Montag, September 21, 2026
StartInterviewsGegen den Hype: Nidai baut maßgeschneiderte KI-Lösungen für den Mittelstand

Gegen den Hype: Nidai baut maßgeschneiderte KI-Lösungen für den Mittelstand

Nidai entwickelt in Berlin KI und Software für Unternehmen, die Prozesse automatisieren, eigene Anwendungen aufbauen und digitale Abläufe effizienter gestalten möchten.

Können Sie Nidai kurz vorstellen und erzählen, warum Sie sich entschieden haben, ein eigenes KI-Studio in Berlin zu gründen?

Nidai ist ein KI- und Software-Studio aus Berlin. Wir bauen nicht nur einzelne KI-Funktionen, sondern komplette Software: von der KI-Strategie über KI-Agenten, Automatisierung und Datenintelligenz bis hin zu ganzen Web- und Mobile-Apps, inklusive Design und UX, die wir vom Konzept bis zum Livegang entwickeln. Manche Kunden kommen mit einer Idee, andere mit einem angefangenen Produkt, das nicht rund läuft, und wir bringen es sauber zum Laufen. Angefangen haben wir, weil wir immer wieder gesehen haben, wie viele Unternehmen KI und moderne Software spannend finden, aber im Alltag nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Berlin war für uns naheliegend: viel Tech, viele offene Firmen und ein gutes Umfeld, um ein junges Team aufzubauen.

Wer steht hinter Nidai, und welche Erfahrungen bringen Sie persönlich in den Aufbau des Unternehmens ein?

Hinter Nidai steht ein kleines Gründerteam: Mohamed Shafey, Abdelrahman Abdelrahman, Ahmed Elmensheliny und Mohamed Mansuri. Wir kommen aus der Praxis, bauen Software und arbeiten eng mit KI. Uns verbindet der Wunsch, Technik zu bauen, die im Alltag einer Firma wirklich hilft, statt KI als Selbstzweck einzusetzen. Am Ende soll jemand konkret Zeit sparen.

Viele Unternehmen beschäftigen sich mit KI, wissen aber nicht, wo sie sinnvoll anfangen sollen. Bei welchen Problemen setzen Sie mit Nidai typischerweise an?

An ganz unterschiedlichen Stellen, je nachdem, wo es beim Kunden hakt. Oft geht es um viel wiederkehrende, manuelle Arbeit: Infos aus vielen Dokumenten zusammensuchen, Standardanfragen beantworten, Daten aus verschiedenen Systemen zusammenführen. Manchmal will eine Firma etwas Neues bauen, eine interne Plattform, ein Kundenportal oder ein ganzes SaaS-Produkt, weiß aber nicht, wo sie anfangen soll. Manchmal gibt es schon ein System, das aber nicht gut gebaut ist, und wir übernehmen, räumen auf und bauen es richtig fertig. Und manchmal geht es darum, online besser gefunden zu werden, von Google und von KI-Tools. Wir fangen bewusst mit dem konkreten Problem an, das den klarsten Nutzen bringt, statt mit einem riesigen Projekt, das keiner mehr überblickt.

Sie entwickeln unter anderem KI-Agenten und automatisieren bestehende Abläufe. Welche Prozesse eignen sich besonders gut für eine solche Automatisierung?

Gut geeignet sind Abläufe, die oft vorkommen, klaren Regeln folgen und viel Zeit fressen. Also Dinge wie Dokumente auslesen und sortieren, Standardanfragen beantworten, Daten übertragen und prüfen, oder Berichte zusammenstellen. Je klarer der Ablauf und je häufiger er passiert, desto mehr bringt die Automatisierung. Kreative oder seltene Einzelfälle lassen wir bewusst beim Menschen.

Nidai entwickelt auch Lösungen, die mit unternehmenseigenen Dokumenten und Daten arbeiten. Welchen Mehrwert bietet dieser Ansatz gegenüber allgemein verfügbaren KI-Tools?

Allgemeine KI-Tools kennen die eigene Firma nicht. Sie geben allgemeine Antworten, aber nicht die, die im konkreten Fall stimmen. Wenn ein System mit den eigenen Dokumenten und Daten arbeitet, kann es auf das antworten, was in der Firma wirklich gilt, zum Beispiel eigene Verträge, Handbücher, Preise oder Abläufe. Das macht die Antworten verlässlicher und im Alltag wirklich nutzbar, statt nur nett zu klingen.

Unternehmen müssen bei internen Daten besonders auf Sicherheit und Vertraulichkeit achten. Wie berücksichtigen Sie diese Anforderungen bei Ihren Lösungen?

