Tarifgut verbindet Mobilfunk mit einem persönlichen Community-Ansatz und will insbesondere mehrsprachigen Nutzern die Suche nach passenden Tarifen erleichtern.
Können Sie Tarifgut kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine eigene Vergleichsplattform für Mobilfunktarife entstanden ist?
tarifgut.de ist eine Vergleichsplattform für Mobilfunktarife. Wir erklären Mobilfunk verständlich und zeigen die günstigsten Verträge in Deutschland. Vorher sollte das eigentlich ein Blog für Finanzen sein und seperat ein TikTok Kanal für Schnäppchen. Was dann kam, hatten wir nicht geplant: Von allen Deals kamen die Tarife am besten an — und damit kannten wir uns ohnehin am besten aus. Im Freundes- und Familienkreis waren wir schon immer die, bei denen man nachfragt, ob ein Handyvertrag was taugt.
Also haben wir nachgeschärft: erst mehr Tarif-Deals, dann nur noch Tarife. Irgendwann war klar, dass wir das halbherzig machen oder richtig — und wir haben ein komplettes Rebranding gemacht.
Wer steht hinter Tarifgut, und wie teilen Sie als Zwei Personen Team die unterschiedlichen Aufgaben untereinander auf?
Auch wenn man es kaum glaubt: Wir sind zu zweit. Keine Investoren, keine Angestellten.
Die Aufgabenteilung ist simpel — jeder macht das, was er kann, wenn er kann. Was dem einen unangenehm ist, ist manchmal dem anderen angenehm. Das klingt unstrukturiert, funktioniert bei zwei Leuten aber ausgezeichnet.
Welche Vision verfolgen Sie mit Tarifgut, und wo möchten Sie sich langfristig im Vergleichsmarkt positionieren?
Unser Ziel ist, die Anlaufstelle für Menschen zu sein, die von den großen Portalen gar nicht erreicht werden. Russisch-, ukrainisch und persisch sprechende Menschen, die hier leben. Das sind Millionen — und sie werden schlicht nicht abgeholt. Und wer weis, ob in Zukunft nicht andere Sprachen folgen.
In den sprachlichen Feldern sind wir schon jetzt die Nummer eins. Da wollen wir es auch bleiben. Und in den nächsten zwei Jahren eines der größten Tarifportale werden.
Mit Check24 und Verivox treten Sie gegen Unternehmen mit erheblich größeren Ressourcen an. Wie können Sie sich in diesem Umfeld behaupten?
Eigentlich behaupten wir uns gar nicht — es gibt keinen Grund dazu. Wir spielen ein ganz anderes Spiel.
Wo wir spielen können sie gar nicht mitmachen. Wenn große Portale Videos drehen, sind das Werbevideos. Wir machen Inhalte für „Freunde“. Das ist ein anderes Publikum und eine andere Nähe.
Sie sind vor allem über TikTok statt über Google gewachsen. Warum hat dieser Weg für Tarifgut so gut funktioniert?
Weil ein Handyvertrag eine Vertrauensfrage ist. Nicht umsonst gehen Leute immer noch gern in den Laden und lassen sich beraten.
Nur ist dort das Problem: Ein Shop gehört zu einer Marke. Man muss dem Verkäufer gar nichts unterstellen — er will verkaufen, was er hat, egal ob es gerade das günstigste oder passendste ist. Wir haben Zugang zu allen Anbietern und können wirklich auswählen.
Und man sollte TikTok als Suchmaschine nicht unterschätzen. Das sind nicht nur Videos, die heute laufen und morgen weg sind. Vieles wird noch Monate später gefunden — und wir verwerten es auf den anderen Plattformen weiter.
Welche Rolle spielt Social Media für Ihr Geschäftsmodell, und was haben Sie über die Verbindung von Reichweite und Umsatz gelernt?
Wir haben drei Kanäle in drei Sprachen, und von dort kommt der größte Teil unserer Reichweite und unseres Umsatzes.
Was wir dabei gelernt haben: Reichweite und Umsatz haben weniger miteinander zu tun, als die meisten denken. Wenn man beim Publikum angekommen ist, reicht ein Video mit drei- bis fünfhundert Aufrufen für Verkäufe — weil TikTok es genau denen zeigt, die es interessiert.
Man kann natürlich auch viral gehen, und viele kennen inzwischen die Formel dafür. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, die Leute zu erreichen, die es wirklich brauchen, und ihnen den Weg zum Abschluss so leicht wie möglich zu machen.
Sie richten sich auch an Menschen, die Dari, Farsi, Russisch oder Ukrainisch sprechen. Wie sind Sie auf diese bislang wenig adressierte Zielgruppe aufmerksam geworden?
Ganz simpel – weil wir die Sprachen sprechen.
Erstaunlicherweise war es gar nicht so leicht, darauf zu kommen. Irgendwann haben wir uns gefragt, warum wir unsere Sprachkenntnisse eigentlich nie genutzt haben. Ahmad hat ein Video auf Farsi gemacht und es kam hervorragend an. Also haben wir es auch direkt in meiner Muttersprache versucht, und auch das hat funktioniert.
Der Bedarf war sofort da — was im Rückblick logisch ist, denn in der Familie gab es diesen Bedarf schon immer.
Welche besonderen Bedürfnisse haben mehrsprachige Nutzer bei der Suche nach Mobilfunktarifen in Deutschland?
Teilweise dieselben wie bei allen anderen, nur muss man sie ausführlicher erklären. Und teilweise ganz andere.
