Donnerstag, Februar 9, 2023
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Kreativ sein, sich trauen, einfach machen

Futurepreneur stärkt die Zukunftskompetenzen Jugendlicher 

Stellen Sie sich und das Start-up Futurepreneur doch kurz unseren Lesern vor!

Mein Name ist Kerstin Heuer. Ich habe Futurepreneur im Jahr 2012 gegründet und bin seitdem Geschäftsführerin des Vereins. Unsere Vision und meine Motivation ist eine Gesellschaft voller Tatkraft und Gründergeist. Mein Hintergrund ist ein Erfahrungsmix aus Unternehmensberatung, eigener Selbständigkeit, Kenntnis der schwedischen Bildungslandschaft und die Begleitung von drei eigenen Töchtern im deutschen Bildungssystem.

Ich war zuvor Beraterin für skandinavische Kommunikationskunden, Startups und KMU in der Krise, projektweise auch in der Gründungsforschung. Studiert habe ich Germanistik und Skandinavistik in Kiel, Freiburg und Stockholm. 

In den Futurepreneur-Programmen entdecken, entfalten und nutzen 14- bis 19-Jährige – unabhängig von Schulnoten und sozialem Hintergrund – im geschützten Raum ihre Talente und Fähigkeiten. Sie entwickeln eigene, nachhaltige Geschäftsideen – vom ersten Entwurf über die Produktion bis zum realen Markttest mit öffentlichem Verkauf. So trainieren wir seit 10 Jahren mit den Jugendlichen „Future Skills“ – Fähigkeiten, die in den nächsten Jahren für das Berufsleben wichtiger werden.

Seit 2021 implementieren wir unsere langjährig erfolgreich erprobte Methode bundesweit gemeinsam mit Regionalentwicklern und lokalen Bildungsträgern. 

Warum haben Sie sich entschlossen, ein Unternehmen zu gründen?

Ich habe das schwedische Ursprungskonzept zur Stimulierung unternehmerischer Eigeninitiative 2009 kennengelernt und wusste sofort, dass ich das für Deutschland adaptieren und umsetzen möchte. Denn hinter jeder Gründung und Entwicklung steckt immer eine Geschichte, die oft mehr mit Mindset zu tun hat, als mit Idee und Markt. Und das deutsche „Ja aber“ und nicht ins Handeln kommen zu können, sind riesengroße Blockierer von Innovation, Entwicklung und Freude. 

Deshalb wollte und will ich schon bei jungen Menschen zu einem Mindset-Change beitragen. Denn die Jugendlichen haben so viel Potenzial, das im deutschen Schulsystem brach liegen bleibt: 25 Prozent der Jugendlichen sind – bisher ohne es zu wissen – Entrepreneure, unabhängig von Noten und Hintergrund! Als Gesellschaft im Umbruch brauchen wir jeden Macher und Entrepreneur!  

Was war bei der Gründung von Futurepreneur die größte Herausforderung?

Bei der Gründung im Februar 2012 hatte ich nur die Idee, eine Spende Papier für den Drucker und als damals Alleinerziehende drei kleine Töchter – aber keine Finanzierung. Das Fundraising war in den ersten vier Jahren mühsam und existentiell, aber im Nachhinein wichtig, richtig und lehrreich für eine nachhaltige Finanzierungsstruktur. 

Inzwischen konnten sich weit über 3500 Jugendliche als Zukunftsunternehmer ausprobieren; sie entwickelten circa 74.000 Geschäftsideen, von denen sie weit über 1200 in zumeist kleinen Teams realisiert haben. 

Kann man mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?

Ja, unbedingt! Denn eine perfekte Idee gibt es nicht, auch nicht später. Je früher man klein anfängt und auf dem Weg lernt, desto besser. Am besten, man bittet dann auch früh 100 potenzielle Kunden, die nicht Freunde und Familie sind, um Feedback. 

Welche Vision steckt hinter Futurepreneur?

Wir brauchen eine Gesellschaft voller Tatkraft und Gründergeist. Eine Gesellschaft, die in der Lage ist, neue Antworten auf die großen sozialen und ökologischen Fragen der Gegenwart und Zukunft zu finden. Sie wird von Menschen getragen, die in der Lage sind, ihre Fähigkeiten kreativ, selbst- und verantwortungsbewusst und dabei angstfrei und friedlich, also im besten Sinne gewinnbringend einzusetzen. Kurz: Die ihre Ideen leben.

