Das Startup Montaureo entwickelt eine KI-gestützte Plattform, die internationale Umzugsentscheidungen erleichtert und finanzielle, familiäre sowie persönliche Zukunftsszenarien miteinander vergleicht.
Pavel, können Sie sich und Montaureo kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee entstanden ist, eine KI-Plattform für internationale Lebensentscheidungen zu entwickeln?
Ich heiße Pavel Kotcherga. Ich bin Unternehmer, Gründer von Montaureo und Partner bei Monaco Finance International. Meine Arbeit umfasst internationale Bankpartnerschaften, die Betreuung von Kunden, die Suche nach Investitionsmöglichkeiten und die Finanzierung von Immobilien.
Seit 1994 lebe ich in Frankreich und seit 2002 bin ich eng mit Monaco verbunden. Ein internationaler Umzug ist für mich deshalb kein abstraktes Thema. Ich weiß, wie sehr sich die Vorstellung von einem Land und das tatsächliche Leben dort unterscheiden können.
Montaureo entstand aus Fragen, die mir Kunden und Bekannte immer wieder stellten: „Soll ich umziehen? Was gewinne ich wirklich? Und was verliert meine Familie?“ Um darauf zu antworten, reicht es nicht, Steuern zu vergleichen. Man muss zwei mögliche Zukünfte gegenüberstellen. Daher unser Motto: Two Futures. One Choice.
Die Entscheidung, in ein anderes Land zu ziehen, betrifft weit mehr als Steuern oder finanzielle Vorteile. Welche Herausforderungen haben Sie bei solchen Entscheidungen erkannt und welche Probleme möchten Sie mit Montaureo lösen?
Viele Menschen beginnen mit einer verlockenden Zahl: niedrigere Steuern, günstigere Immobilien oder ein höheres Gehalt. Später stellt sich heraus, dass eine passende Schule teuer ist, der Partner schwer Arbeit findet und das gewohnte Leben weit entfernt ist.
Manchmal ist es auch umgekehrt: Jemand schiebt den Umzug jahrelang auf, weil er ihn sich viel schwieriger vorstellt, als er sein könnte.
Ich möchte die Lücke zwischen Vorstellung und Wirklichkeit verkleinern. Montaureo führt unterschiedliche Fragen zu einem Gesamtbild zusammen: Einkommen, Ausgaben, Familie, Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebensstil. Die Plattform soll niemandem sagen: „Ziehen Sie um“, sondern zeigen, was sich konkret verändern würde und ob das zu den eigenen Wünschen passt.
Montaureo arbeitet mit drei unterschiedlichen KI-Assistentinnen namens Kate, Jun und Emily. Welche Aufgaben übernehmen die einzelnen Assistentinnen und warum haben Sie sich bewusst für drei verschiedene Perspektiven entschieden?
Die drei Assistentinnen stehen für unterschiedliche technologische Ökosysteme: Kate nutzt ein Modell von Anthropic aus den USA, Emily ein europäisches Modell von Mistral und Jun Qwen aus China. Alle drei betrachten dieselbe Fragestellung aus ihrer jeweiligen Modellperspektive.
Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, welchen KI-Anbietern sie vertrauen. Manche bevorzugen US-amerikanische Entwickler, andere europäische Lösungen, wieder andere interessieren sich für den chinesischen Ansatz. Es gibt berechtigte Fragen zu Datenschutz und zum Einfluss der Anbieter, aber auch viele Vermutungen. Wir wollen nicht mit unseren Nutzern darüber streiten, wem sie vertrauen sollten. Wir möchten ihnen eine Wahl geben.
Man kann das bevorzugte Modell nutzen oder die Antworten aller drei vergleichen. So wird sichtbar, wo ihre Einschätzungen übereinstimmen, wo sie auseinandergehen und was genauer geprüft werden sollte. Drei ähnliche Antworten machen eine Annahme nicht automatisch zur Tatsache. Der Vergleich hilft aber, eine Frage besser zu verstehen als eine einzelne, selbstsicher formulierte Empfehlung.
