Der erste Auftrag für Teamkleidung ist selten der größte. Aber er ist der, aus dem ein Team am meisten lernt. Ich habe dafür über 1500 Aufträge meines eigenen Betriebs ausgewertet. Viele davon von Startups und Scaleups. Was dabei herauskommt, ist unspektakulär. Genau deshalb hilft es beim Planen.
Klein anfangen ist normal
Der typische erste Auftrag liegt bei 50 Teilen. Fast die Hälfte der Firmen startet mit weniger. Die erste Rechnung liegt im Median bei rund 1.100 Euro. Die Hälfte aller Erstaufträge bewegt sich zwischen 460 und 2.500 Euro. Bei fast jeder zweiten ist ein T-Shirt dabei, bei jeder dritten ein Hoodie. Wer beim ersten Mal 300 Teile bestellt, hat meist ein Event vor der Tür und keinen Plan für danach.
Das ist keine Kritik. Ein kleiner erster Auftrag ist die günstigste Art, herauszufinden, ob das Team die Sachen überhaupt trägt. (Ein Hoodie, der im Homeoffice läuft, sagt mehr als jede Umfrage.) Wer mit 30 oder 50 Teilen anfängt, kann beim zweiten Mal gezielt nachlegen.
Was dabei auffällt: Die Firmen, die klein starten, sind nicht die, die es nicht ernst meinen. Sie sind meist die, die vorher gefragt haben, was das Team wirklich anziehen würde. Der Auftrag folgt der Antwort, nicht umgekehrt.
Woran der erste Auftrag hakt
Drei Dinge kommen immer wieder vor. Keines davon hat mit dem Textil zu tun.
Das Logo liegt nur als PNG vor. Meist ist es die Datei aus der Kopfzeile der Website, oft nur ein paar hundert Pixel breit. Für den Bildschirm reicht das, für Stick oder Druck nicht. Gebraucht wird eine Vektordatei, also SVG, EPS oder ein PDF mit Pfaden. Ein PDF ist dabei nicht automatisch Vektor, oft steckt nur das PNG darin. Der Test: auf 800 Prozent zoomen. Bleiben die Kanten glatt, passt es. (Wer das Logo von einer Agentur hat, bekommt sie dort mit einer Mail.) Ohne Vektordatei muss das Logo nachgezeichnet werden, und das kostet Zeit, bevor überhaupt etwas produziert wird.
Die Hausfarbe gibt es nicht. Zertifizierte Bio-Textilien kommen in vielen Farben, aber selten in genau dem Blau aus dem Corporate Design. Es gibt drei saubere Wege. Erstens: das Textil in einer nahen Farbe, das Logo trägt die Hausfarbe. Zweitens: ein neutrales Textil in Schwarz, Weiß oder Grau, und das Logo bringt die Farbe. Drittens, und das ist neu: ungefärbte Bio-Rohware, die erst nach der Bestellung in der Wunschfarbe gefärbt wird. Das gab es lange nur in Mengen, die kein junges Unternehmen bestellt, inzwischen geht es ab gut hundert Teilen. Der Haken: Die Färbung braucht rund vier Wochen, bevor überhaupt bedruckt wird, und zwei Färbepartien sind nie exakt gleich. (Wer diesen Weg wählt, lässt sich vorher ein Farbmuster freigeben.) Alle drei funktionieren. Was nicht funktioniert, ist die Entscheidung erst zu treffen, wenn das Angebot schon steht.
Niemand weiß, wer lagert. Fünfzig Hoodies kommen in drei Kartons. Wer nimmt sie an? Wo stehen sie? Wer gibt neuen Leuten eins? Wird das nicht vor der Bestellung geklärt, steht der Karton nach einem Jahr halb voll im Abstellraum. Ein Name reicht. Es muss nicht HR sein, aber es muss jemand sein.
Zeit ist der stille Fehler
Von der Freigabe des Designs bis zur Lieferung vergehen drei bis vier Wochen. Das ist normal und lässt sich nur in Ausnahmen verkürzen. In meinen Zahlen ist der November mit Abstand der stärkste Monat, rund die Hälfte mehr Lieferungen als im Durchschnitt. Das heißt: Wer Kleidung zu Weihnachten oder zum Jahresauftakt verteilen will, fragt im Oktober an. Wer im November anfragt, konkurriert mit allen anderen um dieselben Produktionsplätze.
Dasselbe gilt für Sommerfeste und Firmenläufe. Mai und Juni sind der zweite Höhepunkt. Gibt es eine Deadline, lohnt es sich, sie in der ersten Mail zu nennen. Dann lässt sich rückwärts planen.
Der erste Auftrag ist selten der letzte
Knapp zwei Drittel der Firmen bestellen nach dem ersten Auftrag erneut, im Median nach rund drei Monaten. Das ist der eigentliche Grund, beim ersten Mal die Grundlagen sauber zu machen: die Vektordatei ablegen, die Farbentscheidung notieren, die Zuständigkeit festhalten. Der zweite Auftrag ist dann eine Mail mit einer Zahl drin.
Wer das beim ersten Mal versäumt, fängt beim zweiten Mal von vorn an. Dieselben Fragen, dieselben Rückfragen, dieselbe Wartezeit. Der Unterschied zwischen einem Team, bei dem Merch einfach läuft, und einem, bei dem es jedes Mal ein Projekt ist, liegt fast nie am Produkt. Er liegt an drei Entscheidungen, die vor der ersten Bestellung getroffen wurden.
Bildrechte: Christoph Schulze
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