Mit Wishbob haben die drei Gründer Richard Schermann, Caner Tankir und Angelika Unterholzner eine kostenlose Online-Wunschliste entwickelt, die Wünsche aus verschiedenen Shops auf einer Wunschliste vereint und das Schenken einfacher macht.
Kannst du Wishbob kurz vorstellen und erzählen, wie die Idee für eine shopunabhängige digitale Wunschliste entstanden ist?
Wishbob ist eine kostenlose, shopunabhängige Online-Wunschliste. Man sammelt Wünsche aus jedem Online-Shop auf einer Liste und teilt sie ganz einfach mit der Familie und dem Freundeskreis. Über die Reservierung sehen alle, was schon vergeben ist – so wird nichts doppelt gekauft.
Die Idee entstand aus einem ganz einfachen Problem: Wunschlisten gab es schon lange, aber meistens waren sie an einen bestimmten Händler gebunden. Wir wollten es andersherum: Die Wunschliste sollte sich nach den Wünschen der Menschen richten – nicht danach, wo man etwas kauft.
Unser Ziel war und ist, Schenken einfacher und gleichzeitig persönlicher zu machen.
Wer sind die drei Gründer hinter Wishbob, und wie verteilt ihr die Aufgaben innerhalb des Teams?
Hinter Wishbob stehen drei Menschen aus Wien, die ursprünglich aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Gegründet haben wir Wishbob 2018.
Ich selbst bin Richard Schermann und komme aus dem IT-Projektmanagement. Gemeinsam mit Caner Tankir bin ich für die technische Weiterentwicklung verantwortlich – also Plattform, Apps und neue Funktionen. Dabei schauen wir immer, dass es für alle so einfach wie möglich bleibt.
Caner ist Unternehmer und Webentwickler und bringt besonders viel technisches Know-how in die Entwicklung ein. Viele zentrale Funktionen von Wishbob sind aus unserer gemeinsamen Arbeit entstanden.
Angelika Unterholzner ist Autorin und Redakteurin und verantwortet Content und Kommunikation. Sie sorgt dafür, dass Wishbob nicht nur technisch funktioniert, sondern auch verständlich und sympathisch rüberkommt.
Wir drei bringen damit sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen – und genau diese Mischung ist unsere Stärke.
Nutzende können Wünsche aus unterschiedlichen Shops auf einer einzigen Liste sammeln. Welches Problem wolltet ihr damit gegenüber klassischen Wunschlisten lösen?
Wenn sich jemand zum Beispiel ein bestimmtes Spielzeug, ein Buch, Kleidung und etwas für ein Hobby wünscht, kommen diese Dinge meistens aus völlig unterschiedlichen Shops. Bei uns landet trotzdem alles auf einer Liste.
Und niemand möchte zum Geburtstag oder zu Weihnachten dreimal dasselbe Geschenk bekommen – deshalb war die Reservierung von Anfang an dabei.
Eine Wunschliste hilft übrigens vor allem den Schenkenden. Die wissen oft nicht, was sich jemand wirklich wünscht, welche Größe passt oder was schon zu Hause ist. Mit der Liste fällt das Raten weg: Link öffnen, etwas aussuchen, reservieren – ohne eigenen Account und ohne App.
Wunschlisten werden häufig mit Weihnachten, Geburtstagen oder Kindern verbunden. Welche Zielgruppen und Anlässe spielen für Wishbob tatsächlich die größte Rolle?
Weihnachten und Geburtstage sind tatsächlich die wichtigsten Anlässe. Gerade Familien mit Kindern nutzen Wunschlisten sehr häufig, weil sich über das Jahr viele Wünsche ansammeln und Großeltern, Tanten, Onkel oder der Freundeskreis dann wissen möchten, was gebraucht oder gewünscht wird. Die meisten, die bei uns Listen anlegen, sind Frauen zwischen 25 und 34.
Wishbob ist aber deutlich breiter. Unsere Nutzenden erstellen Wunschlisten zum Beispiel für Hochzeiten, Babypartys, Einschulungen oder Jubiläen. Manche verwenden Wishbob auch ganz unabhängig von einem konkreten Anlass als persönliche Merkliste für Dinge, die sie sich irgendwann kaufen möchten.
Wishbob wird inzwischen auch außerhalb Österreichs genutzt. Wann habt ihr gemerkt, dass eure Idee international funktionieren könnte?
