Mittwoch, März 11, 2026
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Wie verändert Technologie die Zukunft der Finanzwelt?

Der de:hub Berlin vernetzt Startups, Finanzinstitute und Investoren, um Innovationen und neue Technologien im FinTech Bereich zu entwickeln und zu skalieren

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern den de:hub Berlin kurz vorstellen und erläutern, welche Rolle dieser Hub sowohl im deutschen Digital Hub Netzwerk als auch im internationalen Innovationsökosystem einnimmt?

Der de:hub Berlin ist Teil der bundesweiten Digital Hub Initiative und der offizielle FinTech-Hub Deutschlands. Koordiniert wird er von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, der Wirtschaftsförderung des Landes Berlin. Gemeinsam mit der Berlin Finance Initiative (BFI) als Ecosystem Builder und dem House of Finance & Tech Berlin (HoFT Berlin) als zentraler Anlaufstelle für das FinTech-Ökosystem bilden wir ein Dreieck aus Standortförderung, Community-Aufbau und konkreter FinTech-Förderung. HoFT Berlin fungiert dabei als Europas Financial-Wellbeing-Ökosystem – eine Plattform, die FinTechs, Banken, Investoren, Aufsichtsbehörden und politische Entscheidungsträger zusammenführt. International ist Berlin damit einer der wenigen Standorte, der Startup-Förderung, regulatorischen Dialog und Branchenvernetzung unter einem Dach vereint.

Was macht Berlin als Standort für einen Digital Hub besonders attraktiv und warum ist die Hauptstadt für Startups, etablierte Unternehmen, Talente und Investoren gleichermaßen relevant?

Berlin ist Deutschlands führender FinTech-Standort. Die Anzahl aktiver FinTechs variiert je nach Definition – konservative Erhebungen wie die der Investitionsbank Berlin identifizieren rund 190 aktive Unternehmen, andere Quellen zählen über 300. Klar ist: Berlin vereint mit Abstand die meisten FinTechs, die meisten Beschäftigten in der Branche und den größten Anteil am Risikokapital. Allein 2025 flossen laut EY Startup Barometer 334 Millionen Euro VC-Finanzierung in Berliner FinTech- und InsurTech-Startups – ein Marktanteil von 61 Prozent in Deutschland. Entscheidend ist aber die Dichte des Ökosystems: Von Community-Formaten wie dem FinTech Stammtisch und dem Finance & Tech BBQ über das FIBE – Europas führendes Finance & Tech Festival am 15. und 16. April – bis hin zur DigiFin, der Digital Finance Conference von Bitkom und Payment & Banking im November, findet hier ganzjährig relevanter Austausch statt.

Der de:hub Berlin deckt eine Vielzahl an Themenfeldern ab. Welche technologischen Schwerpunkte stehen aktuell im Fokus und welchen Beitrag leisten sie zur digitalen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft?

Ein strategischer Schwerpunkt des Berliner Hubs ist Financial Wellbeing als neue Zielgröße für Finanzinnovation. HoFT Berlin hat mit dem Financial Wellbeing Score eine wissenschaftlich fundierte Messgröße für finanzielle Gesundheit etabliert, basierend auf der Methodik des US Consumer Financial Protection Bureau. Deutschland erreicht im Financial Wellbeing Score nur 52,86 von 100 Punkten. Das Ergebnis zeigt klaren Handlungsbedarf.
Der Beitrag zur digitalen Transformation liegt damit nicht nur in neuen Technologien, sondern in einer strukturellen Verschiebung: Banking wird von einem transaktionalen Modell hin zu einem wirkungsorientierten, datenbasierten Serviceansatz weiterentwickelt. KI-gestützte Empfehlungen, datenbasierte Benchmarks und Open-Finance-Infrastrukturen ermöglichen personalisierte, präventive Finanzlösungen statt reiner Produktdistribution.

