Donnerstag, März 5, 2026
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Warum könnte die Natur der beste Ingenieur sein?

fibionic entwickelt bionisch inspirierte Leichtbau Technologien und nutzt gezielte Faserstrukturen, um stabile, effiziente und nachhaltige industrielle Bauteile zu ermöglichen

Was steckt hinter der Gründung von fibionic und wer sind die Menschen, die das Unternehmen aufgebaut haben?

fibionic wurde 2021 gegründet, um eine neue Generation von Leichtbautechnologien in die industrielle Anwendung zu bringen. Hinter dem Unternehmen stehen Johannes Mandler, Thomas Rettenwander und Elias Hirschbichler. Thomas Rettenwander ist promovierter Kunststofftechniker und hat sich intensiv mit bionischer Strukturoptimierung beschäftigt. Johannes Mandler bringt Expertise in Mechatronik, Automatisierung und technischer Umsetzung ein. Elias Hirschbichler ergänzt das Team mit Erfahrung in Strategie, Digitalisierung und Unternehmensaufbau. Gemeinsam verbindet das Team technologische Entwicklung mit industrieller Umsetzung.

Wie entstand die Idee, bionische Strukturen aus der Natur als Grundlage für die Technologie von fibionic zu nutzen?

Die Idee hinter fibionic entstand aus der Beobachtung, dass natürliche Strukturen oft äußerst effizient aufgebaut sind. In der Natur wird Material nur dort eingesetzt, wo tatsächlich Kräfte wirken etwa bei Pflanzen, Knochen oder Insektenflügeln. Diese Prinzipien lassen sich auch auf technische Strukturen übertragen.
Die Gründer von fibionic waren überzeugt, dass die Natur viele Herausforderungen im Leichtbau bereits gelöst hat. Inspiriert von diesen bionischen Prinzipien entwickelten sie den Ansatz, Faserstrukturen gezielt entlang der Belastungspfade auszurichten und diese Prinzipien in skalierbare industrielle Fertigungsprozesse zu übertragen. Thomas Rettenwander beschäftigte sich bereits während seiner Promotion intensiv mit den Vorteilen naturinspirierter Strukturen und deren Anwendung im Leichtbau.

Neben der technologischen Neugier stand auch ein klarer Marktbedarf im Mittelpunkt: Viele bestehende Composite Fertigungsverfahren sind für große Stückzahlen zu langsam, zu teuer oder mit hohem Materialverlust verbunden. fibionic verfolgt daher das Ziel, hochleistungsfähige Leichtbaustrukturen wirtschaftlich und nachhaltig in industriellem Maßstab herzustellen. Gemeinsam entwickelten Thomas Rettenwander und Johannes Mandler dafür die Grundlage der fibionic Fiber Placement FFP Technologie eine Hochgeschwindigkeitsmethode zur präzisen Platzierung von Fasern entlang der Lastpfade.

Welche Vision verfolgt fibionic im Bereich moderner Leichtbau Technologien?

Die Vision von fibionic ist es, Leichtbau von einer spezialisierten Nischentechnologie zu einem breit verfügbaren industriellen Standard zu machen. Durch eine Kombination aus bionischem Design und hochautomatisierter Fertigung soll es möglich werden, leistungsfähige Composite Strukturen wirtschaftlich und nachhaltig in großen Stückzahlen herzustellen.

An welche Branchen richtet sich fibionic besonders und welche Probleme dieser Industrien möchten Sie mit Ihrer Technologie lösen?

fibionic adressiert insbesondere Branchen, in denen Gewicht, Energieeffizienz und strukturelle Performance eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Sport und Freizeitprodukte, Consumer Electronics, UAVs, Robotic Anwendungen, Mobilitätsanwendungen sowie industrielle Komponenten. Viele dieser Industrien stehen vor der Herausforderung, leistungsfähige Leichtbaustrukturen wirtschaftlich zu produzieren. Genau hier setzt fibionic an.

Was unterscheidet die Technologie von fibionic von klassischen Verfahren zur Herstellung von Faserverbundbauteilen?

