Mittwoch, Oktober 28, 2026
StartInterviewsRechtliche Ansprüche gegen Spam: Legal-Tech-Startup Legalano vereinfacht Abwehr unerwünschter Werbe-Mails

Rechtliche Ansprüche gegen Spam: Legal-Tech-Startup Legalano vereinfacht Abwehr unerwünschter Werbe-Mails

Welche Idee steckt hinter Legalano und welches konkrete Problem möchten Sie mit Ihrer Plattform lösen?

Mit Legalano möchten wir rechtliche Ansprüche für Unternehmen so einfach zugänglich machen, wie es moderne digitale Dienstleistungen längst sein sollten: unkompliziert, transparent und ohne unnötiges Kostenrisiko.

Unser Ausgangspunkt war ein Problem, das nahezu jedes Unternehmen kennt: unerwünschte Werbe-E-Mails. Ob Angebote für Suchmaschinenoptimierung, Webdesign, Software, Personalvermittlung oder andere Dienstleistungen – geschäftliche Postfächer werden täglich mit unverlangter Werbung konfrontiert. Viele dieser Nachrichten sind rechtlich unzulässig. Trotzdem werden sie meist einfach gelöscht, weil eine anwaltliche Durchsetzung aufwendig erscheint und sich wegen einer einzelnen E-Mail vermeintlich nicht lohnt.

Genau hier setzt Legalano an. Über unsere spezialisierte Legal-Tech-Plattform können Unternehmen unerwünschte Werbe-E-Mails kostenlos zur Prüfung einreichen. Geeignete Fälle werden strukturiert aufbereitet und können anschließend durch eine unabhängige, spezialisierte Anwaltskanzlei rechtlich verfolgt werden. Dabei können unter bestimmten Voraussetzungen neben Unterlassungsansprüchen auch finanzielle Ansprüche durchgesetzt werden.

Unser Anspruch ist, die Qualität professioneller anwaltlicher Rechtsdurchsetzung mit der Einfachheit einer modernen digitalen Plattform zu verbinden. Statt komplizierter Abläufe, unübersichtlicher Kommunikation und schwer kalkulierbarer Kosten erhalten unsere Nutzer einen zentralen, transparenten Prozess.

Dabei verstehen wir Legalano nicht als bloßes Beschwerdeportal gegen Spam, sondern als digitale Infrastruktur, die Unternehmen dabei unterstützt, ihre Rechte tatsächlich wahrzunehmen.

Unerwünschte Werbe-E-Mails gehören für viele Unternehmen zum Alltag. Welche rechtlichen Probleme können dadurch entstehen und unter welchen Voraussetzungen können betroffene Unternehmen Ansprüche geltend machen?

Unerwünschte Werbe-E-Mails sind keineswegs automatisch eine Bagatelle. Nach § 7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ist Werbung per E-Mail grundsätzlich nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung des Empfängers zulässig. Das gilt auch im geschäftlichen Bereich, also bei sogenannter B2B-Werbung. Eine eng begrenzte Ausnahme besteht unter bestimmten Voraussetzungen für Werbung an Bestandskunden.

Besonders häufig betrifft dies unverlangte Vertriebsangebote, sogenannte Cold-E-Mails, oder Newsletter, für die keine wirksame Einwilligung vorliegt. Auch die Tatsache, dass eine geschäftliche E-Mail-Adresse öffentlich im Impressum steht, berechtigt Unternehmen nicht automatisch dazu, Werbung dorthin zu senden.

Der Bundesgerichtshof hat bereits mit Beschluss vom 20. Mai 2009 (Az. I ZR 218/07) festgestellt, dass schon eine einzige unverlangte Werbe-E-Mail einen rechtswidrigen Eingriff in den eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb darstellen kann. Betroffene Unternehmen können deshalb unter bestimmten Voraussetzungen insbesondere die Unterlassung weiterer Werbung verlangen. Daneben kommen je nach Sachverhalt die Erstattung erforderlicher Rechtsverfolgungskosten und weitere Ansprüche in Betracht.

Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen einer rechtswidrigen Nachricht und einem Zahlungsanspruch. Nicht jede unzulässige E-Mail führt automatisch zu Schadensersatz. Dafür müssen die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Für eine erfolgreiche Durchsetzung kommt es außerdem auf die Beweislage und den richtigen Anspruchsgegner an. Besonders gut prüfbar sind Nachrichten, deren tatsächlicher Werbetreibender eindeutig identifiziert werden kann, beispielsweise ein erreichbares Unternehmen mit nachvollziehbarer Geschäftsanschrift. Bei anonymen Phishing-Nachrichten oder schwer greifbaren Absendern im Ausland ist die praktische Durchsetzung häufig schwieriger.

Legalano konzentriert sich deshalb nicht nur darauf, mögliche Rechtsverstöße zu erkennen, sondern auch darauf, ob eine rechtliche Verfolgung im konkreten Fall sinnvoll und erfolgversprechend erscheint.

Legalano ermöglicht es Unternehmen, unerwünschte Werbe-E-Mails unkompliziert einzureichen. Wie funktioniert der gesamte Ablauf von der Einreichung bis zur möglichen Durchsetzung eines Anspruchs?

Der Ablauf ist bewusst einfach gestaltet. Wer eine unerwünschte Werbe-E-Mail erhält, kann diese beispielsweise direkt an spam@legalano.com weiterleiten oder über unsere Website Legalano unter legalano.com einreichen. Die Einreichung dauert in der Regel weniger als eine Minute und ist zunächst vollständig kostenlos.

Im ersten Schritt erfassen und strukturieren wir die relevanten Informationen. Dazu gehören unter anderem der Inhalt der Nachricht, die Absender- und Empfängerdaten, technische Nachweise und mögliche Hinweise auf eine vorherige Einwilligung. Anschließend wird geprüft, ob der Fall grundsätzlich für eine weitere Bearbeitung geeignet ist.

Kommt eine anwaltliche Durchsetzung in Betracht, erhält der Nutzer die erforderlichen Informationen zur möglichen Beauftragung. Die eigenständige rechtliche Prüfung und Entscheidung über weitere Maßnahmen liegt bei der beauftragten Kanzlei.

Diese kann beispielsweise den verantwortlichen Werbetreibenden anwaltlich zur Unterlassung auffordern, eine geeignete Unterlassungserklärung verlangen und gegebenenfalls weitere rechtlich begründete Ansprüche geltend machen. Wie der Fall abschließend behandelt wird, hängt von der rechtlichen Bewertung und der Reaktion der Gegenseite ab.

Ein wichtiger Bestandteil von Legalano ist das digitale Dashboard. Dort können Nutzer den Bearbeitungsstatus nachvollziehen, statt selbst sämtliche Korrespondenz mit einer Anwaltskanzlei organisieren zu müssen. Auch relevante Vorgänge und Unterlagen werden strukturiert dokumentiert.

Unser Ziel ist, dass Nutzer möglichst wenig Zeit investieren müssen, gleichzeitig aber jederzeit nachvollziehen können, was mit ihrem Fall geschieht. Aus einer einfachen E-Mail-Weiterleitung wird so ein professionell organisierter Rechtsdurchsetzungsprozess.

Auf Ihrer Plattform ist von möglichen Zahlungen von bis zu 450 Euro pro Werbe-E-Mail die Rede. Unter welchen rechtlichen Voraussetzungen sind solche Beträge denkbar und welche Faktoren beeinflussen die tatsächliche Höhe eines möglichen Anspruchs?

Zunächst ist uns eine wichtige Klarstellung besonders wichtig: Es gibt in Deutschland keinen gesetzlich festgelegten Schadensersatz von 450 Euro pro unerlaubter Werbe-E-Mail. Die tatsächlichen Ansprüche und mögliche Zahlungen hängen immer vom konkreten Einzelfall ab.

Bei Legalano wurden in bislang erfolgreich abgeschlossenen Fällen durchschnittlich 322 Euro brutto realisiert, vor Abzug der vereinbarten anwaltlichen Vergütung. Diese Zahl beruht auf unseren bisherigen internen Falldaten. Sie umfasst ausschließlich erfolgreiche Fälle und ist deshalb weder eine garantierte Auszahlung noch ein Durchschnitt über sämtliche Einreichungen. In geeigneten Konstellationen sind auch Beträge bis zu 450 Euro möglich.

