Dienstag, Oktober 20, 2026
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Gastro-Marketing neu gedacht: Honoré Audibert über Gastronomie123

Ultimate Lion unterstützt Unternehmen und Persönlichkeiten beim Aufbau ihrer Marken, während Gründer Honoré Audibert mit Gastronomie123 die Gastronomie durch Social Media, Marketing und digitale Lösungen sichtbarer machen möchte.

Honoré, stell dich und Ultimate Lion bitte kurz vor. Wie hat dein Weg ins Unternehmertum begonnen?

Ich bin Honoré Audibert, 23 Jahre alt und Geschäftsführer der Ultimate Lion GmbH. Gemeinsam mit meinem Bruder Anthony unterstütze ich Unternehmen und Persönlichkeiten dabei, sichtbar zu werden. Wir entwickeln Formate, produzieren Inhalte und begleiten den Aufbau von Marken und Social-Media-Auftritten.

Meine ersten Berührungspunkte mit der Gastronomie hatte ich schon mit sechs Jahren: Damals habe ich mir beim Tellerwaschen mein Taschengeld verdient. Mit 14 habe ich dann einen Schulkiosk betrieben und selbstgemachte Sandwiches und Backwaren verkauft. Das war eine meiner ersten eigenen unternehmerischen Erfahrungen – und die Gastronomie war schon mittendrin.

Danach kamen E-Commerce, Marketing, Testzentren und später ein eigenes Restaurant dazu. Ich habe früh angefangen, Ideen praktisch umzusetzen und dabei unterschiedliche Geschäftsmodelle kennengelernt. Heute verbinde ich diese Erfahrungen mit meiner Arbeit bei Ultimate Lion und Gastronomie123.

Du hast in einer früheren Phase mit Redo zusammengearbeitet. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande und welche Aufgaben hast du damals übernommen?

Ich habe René damals in seinem Hotel kennengelernt und sofort gedacht: Was für eine Persönlichkeit! Ich habe mich gefragt, warum davon auf Social Media noch so wenig zu sehen war. Nach seinen Schilderungen hatten frühere Investitionen in Social-Media-Agenturen nicht den erhofften Mehrwert gebracht. Gleichzeitig habe ich die damalige Situation für ihn und die Gastronomie als schwierig wahrgenommen.

Ich war von seinem Potenzial überzeugt und habe ihm einen ungewöhnlichen Deal vorgeschlagen: Ich gehe mit meiner Arbeit komplett in Vorleistung. Wenn ich ihn auf eine Million Follower auf Social Media bringe, bekomme ich dafür einen Porsche. Er hat eingeschlagen.

Daraufhin habe ich seinen Social-Media-Auftritt aufgebaut. Ich habe die Strategie entwickelt und ihm vorgestellt, wie wir seine Personenmarke Schritt für Schritt entwickeln könnten: von Videos über Kooperationen und Podcasts bis zu Presse, Fernsehen und perspektivisch einer eigenen Sendung. Das war der Plan, mit dem wir gestartet sind.

Meine Arbeit reichte von der Ideenfindung über die Videoproduktion und den Schnitt bis zu Partnerschaften und gemeinsamen Inhalten mit anderen Influencern. Ich habe ohne laufende Bezahlung konstant daran gearbeitet, weil ich sein Potenzial erkannt hatte und überzeugt war, dass wir zusammen etwas Großes aufbauen können.

Was hast du während dieser Aufbauphase über Unternehmertum, Verantwortung und den Umgang mit öffentlichen Erwartungen gelernt?

Vor allem habe ich gelernt, wie viel Leidenschaft ausmacht. Das habe ich auch bei René gesehen: Wenn jemand für seine Sache brennt und Freude daran hat, spürt man das. Mich selbst hat die Verbindung aus Social Media, Personenmarken und Gastronomie von Anfang an begeistert. Dadurch hatte ich die Motivation, ständig neue Ideen zu entwickeln und dranzubleiben.

