Neuramancer entwickelt KI Lösungen zur Erkennung von Deepfakes und schützt so vor digitaler Manipulation und Desinformation
Wie ist Neuramancer ursprünglich als Neuraforge entstanden und wer sind die Köpfe hinter dem Unternehmen?
Neuramancer entstand 2024 nach Anatol Maiers Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der FAU Erlangen (Lehrstuhl für IT Sicherheit) alsgleichzeitiggenerative-KI immer besser und verfügbarer wurde. Durch seine Erfahrung und Expertise sah Anatol schon früh die Gefahr von täuschend echten manipulierten Inhalten kommen. Zusammen mit Anika Gruner, die einen Background in Medienmanagement und Onlinemarketing Praxiserfahrung hat, war der Gedanke zur Gründung der Wunsch, dem wachsenden Problem durch Deepfakes etwas entgegen zu setzen. Seit Anfang 2026 wird das Managementteam ergänzt um Martin Sondenheimer – als Experte für Start-Ups mit jahrelanger Erfahrung in der Versicherungsbranche unterstützt er die beiden Gründer als Chief Commercial Officer bei der weiteren Markterschließung.
Was hat euch damals dazu bewegt, euch mit Deepfake-Erkennung und digitaler Forensik zu beschäftigen?
Anatol interessierte sich für ein Thema an der Schnittstelle von KI und IT-Sicherheit. Das Thema „Robustheit von KI-Verfahren“, mit welchem sich Anatol dann im Rahmen seiner Forschung hauptsächlich beschäftigte, wuchs mit der Evolution von Generativer KI zu einem immer wichtigeren Thema an. „Deepfakes“ als gesellschaftliches und wirtschaftliches Problem sah Anatol kommen und hat sich dementsprechend schon früh und vor dem Hype damit auseinandergesetzt. Aus diesem Forschungsvorsprung dann ein Start-Up zu machen war für uns der Versuch, dem drängenden Bedarf und Markt auch schnell eine Lösung zu präsentieren.
Warum habt ihr euch entschieden, den Namen von Neuraforge zu Neuramancer zu ändern?
Die Umbenennung war Teil einer Rebranding Kampagne, die auch eine bessere Differenzierbarkeit sicherstellen sollte.
Welche Bedeutung steckt hinter dem neuen Namen Neuramancer und was soll er ausdrücken?
Neuramancer ist eine Referenz auf klassische Fantasy bzw. Cyberpunk Genres in denen ein „mancer“ eine Person darstellt, die spezifische magische Künste beherrscht bzw. besondere Expertise besitzt (Pyromancer, Necromancer). Somit spielt der Name Neuramancer mit der „magischen“ Fähigkeit, bzw. Expertise Neuronale Netze oder KI zu entwickeln
Welche Vision verfolgt Neuramancer im Umgang mit manipulierten Medien und wachsender Desinformation?
Wir wollen als Trust Brand auf der guten Seite stehen: Medien verifizieren, Vertrauen erhalten und als Technologielieferanten eine skalierbaren „Sicherheits-Ebene“ sein.
Wie wollt ihr diese Vision konkret in den nächsten Jahren umsetzen?
In den nächsten 2–3 Jahren bauen wir die Bildanalyse aus, launchen die Videoanalyse skalierbar und arbeiten auch an einer Lösung für Audio. Neben unserem Fokusmarkt Versicherungen, wo wir uns nachhaltig platzieren möchten, explorieren und validieren wir weitere Märkte.
Welche Zielgruppen stehen aktuell im Fokus und welche konkreten Probleme löst ihr für diese?
Primär Medien (Faktenchecker, Redaktionen), Versicherer (Sachschaden, Betrug) und Anbieter von Services, bei denen es auf die Verifikation von Daten ankommt.
Was unterscheidet euren forensischen Ansatz von klassischen KI-Detektionslösungen?
