Piece ermöglicht Immobilieninvestments für Anleger:innen durch digitale, zugängliche Investmentlösungen
Wie ist Piece entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Startup, die die Idee zu einer Plattform für Immobilieninvestments vorangetrieben haben?
Als ich nach Europa kam, fiel mir eine deutliche Marktlücke auf: Anders als in vielen entwickelten Märkten wie den USA, Kanada, Japan, Australien, Singapur, Großbritannien, Frankreich oder Spanien spielen börsennotierte REITs in Deutschland und Italien kaum eine Rolle.
In vielen Ländern ermöglichen börsennotierte REITs Privatanleger:innen einen einfachen Zugang zu Immobilieninvestments – mit vergleichsweise kleinen Beträgen und einer gewissen Liquidität über öffentliche Märkte. In Deutschland und Italien ist dieser Zugang jedoch stark eingeschränkt. Als wir den Markt als Gründerteam näher analysierten, wurde deutlich, dass sich deutsche G-REITs und italienische SIIQs aus historischen und strukturellen Gründen nicht als breite Lösung für Entwickler oder Privatanleger etabliert haben.
Genau aus dieser Lücke heraus entstand Piece: Die Plattform soll kleinere, handelbare und immobilienbesicherte Investmentmöglichkeiten für eine breitere Anlegerbasis schaffen.
Welche Vision verfolgt Piece mit der Idee, Immobilieninvestments digital und in kleineren Anteilen zugänglich zu machen?
Unsere Vision ist es, Immobilieninvestments für eine deutlich breitere Generation von Anleger:innen zugänglich zu machen, die bisher weitgehend vom Markt ausgeschlossen war.
In vielen Ländern können Privatanleger bereits über börsennotierte REITs in Immobilien investieren. In Deutschland und Italien ist diese Möglichkeit jedoch kaum entwickelt. Gerade Millennials und junge Berufstätige hatten bislang nur wenige praktikable Wege, ohne hohen Kapitaleinsatz in Immobilien zu investieren.
Piece wurde genau aus diesem Grund entwickelt: Wir wollen Immobilieninvestments einfacher zugänglich machen – über digitale Wertpapiere, die an einzelne Immobilien gekoppelt sind. So können Menschen bereits mit kleineren Beträgen investieren, ihr Kapital breiter streuen und Immobilien ähnlich flexibel in ihre Anlagestrategie einbinden, wie es moderne Anleger heute auch bei anderen Anlageklassen tun.
Wie funktioniert das Modell von Piece konkret für Menschen, die erstmals in Immobilien investieren möchten?
Wir haben Piece so entwickelt, dass der Einstieg möglichst einfach und intuitiv ist.
Nutzer:innen können auf der Plattform einzelne Immobilien ansehen, die wichtigsten Informationen prüfen und bereits mit kleineren Beträgen investieren. Statt eine ganze Wohnung zu kaufen, investieren sie in ein tokenisiertes Wertpapier, das an eine konkrete Immobilie gekoppelt ist.
Dadurch partizipieren sie an der wirtschaftlichen Entwicklung der Immobilie, ohne sich selbst um Verwaltung oder operative Themen kümmern zu müssen.
Die Immobilien werden vorab ausgewählt und strukturiert. Im Fokus stehen Objekte, die bereits laufende Erträge generieren. Anleger:innen können somit potenziell sowohl von Mieteinnahmen als auch von langfristiger Wertentwicklung profitieren.
Welche Zielgruppe möchte Piece besonders erreichen und welche Bedürfnisse dieser neuen Generation von Investorinnen und Investoren stehen im Mittelpunkt?
Eine zentrale Zielgruppe sind Anleger:innen, die Immobilien in ihr Portfolio aufnehmen möchten, aber keinen Zugang zu klassischen Wegen haben.
Dazu gehören insbesondere Millennials und junge Berufstätige, die diversifizieren möchten, jedoch häufig weder direkte Immobilienkäufe finanzieren können noch passende lokale Investmentangebote finden.
Das zentrale Bedürfnis ist Zugang: kleinere Tickets, mehr Flexibilität, klare Transparenz und eine moderne Form des Investierens.
Immobilien gelten oft als komplexe Anlageform. Wie schafft Piece es, diesen Zugang einfacher und verständlicher zu gestalten?
