Donnerstag, April 9, 2026
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Stehen wir kurz davor, komplexe Probleme völlig neu zu lösen?

Kvantify entwickelt mit Qrunch innovative Lösungen im Quantencomputing für komplexe molekulare Berechnungen

Wie ist Kvantify entstanden und welche Erfahrungen oder Hintergründe bringen die Gründer hinter dem Unternehmen mit?

Kvantify ist ein dänisches Softwareunternehmen, das 2022 mit dem Ziel gegründet wurde, die molekulare Forschung durch die Verbindung von Quanten- und klassischen Rechenmethoden zu revolutionieren. Allan Grönlund, Gründer und CTO, ist führender Experte für maschinelles Lernen und angewandte Algorithmen. Allan hat an der Universität Aarhus in Informatik promoviert und verfügt über 15 Jahre Erfahrung in Wissenschaft und Industrie, wobei er Pionierarbeit bei der Anwendung mathematischer Modelle und Algorithmen geleistet hat. Nikolaj Zinner, Gründer und CSO, hat in Physik promoviert und ist Professor für Physik an der Universität Aarhus. Er ist Experte für Quantentechnologie, Quanteninformation und physikalische Modellierung. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Leitung groß angelegter Innovationsprojekte und Forschungskonsortien.

Welche Vision verfolgt Kvantify im Bereich Quantencomputing und welche Rolle soll das Unternehmen künftig in diesem technologischen Ökosystem spielen?

Kvantify konzentriert sich insbesondere auf die Life-Science-Branche, vor allem auf die frühe Arzneimittelforschung. Die Gewährleistung von Gesundheit und Wohlstand durch Technologie ist wichtiger denn je, und ein Schlüsselbereich ist die Suche nach den Molekülen von morgen – für bessere Medikamente und bessere Materialien. Die Quantentechnologie ist eine der besten Möglichkeiten, genau das zu erreichen, d. h. diese neuen Moleküle zu finden. Unsere Software, Qrunch, ist unsere Plattform für innovatives Moleküldesign mit Quantencomputern. Die Quantenchemie ist dabei die Schlüsselkomponente, da es für klassische Computer äußerst schwierig ist, groß angelegte chemische Berechnungen durchzuführen. Der Quantencomputer ist daher die Maschine der Wahl, um zu ermöglichen, was klassische Computer niemals leisten könnten. Qrunch ist die Plattform, die dies für Endnutzer in den Bereichen Biowissenschaften und Chemie zugänglich macht. Man soll und muss kein Quantencomputing Experte sein, um die Software zu nutzen.

Viele verbinden Quantencomputing noch mit Zukunftstechnologie. Wie gelingt es Kvantify, diese Möglichkeiten bereits heute für Forschung und Industrie nutzbar zu machen?

Mit Qrunch müssen Endnutzer chemische Probleme nicht mehr in Programmcode umwandeln, den ein Quantencomputer versteht. Dies ist die Aufgabe eines Quantenalgorithmus; Qrunch basiert auf Kvantifys eigenen Algorithmen, die nicht nur hinsichtlich ihrer Leistung auf der tatsächlichen Hardware branchenführend sind, sondern auch so programmiert sind, dass die Nutzer ihre Zeit damit verbringen können, die für sie interessante Chemie zu spezifizieren, anstatt sich mit den Details der Funktionsweise eines Quantencomputers zu beschäftigen. Quantencomputing wird klassische Computerarchitekturen basierend auf GPUs und CPUs nicht ablösen, im Gegenteil – Ergebnisse aus dem Quantencomputing werden auf klassischer Architektur weiterverarbeitet.

Die Kunst besteht darin, auf jeder Architektur die jeweils optimalen Algorithmen einzusetzen. Unsere Software läuft sowohl auf CPUs, GPUs und Quantencomputern – erst die sinnvolle Kombination und Integration ergibt den Gesamtvorteil. Ein wichtiger Kooperationspartner in diesem Zusammenhang ist für uns NVIDIA, der sich zur Aufgabe gesetzt hat, die eigenen Hochleistungs-GPUs für KI mit Quantencomputing zu integrieren. Im März 2026 haben wir über die erfolgreiche Portierung von Qrunch auf NVIDIA KI GPUs berichtet.

Technologien wie Quantencomputing entwickeln sich rasant, sind aber noch jung. Mit welchen Herausforderungen ist Kvantify derzeit konfrontiert und wie gehen Sie damit um?

