Studio 10119 entwickelt mit Eden Hall eine eigene Fantasy-Welt, in der Bücher den Ausgangspunkt für ein langfristig angelegtes Universum bilden
Können Sie Studio 10119 kurz vorstellen und erzählen, warum Sie sich für die Gründung eines unabhängigen Literaturstudios entschieden haben?
Studio 10119 ist ein junges Literaturstudio, das entstanden ist, um im Team eigene literarische Stoffe zu entwickeln und umzusetzen, ganz ohne klassischen Verlag. Das bringt uns die Freiheit, schnell, flexibel und abhängig agieren zu können und unsere Bücher von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung selbst zu gestalten. Für mich war es als Autorin an der Zeit, einen ganz eigenen Weg zu gehen und Veröffentlichung neu zu denken.
Wie entstand die Idee für die Steampunk Fantasy Saga Eden Hall, und was wollten Sie von Beginn an anders machen?
Das Studio ist gemeinsam mit Freunden entstanden. Wir wollten eine Welt erschaffen, in der sich Menschen verlieren können. Klar, diesen Ansatz haben viele. Also haben wir uns gefragt: Welche Ästhetik, welches Setting finden wir spannend und was fühlt sich noch nicht komplett abgedroschen, klischeehaft und tausendfach erzählt an? So ging es los mit unserem großen Abenteuerspielplatz für Wellvern.
Welche Vision verfolgen Sie mit Studio 10119, und welche Rolle spielt die Welt von Wellvern dabei?
Wir möchten Kinder und Erwachsene wieder mehr für Bücher begeistern. Dafür wollen wir Geschichten und Welten schaffen, die Menschen erreichen und langfristig begleiten. Wellvern ist unsere erste eigene Welt und hoffentlich der Auftakt zu vielen weiteren spannenden Stoffen und Universen. Wir denken da groß.
An welche Leserinnen und Leser richtet sich Eden Hall, und wie schaffen Sie Geschichten, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreichen?
Unsere Buchreihe richtet sich an Leserinnen und Leser ab etwa zehn Jahren. Für jüngere Kinder eignet sie sich aber auch sehr gut zum Vorlesen. Dabei helfen die zahlreichen Illustrationen. Und nach oben sind keine Grenzen gesetzt.
Die Sprache ist bewusst zugänglich gehalten, sodass Kinder und Jugendliche die Geschichte rund um Peter als spannende Abenteuergeschichte einfach „weglesen“ können. Gleichzeitig haben wir Themen eingebaut, die auch Erwachsene ansprechen und zum Weiterdenken einladen – etwa die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, soziale Unterschiede oder die Frage, was technischen Fortschritt eigentlich ausmacht.
Und natürlich war uns wichtig, das Buch auch als echtes Liebhaberstück zu gestalten: etwas, das man nicht nur liest, sondern gern auch als Coffee Table Book nutzt und immer wieder zur Hand nimmt.
Eden Hall erscheint als Buch, Hörbuch und Galakto Token. Warum ist es Ihnen wichtig, Geschichten über unterschiedliche Formate zugänglich zu machen?
Wir möchten unsere Welt möglichst vielen zugänglich machen. Nicht jeder liest gern oder hat im Alltag die Zeit, ein Buch in die Hand zu nehmen. Manche hören lieber Geschichten, andere entdecken eine Welt über visuelle oder digitale Formate. Für uns gehören all diese Zugänge zum Wellvern-Universum – die Geschichte bleibt dabei ja dieselbe.
Für das Hörbuch konnten Sie Schauspieler Andreas Pietschmann gewinnen. Welche Bedeutung hat eine hochwertige Inszenierung für den Aufbau Ihrer Literaturmarke?
Es gibt so viele Bücher und Geschichten. Auch sehr viele sehr gute Bücher und Geschichten. Und dann gibt es diesen Moment, in dem man sich von anderen unterscheiden muss. Eine hochwertige Inszenierung ist für uns deshalb ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Wenn wir eine Marke aufbauen wollen, die langfristig Bestand hat, darf das Produkt an keiner Stelle beliebig wirken. Andreas Pietschmann verleiht der Welt von Eden Hall eine ganz eigene Stimme und genau diese Liebe zum Detail ist uns wichtig.
Was unterscheidet Studio 10119 aus Ihrer Sicht von klassischen Verlagen und anderen unabhängigen Publishing Projekten?
Ich gehe eigentlich ungern in den Vergleich mit anderen. Wir wollen uns nicht darüber definieren, was andere anders machen, sonder darüber, was wir selbst machen möchten. Studio 10119 ist unser eigenes Ding: Wir entwickeln Geschichten im Team und entscheiden selbst über ihre Umsetzung.
Als unabhängige Gründerin konkurrieren Sie mit großen Verlagen und bekannten Fantasy Marken. Wo liegen dabei die größten Herausforderungen?
Sicherlich darin, dass man als noch unbekannter Verlag zunächst seine Qualität unter Beweis stellen muss. Die großen Namen haben einen Vertrauensvorschuss und eine enorme Sichtbarkeit. Wir müssen uns diese Aufmerksamkeit erst erarbeiten. Das motiviert uns aber auch!
Mitte September ist der zweite Band von Eden Hall erschienen. Was bedeutet dieser Schritt für die weitere Entwicklung der Saga?
Eden Hall ist auf sechs Bände angelegt. Jeder weitere Band ist für uns ein Meilenstein auf dem Weg, diese Geschichte und ihre Welt weiterzuentwickeln und natürlich auch ein besonderer Moment für unsere Leserinnen und Leser. Mit Band 2 wird aus dem Auftakt wirklich der Beginn einer Saga. Wir können Figuren, ihre Charaktere so sukzessive weiterentwickeln und Wellvern Stück für Stück immer größer machen.
Mit dem Mono-Bookstore am Hackeschen Markt gehen Sie auch in den stationären Handel. Was möchten Sie dort über den klassischen Buchverkauf hinaus schaffen?
Unser Mono-Bookstore soll vor allem ein Ort der Begegnung sein. Ein Ort, an dem Interessierte nicht nur unsere Bücher kaufen, sondern unsere Arbeit unmittelbar kennenlernen können. Wir möchten zeigen, dass hinter einem Buch viel mehr steckt als das fertige Produkt.
Welche langfristigen Pläne haben Sie für Studio 10119 und die Welt von Wellvern?
Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Wir wollen Wellvern langfristig zu einem echten Universum entwickeln, mit Büchern, Hörbüchern, vielleicht auch irgendwann einem Film oder einer Serie.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen geben, die mit einer kreativen Idee ein eigenes Unternehmen aufbauen möchten?
Einfach machen! Nicht zu viel nachdenken. Gerade bei kreativen Projekten entsteht vieles erst im Prozess.
Unbedingt hartnäckig bleiben und sich nicht von kleinen Rückschlägen entmutigen lassen.
Und vor allem: nicht an sich und seiner Arbeit zweifeln. Das ist gerade im kreativen Prozess ein sehr sensibles Thema, weil unsere Arbeit so eng mit uns selbst verbunden ist. Man macht sich mit seiner kreativen Idee immer auch ein Stück weit persönlich angreifbar. Umso wichtiger ist es, an die eigene Arbeit zu glauben.
Bild Tina Gerstung und Sebastián García Muñoz Credit: (c) Studio 10119
Wir bedanken uns bei Tina Gerstung für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
