Klassische Composite Verfahren arbeiten häufig mit flächigen Materialien oder relativ langsamen Faserablageprozessen. fibionic kombiniert dagegen bionisch optimierte Faserarchitekturen mit einer sehr schnellen automatisierten Faserablage. Dadurch lassen sich Verstärkungsstrukturen effizient herstellen und direkt in industrielle Produktionsprozesse integrieren.
Traditionelle Composite Fertigungsverfahren wie Tape Laying, Thermoset Prepreg Verarbeitung, Organosheets oder robotergestützte Faserablage haben häufig Schwierigkeiten, gleichzeitig Kosteneffizienz und hohe Produktionsgeschwindigkeit zu erreichen. fibionic schließt diese Lücke, indem die Technologie skalierbare Leichtbaustrukturen für industrielle Anwendungen mit hohen Stückzahlen ermöglicht.

Welche Rolle spielt die Orientierung von Fasern entlang der Belastungsrichtung für die Stabilität und Effizienz der Bauteile?

Die Ausrichtung der Fasern entlang der Hauptbelastungsrichtungen ist entscheidend für die strukturelle Effizienz eines Bauteils. Fasern können ihre mechanischen Eigenschaften am besten entlang ihrer Längsrichtung entfalten. Wenn sie gezielt entlang der Kraftpfade ausgerichtet werden, lassen sich deutlich leichtere und gleichzeitig stabilere Strukturen realisieren und folglich auch wesentlich Material einsparen.

Mit welchen Herausforderungen ist fibionic konfrontiert, wenn eine neue Produktionstechnologie in etablierten Industrien eingeführt wird?

Neue Fertigungstechnologien müssen zunächst Vertrauen aufbauen. Industriekunden erwarten stabile Prozesse, reproduzierbare Qualität und wirtschaftliche Vorteile. Deshalb ist es wichtig, die Technologie schrittweise gemeinsam mit Industriepartnern zu validieren und zu zeigen, dass sie sich zuverlässig in bestehende Produktionsumgebungen integrieren lässt.
Hier sind wir aber auf einem sehr guten Weg und haben über verschiedene Anwendungen in unterschiedlichen Branchen bereits sehr gute Erfolge erreichen können.
Ein Sattelprodukt befindet sich bereits in Großserie, ein weiteres Bauteil im Drohnenbereich wird noch dieses Jahr in Serie produziert werden.

Wie reagieren potenzielle Industriepartner auf den Ansatz von fibionic, Material gezielter und effizienter einzusetzen?

Viele Unternehmen erkennen sofort das Potenzial eines effizienteren Materialeinsatzes, insbesondere im Hinblick auf Kosten, Performance und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig ist bei neuen Technologien immer auch eine gewisse Zurückhaltung vorhanden, weshalb Pilotprojekte und Prototypen eine wichtige Rolle spielen, um den Mehrwert praktisch zu demonstrieren.

Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für die Entwicklung Ihrer Technologie?

Nachhaltigkeit ist ein zentraler Treiber unserer Technologieentwicklung. Durch die gezielte Platzierung der Fasern wird nur so viel Material eingesetzt, wie tatsächlich benötigt wird. Gleichzeitig ermöglichen thermoplastische Materialien eine bessere Recyclingfähigkeit im Vergleich zu vielen klassischen Composite Systemen. Zudem konnten wir bereits sehr gute Erfolge mit Naturfaserverstärkungen, wie mit Flex erzielen.

Welche Erfahrungen aus der Aufbauphase von fibionic haben Sie als Gründerteam besonders geprägt?

Der Aufbau eines technologiegetriebenen Unternehmens erfordert Geduld und eine hohe Lernbereitschaft. Besonders prägend war für uns die enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Entwicklung und industrieller Umsetzung. Gleichzeitig haben wir gelernt, wie wichtig ein starkes Team und ein klarer Fokus auf die wesentlichen Ziele sind.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Deep Tech Startup aufbauen möchten?

Erstens: Eine starke technologische Grundlage ist wichtig, aber genauso entscheidend ist das Verständnis für den Markt und die Bedürfnisse der Kunden.
Zweitens: Ein interdisziplinäres Team mit unterschiedlichen Kompetenzen beschleunigt die Entwicklung enorm.
Drittens: Geduld und Ausdauer sind entscheidend, denn technologische Innovationen brauchen Zeit, um sich im Markt durchzusetzen.

Bildcredits: fibionic

Wir bedanken uns bei Johannes Mandler, Thomas Rettenwander und Elias Hirschbichler für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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