Das nehmen wir ernst, weil interne Daten oft das Sensibelste sind, was eine Firma hat. Wie wir es lösen, hängt auch davon ab, was der Kunde will: Manche möchten lokale, im Haus laufende KI-Modelle, damit gar nichts nach außen geht, andere wollen die stärksten Modelle vom Markt nutzen. In beiden Fällen ist unser Anspruch derselbe: hohe Sicherheit, und die Firma behält die Kontrolle über ihre eigenen Daten. Wir achten auf Datenschutz nach deutschen und europäischen Regeln, geben nur Zugriff auf das, was wirklich nötig ist, und stimmen mit dem Kunden ab, wo und wie die Daten verarbeitet werden.

Der Markt für KI-Agenturen, Automatisierung und individuelle KI-Lösungen wächst schnell. Wodurch möchten Sie Nidai langfristig von anderen Anbietern unterscheiden?

Wir wollen nicht der Anbieter sein, der das größte Buzzword verkauft, sondern der, bei dem am Ende wirklich etwas funktioniert. Also weniger Folien, mehr Systeme, die im Alltag laufen. Wir bauen dabei die ganze Lösung, nicht nur ein Demo oder eine KI-Funktion obendrauf, und kommen auch dann, wenn ein Projekt schon feststeckt. Uns ist wichtig, ehrlich zu sagen, wo KI hilft und wo nicht, und lieber ein kleineres Projekt sauber zum Laufen zu bringen als ein großes zu versprechen, das nie ankommt.

KI entwickelt sich derzeit in sehr kurzen Innovationszyklen. Wie bauen Sie Lösungen, die nicht bereits nach wenigen Monaten technologisch überholt sind?

Indem wir die KI-Modelle austauschbar halten und nicht das ganze System um ein einzelnes Modell herum bauen. Die Technik dahinter ändert sich schnell, das Problem des Kunden meistens nicht. Wenn ein besseres Modell kommt, wollen wir es einsetzen können, ohne alles neu zu bauen. So bleibt der Nutzen stabil, auch wenn sich die Technik weiterdreht.

Als junges KI-Studio müssen Sie gleichzeitig Kunden gewinnen und Vertrauen in neue Technologien schaffen. Was ist dabei aktuell Ihre größte Herausforderung?

Ehrlich gesagt Vertrauen. KI ist neu, und viele haben gute Gründe, erst mal skeptisch zu sein. Als junges Team müssen wir gleichzeitig zeigen, dass wir es können, und realistisch bleiben, statt zu viel zu versprechen. Der beste Weg dahin sind für uns kleine, echte Ergebnisse, die man sehen kann, statt großer Ankündigungen.

Bei KI-Projekten ist die technische Machbarkeit nicht automatisch mit einem wirtschaftlichen Nutzen verbunden. Wie entscheiden Sie, ob sich ein Projekt für einen Kunden tatsächlich lohnt?

Wir schauen zuerst auf den Nutzen, nicht auf die Technik. Also: Wie viel Zeit oder Aufwand spart es wirklich, wie oft passiert der Fall, und steht der Aufwand für die Lösung im sinnvollen Verhältnis dazu? Wenn ein Projekt technisch möglich ist, am Ende aber kaum etwas bringt, sagen wir das auch offen. Lieber starten wir mit dem Teil, der sich klar lohnt, und bauen von dort aus weiter.

Welche Vision verfolgen Sie mit Nidai, und wie soll sich aus dem jungen Berliner KI-Studio langfristig ein Unternehmen entwickeln?

Wir wollen, dass KI und gute Software für normale Unternehmen selbstverständlich und nützlich werden, nicht nur für große Konzerne mit eigenem Tech-Team. Langfristig soll aus dem kleinen Studio ein Team werden, das Firmen über einzelne Projekte hinaus begleitet und mit ihnen wächst. Der Maßstab bleibt aber gleich: Es muss im Alltag wirklich helfen.

Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die derzeit ein Unternehmen im schnelllebigen KI-Markt aufbauen möchten?

Erstens: Fang bei einem echten Problem an, nicht bei der Technik. Zweitens: Versprich weniger, als du halten kannst, gerade bei KI ist Vertrauen alles. Und drittens: Bau so, dass du Modelle und Werkzeuge austauschen kannst, weil sich der Markt ständig ändert. Kurz gesagt: bleib nah am Nutzen und ehrlich zu dir und deinen Kunden.

Bildrechte: privat

Wir bedanken uns bei Mohamed Shafey für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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