mentalis stärkt die Versorgung der psychischen Gesundheit mit hybriden Ansätzen
Wie würden Sie mentalis und das Team dahinter vorstellen?
mentalis ist ein Digital-Health-Unternehmen aus Nürnberg, das seit 2018 Soforthilfeprogramme für Menschen mit psychischen Erkrankungen entwickelt. Wir sind eine Ausgründung der FAU Erlangen-Nürnberg und kommen entsprechend stark aus der Wissenschaft. Unsere Programme verbinden psychologische Gespräche am Telefon mit störungsspezifischen Therapie-Apps. Gemeinsam legen wir viel Herzblut darin, psychische Versorgung niedrigschwellig und alltagsnah zu gestalten.
Welche Motivation stand am Anfang von mentalis und wie prägt sie Ihre heutige Ausrichtung im Bereich psychische Gesundheit?
Viele psychisch belastete Menschen fühlen sich nicht schnell genug oder nicht ausreichend unterstützt – besonders nach Klinikaufenthalten oder während langer Wartezeiten. Genau diese Versorgungslücke wollten wir schließen. In unserer Arbeit begleitet uns immer die Frage: Wie können wir Menschen mit psychischen Erkrankungen schnell und gleichzeitig sehr individuell helfen?
Welche Vision verfolgen Sie für eine moderne, digitale Versorgungslandschaft und welchen Beitrag möchte mentalis dazu leisten?
Wir glauben an eine hybride Versorgung, die digital unterstützt, aber menschlich bleibt. Digitale Angebote sollen persönliche Behandlungen sinnvoll ergänzen, nicht ersetzen. mentalis möchte genau diese Brücke schlagen.
Für welche Zielgruppen ist mentalis besonders relevant und wie unterstützen Ihre hybriden Programme Menschen mit psychischen Belastungen?
mentalis richtet sich an Menschen mit Depression, Alkoholproblemen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen – oft in Übergangsphasen wie nach einem Klinikaufenthalt. Zusätzlich bieten wir ein Soforthilfeprogramm für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene an. Durch die Kombination aus persönlicher Begleitung und App erhalten Betroffene Unterstützung, die sich gut in den Alltag integrieren lässt.
Ihr Modell kombiniert App-basierte Übungen mit persönlichem Tele-Coaching. Wo sehen Sie darin den größten Vorteil für die Nutzerinnen und Nutzer?
Der größte Vorteil liegt in der Verbindung aus persönlicher Beziehung und Flexibilität. Klient:innen werden individuell begleitet und können gleichzeitig selbstständig mit der App arbeiten. Diese Kombination hat sich sowohl in Studien als auch in unserer Praxis als sehr wirkungsvoll erwiesen.
Viele Betroffene erleben nach einem Klinikaufenthalt eine Versorgungslücke. Wie adressiert mentalis diese Herausforderung?
Unsere Nachsorgeprogramme setzen genau in dieser Übergangsphase an und bieten eine strukturierte Weiterbegleitung nach der Entlassung – nahtlos an die Klinik anschließend. Wir verstehen uns dabei ausdrücklich nicht als Ersatz für eine ambulante Therapie. Wenn jemand schnell einen Therapieplatz vor Ort bekommt, freuen wir uns – in der Zwischenzeit begleiten wir gern überbrückend.
Was macht mentalis einzigartig im Vergleich zu anderen digitalen Gesundheitsangeboten?
Viele digitale Angebote verzichten auf den persönlichen Kontakt – bei uns steht er im Mittelpunkt und wir kombinieren ihn mit unseren Apps, sodass wir das Beste aus zwei Welten kombinieren und miteinander integrieren.
Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Programme sowohl wissenschaftlich fundiert als auch alltagsnah und individuell einsetzbar sind?
Wir sind ein Uni-Spin-off, haben viele wissenschaftliche Studien durchgeführt und machen es auch weiterhin. Zudem basieren unsere Programme auf evidenzbasierten psychotherapeutischen Ansätzen und werden kontinuierlich überprüft. Gleichzeitig entwickeln wir sie eng an den Erfahrungen der Betroffenen weiter. So bleiben sie wissenschaftlich fundiert und im Alltag gut umsetzbar.

Welche Weiterentwicklungen oder neuen Programmbereiche planen Sie für die kommenden Monate?
Unser Fokus liegt vor allem auf der Weiterentwicklung bestehender Programme. Wir prüfen laufend, welche Themen Menschen mit psychischen Erkrankungen aktuell beschäftigen und ob wir diese schon ausreichend abdecken. Besonders wichtig ist uns dabei eine App, die intuitiv funktioniert – auch für Menschen, die wenig technikaffin sind.
Wie verändert sich die psychische Gesundheitsversorgung aus Ihrer Sicht durch digitale Angebote wie mentalis?
Digitale Angebote sorgen dafür, dass Menschen besser Unterstützung bekommen können und sich nicht allein gelassen fühlen. Gerade in Wartezeiten oder Übergangsphasen können sie Stabilität geben – und das verändert die Versorgung spürbar.
Welche Bedeutung hat es für euch, dass mentalis Teil des de:hub Netzwerks ist und welche Vorteile ergeben sich daraus?
Das de:hub Netzwerk bietet uns wertvolle Sichtbarkeit und einen intensiven Austausch mit relevanten Partnern. Besonders der interdisziplinäre Dialog zwischen Startups, Wissenschaft und Wirtschaft ist für uns sehr wertvoll.
Würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern empfehlen, ihre Startups ebenfalls im Umfeld des de:hub aufzubauen?
Ja, auf jeden Fall. Das Netzwerk erleichtert Kooperationen und beschleunigt Lernprozesse. Gerade im stark regulierten Digital-Health-Bereich ist dieser Austausch ein großer Vorteil.
Welche drei Ratschläge möchten Sie Gründerinnen und Gründern im Bereich Digital Health oder psychische Gesundheit mitgeben?
Erstens: Wissenschaftliche Evidenz von Anfang an ernst nehmen. Zweitens: Die Bedürfnisse der Nutzer:innen konsequent in den Mittelpunkt stellen. Drittens: Geduld mitbringen – nachhaltige Innovation im Gesundheitswesen braucht Zeit.
Bildcredits © mentalis
Wir bedanken uns bei Jürgen Stein für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.