Eigentlich schon sehr früh. Deutschland war von Anfang an unser wichtigster Markt – gleiche Sprache, zehnmal so viele Menschen.
Nach drei Jahren im DACH-Raum haben wir dann die Internationalisierung angepackt. Heute gibt es Wishbob in sechs Sprachen, nutzen kann man es weltweit, und die App ist in 19 Ländern in den Stores. Insgesamt wurden bei uns inzwischen über 10 Millionen Wünsche gespeichert.
Eine Plattform lässt sich technisch international verfügbar machen, eine Marke jedoch nicht automatisch. Welche Herausforderungen bringt die Expansion in unterschiedliche Märkte mit sich?
Die größte Herausforderung ist, dass ein Produkt zwar international funktionieren kann, aber der Markt rundherum überall anders aussieht.
Ein Beispiel ist die Händlerlandschaft: In Deutschland und Österreich kaufen die Leute in ganz anderen Shops ein als in Frankreich, Großbritannien oder den USA. Das betrifft unsere Produktdaten, die Suche und die Partnerschaften.
Ein zweites Beispiel ist die Sprache. „Wunschliste“, „Wunschzettel“ oder „Geschenkliste“ – das klingt alles ähnlich, aber die Leute suchen damit nach unterschiedlichen Dingen. Und in jeder Sprache ist das wieder anders – darauf müssen wir unsere Inhalte jedes Mal neu abstimmen.
Auch die Anlässe unterscheiden sich. In anderen Ländern spielen zum Beispiel Hochzeiten, Baby Showers oder bestimmte religiöse oder kulturelle Feste eine viel größere Rolle. Das beeinflusst nicht nur unser Marketing, sondern auch die Funktionen und Inhalte, die wir anbieten.
Und eine Marke entsteht nicht durch Übersetzung, sondern durch Vertrauen. Das kommt bei uns vor allem von außen: über Empfehlungen in Eltern-Magazinen, gute Bewertungen und Menschen, die Wishbob weitererzählen. Das sehen wir auch bei Google: Viele suchen heute gezielt nach „Wishbob“ – und nicht nur nach „Wunschliste“. Unser Ziel ist, dass man bei einer Online-Wunschliste an Wishbob denkt – egal in welchem Land.
Mit 4,8 Sternen bezeichnet ihr Wishbob als bestbewertete Wunschlisten-App in den deutschen App Stores. Was habt ihr aus dem Feedback eurer Nutzenden für die Weiterentwicklung gelernt?
Das wichtigste Learning ist wahrscheinlich, dass Nutzende vor allem eines erwarten: Es muss einfach funktionieren.
Eine Wunschliste ist kein Produkt, bei dem Menschen lange Anleitungen lesen möchten. Sie wollen einen Wunsch hinzufügen, die Liste teilen und ihre Familie soll sie problemlos öffnen können. Jede zusätzliche Hürde macht das Produkt schlechter. Deshalb startet man bei uns ohne klassische Registrierung, nur mit der E-Mail-Adresse.
Wir bekommen außerdem viele konkrete Anregungen, die direkt in die Weiterentwicklung einfließen. Ein Beispiel ist, dass man eine Liste zur Mitarbeit freigeben kann – das war vor allem Eltern und Paaren wichtig, die gemeinsam eine Liste pflegen.
Bei Google Play sind das 2.020 Bewertungen, im Apple App Store 1.319 (Stand Oktober 2026) – das freut uns natürlich. Noch wichtiger ist für uns aber, dass Menschen Wishbob über Jahre hinweg nutzen.
Große Onlinehändler bieten längst eigene Wunschlisten an. Warum sollten Nutzende stattdessen eine unabhängige Plattform wie Wishbob verwenden?
Eine Händler-Wunschliste ist dann sinnvoll, wenn alle Wünsche aus genau diesem einen Shop kommen. Im Alltag ist das aber eher selten der Fall.
Bei uns kann man Wünsche aus jedem Online-Shop speichern – und auch aus dem Geschäft ums Eck, die trägt man einfach von Hand ein.
Wishbob gehört keinem Händler und soll auch niemanden an einen bestimmten Shop binden. Die Nutzenden entscheiden selbst, was auf ihre Wunschliste kommt und wo sie es kaufen möchten.