Immobilien sind komplex, weil Investor:innen sich normalerweise gleichzeitig mit Ankauf, Recht, Verwaltung, Steuern und Finanzierung beschäftigen müssen.
Piece reduziert diese Komplexität auf einen strukturierten digitalen Prozess. Jede Investmentmöglichkeit wird standardisiert dargestellt – mit klaren Informationen zur Immobilie, zur wirtschaftlichen Struktur, zur rechtlichen Ausgestaltung und zu den Risiken.
Mit Piece investieren Anleger:innen nicht in eine Black Box, sondern sehen genau, welches Asset hinter dem Investment steht.
Welche Herausforderungen begegnen euch beim Aufbau einer Plattform für Immobilieninvestments und wie geht ihr damit um?
Die größte Herausforderung liegt an der Schnittstelle von Immobilien, Finanzmarkt und Regulierung.
Wir begegnen dem mit einer klar strukturierten rechtlichen und operativen Architektur: regulierte Partner, robuste Due-Diligence-Prozesse und eine Produktarchitektur, die auf Transparenz und Anlegerschutz ausgelegt ist.
Was unterscheidet Piece aus eurer Sicht von klassischen Immobilieninvestments oder anderen digitalen Investmentplattformen?
Piece verbindet direkten Objektbezug, digitale Zugänglichkeit und regulierte Finanzinfrastruktur.
Im Unterschied zu klassischen Immobilieninvestments ist der Kapitaleinsatz deutlich geringer, der gesamte Prozess digital und es entfällt die operative Verwaltung.
Im Unterschied zu vielen Crowdfunding-Modellen liegt der Fokus auf bestehenden, ertragsgenerierenden Immobilien – nicht auf Entwicklungsrisiken.
Welche Rolle spielen Vertrauen, Transparenz und Regulierung in eurem Geschäftsmodell?
Sie sind sehr zentral.
Piece Germany GmbH ist bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht registriert. Das Modell basiert auf einem MiFID-II-konformen Finanzinstrument innerhalb eines europäischen Regulierungsrahmens.
Transparenz bedeutet für uns: Anleger:innen müssen verstehen, was sie kaufen, wie Erträge entstehen, welche Risiken bestehen und wie die Struktur funktioniert.
Wie möchtet ihr Piece in den kommenden Jahren weiterentwickeln und welche nächsten Schritte stehen aktuell im Fokus?
Kurzfristig konzentrieren wir uns darauf, das Angebot kontinuierlich auszubauen, die Nutzererfahrung weiter zu optimieren und eine stabile operative Basis in den Zielmärkten sicherzustellen.
Aktuell liegt unser Fokus auf Wohnimmobilien in ausgewählten europäischen Städten.
Welche Entwicklungen im Bereich FinTech und PropTech könnten eurer Meinung nach die Zukunft von Immobilieninvestments besonders prägen?
Tokenisierte Wertpapiere entwickeln sich international zu einem wichtigen Trend.
In Japan etwa erreichte die Emission tokenisierter Immobilien-Wertpapiere zuletzt rund ein Drittel des Volumens neu emittierter REIT-Produkte.
Wir glauben, dass diese Entwicklung nun auch Europa erreicht.
Welche Erfahrungen aus der Gründungsphase von Piece waren für euch besonders prägend?
Ein Unternehmen in Europa aufzubauen war trotz früherer Gründungserfahrung in Tokio eine große Herausforderung.
Seit der ersten Idee im Jahr 2022 war unser Weg geprägt von intensiven Investorengesprächen, dem Lernen regulatorischer Rahmenbedingungen, dem Aufbau eines starken Teams und der Schaffung der rechtlichen Struktur.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die eine Plattform im Finanz oder Investmentbereich aufbauen möchten?
Für mich lassen sich drei zentrale Punkte hervorheben: sich nicht zu sehr von bestehendem Denken oder lokalen Marktgewohnheiten einschränken zu lassen; bei regulierten Geschäftsmodellen offen zu bleiben und aktiv von Branchenexpert:innen sowie qualifizierten Berater:innen zu lernen; und die Bedürfnisse der Nutzer:innen konsequent ernst zu nehmen.
Bild Piece Kentaro Sohara Bildrechte Piece
Wir bedanken uns bei Kentaro Sohara für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder


























