LoyJoy entwickelt eine Plattform für KI und Conversational AI, mit der Unternehmen ihre Kundeninteraktion proaktiv, sicher und langfristig automatisieren können.
Wie würden Sie LoyJoy und das Gründerteam vorstellen?
Wir sind ein eigenfinanziertes Technologieunternehmen aus Münster und verstehen uns als Gegenentwurf zu anonymen Tech-Konzernen. Mein Mitgründer CTO Dr. Ulrich Wolffgang und ich haben LoyJoy 2018 gegründet, um die einfachste Plattform für Conversational AI zu bauen. Unser Claim lautet „Agents People Love“. Das bedeutet: Wir wollen Technologie an der Kundenschnittstelle schaffen, die nicht nur funktioniert, sondern Freude bereitet. Da wir keine externen Investoren mit kurzfristigen Exit-Zielen im Nacken haben, können wir uns voll auf den langfristigen Erfolg unserer Kunden konzentrieren. Wir sind gekommen, um zu bleiben.
Welche Motivation stand am Anfang von LoyJoy und wie hat sie die Entwicklung der Plattform geprägt?
Am Anfang stand die Überzeugung, dass Freude – Joy – das ultimative Ziel jedes Kundenerlebnisses sein sollte. Wir sahen damals oft Chatbot-Lösungen, bei denen spürbar Kostensenkung statt Kundenerlebnis im Vordergrund standen. Das wollten wir ändern. Unsere Mission ist es, Technologie und menschliche Beziehungen nahtlos zu vereinen. Und diese Erlebnisse sorgen für loyale Kunden, daher das „Loy“ im Namen. Diese Motivation prägt die Plattform bis heute: Wir bauen Software, die Fachabteilungen empowert, selbstständig herausragende Erlebnisse zu schaffen.
Welche Vision verfolgen Sie für KI-gestützte Kundeninteraktion und welche Rolle soll LoyJoy dabei einnehmen?
Wir sehen „Agentic AI“ als den absoluten Gamechanger. Die Vision ist der Wechsel vom reaktiven Support zur proaktiven Unterstützung. KI-Agenten sollen nicht mehr nur antworten, sondern Probleme im Namen des Kunden aktiv und fallabschließend lösen. LoyJoy nimmt dabei die Rolle des Ermöglichers ein: Wir machen diese komplexe KI-Fähigkeit für Unternehmen einfach und sicher nutzbar, damit sie ihre Kundenschnittstelle automatisieren können. Und gleichzeitig die Kunden damit begeistern.
Für welche Unternehmen ist Ihre Conversational-AI-Plattform besonders relevant und wie erfüllen Sie deren Anforderungen?
Wir passen perfekt zu Unternehmen, die einen echten langfristigen Partner suchen und keinen bloßen Software-Lieferanten. Das sind oft Mittelständler und Konzerne, die Wert auf Innovation bei gleichzeitiger Stabilität, Datenschutz und direkten Draht zur Entwicklung legen. Dazu gehören Branchen wie Versicherer, Banken, Energieversorger und Konsumgüterhersteller. Aber auch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: der B2B-Mittelstand und das produzierende Gewerbe mit erklärungsbedürftigen Produkten. So gehören TRUMPF, SCHOTT, Vaillant, R+V Versicherung und Paul Hartmann AG zu unseren Kunden. Hier hilft KI, einen leichtgewichtigen Kanal zum Kunden aufzubauen und Produkte verständlich zu machen. Wir bieten die Agilität eines Startups gepaart mit der regulatorischen Sicherheit, die diese Branchen brauchen. Da wir unabhängig sind, fließen Kundenwünsche bei uns direkt in die Roadmap ein.
Ihr Ansatz kombiniert generative KI mit Prozessautomatisierung. Wo sehen Sie darin den größten Nutzen für Ihre Kundinnen und Kunden?
Der Nutzen liegt in der Geschwindigkeit und Sicherheit: Schon Mitte 2023 waren unsere Kunden im großen Stil live mit generativer KI an der Kundenfront. Da haben die meisten Unternehmen gerade angefangen, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Heute planen und handeln unsere KI-Agenten autonom. Strukturierte Prozesse geben der KI dabei die Leitplanken und sorgen für 100 % Sicherheit, dass jede Interaktion korrekt durchgeführt wird. Das Ergebnis sind nicht nur beantwortete Fragen, sondern gelöste Anliegen der Kunden.
Viele Unternehmen kämpfen mit komplexen oder zeitaufwendigen Service-Prozessen. Wie unterstützt LoyJoy speziell in solchen Situationen?
Wir geben den Fachabteilungen das Werkzeug an die Hand, diese Prozesse selbst zu automatisieren. Mit LoyJoy bauen sie Agenten, die weit über einfache Chatbots hinausgehen. Sie fragen Daten ab, validieren sie und lösen den Fall im Backend. Das entlastet die Teams von Routineaufgaben und schafft Raum für echte Wertschöpfung. Wir verwandeln komplexe Prozesse in einfache Dialoge.