Gleichzeitig reicht Begeisterung allein nicht aus. Es braucht Konstanz, eine Strategie und die Bereitschaft, weiterzuarbeiten, wenn etwas nicht sofort funktioniert. Man muss beobachten, wie Menschen reagieren, und daraus lernen.

Mit wachsender Sichtbarkeit wächst auch die Verantwortung. Inhalte lösen Erwartungen und Reaktionen aus, positive wie negative. Für mich gehört dazu, hinter der eigenen Arbeit zu stehen, Kritik ernst zu nehmen und Fehler eingestehen zu können.

Heute bist du mit deiner Marke Gastronomie123 im Bereich Gastronomie und Social Media aktiv. Wie ist die Idee entstanden und welches Konzept steckt dahinter?

Ich hatte selbst ein Restaurant, ein American Diner am Berliner Ostbahnhof. Dort habe ich erlebt, wie viel Herzblut in der Gastronomie steckt und wie anspruchsvoll der Alltag ist: Personal finden, den Service organisieren, Qualität halten und gleichzeitig wirtschaftlich arbeiten. Für Marketing bleibt zwischen all diesen Aufgaben oft wenig Zeit.

Gastronomie ist für mich etwas sehr Persönliches. Man steckt sein Herz hinein, arbeitet eng zusammen und entwickelt eine starke Verbindung zu den Menschen und dem Betrieb. Ich sage deshalb gerne: Einmal Gastronomie, immer Gastronomie.

Gastronomie123 habe ich bereits während meiner Zeit mit dem eigenen Restaurant gegründet. Andere Gastronomen haben gefragt, wer unsere Social-Media-Arbeit macht. Daraus entstanden die ersten Aufträge.

Unser Gedanke ist bis heute: von Gastronomen für Gastronomen. Wir wollen eine zentrale Anlaufstelle bieten, die Marketing, Videos, Websites und digitale Lösungen wie Apps zusammenbringt. Der Gastronom soll sich auf seinen Betrieb und seine Gäste konzentrieren können und für diese Themen einen Partner an seiner Seite haben.

Welche Zielgruppe möchtest du mit Gastronomie123 erreichen und welchen konkreten Mehrwert bietet deine Marke?

Wir richten uns an Gastronomen von klein bis groß, vom einzelnen Standort bis zur Restaurantkette. Wir haben beispielsweise mit einem Eisladen mit nur einem Standort gearbeitet, aber auch mit L’Osteria. Die Voraussetzungen unterscheiden sich natürlich stark. Deshalb braucht jeder Betrieb eine Lösung, die zu seinem Konzept, seinen Zielen und seinen Möglichkeiten passt.

Unser Mehrwert ist, gastronomisches Verständnis mit der praktischen Umsetzung von Marketing zu verbinden. Wir entwickeln Ideen, produzieren Inhalte und kümmern uns um den digitalen Auftritt. Dabei wollen wir den Gastronomen entlasten und dafür sorgen, dass die Maßnahmen zusammenpassen.

Am Ende soll die Arbeit dem Betrieb etwas bringen: passende Aufmerksamkeit, mehr Interesse, Reservierungen oder Bewerbungen. Welche Ziele im Mittelpunkt stehen, klären wir mit dem jeweiligen Gastronomen.

Social Media spielt in der Gastronomie eine immer größere Rolle. Welche Chancen siehst du für Unternehmen und wo werden die Möglichkeiten häufig überschätzt?

Ich sehe eine große Chance darin, Menschen schon vor ihrem ersten Besuch für ein Restaurant zu begeistern. Sie wollen sehen, wie das Essen aussieht, welche Atmosphäre sie erwartet und wer hinter dem Konzept steht. Ein Gericht, eine persönliche Geschichte oder ein besonderer Moment aus dem Betrieb kann der Anlass sein, ein Restaurant auszuprobieren.