Wie unterstützt der de:hub Berlin Gründer konkret bei der Entwicklung, Validierung und Skalierung ihrer Geschäftsmodelle – insbesondere in frühen Wachstumsphasen? Welche Programme, Initiativen oder Formate bieten Sie an, um Startups gezielt mit Unternehmen, Investoren und relevanten Akteuren zu vernetzen und echte Mehrwerte zu schaffen?

Die Unterstützung erfolgt auf mehreren Ebenen. Berlin Partner vermittelt als de:hub-Koordinator den Zugang zum Gesamtökosystem und verbindet Startups mit Förderprogrammen, Industriepartnern und internationalen Netzwerken. HoFT Berlin bietet mit Scale-up-Förderprogrammen gezielte Wachstumsunterstützung für FinTechs, organisiert Executive Roundtables mit der BaFin und Branchenvertretern und ermöglicht über den C-Level Club kuratierten Peer-Austausch – etwa mit dem SumUp-Mitgründer Marc-Alexander Christ. Außerdem verfügt es über eine proprietäre Datenbank mit 8000+ europäischen FinTechs mit Lösungen im Bereich Financial Wellbeing geclustert nach konkreten Bedarfsfeldern.
Die Berlin Finance Initiative (BFI) steht hinter vielen Initiativen, die Berlin heute besonders macht. Das HoFT Berlin und die FIBE zählen zu den prominentesten Beispielen. Und die BFI schließt Lücken, die außerhalb des klassischen Aufgabenbereichs von HoFT Berlin oder Berlin Partner liegen – gerade an der Schnittstelle der traditionellen und der neuen Finanzwelt.

Berlin gilt als besonders vielfältiger Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort. Wie gestalten Sie die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen, etablierten Unternehmen, dem Mittelstand und internationalen Partnern und welche Synergien entstehen daraus?

Der de:hub Berlin agiert als Orchestrator zwischen Startups, Banken, Investoren, Politik und Wissenschaft. Im Forschungsbereich arbeitet HoFT Berlin eng mit der Financial Health Initiative zusammen und veröffentlicht aktuell die Employee Financial Wellbeing Studie. Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit Roland Berger sowie akademische Partnerschaften mit der Goethe-Universität Frankfurt, dem Leibniz Institute for Financial Research SAFE, der ESMT Berlin und der HWR Berlin. Internationale Impulse kommen unter anderem durch Beiträge von Prof. Annamaria Lusardi von der Stanford University.
Etablierte Akteure wie Deutsche Bank, IBB Ventures, Scalable Capital und Luther engagieren sich als Mentoren, Speaker oder Sparringspartner. So entstehen Synergien aus Forschung, Kapital, Regulierung und unternehmerischer Praxis – mit dem Ziel, Finanzinnovation strukturell und nachhaltig im Markt zu verankern.

Zwei Trends stehen im Zentrum: das Potenzial von KI, Finanzwissen und Finanzberatung zu demokratisieren, und die zunehmende finanzielle Unsicherheit breiter Bevölkerungsgruppen. Unsere Studie mit Roland Berger zeigt: 52% geben an, sich mindestens einmal pro Woche um ihre finanzielle Situation zu sorgen. 27% haben keinen Überblick über ihre Finanzen.
KI-gestützte Tools können hier einen enormen Hebel bieten: Sie machen individuelle Finanzbegleitung erstmals für breite Bevölkerungsschichten zugänglich und schaffen neue Möglichkeiten in der Finanzbildung. Gleichzeitig integriert Embedded Finance Finanzdienstleistungen direkt in Alltagsplattformen. Im Ökosystem greifen wir diese Themen auf unterschiedlichen Wegen auf – etwa über den Financial Wellbeing Score als gemeinsame Datengrundlage, über fokussierte Roundtables und Webinare, oder über Formate wie das FIBE und die DigiFin, die Forschung, Finanzinstitute, FinTechs und Politik zusammenbringen.

Woran messen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit – sowohl für die unterstützten Startups als auch für das Berliner Innovationsökosystem insgesamt?