Ihre Plattform stellt zwei individuelle Zukunftsszenarien gegenüber. Wie funktioniert dieser Vergleich konkret und welche persönlichen Informationen müssen Nutzer bereitstellen, damit die Ergebnisse aussagekräftig sind?
Wir beginnen nicht mit dem Wunschland, sondern mit der Person selbst. Wo lebt sie, welche Staatsangehörigkeit hat sie, gibt es eine Familie oder Kinder, woher kommen die Einkünfte und wie hoch sind ungefähr Vermögen und Ausgaben? Vor allem möchten wir wissen: Was soll sich verändern?
Dann vergleichen wir zwei Szenarien: bleiben oder umziehen. Dabei versuchen wir, von denselben Grundannahmen auszugehen. Andernfalls entsteht schnell ein schönes, aber wenig aussagekräftiges Ergebnis, etwa wenn ein bescheidenes Leben in einem Land mit einem luxuriösen Leben in einem anderen verglichen wird.
Für eine erste Analyse reichen in der Regel ungefähre Größenordnungen statt exakter Finanzunterlagen. Wir benötigen weder Passwörter noch Zugriff auf Bankkonten. Wichtig ist, die Situation und die Prioritäten zu verstehen und anschließend offenzulegen, von welchen Annahmen das Ergebnis abhängt.
Neben Finanzen und Steuern berücksichtigt Montaureo auch Familie, Bildung, Gesundheitsversorgung und Lebensqualität. Wie lassen sich diese unterschiedlichen Faktoren miteinander vergleichen und wie fließen persönliche Prioritäten in die Bewertung ein?
Ich glaube nicht, dass sich alles auf eine einzige Zahl reduzieren lässt. Man kann Steuern sparen und trotzdem ein Leben führen, das einem nicht gefällt. Was wäre dann gewonnen?
Für manche ist die Schule des Kindes entscheidend. Für andere zählt, schnell zu den Eltern reisen zu können. Wieder andere achten besonders auf Sicherheit, Klima oder das Umfeld für ihr Unternehmen.
Deshalb sollte man die finanziellen Aspekte berechnen und persönliche Prioritäten gesondert und ehrlich berücksichtigen. Montaureo hilft, Zielkonflikte zu erkennen: Hier sparen Sie, dort geben Sie mehr aus, an anderer Stelle gewinnen Sie Komfort und verzichten vielleicht auf etwas anderes. Welche Bedeutung diese Faktoren haben, entscheidet jeder selbst.
Gerade bei internationalen Umzügen unterscheiden sich rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen teilweise erheblich. Wie stellt Montaureo sicher, dass die zugrunde liegenden Informationen aktuell und zuverlässig sind?
Meine Erfahrung hat mich gelehrt, Aussagen wie „In diesem Land ist alles einfach“ mit Vorsicht zu betrachten. Manchmal ist der Grundsatz tatsächlich einfach, aber die Details verändern seine Anwendung.
Ein Beispiel: Dass Monaco für die meisten dort ansässigen Personen keine Einkommensteuer erhebt, ist ein klarer Vorteil. Doch die Staatsangehörigkeit, die Voraussetzungen für eine Aufenthaltsgenehmigung und die Verbindungen zur bisherigen Heimat können die Situation wesentlich verändern. Außerdem entfallen mit einem niedrigen Steuersatz nicht die Wohnkosten und sonstigen Ausgaben.
Unsere Aufgabe ist es deshalb, allgemeine Regeln, individuelle Ausnahmen und Annahmen der Berechnung voneinander zu unterscheiden. Überprüfbare Quellen sind wichtiger als eine schön klingende Antwort. Vor einem tatsächlichen Umzug müssen die wesentlichen Ergebnisse auf den konkreten Einzelfall bezogen bestätigt werden.
Künstliche Intelligenz kann komplexe Zusammenhänge verständlicher machen, aber auch fehlerhafte Einschätzungen liefern. Wie überprüfen Sie die Qualität Ihrer Analysen und wie gehen Sie mit Unsicherheiten oder widersprüchlichen Ergebnissen um?