Entscheidend sind unter anderem der konkrete Rechtsverstoß, die Beweislage, die Anspruchsgrundlage, das Verhalten des Absenders und die Frage, ob eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann. Auch wiederholte Werbezusendungen oder die Missachtung eines ausdrücklichen Werbewiderspruchs können für die rechtliche Bewertung relevant sein. Mehrere E-Mails führen allerdings nicht automatisch zu mehrfachen Zahlungsansprüchen.

Besonders interessant kann die langfristige Absicherung gegen weitere Werbung sein. Im Rahmen geeigneter Fälle können strafbewehrte Unterlassungserklärungen vereinbart werden. Solche Erklärungen und die zugehörigen Vorgänge werden bei Legalano nachvollziehbar dokumentiert und können den Betroffenen im Rahmen der digitalen Fallverwaltung zugänglich gemacht werden.

Verstößt ein Unternehmen später schuldhaft gegen eine wirksame Unterlassungsvereinbarung, kann zusätzlich ein eigenständiger Vertragsstrafenanspruch entstehen. Abhängig von der konkreten Vereinbarung und den Umständen des Verstoßes können dabei auch Beträge im Bereich von 3.000 bis 5.000 Euro oder darüber hinaus in Betracht kommen. Voraussetzung ist immer, dass der jeweilige Anspruch tatsächlich entstanden und durchsetzbar ist.

Wir legen deshalb Wert darauf, nicht bloß eine einzelne mögliche Zahlung zu betrachten. Entscheidend ist, welche Rechte dem Betroffenen insgesamt zustehen und wie sich diese nachhaltig schützen lassen.

Nicht jede unerwünschte Nachricht ist automatisch rechtswidrig. Woran können Unternehmen erkennen, ob eine Werbe-E-Mail möglicherweise unzulässig ist, und welche Informationen werden für eine rechtliche Prüfung benötigt?

Ein typisches Warnsignal ist eine E-Mail, in der ein Unternehmen ungefragt Dienstleistungen oder Produkte anbietet, obwohl zuvor weder eine entsprechende Einwilligung erteilt noch eine passende Anfrage gestellt wurde.

Dabei ist der Werbebegriff rechtlich relativ weit gefasst. Nicht nur klassische Newsletter oder Rabattaktionen können Werbung sein, sondern beispielsweise auch unverlangte Angebote für SEO-Dienstleistungen, Website-Erstellung, Softwarelösungen oder die Vereinbarung eines unverbindlichen Verkaufsgesprächs.

Auch eine vermeintlich persönliche Nachricht mit dem Hinweis, man habe sich die Website des Empfängers angesehen und könne dessen Unternehmen bei der Kundengewinnung unterstützen, kann rechtlich Werbung darstellen.

Für die Prüfung sind besonders die Originalnachricht, der vollständige technische E-Mail-Header, das Empfangsdatum, die Empfängeradresse und der tatsächliche Absender relevant. Hilfreich sind außerdem Informationen über frühere Geschäftsbeziehungen, mögliche Einwilligungen sowie bereits erklärte Abmeldungen oder Werbewidersprüche.

Unternehmen sollten verdächtige Nachrichten daher möglichst im Original aufbewahren und nicht lediglich einen Screenshot erstellen. Der vollständige Header kann wichtige Informationen zur Herkunft und technischen Nachvollziehbarkeit enthalten.

Nicht jede unerwünschte Nachricht eignet sich allerdings für eine Anspruchsdurchsetzung. Deshalb ist die kostenlose Vorprüfung bei Legalano sinnvoll: Unternehmen müssen sich nicht selbst durch umfangreiche rechtliche Voraussetzungen arbeiten, sondern können zunächst feststellen lassen, ob eine weitere Bearbeitung überhaupt in Betracht kommt.

Legalano arbeitet mit einer Anwaltskanzlei zusammen. Wie ist diese Zusammenarbeit organisiert, welche Aufgaben übernimmt die Kanzlei und welche Rolle spielt Ihre Plattform bei der Bearbeitung der eingereichten Fälle?