Aus meiner Sicht müssen Gastronomen dabei ihren gesamten digitalen Auftritt betrachten. Wie werde ich gefunden, wenn jemand nach Foodspots in Berlin sucht? Welche Bilder sieht man bei Google? Wie gehe ich mit Bewertungen um? Auch die Frage, wie Menschen Restaurants über KI-Anwendungen entdecken, beschäftigt uns.

Überschätzt wird häufig die Aufrufzahl eines einzelnen Videos. Viele Views bedeuten nicht automatisch viele Gäste. Die Aufmerksamkeit muss zum Standort und zur Zielgruppe passen. Und das Erlebnis vor Ort muss halten, was die Inhalte versprechen. Deshalb gehören für mich Sichtbarkeit, Auffindbarkeit und ein glaubwürdiger Auftritt zusammen.

Du hast früh erlebt, wie Menschen auf Inhalte und unternehmerische Ideen reagieren. Welche Erfahrungen haben deine heutige Strategie besonders geprägt?

Ich habe gemerkt, wie aufmerksam Menschen auf Kleinigkeiten reagieren. Eine Formulierung, eine Haltung oder eine unerwartete Situation kann darüber entscheiden, ob jemand weiterschaut oder sich mit einem Inhalt beschäftigt.

Daraus habe ich mitgenommen, dass man eigene Ideen ausprobieren und auch mal Kante zeigen muss. Wenn man sich immer daran orientiert, was alle anderen machen, wird es schwer, im Gedächtnis zu bleiben. Ein Inhalt darf überraschen, zum Lachen bringen oder eine Diskussion auslösen. Er muss aber zur Person passen.

Authentizität heißt für mich auch, nicht alles glattzubügeln und Fehler eingestehen zu können. Ich möchte Menschen und Betriebe ermutigen, ihre eigene Art zu zeigen und für neue Möglichkeiten offen zu bleiben. Eine Strategie gibt dabei die Richtung vor. Innerhalb dieser Richtung braucht es den Mut, kreativ zu werden.

Was unterscheidet Gastronomie123 von anderen Angeboten im Bereich Gastronomie und Social Media?

Unser gastronomischer Hintergrund prägt die Art, wie wir arbeiten. Ich kenne die Branche auch aus der Perspektive eines Restaurantbetreibers. Deshalb denke ich bei einer Idee direkt mit: Passt das zum Konzept? Lässt sich das im Alltag umsetzen? Und welchen Nutzen hat der Betrieb davon?

Dazu kommen unsere Erfahrungen mit unterschiedlichen gastronomischen Konzepten und dem Aufbau von Personenmarken wie Redo. Durch unsere Verbindung zum Leaders Club Germany stehen wir außerdem im Austausch mit Menschen aus der Branche. Dieses Netzwerk ist wertvoll, weil man andere Perspektiven kennenlernt und voneinander lernen kann.

Wir denken kreativ, aber ebenso wirtschaftlich. Ein Video soll Aufmerksamkeit erzeugen und zum Betrieb passen. Gleichzeitig wollen wir wissen, ob daraus Interesse, Reservierungen oder neue Gäste entstehen. Diesen Zusammenhang behalten wir bei unserer Arbeit im Blick.

Der Aufbau einer eigenen Marke erfordert Sichtbarkeit und Vertrauen. Wie gehst du dabei vor und welche Herausforderungen begegnen dir?

Am Anfang steht für mich die Frage: Wer steht hinter dieser Marke, und was macht sie besonders? Jeder Gastronom hat eine eigene Geschichte, eine eigene Art und eine Vorstellung davon, wie sich Gäste bei ihm fühlen sollen. Das möchte ich herausarbeiten und mit einer klaren Strategie nach außen tragen.

Manchmal reicht als Einstieg schon, sich vor die Kamera zu stellen und zu erzählen: Das bin ich, das ist mein Restaurant, und deshalb habe ich es aufgebaut. Menschen folgen Menschen. Wenn jemand ehrlich und mit Begeisterung über seine Arbeit spricht, kann daraus Vertrauen entstehen.