Ich nutze KI selbst intensiv und sehe sowohl ihren großen Nutzen als auch ihre Grenzen. Sie kann in wenigen Minuten eine Frage aufarbeiten, für die früher Stunden nötig waren. Sie kann aber auch eine falsche Schlussfolgerung sehr überzeugend erklären.
Deshalb vergleichen wir Antworten und prüfen die Rechenwege sowie die zugrunde liegenden Annahmen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Abweichungen: Manchmal zeigen gerade sie, dass eine Frage noch nicht präzise genug gestellt wurde.
Ein gutes Ergebnis ist für mich nicht unbedingt die selbstsicherste Antwort. Es hilft den Menschen, ihre Situation zu verstehen und zu erkennen, was noch offen ist. Wenn Informationen fehlen, sollte man das klar sagen, statt den Eindruck falscher Genauigkeit zu erwecken.
Montaureo soll professionelle Steuer-, Rechts- und Finanzberatung nicht ersetzen. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen KI-gestützter Entscheidungsunterstützung und individueller Fachberatung und wie können Berater Ihre Plattform sinnvoll ergänzend nutzen?
Wir sind weder eine Anwaltskanzlei noch eine Bank. Montaureo hilft Menschen, ihre Optionen zu verstehen und Szenarien zu vergleichen. Wenn der nächste Schritt fachliche Unterstützung erfordert, können wir Kunden mit passenden Anwälten und Banken in Verbindung bringen. Die Beratung und alle professionellen Leistungen erbringen diese Fachleute direkt.
Ich glaube nicht, dass jede erste Frage sofort eine eigene kostenpflichtige Beratung erfordert. KI entwickelt sich schnell und ermöglicht bereits heute, vieles selbst vorzubereiten: Szenarien zu vergleichen, Unterlagen für ein Gespräch zu ordnen und eine Liste mit Fragen zu erstellen. Das spart Zeit und Geld.
Fachleute werden dort gebraucht, wo eine individuelle Beurteilung, eine komplexe Struktur, rechtliche Verantwortung oder die formelle Umsetzung einer Entscheidung erforderlich ist. Wer gut vorbereitet in ein Gespräch kommt, kann deutlich mehr daraus mitnehmen. Genau diesen Übergang möchten wir erleichtern.
Bei der Analyse persönlicher Lebenssituationen werden möglicherweise sensible Finanz-, Familien- und Gesundheitsinformationen verarbeitet. Welche Maßnahmen treffen Sie, um Datenschutz, Vertraulichkeit und Datensicherheit zu gewährleisten?
In meiner Arbeit war Vertrauen immer wichtiger als eine eindrucksvolle Präsentation. Deshalb sollte man auch hier mit einem einfachen Grundsatz beginnen: nur Informationen zu erheben, die wirklich erforderlich sind.
Für einen ersten Vergleich genügen in der Regel ungefähre Angaben zu Einkommen und Vermögen, das Alter der Kinder und die allgemeinen Bedürfnisse der Familie. Kopien von Ausweisen oder Pässen, Steuererklärungen und Zugang zu Bankkonten benötigen wir dafür nicht. Für eine persönliche Terminvereinbarung reicht eine E-Mail-Adresse. Die für Zahlungen notwendigen Zahlungsdaten werden von Stripe verarbeitet.
Auch die Wahl zwischen drei KI-Plattformen sollte transparent sein: Nutzer sollten verstehen, welchen Dienst sie verwenden. Der Name eines Modells oder das Herkunftsland seines Anbieters ist für sich genommen jedoch keine Sicherheitsgarantie.
Ich halte es für besser, konkret zu erklären, wie Daten verarbeitet werden und wo die Grenzen liegen, statt „absolute Vertraulichkeit“ zu versprechen. Solche Versprechen klingen gut, aber Vertrauen entsteht durch überprüfbare Tatsachen.