Wir trennen bewusst zwischen technologischer Prozessorganisation und anwaltlicher Rechtsdienstleistung. Legalano selbst ist keine Anwaltskanzlei und erbringt keine eigenständige Rechtsberatung.

Unsere Plattform übernimmt insbesondere die digitale Fallaufnahme, die strukturierte Aufbereitung der Unterlagen, die organisatorische Koordination und die transparente Darstellung des Bearbeitungsfortschritts.

Die rechtliche Bewertung und mögliche Durchsetzung der Ansprüche liegen dagegen bei unabhängigen, entsprechend qualifizierten Rechtsanwälten. Diese entscheiden eigenverantwortlich, ob ein Mandat übernommen wird, welche Ansprüche bestehen und welche rechtlichen Maßnahmen im konkreten Fall zweckmäßig sind.

Für den Nutzer entsteht dadurch eine Verbindung aus zwei Vorteilen: Er erhält Zugang zu professioneller anwaltlicher Unterstützung und profitiert gleichzeitig von einem weitgehend digitalisierten, übersichtlichen Ablauf.

Besonders wichtig ist uns auch die wirtschaftliche Gestaltung. Eine direkte anwaltliche Beauftragung kann gerade bei kleineren Streitwerten mit Kostenfragen und finanziellen Unsicherheiten verbunden sein. Legalano organisiert einen Prozess, bei dem dieses Risiko für die Nutzer im vorgesehenen Modell weitgehend ausgeschlossen wird.

Die Ansprüche verbleiben dabei nach unserem bisherigen Modell in der Regel beim jeweiligen Betroffenen. Eine pauschale Abgabe der Forderung ist für die Nutzung nicht erforderlich.

Wir möchten, dass Unternehmen ihre Rechte mit möglichst geringem organisatorischem Aufwand wahrnehmen können, ohne auf eine fundierte individuelle anwaltliche Prüfung verzichten zu müssen.

Für Unternehmen stellt sich häufig die Frage nach Kosten und möglichen Risiken. Ist die Nutzung von Legalano tatsächlich kostenlos und entstehen für die einreichenden Unternehmen unter bestimmten Umständen Gebühren oder andere Verpflichtungen?

Ja, die Einreichung und Prüfung unerwünschter Werbe-E-Mails über Legalano sind kostenlos.

Unser derzeitiges Modell ist bewusst so gestaltet, dass Unternehmen nicht erst Geld investieren müssen, um prüfen zu lassen, ob ihre Rechte verletzt wurden.

Wird ein Fall nicht angenommen oder lässt sich ein geltend gemachter Anspruch nicht erfolgreich durchsetzen, entstehen dem Nutzer im vorgesehenen Prozess keine Kosten. Auch das Kostenrisiko möglicher anwaltlicher oder gerichtlicher Schritte wird innerhalb dieses Modells entsprechend abgesichert.

Kommt es tatsächlich zu einer erfolgreichen finanziellen Durchsetzung, erhält die beauftragte Kanzlei eine zuvor vereinbarte erfolgsbezogene Vergütung. Die konkreten Konditionen werden vor der Beauftragung offengelegt. Legalano selbst erhebt keine zusätzliche Erfolgsprovision.

Das bedeutet: Der Nutzer muss im vorgesehenen Ablauf weder eine anfängliche Prüfgebühr noch eine klassische Vorfinanzierung der Rechtsverfolgung übernehmen. Gleichzeitig entstehen bei ausbleibendem Erfolg keine entsprechenden Rechnungen.

Natürlich ist für weitergehende anwaltliche Maßnahmen eine ordnungsgemäße Beauftragung erforderlich. Auch müssen die eingereichten Informationen vollständig und wahrheitsgemäß sein. Für eigenmächtig außerhalb des abgestimmten Verfahrens veranlasste Maßnahmen können andere Kostenregelungen gelten.

Wir halten dieses Modell für besonders attraktiv, weil es eine wesentliche Zugangshürde beseitigt: Unternehmen können mögliche Ansprüche prüfen und gegebenenfalls verfolgen lassen, ohne dafür zunächst ein unkalkulierbares finanzielles Risiko eingehen zu müssen.