Der routinierte Einsatz unserer Software ist erst dann möglich, wenn Hochleistungsrechenzentrumsinfrastruktur standardisiert wird und skaliert werden kann. Für KI passiert das, für Quantencomputing wird das noch erfolgen müssen. Daher arbeiten wir aktuell mit frühen Anwendern und Innovatoren zusammen, die es grandios finden, neue Technologien auszuprobieren. Langfristig kommt ein Technologiegeschäftsmodell aber erst dann zum Tragen, wenn die Mehrheit der pragmatischen Nutzer eine Technologie ohne große Umstände anwenden kann. Um den Übergang von frühen Anwendern zur pragmatischen Mehrheit zu realisieren, beteiligen wir uns aktiv am Aufbau eines Ökosystems in Quantencomputing als Voraussetzung für den Erfolg einer neuen Branche.

Die Simulation von Molekülen und chemischen Prozessen gilt als besonders rechenintensiv. Welche Chancen sehen Sie hier für neue Anwendungen oder wissenschaftliche Durchbrüche?

In 2025 sind wir über 50 Qubits im Bereich Quantenchemie hinausgegangen. In 2026 werden wir auf den neuen Quantencomputerrechnerarchitekturen mit weit über 100 Qubits rechnen. Wir nähern uns dann allmählich dem Bereich, in dem Rechnungen auf Quantencomputern Rechnern auf klassischen Architekturen überlegen sein werden. Das eröffnet die Möglichkeit, chemische Komplexität präzise zu berechnen. Damit werden chemische Simulationen einen zentralen Stellenwert in der Forschung einnehmen und Experimente im Nachgang als Validierung der Simulation erfolgen – nicht aber mehr als primäre Datenquelle dienen. Das verändert auch den Stellenwert von Quantencomputing für KI: die Daten der Simulation werden primär zum Training der KI verwendet, nicht das Experiment.

Was unterscheidet Kvantify von anderen Unternehmen im Bereich Quantum Software und Quantenchemie?

Wir produzieren Software gezielt für den chemischen Anwender um ihn frühzeitig mit Quantencomputing vertraut zu machen – wir versuchen nicht, in allen anderen Industrien mit Quantenalgorithmen dabei zu sein. Qrunch verfügt über Algorithmen, die vergleichbare Ansätze übertreffen, aber deutlich weniger Ressourcen und Rechenzeit benötigen. Das führt zu einer erheblichen Kostenersparnis. Zudem ist Qrunch derzeit die einzige Technologie, die auf molekulare Systemgrößen skalieren kann, die für industrielle Anwendungen relevant sind. Wir sind die ersten, die diese Skalierbarkeit praktisch demonstrieren. Wie bereits erwähnt besteht der Wert von komplexen Rechenoperationen nicht in Orthodoxien, sondern in kluger Integration verschiedener Algorithmen in einem Hochleistungsrechenzentrum mit diverser Computerarchitektur. Und genau diese Optimierungsarbeit ist von Anbeginn Kernansatz der Arbeit von Kvantify.

Wie sieht die strategische Roadmap für Kvantify aus. Welche Entwicklungen oder Meilensteine stehen in den kommenden Jahren im Fokus?

Wir fügen neue Funktionen hinzu, die Nutzern mehr Einblick geben, wie sich Genauigkeit gegen Rechenzeit austauschen lässt – ein entscheidender Zukunftsfaktor. Vor allem aber kooperieren wir mit industriellen Anwendern, um deren konkrete Probleme zu lösen. Unsere Software verbessert sich damit, nicht basierend auf Spekulationen aus dem Elfenbeinturm. Darüber hinaus erweitern wir die Anzahl unserer Hardwarepartner, um sicherzustellen, dass Anwender auf der jeweiligen Plattform ihrer Wahl rechnen können. Derzeit haben wir Quantum Cloud Computing Partnerschaften mit AWS und IQM. Anwender sind grundsätzlich an erstens zuverlässigen Ergebnissen, die zweitens nutzerfreundlich für drittens verschiedene Problemstellungen erzielt werden, interessiert. Unsere Softwareplattform wird in diese drei Richtungen ausgebaut werden. Zur Steigerung der Performance wird unsere Software so integriert werden, dass Rechnungen auf jeweils geeigneter klassischer oder Quanten Architektur laufen. Zur besseren Bedienbarkeit der Plattform wird menschliche Sprache mittels Agentic AI Technologie verwendet werden.

Wenn Sie auf die bisherige Entwicklung von Kvantify blicken. Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?

Erstens: Bestimmen Sie Ihren Schwerpunktbereich sorgfältig. „Alles abdecken“ führt schnell zur Überforderung und wird nicht dazu führen, zunächst in einem Bereich Marktführer zu werden. Zweitens: Sehr gute Ergebnisse sind nur mit einem sehr guten Team möglich. Drittens: Schließen Sie die Lücke zwischen Anwendung und Technologie. Suchen Sie reale Anwendungsfälle und starke Partner, um Ihre Technologie sinnvoll zu entwickeln.

Bild: Bildrechte: © Kvantify

Wir bedanken uns bei Dr. Jörg Weiser für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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