Freitag, März 13, 2026
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Kann ein persönlicher Tutor für jedes Kind wirklich rund um die Uhr verfügbar sein?

tutel entwickelt eine KI Lernplattform für Schüler und bietet personalisierte digitale Nachhilfe in vielen Schulfächern, die individuelles Lernen rund um die Uhr ermöglicht

Wie ist die Idee zu tutel entstanden und wer sind die Menschen hinter dem Startup?

Wir sind Aidan Wagener und Ian De Jongh, zwei alte Schulfreunde aus Südafrika, die sich nach Jahren wiedergefunden haben. ArchiTech AI haben wir am 17. Februar 2026 gegründet. Wir beide sind in ländlichen Gegenden Südafrikas aufgewachsen — in einer Umgebung, in der individuelle Förderung nicht existierte und Bildung stark vom Elternhaus abhing. Ian hat das am eigenen Leib erlebt. Aidan ist später mit seiner deutschen Frau und seinen zwei Kindern nach Deutschland gezogen — und hat dasselbe Problem von einer anderen Seite gesehen: Lehrkräfte, die hoffnungslos überlastet sind, und Kinder, die im Unterricht nicht die individuelle Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen.

Als wir uns wiedertrafen, war klar: Wir schauen auf dasselbe Problem — von entgegengesetzten Seiten. Uns verbindet die Überzeugung, dass Bildungsgerechtigkeit keine Frage des Geldbeutels sein darf. Als wir sahen, was moderne KI-Sprachmodelle leisten können, war die Idee geboren: ein persönlicher Tutor für jedes Kind, in jedem Fach, rund um die Uhr verfügbar.

Welches Problem im Bildungssystem möchte tutel konkret lösen?

Private Nachhilfe kostet in Deutschland zwischen 30 und 50 Euro pro Stunde. Für viele Familien ist das schlicht nicht tragbar, obwohl Studien zeigen, dass individuelles Tutoring den größten positiven Effekt auf den Lernerfolg hat. Gleichzeitig fehlen an vielen Schulen Lehrkräfte für ausreichende individuelle Förderung. Tutel schließt diese Lücke: personalisierte KI-Nachhilfe in 51 Fächern, angepasst an den Lernstand jedes einzelnen Schülers, für einen Bruchteil der Kosten klassischer Nachhilfe.

Welche Vision verfolgt tutel für die Zukunft des Lernens und wie soll diese Vision Schritt für Schritt erreicht werden?

Unsere Vision ist ein Bildungssystem, in dem jedes Kind Zugang zu exzellenter individueller Förderung hat, unabhängig von Herkunft oder Einkommen. Im ersten Schritt konzentrieren wir uns auf den deutschen Markt mit KMK-konformen Inhalten für die Klassen 5 bis 13. Als nächstes bauen wir Schulpartnerschaften auf, damit Lehrkräfte Tutel als Werkzeug im Unterricht und für die Hausaufgabenbetreuung einsetzen können. Langfristig wollen wir unseren Ansatz auf weitere europäische Bildungssysteme ausweiten.

An welche Zielgruppe richtet sich tutel besonders und welche Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern stehen dabei im Mittelpunkt?

Unsere Hauptzielgruppe sind Eltern von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II, die ihrem Kind individuelle Unterstützung ermöglichen möchten. Im Mittelpunkt steht das Bedürfnis nach verständlichen Erklärungen im eigenen Tempo. Viele Schüler trauen sich im Unterricht nicht, zum dritten Mal nachzufragen. Bei Tutel ist das egal. Der KI-Tutor erklärt so oft und auf so viele verschiedene Arten wie nötig, bis das Thema sitzt.

Viele Lernplattformen setzen inzwischen auf KI. Was macht den Ansatz von tutel dabei besonders?

Drei Dinge setzen uns ab. Erstens die Fächerbreite: 51 Fächer von Mathematik über Geschichte bis Chemie, alle nach KMK-Bildungsstandards. Zweitens unsere Diagnostik: Wir nutzen Item Response Theory, das psychometrische Verfahren hinter Studien wie PISA, um präzise zu messen, wo ein Schüler steht und welche Wissenslücken geschlossen werden müssen. Drittens der Datenschutz: Die gesamte KI-Verarbeitung läuft über Mistral AI in Frankreich. Kein einziges Schülerdatum verlässt die EU. Tutel ist von Grund auf DSGVO-konform gebaut, nicht nachträglich angepasst.

Welche Herausforderungen begegnen euch beim Aufbau eines KI gestützten Tutors für den Schulalltag?

Die größte Herausforderung ist pädagogische Qualität. Eine KI, die nur schnelle Antworten gibt, ersetzt Google, aber keinen guten Lehrer. Wir investieren viel Zeit in die Didaktik unserer KI-Tutoren: sokratisches Fragen, schrittweises Hinführen, altersgerechte Sprache. Dazu kommt die Lehrplanabdeckung. Deutschland hat 16 Bundesländer mit unterschiedlichen Curricula. Wir arbeiten auf Basis der KMK-Bildungsstandards als gemeinsamen Nenner und ergänzen länderspezifische Inhalte dort, wo es besonders zählt, etwa bei den ZP10-Prüfungen in NRW.

