Dienstag, April 16, 2024
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Wenn du eine Idee hast und etwas verändern willst, darfst du kein „Nein“ akzeptieren

Ecoblister ist Hersteller der weltweit ersten kompostierbaren Medikamentenverpackung für Arzneimittel und Vitamine, dem sogenannten Arzneikalender

Stellen Sie sich und das Startup Ecoblister doch kurz unseren Lesern vor!

Ich bin Mona Syhre, 60 Jahre alt und promovierte Chemikerin. Gemeinsam mit meinen Geschwistern Jan Angermann und Anett Tanger habe ich Ecoblister gegründet. Ecoblister ist Hersteller der weltweit ersten kompostierbaren Medikamentenverpackung für Arzneimittel und Vitamine, dem sogenannten Arzneikalender. Statt der üblichen nicht recyclebaren Plastik-Alu Verpackungen aus Polyvinylchlorid (PVC), setzt Ecoblister für die Herstellung des Arzneikalenders auf nachwachsende Rohstoffe aus Europa. 

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Als Forscherin habe ich mich immer viel mit Zahlen und Fakten auseinandergesetzt. Jedes Jahr sterben 15.000 bis 25.000 Menschen im Zusammenhang mit Polypharmazie, also der dauerhaften Einnahme mehrerer Medikamente. Sehr häufig ist der Grund für die Krankheits- und Todesfälle, dass Medikamente in der falschen Dosierung oder zum falschen Zeitpunkt eingenommen werden. Dabei gibt es eine einfache Lösung: Medikamente werden in der Apotheke nach Tag und Uhrzeit sortiert neu verpackt, im Fachjargon auch verblistern genannt. So entstand die Idee des Arzneikalenders. Und weil gerade in der Pharmabranche Unmengen an Plastikmüll produziert werden, sollte es der erste kompostierbare Blister weltweit sein. 

Was war bei der Gründung von Ecoblister die größte Herausforderung?

Nachdem die Idee klar ist, das Marktpotenzial tatsächlich herausgearbeitet wurde, und für das Produkt professionelle Partner gefunden wurden, ist die größte Herausforderung die Finanzierung.  Gerade in Deutschland gestaltet sich das für Startups häufig schwierig, auch wenn von der guten Idee bis hin zur Umsetzung alles startbereit ist.  

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Natürlich! Auch wir haben lediglich mit einer Idee gestartet und mussten für die Produktion unseres Arzneikalenders verschiedene Tests durchführen. Außerdem haben wir andere Unternehmen gefunden und um Hilfe gebeten, bis wir schließlich mit unserem Produkt zufrieden waren. 

Welche Vision steckt hinter Ecoblister?

Unser Ziel ist es, möglichst viele umweltschädigende Medikamentenverpackungen durch nachhaltige und kompostierbare Alternativen zu ersetzen und vor allem dafür zu sorgen, dass niemand mehr wegen falsch eingenommener Medikamente erkrankt oder sogar stirbt.

Wer ist die Zielgruppe von Ecoblister?

Mit dem Arzneikalender zielen wir vor allem auf Patient:innen mit einer sogenannten Polymedikation ab. Das heißt, dass sie dauerhaft fünf oder mehr Medikamente einnehmen müssen. Am häufigsten betrifft das Menschen ab 65 Jahren. Für die Umsetzung brauchen wir die Apotheken vor Ort. 

Wie funktioniert Ecoblister? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

In unserem Arzneikalender werden die Medikamente von einer Apotheke nach Tag und Uhrzeit sortiert verblistert, sodass Fehleinnahmen deutlich reduziert werden. Der Arzneikalender selbst besteht aus drei Komponenten: Die Schalen bestehen aus Reinpapier, einem Mix aus Industriestärke, Wasser und Zellulose. Zur Versiegelung wird eine durchsichtige, kompostierbare Folie aus Naturflex genutzt. Diese wird auf die Schalen geklebt und ist vorgestanzt, sodass jeder der Fächer einzeln geöffnet werden kann. Ein Deckblatt garantiert den Lichtschutz und wird mit den Patientendaten versehen. Dem Schutz des versiegelten Arzneikalenders dient eine wiederverwendbare Dose aus Weißblech. Der Arzneikalender ist nach Gebrauch im Gegensatz zu allen anderen Blisterverpackungen im Garten kompostierbar oder Papierabfall. 

Ecoblister, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Langfristig soll unser Arzneikalender in jeder deutschen Apotheke für die Patienten zugänglich gemacht werden. Der nächste Schritt ist die Produktion für den Primärmarkt. Das hieße, dass die Medikamente schon in der Produktion in einem nachhaltigen Behälter verpackt werden. Dazu haben wir bereits Langzeittests im Labor machen lassen. Ibuprofen ist beispielsweise zwei Jahre in unserem Arzneikalender haltbar. Jetzt müssen wir an einem praktischen Design des Behälters für einzelne Medikamente arbeiten. 

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?

Wenn du eine Idee hast und etwas verändern willst, darfst du kein „Nein“ akzeptieren. Und es ist ganz egal, wie alt du bist oder ob du schon eine Karriere hinter dir hast, Veränderungen ist immer möglich. Der wahrscheinlich wichtigste Tipp ist, sich nicht beirren zu lassen.. Generell ist der Input von anderen Gründer:innen, aber auch von Familie, Freunden und Menschen außerhalb der Branche sinnvoll. 

Wir bedanken uns bei Mona Syhre für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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