Viva Maia entwickelt wirksame Naturkosmetik mit mexikanischen Inhaltsstoffen und verbindet klinischen Proof mit lokaler Wertschöpfung in Mexiko.
Wie hat sich Viva Maia seit dem letzten Interview organisatorisch und strategisch weiterentwickelt?
Wir sind immer noch ein kleines, familiengeführtes Team. Wir fokussierteren uns stark auf das Thema Supply, da wir unsere Supply Chain in Mexiko komplett selber aufbauen. Außerdem spielt Marketing für uns eine große Rolle. In dem Bereich sind wir gerade auch stark auf der Suche nach Leuten, die Lust haben, mit uns mexikanische Naturkosmetik in Deutschland / Europa noch bekannter zu machen. Strategisch haben wir unsere Positionierung geschärft: klinischer Proof dank unabhängiger Studien + mexikanische Herkunft und Herstellung + wirksame Naturkosmetik.
Wie hast du die Zeit nach der Höhle der Löwen erlebt und welche konkreten Auswirkungen hatte der Auftritt auf Viva Maia?
Irgendwie surreal sich im Fernsehen zu sehen… ich finde man sieht anders aus als in Wirklichkeit 😉 Es ist einfach ein enormer „Growth-Schub“ in sehr kurzer Zeit. Der Auftritt hat uns auch in Sachen Vertrauen geholfen. Und ganz simple: mehr Reichweite, mehr Erstkäufe, mehr Wiederkäufe. Natürlich hat das auch intern den Druck erhöht, Prozesse, Supply und Customer Experience schneller zu professionalisieren.
Welche Entscheidungen aus der Anfangsphase würdest du heute anders treffen und warum?
Ich würde früher härter priorisieren. Weniger gleichzeitig, dafür schneller auf wenigen Dinge fokussieren. Und ich würde Prozesse (Produktion, Forecasting, Customer Support) früher „mitwachsen lassen“, statt sie erst unter „Druck“ nachzuziehen.
Welche persönlichen und unternehmerischen Learnings hast du aus „Die Höhle der Löwen“ für deinen weiteren Weg mitgenommen?
Vor allem eins: Wachstum kann man nur dann wirklich genießen, wenn Operations, Cashflow und Teamstruktur mithalten. Wenn nicht, wird Reichweite schnell zu Stress. Im schlimmsten Fall zu vermeidbaren Fehlern oder sogar Misserfolg. Wir geben deshalb unser Bestes, Wachstum so zu steuern, dass unsere Kernwerte nicht unter die „Räder kommen“. Gerade weil wir Nachhaltigkeit und Produktqualität bewusst priorisieren.
Mexikanische Naturkosmetik ist weiterhin euer Markenkern. Wie schafft ihr es, kulturelle Authentizität zu bewahren und gleichzeitig für den europäischen Markt zu skalieren?
S. Antwort davor + Indem wir „mexikanisch“ nicht als Deko nutzen, sondern als Fundament. Wir entwickeln nicht um Trendwirkstoffe herum, sondern um Herkunft, Rohstoffe und das Heilwissen dahinter. Deshalb bauen wir unsere eigene Produktion in Mexiko auf und schaffen Wertschöpfung dort, wo die Rohstoffe wachsen. Auch wenn das uns oft vor „Ops-Probleme“ stellt.
Welche Rolle spielen mexikanische Produzentinnen und lokale Wertschöpfung heute konkret in eurem Geschäftsmodell?
Eine zentrale. Wir arbeiten bewusst mit lokalen Partnerinnen und Wertschöpfungsketten in Mexiko. Das macht uns manchmal langsamer. Aber dafür bleiben wir unserem Core treu.
Nachhaltigkeit ist ein zentrales Versprechen. Wo stößt ihr dabei aktuell an Grenzen und wie geht ihr damit um?
Die größte Grenze ist ehrlich gesagt die „Realität in der Lieferkette“, z.B. auch bei Retouren. Es ist erschreckend zu sehen, was in Kosmetik nicht mehr „verkaufsfähig“ ist: ein kleiner Knick in der Verpackung, eine Delle im Produkt, und es kann nicht mehr regulär rausgehen. Das landet bei uns im Büro, und ich sehe diese Mengen ganz direkt. Ich verstehe die Kundensicht total -> wenn ich bestelle, will ich auch ein einwandfreies, neues Produkt. Aber, man sieht nicht, was mit all den Produkten passiert, die inhaltlich völlig okay sind, aber optisch nicht mehr „perfekt wirken“. Das nehmen wir als klaren Ansatzpunkt, um bessere Lösungen zu finden. z. B. Retouren landen bei uns im Büro und werden nicht einfach entsorgt. Dann kann ich entscheiden, ob ich ein Influencer Send Out z.B. mit diesen Produkten mache (ich weiß klingt komisch aber gerade wenn es um das Testen von Produkten geht, kann man auch eine Creme mit einer Delle bekommen.
Wie entwickelt ihr neue Produkte und welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine Idee umgesetzt wird oder nicht?
Wir stellen uns die Frage: Was fehlt wirklich? z.B. ein Routine Step oder ein Benefit den die bisherigen Produkte nicht abdecken. Dann prüfen wir Wirksamkeit, Formulierbarkeit, Rohstoffqualität, regulatorische Machbarkeit und ob wir den Nutzen klar beweisen und kommunizieren können. Nur wenn Produkt, Proof und Story zusammenpassen, setzen wir es um. Daher ist unsere Produktpalette auch relativ klein.