Was macht LoyJoy einzigartig im Vergleich zu anderen Chatbot- oder KI-Agenten-Plattformen?
Ganz klar unsere Unabhängigkeit und Kundennähe. Bei uns arbeiten Kunden nicht mit einem anonymen Ticketsystem, sondern mit einem Team, das ihre Ziele versteht. Ich sage oft: „Schreib mir gerne eine persönliche Nachricht.“ Wir hören zu und liefern. Zudem sind wir keine „Feature-Fabrik“ für Investoren, sondern bauen das, was unseren Kunden echten Mehrwert bringt. Technisch ist es die Kombination aus extrem einfacher Bedienbarkeit (No-Code) und der Intelligenz agentischer KI mit gleichzeitg tiefer Prozessintegration.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Lösung gleichzeitig leistungsfähig und datenschutzkonform bleibt?
Datenschutz ist für uns elementar und tief in der Plattform verwurzelt. Wir entwickeln ausschließlich in Deutschland und hosten verschlüsselt in der EU. Die Datensouveränität ist unser strategischer Anker und das zahlt sich gerade jetzt aus. Seit Ende 2025 verstärken wir auch den Fokus auf selbstgehostete KI-Modelle, um unabhängig von großen Plattformen zu sein. Unsere Kunden erhalten die Power der großen LLMs, aber in einem sicheren Rahmen, der auch in regulierten Branchen wie bei Versicherern und Healthcare funktioniert.
Welche Weiterentwicklungen oder neuen Funktionen stehen bei LoyJoy als Nächstes auf der Roadmap?
Noch im ersten Quartal 2026 wird unser Phonebot veröffentlicht. Dann bearbeiten unsere KI-Assistenten auch telefonische Anfragen möglichst fallabschließend. Die Ergebnisse unserer Beta-Phase sind sehr stark. Und wir sehen gerade eine strategische Lücke, in die wir vorstoßen: Parloa ist vielen Kunden zu teuer und fokussiert sich auf Wachstum außerhalb der EU. Cognigy wurde kürzlich an einen US-Konzern verkauft. Wir bieten KI auf Top-Niveau aus Deutschland, unabhängig von großen Plattformen. Da sehen wir gerade ein riesiges Potenzial.
Wie verändert sich der Markt für Conversational AI aus Ihrer Sicht und wie positioniert sich LoyJoy langfristig?
Der Markt konsolidiert sich, und viele reine „Wrapper“-Lösungen werden verschwinden. Übrig bleiben Plattformen, die tief in die Wertschöpfung integriert sind. LoyJoy positioniert sich hier als die stabile, unabhängige Alternative zu den US-Tech-Giganten und mit Venture Capital aufgeladenen Wettbewerbern. Wir sind der agile Partner, der Unternehmen hilft, ihre eigene KI-Souveränität zu behalten. Langfristige Kundenbeziehungen sind unser Ziel und unsere ersten Kunden aus 2018 sind bis heute enge Partner.
Welche Bedeutung hat es für euch, dass LoyJoy Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?
Wir sind Mitglied im Insurlab Germany und das ist für uns von entscheidender Bedeutung, dass wir in der Versicherungsbranche Fuß fassen konnten. Begonnen hat unser Engagement in der Branche 2023 beim InsurTech Hub Munich. Dort haben wir die ersten Versicherer als Kunden gewonnen. Ohne das starke Netzwerk und das Engagement der Menschen in den Hubs wären wir heute nicht da, wo wir sind. Versicherer sind die wachstumsstärkste Branche für uns. Wir konnten in Rekordzeit Branchen-Knowhow aufbauen, die Herausforderungen verstehen und so echte Mehrwerte schaffen. Wir sprechen heute die Sprache der Branche, das verdanken wir de:hub.
Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihre Startups ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen, und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Ja, denn es unterstreicht die Ernsthaftigkeit des Unterfangens und hilft dabei, Fehler zu vermeiden. Der Austausch mit Experten und der niedrigschwellige Zugang zu einem großen Netzwerk ist Gold wert. Man lernt nicht nur von den Erfolgen anderer, sondern auch, wie man Klippen umschifft.
Welche drei Ratschläge möchten Sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben, die im Bereich KI oder Customer Experience starten möchten?
Erstens: KI muss Kundennutzen bringen, sonst verliert es schnell den Reiz. Welche KPIs werden konkret verbessert und was ist das für die Kunden wert? Wer das nicht beantworten kann, wird aus der PoC-Phase nicht herauskommen. Zweitens: Bewahrt euch eure Unabhängigkeit, wenn möglich. Das erlaubt euch, langfristig und nachhaltig zu denken. Drittens: Sprecht mit eurer Zielgrupppe. Baut Produkte für echte Menschen und echte Probleme, nicht für Pitch-Decks.
Bildcredits: LoyJoy GmbH
Wir bedanken uns bei Ulf Lötschert für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
