Auf der quantitativen Seite betrachten wir Entwicklungen wie erfolgreiche Finanzierungsrunden, geschaffene Arbeitsplätze, erste Pilotprojekte mit etablierten Marktteilnehmern oder internationale Markteintritte von Startups. Diese Indikatoren zeigen, ob Unternehmen in Berlin nicht nur gründen, sondern auch wachsen und sich im Markt behaupten können. Ein Beispiel dafür ist die Kooperation zwischen zwei Mitgliedsunternehmen des HoFTs der Berliner Volksbank und Beatvest. Sie arbeiten gemeinsam an neuen Formaten zum Thema finanzielle Bildung. Solche Partnerschaften zeigen, dass junge Unternehmen im Austausch mit etablierten Playern echte Wirkung entfalten können.

Genauso wichtig ist jedoch die qualitative Dimension: Fühlen sich Gründerinnen und Gründer in Berlin gut aufgehoben? Wissen sie, an wen sie sich wenden können? Finden sie Sparringspartner, offene Türen, ehrliches Feedback und eine Community, die sie trägt? Ein gesundes Innovationsökosystem erkennt man nicht nur an Zahlen, sondern daran, dass Menschen sich gern und bewusst dafür entscheiden, Teil davon zu sein. Langfristig geht es für uns immer um eine Balance aus beidem: messbarer Wirkung und einem Standort, an dem Innovation aus Überzeugung entsteht.

Welche Rolle spielt die internationale Vernetzung für den de:hub Berlin und wie profitieren Startups konkret vom Austausch mit anderen de:hub-Standorten und globalen Partnern?

Internationale Vernetzung ist ein zentraler Bestandteil unserer Strategie. Über Delegationsprogramme nach Paris, London zur UK FinTech Week und in die nordischen Märkte erhalten Startups direkten Zugang zu lokalen Finanzinstituten, Investoren und Ökosystempartnern. Das FIBE 2026 setzt einen besonderen Schwerpunkt auf die FinTech-Hubs Frankreichs, des UK und der Nordics und bringt über 2.000 Teilnehmer aus mehr als 40 Ländern zusammen.
Der Austausch mit anderen de:hub-Standorten ermöglicht darüber hinaus branchenübergreifenden Wissenstransfer und Cross-Industrie-Kooperationen. Für Startups bedeutet das: schnellere Validierung, breitere Investorenkontakte und höhere Skalierungsfähigkeit.

Welche strategischen Ziele verfolgt der de:hub Berlin in den kommenden Jahren und wie soll sich der Hub weiterentwickeln, um noch mehr Innovations- und Startup-Potenzial freizusetzen?

Unser strategisches Ziel ist es, das Momentum des Berliner FinTech-Standorts weiter zu steigern und Gründerinnen und Gründern die bestmöglichen Bedingungen für Wachstum und Skalierung zu bieten. Konkret treiben wir die internationale Expansion mit Programmen in Richtung UK und Nordics voran und stärken den Austausch auf Leitformaten wie dem FIBE und der DigiFin. HoFT Berlin entwickelt seinen Space als zentralen Meetingpoint und Workspace für FinTech-Teams weiter, und mit der Employee Financial Wellbeing Study 2025 setzen wir neue inhaltliche Impulse.
Financial Wellbeing ist dabei aktuell der thematische Schwerpunkt – doch das Ökosystem ist so angelegt, dass in Zukunft weitere Innovationsfelder gezielt ausgebaut werden können. Der verbindende Gedanke: Finanzinnovation soll nicht nur wirtschaftlichen Erfolg ermöglichen, sondern auch einen messbaren Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Wenn Startups wachsen, Institutionen sich öffnen und Menschen finanziell gesünder leben, entsteht ein Gewinn für alle Beteiligten.

Bildcredits de:hub Mannheim

Wir bedanken uns bei Katarzyna Grajner für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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