ANABOX unterstützt Medikamenteneinnahme für Angehörige und wird am 23. März 2026 in Die Höhle der Löwen pitchen
Wie ist ANABOX entstanden und welche Personen stehen dahinter?
Die ANABOX smart ist aus einem sehr persönlichen Ausgangspunkt entstanden. Ich habe mich im Rahmen eines Uni-Projekts zum ersten Mal intensiver mit dem Thema Medikamenteneinnahme beschäftigt, weil ich aus der eigenen Familie gesehen habe, wie schwer das im Alltag werden kann.
Meine Oma hatte Parkinson und musste viele Medikamente einnehmen. Sie hat aber noch selbstständig gelebt.
Für uns als Angehörige war es oft nicht nachvollziehbar, ob sie ihre Medikamente zur richtigen Zeit eingenommen hat. Hinter dem Unternehmen stehen wir Gründer Robert Gühne, Chris Walter und Daniel Böber. Wir bringen Softwareentwicklung, Design, Maschinenbau, Elektronik und Produktentwicklung zusammen. Gemeinsam mit unserem Partner anmed konnten wir daraus Schritt für Schritt ein marktfähiges Medizinprodukt machen.
In welcher Branche ist ANABOX tätig und was zeichnet das Geschäftsmodell aus?
Wir sind im Bereich Digital Health beziehungsweise MedTech tätig. Unser Geschäftsmodell verbindet Hardware, Software und Service: also die smarte Medikamentenbox selbst, die dazugehörige App und die digitale Begleitung rund um Einrichtung, Medikationspläne und Benachrichtigungen. Uns war von Anfang an wichtig, kein technisches Gimmick zu bauen, sondern eine alltagstaugliche Lösung für Familien, pflegende Angehörige und perspektivisch auch professionelle Versorgungspartner.
Welche Idee oder welches Problem stand am Anfang der Gründung von ANABOX? Gab es eine Marktlücke oder eine besondere Inspiration?
Am Anfang stand das Problem der regelmäßigen Medikamenteneinnahme. Wer mehrere Medikamente am Tag nehmen muss, weiß, wie schnell im Alltag etwas durcheinandergeraten kann. Für viele Angehörige ist das eine ständige Sorge. Genau da haben wir eine große Lücke gesehen: Es gab entweder klassische, analoge Lösungen oder komplizierte Technik, aber wenig, was bezahlbar und für ältere Menschen geeignet ist.
Was macht das Konzept oder die Technologie besonders? Welche innovativen Ansätze kommen zum Einsatz?
Besonders ist für mich, dass wir einen vertrauten Medikamentendosierer mit moderner Technologie verbinden, ohne ihn unnötig kompliziert zu machen. Die ANABOX smart funktioniert direkt nach dem Auspacken, ohne dass vor Ort ein WLAN benötigt wird (sie hat eine SIM-Karte). Sensoren erkennen die Entnahme, die App dokumentiert die Vorgänge in Echtzeit und Angehörige werden informiert, wenn Unterstützung nötig ist. Gleichzeitig achten wir darauf, dass die Technik im Alltag ruhig und verständlich bleibt, also eher unterstützt als überfordert.
Welche konkreten Vorteile bietet das Produkt den Nutzerinnen und Nutzern? Was hebt es im Alltag vom Wettbewerb ab?
Der größte Vorteil ist aus meiner Sicht die Selbstständigkeit der Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu erhalten. Die Box erinnert optisch und akustisch an die Einnahme, der Becher leuchtet auf, und Angehörige sehen in Echtzeit, ob alles geklappt hat. Das nimmt auf beiden Seiten enorm viel Druck raus. Dazu kommt: Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten, der Patient selbst soll von der digitalen Technik selbst möglichst wenig mitbekommen und die Becher sind groß und einfach greifbar.
Wie wurde das Produkt entwickelt und getestet? Gab es besonderes Feedback aus ersten Anwendungen oder Testphasen?
Am Anfang war es nur ein Uniprojekt, inzwischen hat sich aber einiges verändert.
Besonders wertvoll war das Feedback von Seniorinnen und Angehörigen. Da ging es oft um scheinbar kleine Dinge wie Lichtsignale, Haptik oder die Frage, wie verständlich die App wirklich ist. Für uns war das hilfreich, weil wir das Produkt dadurch viel näher an den Alltag der Menschen bringen konnten.
Welche Vision verfolgt das Unternehmen? Welche Meilensteine sollen in den nächsten Jahren erreicht werden?