Gerade bei der Weiterleitung geschäftlicher E-Mails können vertrauliche Informationen und personenbezogene Daten betroffen sein. Wie stellt Legalano sicher, dass eingereichte Nachrichten datenschutzkonform und sicher verarbeitet werden?

Datenschutz und Informationssicherheit gehören bei Legalano zu den grundlegenden Anforderungen unserer Plattform. Schließlich können eingereichte E-Mails personenbezogene Daten, interne Kommunikationsinhalte oder andere vertrauliche Informationen enthalten.

Deshalb verfolgen wir einen Ansatz, der Datensparsamkeit, zweckgebundene Verarbeitung und technische Schutzmaßnahmen miteinander verbindet. Hochgeladene Inhalte werden innerhalb der Europäischen Union beziehungsweise des Europäischen Wirtschaftsraums gespeichert.

Zu unserem Sicherheitskonzept gehören insbesondere kontrollierte Zugriffsberechtigungen, der Schutz digitaler Übertragungswege, organisatorische Zugriffsbeschränkungen sowie geregelte Prozesse zur Verarbeitung und Aufbewahrung der Daten. Zugriff erhalten nur Personen und Stellen, soweit dies für die jeweilige Aufgabe erforderlich ist.

Die Weitergabe von Falldaten erfolgt zweckgebunden, beispielsweise an die beauftragte Anwaltskanzlei oder, soweit für die Rechtsdurchsetzung erforderlich, an weitere beteiligte Stellen.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist, dass wir eingereichte Inhalte nicht zum Training allgemeiner KI-Modelle verwenden und keine Nutzerdaten verkaufen.

Auch unsere technischen Systeme entwickeln wir unter Berücksichtigung der Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung kontinuierlich weiter.

Unser Ziel ist, dass Unternehmen ihre Fälle digital und effizient bearbeiten lassen können, ohne dabei die Kontrolle über den Umgang mit ihren Informationen zu verlieren. Transparente Informationen zur Datenverarbeitung stellen wir zusätzlich in unserer Datenschutzerklärung bereit.

Welche Unternehmen können Legalano nutzen und gibt es Unterschiede bei der Bearbeitung von Werbe-E-Mails, die beispielsweise von deutschen, europäischen oder internationalen Absendern stammen?

Legalano ist grundsätzlich branchenübergreifend nutzbar. Zu den potenziellen Nutzern gehören beispielsweise Handwerksbetriebe, Agenturen, Arztpraxen, Kanzleien, Einzelhändler, IT-Unternehmen, Dienstleister und größere mittelständische Unternehmen.

Gerade kleinere Betriebe profitieren von einem einfachen Verfahren, weil sie häufig keine eigene Rechtsabteilung haben und den Aufwand einer individuellen Anspruchsverfolgung scheuen. Gleichzeitig kann die strukturierte Fallverwaltung für Unternehmen interessant sein, die regelmäßig unerwünschte Werbe-E-Mails erhalten.

Neben geschäftlichen Postfächern können grundsätzlich auch bestimmte Konstellationen mit privaten E-Mail-Adressen geprüft werden. Entscheidend sind die konkreten rechtlichen Voraussetzungen und die jeweilige Anspruchsberechtigung.

Bei der praktischen Durchsetzung spielt die Herkunft des Absenders eine wichtige Rolle. Handelt es sich um ein eindeutig identifizierbares Unternehmen in Deutschland, sind die rechtliche Einordnung, Zustellung und mögliche Durchsetzung häufig vergleichsweise gut planbar.

Auch gegenüber Unternehmen aus anderen europäischen Staaten oder Drittstaaten können Ansprüche in Betracht kommen. Allerdings können Zuständigkeitsfragen, abweichende Rechtsordnungen, Übersetzungen und Schwierigkeiten bei der Vollstreckung die Bearbeitung beeinflussen.

Bei anonymen Absendern, Phishing-Nachrichten oder nicht zuverlässig identifizierbaren Unternehmen ist eine wirtschaftlich sinnvolle Rechtsdurchsetzung dagegen oft kaum möglich.