Für viele der aktuellen Herausforderungen wie den Klimawandel, den demografischen Wandel, Fluchtbewegungen oder die Digitalisierung brauchen wir neue Lösungen – wir müssen etwas unternehmen. Wir müssen neue Wege ausprobieren, Erfahrungen machen und im Wortsinn unternehmerisch denken und handeln. Hierfür braucht es nicht nur Handlungsspielräume, sondern auch Menschen mit gewissen Lebenseinstellungen, Fähigkeiten und unternehmerischen Haltungen. Diese Menschen sind kreativ im Umgang mit Bestehendem und können gut mit Unsicherheit und Risiken umgehen.

Die gute Nachricht: Diese Geisteshaltung ist erlernbar – die notwendigen Fähigkeiten und Haltungen bringen viele Menschen schon mit. 

Futurepreneur eröffnet Trainingsräume, in denen Jugendliche risikofrei testen, wie viel Spaß es macht, ihre individuellen Eigenschaften und persönlichen Kompetenzen dafür einzusetzen, eigene innovative Ideen zu kreieren. Um eine eigene Idee umsetzen zu können, müssen Jugendliche mutig, kreativ, eigeninitiativ, zielorientiert, flexibel, lernwillig, ausdauernd, entscheidungswillig und voller Energie sein und werden. Eigenschaften, die für die Welt von morgen unerlässlich sind.

Sie erfahren mit allen Sinnen, wie einfach es ist, neugierig zu sein, dran zu bleiben, Unterschiede als Ressource zu begreifen, über eigene Erfahrungen zu lernen, vorhandenes unternehmerisches Potenzial zu heben, neue Lösungen zu erforschen, zu erproben und damit erfolgreich zu sein.

Futurepreneur ermöglicht hochgradig intrinsisch motivierte Erfahrungen, die junge Menschen ihr Leben lang prägen: Mit ein wenig Unterstützung, manchmal einem kleinen Anschub und ihrem Netzwerk stellen sie selbst etwas auf die Beine. Dadurch nehmen sie neue Angebote offener als Chancen wahr und erlangen das Zutrauen in sich, neue Lösungen für sich, die Gesellschaft und die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.

Wer ist die Zielgruppe von Futurepreneur?

Unsere Zielgruppe in den Programmen ZUKUNFTUNTERNEHMER und SOMMERUNTERNEHMER sind Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die neugierig sind und Lust haben, sich auszuprobieren. 

Um unsere Wirkung und unsere Mission einer Generation E = Entrepreneur erzielen zu können, brauchen wir aber weitere Akteure: Kooperationsschulen, Förderer wie Wirtschaftsentwickler und Stiftungen sowie Bildungsträger mit Menschen, die neugierig sind auf unser innovatives Bildungsprojekt. Und immer auch begeisternde Gründer:innen, die als Role Models in unseren Projekten den Unterschied machen und die Schüler:innen nachhaltig inspirieren. 

Wie funktioniert Futurepreneur? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir bieten kompakte Workshops zum Beispiel in einer Fünf-Tage-Projektwoche ZUKUNFTSUNTERNEHMER oder in dem Ferienprogramm SOMMERUNTERNEHMER für Schüler:innen und seit 2021 in der Futurepreneur ACADEMY auch Bildungsakteure in Fortbildungen. Trainiert werden der Growth Mindset und relevante Future Skills. Ziel ist, dass die Teilnehmenden mit den schnellen und großen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und persönlichen Veränderungen besser umgehen können. Sie werden befähigt, sich mit all ihren in Futurepreneur-Projekten neu und wiederentdeckten Ressourcen, Kompetenzen und Fähigkeiten für die anstehenden Herausforderungen aktiv einzusetzen und die vorhandenen Handlungsspielräume zu nutzen.  

Die Jugendlichen sind nach der Entwicklung und besonders nach der realen Umsetzung ihrer eigenen Geschäftsideen selbstwirksamer, frustrationstoleranter, kreativer, tatkräftiger, teamfähiger und aufgeschlossener gegenüber neuen Chancen und Möglichkeiten. 99 Prozent der Teilnehmenden werden als Lebensunternehmer und Zukunftsgestalter befähigt und 25 Prozent als Entrepreneure aktiviert. Ihr Glas ist halb voll, sie sagen weniger `ja aber´ und kommen schneller ins Handeln. Die Wirksamkeit unserer Programme evaluieren wir regelmäßig gemeinsam mit der Leuphana Universität Lüneburg.