Das Weihnachtsgeschäft dürfte für euch besonders wichtig sein. Wie stark schwankt die Nutzung im Jahresverlauf und wie möchtet ihr Wishbob unabhängig von saisonalen Spitzen etablieren?
Weihnachten ist definitiv unsere stärkste Zeit im Jahr. In den Spitzenwochen werden viermal so viele Wunschlisten erstellt wie im Durchschnitt.
Das ist aber nur einer von vielen Anlässen – Geburtstage zum Beispiel verteilen sich übers ganze Jahr.
Deshalb wollen wir Wishbob als Lösung für jeden Anlass etablieren – nicht nur für Weihnachten. Wer zu Weihnachten zufrieden war, legt sehr wahrscheinlich auch unterm Jahr wieder eine Liste an, zum Beispiel für den eigenen Geburtstag.
Eine kostenlose digitale Plattform muss langfristig auch wirtschaftlich funktionieren. Auf welchem Geschäftsmodell baut Wishbob auf und wie lässt es sich mit wachsender internationaler Nutzung skalieren?
Wishbob ist und bleibt für die Nutzenden kostenlos. Wir verdienen unter anderem über Partnerschaften und Affiliate-Links: Wird über Wishbob etwas gekauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision vom Shop. Wer kauft, zahlt dafür nichts extra.
Kostenlos heißt bei uns aber nicht, dass man beim Datenschutz Abstriche machen muss: Die Daten liegen verschlüsselt auf DSGVO-konformen Servern in der EU.
Beim Wachstum hilft uns das Produkt selbst, denn eine Wunschliste wird ja geteilt. Wer einen Link zu einer Wishbob-Wunschliste bekommt, sucht darüber ein Geschenk aus und lernt so Wishbob kennen. Wenn diese Person selbst das nächste Mal Geburtstag hat, liegt es nahe, selbst eine Liste anzulegen. So entsteht aus einer einzigen Wunschliste eine ganze Kette neuer Nutzender.
Und das macht Wishbob skalierbar, auch international: Wir müssen nicht alle neuen Nutzenden einzeln über Werbung gewinnen – und die Erlöse aus den Partnerschaften wachsen mit der Nutzung mit.
Welche Vision verfolgt ihr mit Wishbob, und welche nächsten Schritte sind für die weitere Entwicklung und Internationalisierung geplant?
Unsere Vision ist, Wishbob zu einer intelligenten und gleichzeitig einfachen Wunschlisten-Plattform zu machen.
Dabei wird künstliche Intelligenz eine große Rolle spielen. Heute gibt es schon eine Geschenksuche und kuratierte Geschenkideen direkt in der Liste. Mit KI sollen zum Beispiel aus den Interessen einer Person passende Geschenkideen entstehen, und große Mengen an Angeboten sollen leichter durchsuchbar werden. Die Technologie soll dabei nicht im Vordergrund stehen, sondern Arbeit abnehmen.
Parallel dazu wollen wir Wishbob international weiter ausbauen, also neue Märkte und eventuell neue Sprachen erschließen.
Welche drei Ratschläge würdest du anderen Gründerinnen und Gründern geben, die mit einem digitalen Produkt aus Österreich internationale Nutzende erreichen möchten?
Erstens: Das Problem muss größer sein als der eigene Markt.
Wenn man international wachsen möchte, sollte man von Anfang an überlegen, ob man nur ein österreichisches Problem löst – oder ein Problem, das Menschen überall haben.
Zweitens: Nicht zu früh alles perfekt machen wollen.
Gerade bei einem digitalen Produkt lernt man unglaublich viel von echten Nutzenden. Lieber früh mit einer funktionierenden Lösung starten, Feedback sammeln und das Produkt laufend verbessern, als jahrelang an einer vermeintlich perfekten Version zu arbeiten.
Drittens: Internationalisierung nicht mit Übersetzung verwechseln.
Eine andere Sprache einzubauen ist der einfache Teil. Nutzende in einem neuen Land wirklich zu erreichen, Vertrauen aufzubauen und die eigenen Inhalte und das Marketing an den Markt anzupassen, ist die eigentliche Herausforderung.
Bild: v.l.n.r: Gründer Richard Schermann, Caner Tankir und Angelika Unterholzner Bildcredits privat/ Wishbob
Wir bedanken uns bei Richard Schermann für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.
Premium Start-up: Wishbob

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