Ein Beispiel: SIM-Karten als Router-Ersatz. Wer gerade erst hier ist, wohnt manchmal in einer Gemeinschaftsunterkunft, zieht häufig um oder hat schlicht nicht das Geld für einen festen Internetanschluss. Dann ist eine SIM-Karte mit viel Datenvolumen die praktische Lösung. Entsprechend wichtig sind hohes Volumen und schnelles Internet.
Dazu kommen Hürden beim Zugang: schlechte Bonität, kein Schufa-Score, Fragen rund um den Aufenthaltstitel. Was macht man, wenn man keinen Handyvertrag bekommt? Wie lädt man eine Prepaid-Karte auf? Mit welchen Tarifen telefoniert man günstig ins Ausland oder hat dort Internet, wenn man die Familie besucht?
Und ein Punkt, den man leicht unterschätzt: Viele Begriffe lassen sich kaum übersetzen. „Anschlusspreis“ klingt in anderen Sprachen nach etwas, das man am Ende zahlt. Dabei fällt er ganz am Anfang an.
Was unterscheidet Tarifgut aus Ihrer Sicht von den großen etablierten Vergleichsportalen?
Drei Sachen.
Die Rechnung. Wir rechnen aus, was ein Vertrag tatsächlich kostet — Im Vergleich dazu, das Gerät einzeln zu kaufen.
Die Auswahl. Wir haben nicht tausend Deals, sondern wenige ausgesuchte. Die schauen wir uns selbst an, vergleichen sie und suchen nach Wegen, noch mehr herauszuholen. Wenn ein Angebot mit Trade-in kommt, sagen wir auch mal: Verkauf dein altes Handy lieber woanders, das bringt dir mehr. Wir gehen deutlich tiefer in die Materie.
Wir sagen auch ab. Bei uns landet nicht alles als Banner auf der Seite, nur weil dafür Geld kommt. Wir schauen, ob es für unsere Community wirklich günstig ist — oder ob jemand etwas abschließt, das ihm wehtut. Wir fühlen da eine Verantwortung.
Und wir sind erreichbar. Wir sind nur zu zweit, aber wenn uns jemand auf TikTok eine Sprachnachricht schickt, kommt eine Sprachnachricht zurück. Wir schauen uns an, was schiefgelaufen ist. Bei großen Portalen sitzen da Systeme, die mit dem Menschen nichts zu tun haben — bei der Größe ist das natürlich aber auch nachvollziehbar.
Sie erzielen inzwischen einen fünfstelligen Monatsumsatz mit einem sehr kleinen Team. Welche Entscheidungen waren für dieses Wachstum besonders wichtig?
Enger werden statt breiter. Erst nur Deals, dann nur Sparen, dann nur Mobilfunk. Jede Verengung hat uns weitergebracht. Dann die Sprache.
Täglich Videos. Seit 2025 mindestens zwei pro Tag — weit über tausend im Jahr.
Dranbleiben an der Community und nur gute Angebote zeigen. Das hat sich ausgezahlt, auch bei den Partnern.
Das gemeinsame Büro. Mehr Nähe zu einander führte zu mehr Austausch. Der Wechsel vom Homeoffice in ein Büro war ein stärkerer Hebel, als wir dachten.
Und Systeme. Wir haben unsere Arbeitsprozesse so schlank wie möglich gebaut, mit Vorlagen und Automatismen. Das hat uns Zeit zurückgegeben — und ist der Grund, warum wir keine dreißig Mitarbeiter brauchen.
Was ist beim Aufbau von Tarifgut bisher nicht wie geplant gelaufen, und welche nächsten Entwicklungsschritte stehen für Sie an?
Einige Nebenprojekte sind nicht so gelaufen wie geplant. Unser Prämiensystem zum Beispiel, bei dem wir unsere Provision mit der Community teilen wollten — da haben nicht alle Partner mitgezogen.
Und man kann es als Umweg sehen, dass wir zuerst eine Finanzseite aufbauen wollten und heute eine Tarifseite sind. Wir sehen es eher als den Weg, auf dem wir gefunden haben, was wir wirklich können.
Als Nächstes steht an: eine bessere Nutzererfahrung, unsere Community noch besser durch den deutschen Markt zu führen, und die organische Suche zu erschließen — für deutschsprachige Nutzer genauso wie für unsere anderssprachige Community.
Und das größere Ziel: so groß und einflussreich zu werden, dass sich in der Mobilfunkwelt etwas verändert und die Anbieter anfangen, sich unserer Community anzupassen. Das passiert seit diesem Jahr langsam schon — unser Input wird gehört.
Welche drei Ratschläge würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit begrenzten Ressourcen gegen deutlich größere Wettbewerber antreten?
Erstens: Beschäftigt euch mit KI. Richtig eingesetzt ersetzt sie komplette Teams. Ich meine damit nicht, eine E-Mail zu diktieren oder ein Bild zu generieren. Fast alles, was ein „nomaler“ Mitarbeiter kann, lässt sich abbilden, wenn man kreativ ist und sich reinnerdet.
Zweitens: Spielt nicht auf demselben Feld wie die Konkurrenz. Und wenn ihr eine Nische habt — geht es noch spitzer? Sucht das Kleinste vom Kleinsten und arbeitet euch von dort aus vor. Fangt an der Spitze der Pyramide an, nicht an der Basis.
Drittens: Macht nicht auf große Marke, wenn ihr klein seid. Klein sein ist euer Vorteil. Ihr seid persönlich, ihr seid echte Menschen, ihr dürft Fehler machen. Manchen seid ihr sympathisch, anderen nicht — und genau das kommt besser an als eine gesichtslose Riesenmarke.
Bildcredits Privat
Wir bedanken uns bei Eduard Sanne & Farhad Ahmad Zahir für das Interview
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