Welche Inhaltsstoffe oder traditionellen Rezepturen stehen aktuell besonders im Fokus eurer Produktentwicklung?
Vor allem mexikanische Heilpflanzen mit antioxidative, regenerierende Wirkstoffe, sowie beruhigende, barrierestärkende Wirkstoffe. Core bei uns sind die Kakteen mit über 150+ Optionen. Und natürlich unser Hero Ingreidient Tepezcohuite.
Der Kosmetikmarkt ist stark umkämpft. Worin siehst du heute den klarsten Wettbewerbsvorteil von Viva Maia?
Unser größter Wettbewerbsvorteil ist diese seltene Kombination: echte mexikanische Herkunft und Wirkstoffe, klinischer Proof und spürbare Wirksamkeit. Gleichzeitig bauen wir Vertrauen über Nähe auf: Ich zeige als Gründerin bewusst, was hinter den Kulissen passiert.
Wie hat sich eure Zielgruppe verändert und was habt ihr über eure Kundinnen in den letzten Monaten neu gelernt?
Unsere Zielgruppe ist „breiter“ geworden, mehr Menschen kommen über Empfehlung und Proof zu uns, also positives „Word of Mouth“.
Welche Vertriebskanäle funktionieren für euch aktuell am besten und wo experimentiert ihr noch bewusst?
Am stärksten ist die Kombination aus Direct-to-Consumer, organischem Social und Creator Content.
Wie beeinflussen wirtschaftliche Unsicherheiten und steigende Kosten eure Preisstrategie?
Wirtschaftliche Unsicherheit trifft uns vor allem über Zoll- und Handelsbedingungen, weil wir global arbeiten und Mexiko seit 2025 immer wieder unter Zoll-/Tarifdruck und kurzfristigen Fristen steht. Letztes Jahr war in Hinblick dessen ein wirklicher „Kampf“ und das wird dieses Jahr 2026 sicherlich so weitergehen. Qualität nicht kompromittieren und Schwankungen über sehr schlanke interne Kosten, bessere Planung/Forecasting und Effizienz in der Supply Chain abfedern. Wir werden sehen was 2026 bringt.
Welche Rolle spielen Storytelling und Aufklärung bei euren Kundinnen im Vergleich zu klassischen Beauty-Versprechen?
Eine sehr große. Da unsere Wirkstoffe größtenteils in Europa nicht so bekannt sind, ist bei uns Aufklärung das A und O und schafft Vertrauen. Außerdem bin ich als Gründerin generell sehr offen und transparent und poste die meisten Inhalte zu was wir tun immer noch selber, was ich denke auch ein wichtiger Core unserer Strategie ist.
Wie gehst du persönlich mit dem Spannungsfeld zwischen Wachstum, Verantwortung und unternehmerischem Druck um?
Indem ich konsequent priorisiere: klare Ziele, klare Teamverantwortung. Und wirklich immer die 80/20 Regel, ich versuche mich die meiste Zeit nur auf das zu konzentrieren, das wirklich einen „Impact“ hat. Das klappt ehrlich gesagt nicht immer.
Was war in den letzten Monaten der emotional herausforderndste Moment als Gründerin?
In den letzten Monaten war es emotional am härtesten, wenn Erwartungen und Realität plötzlich auseinanderlaufen, vor allem in der Supply Chain. Wir hatten uns für 2025 viel vorgenommen, und dann kamen mehrere unerwartete Zwischenfälle, die Pläne auf einmal unrealistisch gemacht haben. Das Frustrierende ist: Intern kann oft niemand wirklich etwas dafür, Lieferketten, Klima, etc. das ist alles sehr komplex und von externen Faktoren abhängig, aber nach außen wirkt es schnell so, als würden wir die gleichen Fehler wiederholen. Dieses Gefühl, obwohl man alles gibt, als „unzuverlässig“ wahrgenommen zu werden, geht mir persönlich am meisten nahe.
Welche Vision verfolgst du mit Viva Maia in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Viva Maia soll die Referenz für wirksame, mexikanisch verwurzelte Skincare in Europa werden. Ich möchte verändern, dass Mexiko in Europa nicht nur als „Lifestyle-Herkunft“ wahrgenommen wird, sondern als echtes Powerhouse für Naturkosmetik. Mexiko gehört zu den megadiversen Regionen der Welt, mit unglaublich resilienten, klimaangepassten Pflanzen aus Wüstenregionen und Extrembedingungen, die hochwirksam und einzigartig sind. Viele unterschätzen das, obwohl so viele Wirkstoffe und Lebensmittel ursprünglich aus Mexiko kommen -> Tomaten, Kakao/Schokolade, Chili oder Avocado etc. die Liste ist unendlich lang wenn man sich damit mal befasst).
Gibt es einen nächsten großen Schritt, den ihr euch bisher bewusst aufgehoben habt?
Erst bringen wir unsere Supply Chain auf das nächste Level, damit Verfügbarkeit, Planung und Qualität auch bei Wachstum stabil bleiben. Und sobald dieses Fundament steht, gehen wir den nächsten großen Schritt: die Internationalisierung.
Was möchtest du mit Viva Maia langfristig verändern – über Kosmetik hinaus?
Langfristig möchte ich mit Viva Maia beweisen, dass natürliche Skincare nicht „nur natürlich“, sondern genauso effektiv sein kann wie synthetische.
Bildcredits Fotograf: Mathias Gonzales Hirschfeld
Wir bedanken uns für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.