Wie stellt tutel sicher, dass KI nicht nur schnelle Antworten liefert, sondern wirklich beim Verstehen von Lerninhalten hilft?

Unser KI-Tutor gibt nie einfach die Lösung. Stattdessen arbeitet er mit sokratischer Methodik: Er stellt Gegenfragen, gibt Hinweise in kleinen Schritten und lässt den Schüler selbst auf die Antwort kommen. Dazu nutzen wir die Ergebnisse der Lernstandsdiagnostik. Der Tutor weiß, welche Grundlagen ein Schüler bereits beherrscht und wo noch Lücken bestehen. So kann er Erklärungen auf dem richtigen Niveau ansetzen, statt zu hoch oder zu niedrig einzusteigen.

Welche Rolle spielen Schulen, Eltern und Lehrkräfte für die Weiterentwicklung ?

Eine zentrale Rolle. Eltern sehen über unser Eltern-Dashboard transparent, woran ihr Kind arbeitet und wo es Fortschritte macht. Das schafft Vertrauen und ermöglicht gezielte Unterstützung zu Hause. Für Schulen bereiten wir ein Pilotprogramm vor, bei dem Lehrkräfte Tutel als ergänzendes Werkzeug einsetzen können. Das Feedback aus diesen Piloten fließt direkt in die Produktentwicklung ein. Langfristig sehen wir Tutel als Brücke zwischen Schule und Zuhause: Die Lehrkraft setzt den Rahmen, Tutel unterstützt individuell dort, wo der Unterricht nicht hinreicht.

Was unterscheidet tutel aus eurer Sicht von klassischer Nachhilfe oder anderen digitalen Lernplattformen?

Klassische Nachhilfe ist teuer, zeitlich begrenzt und oft auf ein oder zwei Fächer beschränkt. Tutel ist rund um die Uhr verfügbar, deckt 51 Fächer ab und kostet weniger als eine einzige Nachhilfestunde pro Monat. Von anderen digitalen Plattformen unterscheidet uns der Fokus auf echtes Verstehen statt reinem Üben. Außerdem ist Tutel von Anfang an für den deutschen Markt gebaut, nicht aus dem Englischen übersetzt. Und ein entscheidender Punkt für viele Eltern: Wir verarbeiten keine Schülerdaten auf US-Servern. Alles bleibt in der EU.

Woran arbeitet das Team von tutel aktuell und welche Entwicklungen dürfen Nutzerinnen und Nutzer in Zukunft erwarten?

Aktuell liegt unser Fokus auf der Prüfungsvorbereitung für die ZP10 in Nordrhein-Westfalen. Schüler können komplette Prüfungssimulationen durchlaufen und erhalten danach einen individuellen Lernplan für ihre schwächsten Bereiche. Als nächstes erweitern wir die Fragendatenbank und bauen die Abitur-Vorbereitung weiter aus. Parallel arbeiten wir an unserem Schulpilotprogramm, damit Lehrkräfte Tutel als Werkzeug im und neben dem Unterricht nutzen können.

Wie sieht eure langfristige Perspektive im Bildungsmarkt aus?

Deutschland hat rund 5,5 Millionen Schüler in den Klassen 5 bis 13 und der digitale Bildungsmarkt wächst rasant. Mit dem DigitalPakt 2.0 fließen in den kommenden Jahren Milliarden in Bildungstechnologie an Schulen. Wir sehen eine riesige Chance, DSGVO-konforme KI-Nachhilfe als festen Bestandteil des Schulalltags zu etablieren. Unsere langfristige Vision geht über Deutschland hinaus. Sobald wir hier das richtige Modell gefunden haben, wollen wir es auf weitere europäische Märkte übertragen.

Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern geben, die ein Startup im Bildungs oder KI Bereich aufbauen möchten

Erstens: Baut für echte Nutzer, nicht für Investoren. Im Bildungsbereich zählt am Ende nur, ob Schüler tatsächlich besser lernen. Wenn das Produkt funktioniert, kommt der Rest von selbst. Zweitens: Datenschutz von Tag eins an. Gerade im Bildungsbereich arbeitet ihr mit den sensibelsten Daten überhaupt: Kinderdaten. Das nachträglich reinzubauen ist zehnmal teurer als es von Anfang an richtig zu machen. Drittens: Habt Geduld. Schulen und Bildungsinstitutionen bewegen sich langsam. Das ist frustrierend, aber auch eine Chance. Wer durchhält, baut nachhaltigere Beziehungen als wer nur auf schnelles Wachstum setzt.

Bildcredits: @ArchiTech AI UG

Wir bedanken uns bei Aidan Wagener und Ian De Jongh für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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