Deshalb prüfen wir nicht nur, ob eine Werbe-E-Mail möglicherweise unzulässig ist, sondern auch, ob der verantwortliche Absender hinreichend nachvollziehbar und erreichbar ist.

Was unterscheidet Legalano von einer direkten Beauftragung einer Anwaltskanzlei und welchen konkreten Mehrwert bietet Ihre digitale Plattform bei der Prüfung und Bearbeitung möglicher Ansprüche?

Unser wesentlicher Unterschied besteht darin, dass wir professionelle anwaltliche Rechtsdurchsetzung mit einem standardisierten, digitalen Nutzererlebnis verbinden.

Wer wegen einer unerwünschten Werbe-E-Mail direkt eine Kanzlei beauftragt, muss normalerweise zunächst einen geeigneten Ansprechpartner finden, den Sachverhalt erklären, Unterlagen zusammenstellen und die Kostenfrage klären. Anschließend läuft die Kommunikation häufig über verschiedene E-Mails, Dokumente und einzelne Rückfragen.

Bei Legalano ist der Prozess auf diese konkrete Fallgruppe zugeschnitten. Die Einreichung ist innerhalb kurzer Zeit möglich, die Informationen werden strukturiert verarbeitet und der weitere Ablauf lässt sich über ein zentrales Dashboard nachvollziehen.

Ein weiterer Vorteil liegt in unserer Spezialisierung. Weil wir uns intensiv mit unerlaubter E-Mail-Werbung beschäftigen, können wir wiederkehrende organisatorische Abläufe effizient gestalten und die Zusammenarbeit mit erfahrenen anwaltlichen Partnern gezielt darauf ausrichten.

Hinzu kommt die wirtschaftliche Transparenz. Im vorgesehenen Modell müssen Nutzer keine Rechtsverfolgungskosten vorfinanzieren und tragen bei einem erfolglosen Fall keine entsprechenden Kosten. Eine mögliche erfolgsbezogene Kanzleivergütung wird im Voraus vereinbart.

Anders als bei Modellen, die vor allem auf eine pauschale Abtretung oder einen schnellen Forderungsverkauf ausgerichtet sind, steht bei Legalano die individuelle Prüfung und Durchsetzung der Rechte des Betroffenen im Mittelpunkt.

Auch nach einem erfolgreichen Fall kann unsere digitale Dokumentation einen wichtigen Mehrwert bieten. Unterlassungserklärungen und weitere rechtlich relevante Vorgänge lassen sich nachvollziehbar zuordnen. Sollte später erneut Werbung eingehen, können frühere Vereinbarungen für die rechtliche Prüfung von Bedeutung sein.

Letztlich soll Legalano nicht die anwaltliche Leistung ersetzen, sondern ihren Zugang einfacher, effizienter, transparenter und für Unternehmen wirtschaftlich attraktiver machen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit eingereichten Fällen gesammelt, welche Herausforderungen treten besonders häufig auf und welche weiteren Funktionen oder Dienstleistungen planen Sie für Legalano?

Unsere bisherigen Erfahrungen bestätigen, dass unerwünschte Werbe-E-Mails ein weitverbreitetes Problem darstellen, dessen rechtliche Bedeutung von vielen Betroffenen unterschätzt wird.

Dabei beobachten wir sehr unterschiedliche Fallkonstellationen: von einzelnen unverlangten Vertriebsangeboten über wiederholte Newsletter bis zu Werbezusendungen trotz eines ausdrücklichen Widerspruchs.

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass die Qualität der Dokumentation häufig entscheidend ist. Nicht nur der Werbeinhalt selbst, sondern auch die technische Herkunft, die Identifizierbarkeit des verantwortlichen Unternehmens und die Frage einer möglichen Einwilligung beeinflussen die Bearbeitung.

Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren anwaltlichen Partnern können wir diese Erfahrungen kontinuierlich in die Weiterentwicklung unserer Prozesse einfließen lassen. Unsere Partner wissen aus der praktischen Rechtsdurchsetzung, welche Informationen benötigt werden, welche Einwendungen regelmäßig auftreten und wie sich unterschiedliche Sachverhalte juristisch einordnen lassen.