Unser Ziel ist, dass Menschen trotz komplexer Medikation möglichst lange selbstbestimmt in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Dafür wollen wir die ANABOX smart weiter verbreiten, die Zusammenarbeit mit Apotheken, Pflege und anderen Versorgungspartnern ausbauen und unsere Technologie konsequent weiterentwickeln. Neben Forschungsprojekten, die auch die Einnahme selbst erkennen sollten, ist vor allem ziemlich viel Bürokratie mit der Zusammenarbeit mit den Krankenkassen zu erledigen.
Warum fiel die Entscheidung, sich bei Höhle der Löwen zu präsentieren? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund?
Die Höhle der Löwen ist für uns die Chance, auf ein Problem aufmerksam zu machen, das sehr viele Familien betrifft und über das trotzdem oft zu wenig gesprochen wird. Wir möchten zeigen, dass Medizintechnik nicht kompliziert oder abschreckend sein muss, sondern ganz konkret im Alltag helfen kann. Im Vordergrund stehen für uns Reichweite, Sichtbarkeit und die Möglichkeit, mit starken Partnerinnen und Partnern den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen, da uns vor allem als kleines Team die Erfahrung im Vertrieb fehlt.
Welche Form der Unterstützung wird durch die Teilnahme an Höhle der Löwen angestrebt? Wie soll eine mögliche Investition oder Zusammenarbeit genutzt werden?
Für uns ist Unterstützung mehr als Kapital. Natürlich würde uns eine Investition helfen, Produktion, Marktausbau und Weiterentwicklung zu beschleunigen. Mindestens genauso wichtig sind für uns aber Erfahrung, strategische Unterstützung und der Zugang zu relevanten Netzwerken im Gesundheits- und Pflegemarkt. Wenn wir dadurch schneller mehr Menschen erreichen und besser versorgen können, wäre das für uns ein riesiger Hebel.
Welche nächsten Schritte sind nach Höhle der Löwen geplant? Gibt es konkrete Pläne für Wachstum, Skalierung oder neue Entwicklungen?
Wir wollen die Bekanntheit der ANABOX smart weiter steigern, unsere Vertriebswege ausbauen und das Produkt kontinuierlich verbessern. Parallel arbeiten wir an zusätzlichen Funktionen und an neuen Entwicklungen rund um sichere und einfache Medikamenteneinnahme. Unser Ziel ist es, Schritt für Schritt eine Lösung aufzubauen, die Nutzerinnen und Nutzer, Angehörige und professionelle Versorgung besser miteinander verbindet.
Welche Erfahrungen und Erkenntnisse haben sich auf dem bisherigen Weg als besonders wertvoll erwiesen?
Hardware-Entwicklung ist ein ganzes Stück komplexer als Software, gerade im Gesundheitsbereich. Außerdem haben wir gelernt, wie wertvoll frühes Nutzerfeedback ist und wie entscheidend starke Partner in Entwicklung, Produktion und Marktzugang sein können.
Welche Ratschläge lassen sich aus diesen Erfahrungen ableiten, die für andere Gründerinnen und Gründer hilfreich sein könnten?
Mein wichtigster Rat wäre: Sprecht so früh wie möglich mit euren späteren Nutzerinnen und Nutzern und entwickelt nicht an ihren Bedürfnissen vorbei. Sucht euch Partner, die euch wirklich ergänzen, und habt keine Angst vor komplexen Themen wie Regulierung, Fertigung oder Marktzugang. Und vielleicht am wichtigsten: Gründet nicht nur, weil ein Markt spannend klingt, sondern weil euch das Problem wirklich berührt. Diese innere Motivation merkt man später in jeder Entscheidung. Ach ja, und achtet auf die Produktionskosten.
Sehen Sie ANABOX am 23. März 2026 in der Höhle der Löwen
Bild: Pitch „Anabox smart“
V.l.: Robert Gühne, Chris Walter, Daniel Böber und Jürgen Burkert präsentieren den digitalen Medikamente Spender „Anabox smart“. Sie erhoffen sich ein Investment von 180.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Seniorin Jutta unterstützt sie bei dem Pitch und repräsentiert die Zielgruppe.
Bildcredits/ Fotograf: RTL / Bernd-Michael Maurer
Wir bedanken uns bei Chris Walter, Robert Gühne, Daniel Böber und Jürgen Burkert für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

