Wir haben eine komplett selbstentwickelte (KI) Lösung, die für uns keine Black Box ist. Statt binärer „Fake/Echt“-Scores setzen wir auf Erklärbarkeit unserer Analysen via Heatmaps, Reports und RisikoScores für maximale Nachvollziehbarkeit.
Welche Rolle spielt Transparenz in eurer Technologie und warum ist sie für eure Kunden so wichtig?
Transparenz ist Kern: Jede Analyse endet auf Wunsch in einem forensischen Gutachten mit visuellen Erklärungen, warum die Software zu dem Schluss kommt, dass etwas manipuliert ist. Für Kunden bedeutet das eine optimale Zusammenarbeit – mit Hilfe der Hinweise, die wir geben, wird die Expertise bspw. Von Betrugsabteilungen von Versicherern ergänzt. Wir treffen keine Entscheidungen mit unserer Software, am Ende entscheidet immer noch der Mensch, und für diesen muss die Analyse nachvollziehbar sein. Mit unserer Methodik geben wir unseren Kunden eben auch die Möglichkeit an die Hand, unseren Analysen auch nicht zu vertrauen, wenn die gefundenen Manipulationsmarker unplausibel erscheinen oder einen nicht relevanten Bildbereich markieren. Wir glauben, dass man nur mit Transparenz Vertrauen schafft.
Mit welchen Herausforderungen seid ihr beim Aufbau von Neuramancer konfrontiert und wie geht ihr damit um?
Ein solides und zuverlässiges Softwareprodukt braucht -vor allem im Deep-Tech Bereich- ein Expertenteam, welches dieses Produkt baut. Dafür braucht man Ressourcen „pre Revenue“ – auch wenn wir früh mit spannenden Partnern und Interessenten im Austausch standen, war die Förderung der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIN-D) nötig, um das „Gap“ zwischen Frühstadium und Investierbarkeit zu überbrücken.
Wie geht ihr damit um, dass sich Deepfake-Technologien ständig weiterentwickeln und immer schwerer erkennbar werden?
Durch kontinuierliche Forschungskooperationen mit Universitäten, agile Modell-Updates und -Erweiterungen sowie Fokus auf persistente und robuste Signale (Residuumanalyse, Frequenzraumanalyse, etc.), die auch bei neueren Generatoren greifen. Wir trainieren nicht nur auf einem breiten Spektrum von Generatoren, sondern bauen generalisierende forensische Verfahren, die auch im sogenannten out-of-distribution Bereich zuverlässige Ergebnisse liefern.
Welche nächsten Schritte und Entwicklungen plant Neuramancer für die Zukunft?
Wir arbeiten weiter kontinuierlich an dem Ausbau unseres Netzwerks, verbessern und erweitern unser Produkt, lernen aus Erfahrungen mit Kundenprojekten und rüsten uns auch für eine gesteigerte Nachfrage mit In Kraft treten der Labelpflicht nach AI Act – denn ab August 2026 müssen alle KI generierten Inhalte gelabelt werden – das betrifft jede Website und jeden Webshop.
Welche drei Ratschläge würdet ihr anderen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben?
Baut technisches Knowhow ins Gründerteam ein – vermeintlich „einfache“ Ideen sind oft hochkomplex; prüft Machbarkeit früh. Das beste Marketing und die Beste Salesstrategie hilft euch nichts, wenn das Produkt hintenraus nicht performt.
Gleiches gilt auch andersrum, ihr könnt die beste Technologie haben, wenn ihr nicht auch Marketing und Business frühzeitig in den Blick nehmt, werdet ihr vielleicht trotz bester Technik scheitern.
Scheitern ist kein Beinbruch, sondern essentieller Bestandteil und gründen ist eine Achterbahn. Adaptieren, Anpassen, weitermachen. Go with the Flow!
Bild Neuramancer Gruender Anika Gruner und Anatol Maier Fotograf @Cindy Ngo
Wir bedanken uns bei Anika Gruner für das Interview
Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.


