Letztendlich wollen wir einen Beitrag leisten zu einer altersunabhängigen „Generation Entrepreneur“ mit tatkräftigen und kreativen Schüler:innen, jungen und älteren Erwachsenen, egal ob als Bildungsakteur, Mitarbeiter:in oder Futurepreneur- Botschafter:in. 

Wie ist das Feedback von den Teilnehmern?

Hier lasse ich sie am besten selbst sprechen:

„Ich habe sehr viel gelernt und auch Sachen ausprobiert, die ich sonst nie gemacht hätte. Außerdem hatte ich sehr viel Spaß in der Woche. Das Projekt war einfach super und, dass man noch positive Rückmeldung bekommt, ist nur eine Nebensache.“ Lasse, 16 Jahre 

„Man braucht eine gute Idee und ein gutes Team. Dann kann man auch in ganz kurzer Zeit Dinge schaffen, die man sich nicht zugetraut hätte.“ Fiona, 15 Jahre

„Man darf sich ruhig hohe Ziele setzen, damit man nicht zu früh zufrieden ist.“ Finja, 15 Jahre

„Ich habe gelernt, dass man Fehler machen darf. Wichtig ist, dass man daraus lernt.“ Kenan, 16 Jahre

„Manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen. Dann kann man viel mehr erreichen, als man denkt.“ Mijo, 14 Jahre

„Nach dem ersten Verkauf waren wir so motiviert, dass wir gar nicht mehr zu stoppen waren. Wir haben einfach weitergemacht.“ Sebastian, 16 Jahre

„Ich konnte aus der ganzen Woche viel für mein zukünftiges Berufsleben mitnehmen“ Leo, 14 Jahre 

„Eigenes Geld zu verdienen, fühlt sich echt cool an.“ Sören, 14 Jahre

„Ich weiß jetzt, wie man eine eigene Geschäftsidee entwickelt. Ich kann mir vorstellen, sowas später nochmal zu machen.“ Yasir, 15 Jahre

„Es hat Spaß gemacht, ein eigenes Produkt herzustellen und zu verkaufen. Diese Erfahrung vergesse ich nie.“ Philipp, 15 Jahre

„Mein Tipp für die Zukunft: Mutig sein, sich trauen und einfach machen.“ Justin, 15

„Es läuft nicht immer alles nach Plan. Aber wenn man positiv denkt und dranbleibt,

hat man am Ende trotzdem Erfolg.“ Ole, 15 Jahre

„Man muss seine Chancen nutzen. Manche kommen nur einmal.“ Edzus, 15 Jahre

„Ich kann mir vorstellen, nach der Schule irgendwann ein richtiges Unternehmen zu gründen.“ Edgar, 15 Jahre

Futurepreneur, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Nachdem wir 10 Jahre primär im Norden und vor allem in Hamburg wirksam waren, wünschen wir uns bundesweit viel mehr junge Entrepreneure. Bisher erreichen wir das schon über einige Partner in Sachsen, Thüringen, Niedersachsen und Bremen. In fünf Jahren wollen wir unsere Methode in mindestens 30 weiteren Regionen nachhaltig implementiert haben. Denn wir brauchen so viele Zukunftsunternehmer so schnell wie möglich – alle die etwas zu einer Generation E = Entrepreneur beitragen möchten, können sich gerne bei uns melden. 

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründer:innen mit auf den Weg geben?

Sehr gute Tipps geben unsere jungen Futurepreneure: 

„Man muss immer Geduld haben. Wenn es nicht klappt, nie aufgeben! Und ein Plan B ist gut.“ Melisa, 14 Jahre

„Als Unternehmer muss ich 100 Prozent geben.“ Kevin, 15 Jahre

 „Die größte Herausforderung eines Menschen ist er selbst. Zweifel, Angst und Faulheit kommen von einem selbst. Entweder man bezwingt sich oder man lässt sich von sich selbst kontrollieren. Also bezwinge dich selbst, denn alles ist möglich, solange du Hoffnung hast und atmest. Wir selbst setzen uns Grenzen im Leben. Bei Rückschlägen entscheidet man selbst, ob man weitermacht oder aufgibt.“ Nawid, 18 Jahre

Foto: „Kerstin Heuer, Gründerin der gemeinnützigen Bildungsinitiative Futurepreneur e. V. – Credit: Nele Martensen

Wir bedanken uns bei Kerstin Heuer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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