Zu den Herausforderungen gehören insbesondere schlecht dokumentierte Nachrichten, schwer identifizierbare Absender und Unternehmen, die erst nach mehreren Kontaktaufnahmen reagieren. Auch bei der Einholung externer oder behördlicher Informationen können Verzögerungen entstehen. Wir setzen deshalb auf möglichst vollständige Falldaten und eine effiziente außergerichtliche Bearbeitung.

Für die Zukunft sehen wir insbesondere Potenzial in einer noch stärkeren Automatisierung der Erkennung und strukturierten Erfassung unerwünschter Werbung. Denkbar sind beispielsweise Integrationen mit gängigen E-Mail-Postfächern, die verdächtige Nachrichten erkennen und dem Nutzer zur Prüfung vorschlagen. Die Entscheidung über eine Einreichung soll dabei nachvollziehbar und kontrollierbar bleiben.

Darüber hinaus möchten wir die digitale Fallverwaltung weiterentwickeln und perspektivisch weitere standardisierbare rechtliche Dienstleistungen prüfen, bei denen Unternehmen heute mit unverhältnismäßig hohem Aufwand konfrontiert sind.

Unser Fokus bleibt dabei unverändert: Technologie soll wiederkehrende Arbeit vereinfachen, während individuelle rechtliche Entscheidungen bei qualifizierten Juristen liegen.

Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Legalano und welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine digitale Plattform an der Schnittstelle von Technologie, Recht und Unternehmensdienstleistungen aufbauen möchten?

Unsere langfristige Vision ist, rechtliche Unterstützung für Unternehmen wesentlich zugänglicher zu machen. Viele berechtigte Ansprüche werden heute nicht verfolgt, weil Aufwand, Kosten und Unsicherheit größer erscheinen als der mögliche Nutzen.

Wir möchten zeigen, dass es auch anders geht: mit klar strukturierten digitalen Prozessen, transparenter Kostenverteilung, spezialisierten anwaltlichen Partnern und einer Benutzeroberfläche, die ohne juristische Vorkenntnisse verständlich ist.

Langfristig soll Legalano eine Plattform werden, über die Unternehmen ausgewählte rechtliche Probleme genauso unkompliziert bearbeiten lassen können wie andere digitale Geschäftsprozesse. Dabei stehen für uns nicht möglichst viele Funktionen im Vordergrund, sondern die zuverlässige und wirtschaftlich sinnvolle Lösung konkreter Probleme.

Anderen Gründern würden wir drei Dinge empfehlen.

Erstens: Lieber ein klar abgegrenztes Problem hervorragend lösen als zu früh einen riesigen Markt bedienen wollen. Besonders im Legal-Tech-Bereich ist fachliche Spezialisierung ein wesentlicher Vorteil. Wer eine konkrete Fallgruppe genau versteht, kann Prozesse zuverlässiger standardisieren und eine deutlich bessere Dienstleistung anbieten.

Zweitens: Der Kunde sollte den Mehrwert möglichst schon vor einer finanziellen Verpflichtung erkennen. Eine verständliche Oberfläche, eine einfache erste Prüfung und transparente Bedingungen schaffen Vertrauen. Gerade bei rechtlichen Dienstleistungen ist es entscheidend, Unsicherheit abzubauen, statt neue Komplexität zu erzeugen.

Drittens: Nicht nur genauso gut sein wie bestehende Anbieter, sondern in entscheidenden Punkten erkennbar besser. Das kann durch geringeren Aufwand, bessere Transparenz, höhere Geschwindigkeit, nachvollziehbare Ergebnisse oder ein attraktiveres Kostenmodell gelingen. Entscheidend ist, dass der Vorteil für den Nutzer tatsächlich spürbar ist.

Für Legalano bedeutet das: Wir möchten Unternehmen nicht lediglich einen weiteren Weg zur Einreichung von Beschwerden anbieten, sondern eine rechtlich fundierte, digital organisierte und wirtschaftlich überzeugende Lösung schaffen. Unser Maßstab ist, dass die Durchsetzung berechtigter Ansprüche künftig deutlich einfacher wird, als sie es heute für viele Unternehmen ist.

Bildcredits Lesson One: Speed

Wir bedanken uns bei Deniss Danilciks für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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