Eine Herausforderung ist, den eigenen Stil zu finden, ohne sich ständig mit anderen zu vergleichen. Dazu kommt die Konstanz im Tagesgeschäft. Zwischen Einkauf, Personalplanung und Service fällt die eigene Kommunikation schnell hinten runter. Deshalb müssen die Formate zur Person passen und so vorbereitet sein, dass sie sich regelmäßig umsetzen lassen.

Welche Entscheidungen aus deiner bisherigen unternehmerischen Laufbahn würdest du heute anders treffen und warum?

Ehrlich gesagt würde ich meine bisherigen Entscheidungen im Rückblick so stehen lassen. Auch die Entscheidungen, die schwierig waren oder nicht zum gewünschten Ergebnis geführt haben, haben mich geprägt. Ohne diese Erfahrungen hätte ich manches Wissen und manche Perspektive heute nicht.

Natürlich würde ich eine vergleichbare Situation heute teilweise anders angehen, gerade weil ich dazugelernt habe. Aber ich würde deshalb keinen Abschnitt meines Weges streichen wollen. Die Höhen und Tiefen gehören für mich zusammen.

Mir ist wichtiger, aus einer Entscheidung etwas mitzunehmen und beim nächsten Mal bewusster zu handeln, als lange darüber nachzudenken, wie es anders hätte laufen können. Ich bin heute auch durch die schwierigen Phasen der Unternehmer geworden, der ich bin.

Wie möchtest du Ultimate Lion und Gastronomie123 in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Welche Ziele stehen für dich im Mittelpunkt?

Mit Gastronomie123 wollen wir die erste Anlaufstelle für Gastronomen werden, wenn es um Marketing und digitale Unterstützung geht. Mein Ziel ist, diese Themen für sie möglichst einfach zu machen, damit sie mehr Zeit für das haben, weshalb viele überhaupt angefangen haben: Gastgeber sein.

Ich wünsche mir, dass wir dazu beitragen, wieder mehr Begeisterung für Gastronomie zu schaffen. Hinter einem Restaurant stehen Menschen, Ideen und unglaublich viel Arbeit. Das möchten wir sichtbar machen und die Verbindung zwischen Gästen und Gastgebern stärken. Wenn Menschen Lust bekommen, neue Restaurants zu entdecken und gerne zurückkommen, haben wir etwas Sinnvolles beigetragen.

Mit Ultimate Lion liegt unser Fokus auf Personal Branding und dem Management von Persönlichkeiten. Auch dort wollen wir die erste Anlaufstelle werden. Mich reizt, Potenzial in Menschen zu erkennen, ihre eigene Art herauszuarbeiten und daraus langfristig eine starke Marke zu entwickeln.

Welche drei Ratschläge würdest du jungen Gründern geben, die mit einer eigenen Idee sichtbar werden und langfristig ein Unternehmen aufbauen möchten?

Erstens: Bleib dran. Eine Idee funktioniert selten sofort genau so, wie man sie sich vorgestellt hat. Lass dich von Rückschlägen nicht direkt ausbremsen. Prüfe ehrlich, was du verbessern musst, und arbeite konsequent weiter.

Zweitens: Bau dir ein Netzwerk auf und lerne von Menschen, die schon weiter sind. Such den Austausch, stell Fragen und finde, wenn möglich, einen Mentor. Du musst nicht jede Erfahrung selbst machen, um daraus zu lernen. Wichtig ist, offen zu bleiben und dich ständig weiterzuentwickeln.

Drittens: Frag dich immer, welchen Mehrwert du deinem Gegenüber bietest. Warum sollte ein Kunde mit dir arbeiten? Was erleichterst oder verbesserst du für ihn? Das gilt auch für dein Netzwerk: Überlege, was du beitragen kannst. Wenn du Menschen weiterhilfst und zuverlässig bist, schaffst du eine gute Grundlage für langfristige Beziehungen und ein Unternehmen.

Bild links René Dost (Redo) und rechts Honoré Audibert  Bildcredits privat

Wir bedanken uns bei Honoré Audibert für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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