja selbst, wann man geöffnet hat, wann man arbeitet und wie viel man arbeitet. Die 40-Stunden-Woche ist nur eine Konvention, genauso wie eine Ladenöffnungszeit von 10-18 Uhr. Du möchtest weniger arbeiten? Kein Problem, arbeite weniger. Aber, natürlich, der Knackpunkt bleibt das Geld.

Als ich mich für die 9-zu-3-Aufteilung entschied, war ich noch hauptberuflich Hochzeitsfotograf mit einem Jahreseinkommen von 60.000 Euro bei wöchentlich 80 Stunden Arbeit. Ich hatte also weder genug Umsatz noch genug Rücklagen, um einfach so weniger arbeiten zu können. Ich musste also mein ganzes Arbeitsverhalten ändern, und das tat ich. Konkret änderte ich drei Punkte:

Be different, be yourself

Ich hatte schon vorher auf ein Personal Branding gesetzt, aber das intensivierte ich jetzt. Personal branding im Geschäft bedeutet, beim Kommunizieren mit Kunden und Partnern die eigene Persönlichkeit nicht zu verbergen oder künstlich abzuändern. Ganz im Gegenteil: Man stellt sie möglichst authentisch in den Vordergrund, sodass der Kunde nicht mehr in erster Linie das Produkt oder die Dienstleistung kauft. Vielmehr „kauft“ er die Person, die beides anbietet. 

Das Problem an Geschäftsverhalten, das der eigenen Persönlichkeit widerspricht, ist nämlich: Der Kunde merkt es. Er merkt die Diskrepanz, er merkt die Lüge und entscheidet instinktiv für sich: Wo Selbstbetrug herrscht, ist der Betrug nicht weit. Von Menschen, die lügen, wollen wir nichts kaufen. 

Hochpreisig verkaufen

Dieses intensivierte Personal Branding erlaubte mir, meine Preise zu erhöhen. Wenn der Kunde vor allem den Anbieter haben möchte und nicht in erster Linie ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung, lässt er sich von Preisvergleichen viel seltener abschrecken. 

Dadurch gewann ich die meiste Zeit, denn natürlich braucht man mit höheren Preisen weniger Kunden, um den nötigen Umsatz einzufahren. Die Akquise ist weniger gehetzt und kann gezielter auf Wunschkunden erfolgen. Außerdem hat man mehr Zeit, sich um die akquirierten Kunden zu kümmern und die eigene Arbeitsqualität zu steigern. 

Ungeliebtes abgeben, Geliebtes priorisieren

Die so gewonnenen Kapazitäten erhöhte ich noch einmal, indem ich alles, was ich nicht selbst tun musste und vor allem tun wollte, abgab. Gerade für ein Geschäft, das auf Personal Branding setzt, ist es äußerst wichtig, dass der Kunde die Freude und Leidenschaft spürt, die man in seine Arbeit steckt. Das fällt schwer, wenn man einen Gutteil davon nicht mag. Muss etwas Ungeliebtes gemacht werden, warum es also nicht abgeben an einen Mitarbeiter oder Kooperationspartner, der es lieber, vielleicht sogar gern und damit sehr wahrscheinlich auch besser macht?

Im Gegenzug hatte ich noch mehr Zeit für die Dinge, für die ich brannte. Wie bei den meisten Unternehmern war das mein eigentliches Kerngeschäft: also nicht nur etwas, das ich gern tat, sondern das auch den direktesten Umsatz brachte. 

Besser sein durch Freizeit

So kam ich innerhalb von drei Jahren schrittweise zu meinen neun Monaten arbeiten und drei Monaten frei – inzwischen auch mit einem kleinen Team, für die das selbstverständlich ebenso gilt. Beides wurde nicht nur durch die oben beschriebenen Änderungen möglich, sondern auch durch die Freizeit selbst.

Wir kamen derart gestärkt und positiv aus unseren Urlauben zurück, mit so vielen neuen Ideen, Vorhaben und mit einem Umsetzungswillen, dass sich unsere Performance in den Arbeitsmonaten noch einmal wie durch Zauberei verbesserte. Das Ergebnis sind 200.000 Euro Umsatz im Jahr, Tendenz steigend, bei gleichbleibender Arbeitszeit.

Bleibt noch zu klären: Müssen es unbedingt drei Monate Urlaub sein? Nein. Die drei Monate stehen beispielhaft für den Freiraum, den jeder benötigt. Ein Kunde von uns nimmt bewusst nur zwei Monate, andere nutzen die Zeit für ihre Familie, für ein Studium oder dafür, ein Buch zu schreiben. Mir ist der Urlaub wichtig, diese drei Monate mit meiner Frau und unserem Hund am Strand zu verbringen. Dass ich das jedes Jahr tun kann, ist für mich Erfolg. 

Bild Manuel Spors Foto: Nathalie Spors (c) Spors KG

Autor:

Manuel Spors ist international gefragter „Be Different“-Experte und Keynote Speaker für Vermarktungsthemen. Seit 2021 arbeiten er und sein Team nur noch neun Monate im Jahr. Sein Buch „9 Monate arbeiten & 3 Monate frei“ erscheint am 25. Oktober 2023 im Goldegg Verlag Wien.

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Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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