Für welche Zielgruppen haben Sie Montaureo entwickelt und welche Länder oder internationalen Umzugsszenarien stehen derzeit besonders im Mittelpunkt Ihrer Plattform?
Montaureo richtet sich an Menschen, die spüren, dass sie anders leben könnten, aber erst herausfinden möchten, ob es tatsächlich besser wäre.
Dazu gehören Unternehmer, international tätige Fachkräfte, Familien mit Kindern und Menschen, die den nächsten Lebensabschnitt planen. Man muss noch nicht beschlossen haben, wegzuziehen. Manchmal ist die nützlichste Erkenntnis, zu bleiben und die eigenen Möglichkeiten besser zu verstehen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf europäischen Szenarien, darunter Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Monaco kenne ich gut, aber ich möchte es nicht jedem empfehlen. Ein guter Service sollte nicht nur die Vorteile eines Landes erklären, sondern auch zeigen können, warum es für eine bestimmte Person möglicherweise nicht passt.
Die Entwicklung einer KI-Plattform für grenzüberschreitende Entscheidungen bringt technische, rechtliche und unternehmerische Herausforderungen mit sich. Welche Erfahrungen haben Sie beim Aufbau von Montaureo gesammelt, wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus und welche nächsten Entwicklungsschritte planen Sie?
Die wichtigste Erkenntnis ist: Die Technologie muss dem Menschen dienen und darf ihn nicht dazu zwingen, erst die Technologie zu verstehen.
Man kann eine komplexe Berechnung entwickeln. Wenn Nutzer das Ergebnis aber nicht verstehen oder nicht wissen, was sie als Nächstes tun sollen, ist das Problem nicht gelöst. Deshalb stellen wir uns immer wieder einfache Fragen: Ist das Formular verständlich? Sind die Annahmen sichtbar? Lassen sich Ergebnisse vergleichen? Ist der nächste Schritt klar?
Unser Geschäftsmodell basiert auf einem Abonnement mit einem günstigen Einstieg: Der erste Monat kostet 4,99 US-Dollar. Mir ist wichtig, dass Menschen den Service ausprobieren können, bevor sie viel Geld ausgeben.
Als Nächstes möchten wir die Vergleiche vertiefen, die Qualität der Erklärungen verbessern und die Verbindung zwischen eigener Analyse und professioneller Begleitung weiterentwickeln.
Welche langfristige Vision verfolgen Sie mit Montaureo und welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit künstlicher Intelligenz komplexe Entscheidungen verständlicher und zugänglicher machen möchten?
Ich möchte, dass mehr Menschen die Möglichkeit haben, ihre Zukunft bewusst zu wählen. Informationen gibt es heute zu fast allem. Sie auf die eigene Lebenssituation anzuwenden, ist jedoch weiterhin schwierig.
Mein erster Rat: Lösen Sie ein Problem, das Sie aus eigener Erfahrung kennen. Ich habe nicht mit dem Wunsch begonnen, „irgendetwas mit KI“ zu machen. Ausgangspunkt waren Fragen, die mir Menschen seit Jahren stellen.
Mein zweiter Rat: Nutzen Sie die Entwicklung der Technologie, aber verwechseln Sie eine schnelle Antwort nicht mit einer guten Entscheidung. Prüfen Sie besonders sorgfältig, was das Leben Ihrer Kunden wirklich beeinflusst.
Mein dritter Rat: Hören Sie den Nutzern zu, vor allem wenn sie sagen, dass etwas unklar oder unbequem ist. Unternehmer haben immer eine Vorstellung davon, wie ihr Produkt funktionieren sollte. Entscheidend ist aber, ob es einem echten Menschen hilft.
Montaureo ist für mich keine Maschine, die einem das Leben aussucht. Es ist ein Werkzeug, das hilft, die eigene Wahl klarer zu sehen.
Bild Bildnachweis: Foto: privat
Wir bedanken uns bei Pavel Kotcherga für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.















